Das „Treffen der Keltenfreunde“ (19.-20.06.04)
Bericht von Gernot L. Geise (veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 5/2004)
Am 19.-20. Juni veranstaltete der EFODON e.V. unter dem Titel „Treffen der Keltenfreunde“ eine zweitägige Exkursion in Niederbayern, zu der nicht nur EFODON-Mitglieder eingeladen waren. Das Programm war reichhaltig und enthielt neben den Besichtigungen von interessanten Orten auch zwei Vorträge und viele Möglichkeiten für gegenseitigen Meinungsaustausch und Diskussionen. An dieser Stelle sei dem Organisator der Veranstaltung, Herrn Paul-D. Schmidt, noch einmal recht herzlich für den perfekten Ablauf der Veranstaltung gedankt.

Paul-Detlef Schmidt bei der Begrüßung der Anwesenden.
Treffpunkt war am Samstag, 20. Juni, um 11:00 Uhr im Gasthaus Gschaider in Haberskirchen, und das erste, das uns angenehm auffiel, waren die dortigen Preise, die erheblich unter dem gewohnten Preisniveau liegen. Obwohl das Wetter sehr „durchwachsen“ war - der Wetterbericht hatte relativ schlechtes Wetter vorausgesagt -, konnten wir über fünfundzwanzig Interessierte begrüßen.
Vortrag von Dr. Haushofer
Nach dem Mittagstisch hielt uns der Kreisheimatpfleger von Rottal-Inn, Dr. Haushofer, einen interessanten Vortrag über Bodendenkmäler und keltische Siedlungstätigkeit in Niederbayern. So erhielten wir einen ersten Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Region.
Dabei erzählte uns Dr. Haushofer, welche Wallgraben-Anlagen und Hügelgräber-Gruppen (rund fünfzig bis sechzig Stück, die größte bei Birnbach) und Keltenschanzen es gibt (im Landkreis Rottal-Inn acht Stück, davon sei eine archäologisch untersucht worden). Die Schanzen im Landkreis sind alle nordsüdlich ausgerichtet und besitzen lt. Dr. Haushofer Schächte bis drei Meter Tiefe.
Weiterhin sind einige „Vogelherde“ bekannt, die heute allerdings so gedeutet werden, dass sie von spätmittelalterlichen Herrschern genutzt worden seien.
Dr. Haushofer informierte uns auch über Einfriedungen - kilometerlange Wälle -, die irrtümlich als alte Keltenwälle angesehen wurden, und über den bekannten Irrtum, dass solche Einfriedungen oder Keltenschanzen angeblich der Tierhaltung gedient haben sollen. Man erklärte sich das so, dass Schweine oder Kühe dort mit zusammengebundenen Vorderfüßen geweidet hätten, was verhindert hätte, dass sie weglaufen können.
Auch von ausgemauerten Zisternen erzählte Dr. Haushofer, auf denen in späterer Zeit sogenannte Holzburgen errichtet wurden. Weiterhin sind im Landkreis Rottal-Inn eine Reihe sogenannter ungarnzeitlicher Refugien bekannt, deren Nutzflächen sehr klein sind, und die von bis zu fünf Meter hohen Wällen umgeben sind, im Gegensatz zu den relativ niedrigen Wällen der Keltenschanzen, deren Höhen im Landkreis bei durchschnittlich 1,50 Metern liegt.

