Mit der Rute in der Geest
Die EFODON-Jahrestagung in Wildeshausen (12.-14. Sept. 1997)
(c) Heinz Günther Birk; veröffentlicht in SYNESIS Nr. 24/1997
Wenn sich EFODON-Mitglieder treffen, vor allem, wie anlässlich der diesjährigen Jahrestagung in Wildeshausen, sind Wünschelruten und Pendel immer dabei. Vor allem und gerade in einer Gegend wie der Wildeshausener Geest, wo Großsteingräber (1) und Steinkreise in großer Anzahl zu finden sind.
Natürlich wissen EFODON-Mitglieder, dass das Rutengehen und Pendeln - mit dem mittlerweile bekannten Begriff „Radiästhesie“ bezeichnet - ein ernstzunehmendes Wissensgebiet ist (2). Selbst solche, die sich, wie der Verfasser, nicht als Radiästheten bezeichnen können, erkennen zumindest die Anwendbarkeit dieser Methode, zum Beispiel zum Aufspüren von Wasser- oder Erzadern. Um in Bezug auf die praktische Einsatzmöglichkeit von Rute und Pendel mehr zu erfahren, ist die Teilnahme an EFODON-Tagungen natürlich ideal. Vor allem aber bleibt beim ,,Über-die-Schulter-gucken”, ohne eigenes Instrumentarium, noch genug Zeit zur Beobachtung der Umgebung der radiästhetisch relevanten Orte. Insbesondere auf der schon erwähnten EFODON-Tagung vom 12. bis 14. September 1997 in Wildeshausen machten meine Lebensgefährtin und ich viele interessante Beobachtungen und Erfahrungen. Nicht nur, dass wir erwartungsgemäß als Gäste begrüßt und im wahrsten Sinne des Wortes als Freunde verabschiedet wurden, auch die Menschen aus Geest und Heide, welche den Tagungsteilnehmern begegneten, ließen für unser Thema interessante Schlüsse zu. Vor allem die am Tagungssamstag unternommene Begehung der radiästhetisch-relevanten Orte führte zu unglaublichen Erkenntnissen.
Dazu muss man sich das Bild vorstellen, das sich zum einen unbeteiligten Wanderern und Radfahrern, zum anderen den mutenbewehrten Tagungsteilnehmern bot. Etwa zwölf Personen, teils mit Rute, teils mit Pendel, und für den Wanderer noch erstaunlicher, gar mit Kompass ausgerüstet, diskutierten relativ laut, ob und wie irgendwelche Energieströme um „Gräber“ und Steinkreise herumfließen. Ein wenig verstohlen, um niemanden dieser ,,merkwürdigen Fremden” ihre sicher nachvollziehbaren Gedanken verspüren zu lassen, zog mancher seinen Kompass (in einem Naturschutzgebiet mit idealen Wanderbedingungen häufig mitgeführt) aus der Tasche, um zu sehen, ob was fließt. Mag der geniale Physiker Albert Einstein mit seinen Worten: ,,Alles relativ, alles fließt“ zwar nahe legen, dass es Dinge gibt, die einfach nicht begreifbar sind, schien ein Kompass doch geeignet, selbst zu überprüfen, über welche ,,geheime” Mysterien geredet wurde. Für einen ,,Eingeweihten” kam die Reaktion der trotz aller Vorurteile kein bisschen sturen Nordlichter nicht überraschend. Die Kompassprobe ergab schlicht und einfach, dass in den großen Steinen kein Magnet verborgen ist.
Gut vorstellbar, wie sich - aus der Sicht des Normalbürgers - eine mentale Mauer zu diesen ,,komischen Heiligen” aufbaute. Man hatte das ja schon immer gewusst. Auch diejenigen EFODON-Mitglieder, die sich diesmal den Geist von EFODON wegen Abwesenheit entgehen lassen mussten, kennen eine solche Mauer im Kopf. So ziemlich jeder pflegt im privaten Bereich Kontakte zu lieben Verwandten, Kollegen und Nachbarn. Vielleicht kann diese bescheidene Abhandlung die Statik dieser Mauer ein klein wenig erschüttern (3).
Walter Arklund, Kommunikationsspezialist und nach Angabe des Herbig-Verlages Forscher auf den Gebieten der experimentellen Archäologie, Geomantie und Radiästhesie, gibt auch für den Experten auf diesen Gebieten Wissenswertes. Obwohl es an dieser Stelle merkwürdig anmutet, vor allem für den erfahrenen Radiästheten, dass Arklund im Zuge von archäologischen Ausgrabungen am Rhein (4) die von ihm als Jupiterstadt/Atlantis bezeichnete große Ansiedlung auf Wasserkreuzungen ermutet hat, dürften seine Ausführungen auch unter streng wissenschaftlichen Maßstäben bedeutsam sein. Vom Verfasser gemutmaßt (nicht gemutet), könnte hier auch für das EFODON-Projekt ,,Keltenschanzen” noch viel zu holen sein. Doch bleiben wir bei unserem Thema, nämlich, wie könnte man hier argumentativ sowohl Paradigmen abbauen, als auch zum Beispiel im Kegelclub ein Interesse an EFODON wecken. Indem sich der in der Rolle des Anwenders befindliche Radiästhet ein wenig mit der Geschichte der (noch) nicht anerkannten Wissenschaft befasst.
Ähnlich wie ein fünfjähriges Kind, das genau weiß, mit welchem Knopf am Fernsehgerät die lustig-lehrreiche Maus ins Haus kommt, jedoch dennoch bar der technischen Kenntnisse für ein TV-Gerät ist, geht es selbst erfahrenen Radiästheten. Man weiß, da vielfach angewandt, wie eine Rute, Mute oder ein Pendel reagieren, wenn, den Augen verborgen, zum Beispiel eine Wasser- oder Erzader nahe sind. So ging auch Arklund mit seiner Rute dem archäologischen Spaten voraus. Wenden wir uns ein wenig der in gelben Kästen von Arklund wiedergegebenen Darstellung hinsichtlich der Entstehungsgeschichte der Radiästhesie zu.