Der Kreisheimatpfleger Dr. Haushofer bei seinem Vortrag.
Die im Landkreis bekannten ober- und unterirdischen Bodendenkmäler sind alle gut erkennbar. „Römer“ gab es in diesem Landkreis nicht. Die später vorgenommenen Bezeichnungen „Römerschanzen“, „Römerstraßen“ usw. entstammen der Unwissenheit und sind reine Phantasie-Bezeichnungen. Sie müssen also einen ganz anderen Ursprung haben.
Es zeigte sich (wieder einmal) klar - und dessen war sich auch Dr. Haushofer bewusst -, wie wenig eigentlich über unsere Vergangenheit bekannt ist. Im Prinzip basieren fast alle Erkenntnisse auf zum Teil recht vagen Annahmen und Theorien. Gesichertes Wissen gibt es nicht, auch wenn der größte Teil der Annahmen heute als solches bezeichnet wird. So bemängelte Dr. Haushofer, dass bisher kein einziger Archäologe im Landkreis gewesen sei, und dass es bis heute keinerlei offizielle zeitlichen Zu- oder Einordnungen gibt.
Der „Schlossberg“ bei Altgmain
Nach dem Vortrag brachen wir auf, um eine Keltenschanze bei der Ortschaft Zell zu besichtigen. Zuvor, da er in unmittelbarer Nähe der Schanze lag, sahen wir uns den „Schlossberg“ bei Altgmain an.
Es handelt sich dabei um einen künstlich aufgeschütteten oder bearbeiteten Hügel, mitten in einem Waldgebiet gelegen, von dem man heute nicht mehr weiß, zu welchem Zweck man ihn angelegt hatte. Auch wenn man annehmen muss, dass in früherer Zeit das Gelände unbewaldet war, macht der Hügel nicht viel Sinn, denn das ganze Gebiet ist relativ hügelig. Der Schlossberg ragt nicht über die Landschaft empor, kann also beispielsweise keine Funktion als Beobachtungsstation o.ä. gehabt haben. Auf diesem Hügel stand zu keiner Zeit ein Schloss der eine ähnliche Baulichkeit. Dr. Haushofer ist der Meinung, dass man „Schloss-“ wohl eher in seiner Bedeutung als „Schließe“ zu sehen habe, also eine Kontrollmöglichkeit, um eine Gegend durch „Abschließen“ kontrollieren zu können. Allerdings gehören zu diesem Zweck Kontroll- oder Zollstationen, und die fehlen hier.
Die obere Plattform ist nur rund zehn auf fünfzehn Meter groß und enthält (heute) ein großes Holzkreuz sowie ein paar Holzbänke. Laut Auskunft von Dr. Haushofer hatte die Plattform ehemals auch keinen Aufweg, der heutige Pfad stammt aus unserer Zeit. In Ermangelung besseren Wissens werden diese Landschaftsformen heute „Ansitze“ genannt, der „Schlossberg“ merkwürdigerweise „ebenerdiger Ansitz“. Daraus spricht deutlich die Hilflosigkeit, den ursprünglichen Zweck zu erkennen.
Diese „Ansitze“ sind nicht datierbar und befinden sich ausnahmslos am Rande von Abhängen. Interessanterweise verlaufen die Westhänge flach, während die Osthänge steil abfallen. Dies ist ein typisches Kennzeichen dieser Objekte, von denen es nach Dr. Haushofer eine große Menge im Landkreis Rottal-Inn gibt.
Für uns ist diese typische Geländeformation ein Zeichen dafür, dass sie die Hinterlassenschaften einer kataklysmischen Wasserflut sein könnten, die sich über die Landschaft ergossen hatte, wobei diese Flut wohl aus Richtung Westen kam und ihre mitgeführten Erd-, Gesteins- und Sandmassen jeweils vor bestehenden Felsen bzw. Hügeln ablagerte, während durch den Sog-Effekt das Erdreich auf der Ostseite von den Wassermassen mitgenommen wurde.

An der Schanze bei Zell. Rechts Dr. Haushofer.
Die Keltenschanze bei Zell
Die Schanze bei Zell liegt ebenfalls in einem Waldgebiet, was wahrscheinlich auch der Grund dafür ist, dass sie noch nicht zerstört ist. Ihre Ausmaße liegen bei rund 70 x 70 Metern, sie wurde nord-südlich angelegt. Nach Aussage von Dr. Haushofer sind alle acht bekannten Keltenschanzen im Landkreis Rottal-Inn in dieser Weise angelegt worden.

Der ehemalige Zugang zur Schanze, Blick in die Schanze. Man erkennt deutlich den Höhenunterschied zwischen innerem und äußerem Bodenniveau.
Der Wall und der (inzwischen fast nicht mehr erkennbare) Graben sind noch auf allen vier Seiten vorhanden. Die Wälle weisen eine durchschnittliche Höhe und Breite von jeweils rund eineinhalb Metern auf, die Wallecken sind schanzentypisch rund dreißig Zentimeter überhöht.
Auf der Südwestseite ist der Wall durch einen Waldweg unterbrochen, der eigentliche Zugang zur Schanze liegt in der Mitte des Ostwalles. Dort konnten wir auch die beiden positiv und negativ polarisierten Resonanzkörper muten, die rechts und links des Zugangs vergraben sind und das bekannte torbogenförmige Kraftfeld im Eingangsbereich erzeugen. Hier ist auch deutlich erkennbar, dass das Bodenniveau der Schanze rund ein Meter höher als das Bodenniveau außerhalb der Schanze liegt, was ein untrügliches Kennzeichen dafür ist, dass hier zusätzliche Erdmassen eingebracht worden sind.

Ein Teil des Walles der Schanze bei Zell.
An schanzentypischen Merkmalen konnten wir eine negativ polarisierte Blind Spring im südöstlichen Bereich feststellen. Ein Korrekturschacht mit einem Durchmesser von etwa 1,20 Metern und einer gemuteten Tiefe von rund achtzehn Metern liegt im nordöstlichen Teil der Schanze und ist auch optisch gut erkennbar, weil das Erdreich an dieser Stelle um rund vierzig Zentimeter eingesunken ist. Der Schacht liegt wie in den meisten Fällen auf einem Kreuzungspunkt des irdischen Nordsüd-Gitters.
Eine sogenannte Vierermanipulation lokalisierten wir in einem nicht betretbaren abgezäunten Teil in der Schanzenmitte. Dort liegt auch die sogenannte Wasserschlaufe der Schanze.
Im östlichen Bereich der Schanze verläuft nordsüdlich eine Wachstumslinie, die dort auch am stärkeren Baumbewuchs erkennbar ist.

Der Korrekturschacht ist auch optisch erkennbar. Er ist in der Mitte rund vierzig Zentimeter eingesunken.
Wasserschloss Schönau
Nach der Schanzenbegehung fuhren wir weiter nach Schönau, um das dortige Wasserschloss und den dazu gehörigen Park zu besichtigen. Das Schloss selbst ist nicht für Besucher geöffnet, wir konnten es nur von außen bewundern. Interessant ist an der Schlossanlage nicht nur die harmonische Schönheit des Gebäudes mit seinem umlaufenden breiten Wassergraben, in dem sich u.a. im wahrsten Sinne des Wortes riesige Karpfen tummeln. Das Schlossgebäude ist auch nach radiästhetischen und geomantischen Gesichtspunkten errichtet worden. Die alten Baumeister wussten noch genau, wie man die irdischen Gegebenheiten so zu nutzen hat, dass die dort lebenden Menschen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen erleiden. Beispielsweise wurden die Etagenhöhen so gewählt, dass der sogenannte Horizontal-Benker (eine Unterteilung des dreidimensionalen Globalgitters) genau in Höhe der Decke bzw. des Fußbodens der einzelnen Etagen verläuft. Interessanterweise ist dieses Detail auch in den Fassaden des Schlosses manifestiert.

Das Wasserschloss Schönau.
Der Schlosspark ist weitgehend naturbelassen, dort stehen u.a. - ein Kennzeichen einer Wachstumslinie - sehr viele schöne alte Bäume mit dicken Baumstämmen in einer gepflegten Wiesenlandschaft. Aber auch verkrüppelte Bäume, „Krebsbäume“ oder sogenannte Zwieselbäume und welche, die schief gewachsen sind, als ob sie weglaufen wollen, stehen hier. Man hat fast den Eindruck eines Lehrpfades für Geomantie.

Ein „Krebsbaum“ zeigt deutlich an, dass er auf einem ihm unverträglichen Platz steht.
Die Harmonie des Schlossparkes lädt regelrecht zu einem erholsamen Spaziergang unter den Baumriesen ein.
In der Kirche nahe des Schlosses, die zwar aus gebrannten Ziegeln errichtet wurde, aber erkennbar auf einem Fundament aus gewachsenen Natursteinen steht, hängt ein riesiges Pendel über dem Taufbecken.
Auf dem Programm stand für den Abend nach dem Abendessen in einem Landgasthof, dass wir den Tag an einem Lagerfeuer ausklingen lassen, doch daraus wurde dann leider nichts, weil es der inzwischen eingesetzte ausgiebige Regen das verhinderte. Dafür entschädigte uns später ein traumhaft schöner Sonnenuntergang, wie man ihn wohl kaum farbiger sehen kann.
Am Sonntagvormittag trafen wir uns wieder im Gasthaus Gschaider, wo uns vor dem Mittagessen Gernot L. Geise einen Vortrag über Keltenschanzen und ihre verborgenen Funktionen hielt. Dabei konnten die Anwesenden sogleich ihre Eindrücke mit der am Vortag besichtigten Schanze vergleichen.