Wichtig vor allem, dass seit der kaum verstandenen Periode der etruskischen Hochkultur Erz und Wasser suchende Rutengänger sehr hohes Ansehen, sowohl bei geistlichen als auch weltlichen Fürstenhäusern, genossen. Und noch mehr als das - sogar der materielle Status eines Reiches, der Grund für fürchterliche und grausame Kriege, hing unmittelbar davon ab, wer über die besten Rutengänger verfügte.
Solche mit hochsensiblen Kräften ausgestatteten Zauberer und Magier wurden sicher in einer Art „goldenem Käfig“ unter Verschluss gehalten. Man braucht kaum Phantasie, sich vorzustellen, dass ein Rutengänger in historischer bzw. prähistorischer Zeit, gleichbedeutend mit hochwillkommenen Kenntnissen in der Erzgewinnung, der Bearbeitung und der keineswegs einfachen Handhabung von notwendigen Feuereinrichtungen, für meist analphabetische Kaiser und Fürsten teuer war. Alles andere als eine schwer verständliche Pseudo- oder Quasiwissenschaft (5). Holen wir zur Flankierung der Besprechung von Walter Arklunds Thema die hoffentlich von möglichst vielen „EFODONiern“ und Freunden studierte hervorragend präsentierte Dokumentation über das keltische Nachrichtensystem aus dem Bücherregal (6).
Vor allem die wohl allen Feinden als Dorn im Auge erscheinenden gehörnten und verteufelten ,,Ludrenmänner” wollen wir betrachten. Nicht nur, dass sie die von Gernot L. Geise beschriebenen Ludrenplätze zur Übersendung von Nachrichten betrieben, auch das „Outfit“, weitere Teufelsmerkmale sowie die keineswegs für das Verlassensein von der ,,besseren Hälfte” sprechenden Hörner sind brisant. Wenn schon Feuer (folgen wir Geise) vorhanden war, warum dies nicht multikomplex nutzen? Natürlich, um Verstorbene zu verbrennen, wobei an anderer Stelle die Diskussion von Geise, diese Weisen hätten deshalb unter geringem Ansehen zu leiden, sachlich und kritisch hinterfragt werden müsste. Für unser Thema wesentlich jedoch ist vor allem, dass diese Gehörnten auch für die Erzgewinnung und Bearbeitung mehr als prädestiniert gewesen sein müssen. Um aus Sicht eines potentiellen Aggressors diese wohl bedeutende Machtzentrale der Verteidiger erfolgreich zu bekämpfen, musste genau hierhin der blitzkriegartige Vernichtungsschlag mit einer Art ,,Thor-Mjölnir-Axt” (Mjölnir = Zermalmer) erfolgen. Die hochtechnisierte Anlage der „Götter“ mit Titanenkräften zerschlagen, die Kenntnisse und das Wissen der ,,Teufel” sichern und die Plebejer mitsamt diesem hinkenden Hephaistos zur Hel oder Hölle zu schicken.
Ein Bündel von Fragen tut sich hier auf, die noch nicht ganz geklärt werden können.
,,Wer suchet der findet, und wenn er findet wird er erschüttert sein.” (Thomas-Evangelium). Auch wenn man dort, im ostfriesischen Lustwandergebiet des Wald- und Heidedichters Hermann Löns, heutzutage nur noch auf musizierende Gastgeber und Luftbildverkäufer trifft, tanzende Derwische nur als lästige Biester daherkommen, ist die Führung der Brüder Becker (7) zu den „heiligen Orten“ der „Wünschelrutenheiligen“ immer noch eine Reise wert. Auch wenn ein absolut radiästhetischer Neuling wie der Verfasser von Muten und Pendeln soviel Ahnung hat wie eine Haidschnucke vom Sonntag, ist eines sicher:
Wir gehen auch zukünftig auf Jagd nach dem ,,EFODON-Geist”, der mit Wind durch die Geest braust. Vielleicht, übers Jahr, gibt es ein Wiedersehen. Wir kamen als Gäste und gingen als Freunde und wünschen allen den Segen des Propheten Muhammad, der im Islam mit Issa gleichgesetzt wird: Inshallah!
Literatur und Anmerkungen
1. Großsteingräber = offizielle archäologische Bezeichnung. Ob z.B. Visbeker Braut oder Bräutigam tatsächlich Gräber sind, ist bisher zumindest sehr fraglich.
2. „Radiästhesie im Alltag“ von Gernot L. Geise, Hohenpeißenberg 1995
3. Im Folgenden entnommen aus: „Atlantis lag am Rhein“ von Walter Arklund, München 1996
4. Von französischen und deutschen Archäologen gemeinsam betriebene Ausgrabung. Diese liegt, grob geschildert, an der deutsch/französischen Grenze zwischen Reinheim und Bliesbruck am gleichnamigen Nebenfluss das Rheines, der Blies. Geographisch weiter gefasst im sog. Fünfländereck Frankreich, Benelux und Deutschland.
5. Zur Definition der hier gebrauchten, abstrakten Begriffe sei wegen der für einen Artikel gebotenen Kürze auf den Artikel von Dr. Horst Friedrich in SYNESIS Nr. 23/1997 ,,Parawissenschaften” verwiesen.
6. „Das keltische Nachrichtensystem“ von Gernot L. Geise, Peiting 2002.
7. Die EFODON-Tagung wurde von Martin und Gido Becker aus Wildeshausen organisiert.