Gernot L. Geise bei seinem Vortrag über Keltenschanzen.
Die unterirdische Kapelle von Göttersdorf
Im inzwischen wieder eingesetzten Regen fuhren wir nach dem Mittagessen wieder in die Landschaft und besuchten die kleine unterirdische Kapelle von Göttersdorf, die auf der Spitze eines Hügels am Fuß eines ehemaligen Schlosses, das dort stand, in die Erde angelegt wurde und sich seit 1827 in Privatbesitz befindet.
Das Schloss wurde von seinen zechfreudigen Besitzern seinerzeit regelrecht vertrunken, zwischenzeitlich diente dabei die Kapelle als Weinkeller. Später wurde das Schloss irgendwann als Baumaterial abgetragen, heute steht dort nur noch ein Gebäude, in dessen Kellerräumen sich die Kapelle jetzt befindet.

Blick von unten zum Eingang.
In die Kapelle gelangt man durch eine alte knorrige Tür und dann über eine seitlich im Innenraum angebrachten Holztreppe. Die Decke wurde in romanischer Bauweise erstellt. In der heute leer stehenden Kapelle befindet sich an der Wand hinter dem Altar eine (inzwischen versiegte) Quelle. In der Mauer ist ein halbrunder Ausfluss ausgespart, durch den das Quellwasser einst herausfloss. Wenn man in das Loch hinein leuchtet, aus dem einst das Wasser sprudelte, kann man erkennen, dass von der anderen Seite aus der Zufluss vermauert worden ist.
Interessant ist in diesem kleinen Gewölbe auch die Akustik, was wohl auch mit dem Phänomen zusammenhängt, das Hans Guggemos im vorigen Jahr festgestellt hatte: Wenn man auf einer Blind Spring steht, erscheint die Stimme wesentlich lauter als einige Meter daneben. Und die Blind Spring befindet sich unmittelbar hinter dem Altar.

Blick vom Eingang in die Kapelle des ehemaligen Schlosses Göttersdorf. Im Hintergrund an der Wand hinter dem Altar die ehemalige gefasste Quelle.

Ein Blick in das Quellenloch enthüllt, dass der ehemalige Zufluss von der anderen Seite her vermauert worden ist.
Interessant ist ebenfalls (und dies ein untrügliches Zeichen dafür, dass es sich um ein sehr altes Gebäude handelt), dass die gemuteten unterirdischen Wasserverhältnisse in Form eines (ägyptischen) Ankh-Zeichens („Nil-“ oder „Lebensschlüssel“) angelegt sind. Allerdings verläuft der „Stiel“ des Ankhs, also der unterirdische Wasserzulauf, nicht wie in den meisten alten Kirchen in der Mitte des Versammlungsraumes, sondern kommt aus der Richtung hinter dem Altar, was wohl mit der ehemaligen Quelle zusammenhängt.
Die einstige Quelle ist ein Hinweis darauf, dass es sich bei dieser Kapelle ursprünglich wohl um ein ehemaliges vorchristliches Brunnenheiligtum gehandelt haben könnte, das eventuell ursprünglich offen gewesen ist und erst mit der Christianisierung überbaut wurde.
Ein Besuch in der nahe gelegenen Dorfkirche von Göttersdorf und ein gemütlicher Spaziergang durch die wildromantische Natur zur Isarmündung in die Donau rundeten den Tag ab, glücklicherweise hatte der Regen inzwischen aufgehört.
Wir hatten an diesen zwei Tagen wieder viel gesehen, viele neue Eindrücke aufgenommen und andererseits einige Bestätigungen für unsere Thesen erhalten. Obwohl es eigentlich ein sehr reichhaltiges Programm war, wurde es niemals stressig, was der hervorragenden „Regie“ von Paul Schmidt zu verdanken war. Die Teilnehmer waren ausnahmslos begeistert und wünschen sich mehr solcher Veranstaltungen.
Dem möchten wir gerne nachkommen und freuen uns jetzt schon auf unsere nächste Exkursion. Neue Ideen und Anregungen liegen bereits vor. Alle kommenden Aktivitäten werden wir rechtzeitig vorankündigen.
(© 2004 Gernot L. Geise, Fotos: © Gernot L. Geise)