Passau war eine Reise wert
Das EFODON-Treffen vom 17. und 18. August 1996

© Gernot L. Geise und Heidi Schmitt, veröffentlicht in EFODON NEWS Nr. 36/1996


Bericht Gernot L. Geise:

Am 17. und 18. August trafen wir uns morgens zwischen 9:00 und 10:00 Uhr beim THW (Technisches Hilfswerk) des Ortsverbandes Passau. Leider nahmen nur wenige EFODON-Mitglieder die Möglichkeit wahr, Passau näher kennenzulernen. Doch wer nicht kam, ist selbst schuld, denn es gab Interessantes zu sehen! Ohne hier in Einzelheiten des Treffens zu gehen möchte ich doch die hervorragende Organisation durch Heidi und Hermann Schmitt loben.

Der Dom St. Stephan mit seiner Grabplattensammlung im Hof zeigte so manches Detail, das wir ohne die Kenntnis der Verborgenen Geometrie Volker Ritters’ glatt übersehen hätten. So waren auch wir in der Lage, dem Stadtführer Herrn Hertel einiges zu erzählen, was er bisher nicht wusste.


Eine interessante Grabplatte aus dem Burghof der Veste Oberhaus.


Der wunderschöne Überblick über die Stadt Passau von der ,,Veste Oberhaus” aus zeigte uns nebenbei, dass Passau kranzförmig von einem Ring von Mobilfunk-Sendetürmen umgeben ist, die die Stadt schön gleichmäßig mit Mikrowellen bestrahlen.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen der ,,Römer”, mit der Besichtigung des Römermuseums ,,Castell Boiotro”, wo uns Herr Moosbauer sachkundig durch die Räume führte. Wir trafen in diesem Museum auch einen ,,alten Bekannten” wieder, die vor ein paar Jahren in Bayern ausgegrabene ägyptische Osiris-Figur.

In der Wallfahrtskirche ,,Mariahilf ob Passau” fanden sich in einer Vitrine, in einem Seitengang zwischen Votivgaben, ,,sogenannte Türkentrophäen aus der Schlacht am Kahlenberg bei Wien 1683”. Ob Türken oder nicht, interessant war der dort ausgestellte Reflexbogen, über dessen Foto sich bestimmt Hans Guggemos (DO-30: ,,Andechs und die Huosi”) freuen wird.

Das Passauer Treffen war für jeden von uns - auch für die Passauer Teilnehmer - eine interessante Bereicherung unseres Wissens. Wir danken hiermit noch einmal dem THW für die freundliche Unterstützung, der Familie Schmitt für die vorzügliche Organisation und unseren Führern für die sachkundigen Führungen.

Kameradschaftlicherweise stellte sich Hilmar Hertel, Fremdenführer der Stadt Passau, zur Verfügung, bei größerer Beteiligung hätte auch seine Frau Anneliese, ebenfalls Stadtführerin, eine Gruppe übernommen. Martin Mielke bot sich als Kraftfahrer mit THW-Kombi an, und Robert Sailler, stadtbekannter 7-Sterne-Koch des Technischen Hilfswerks in Passau, hätte spielend eine ganze Kompanie versorgt. Als sehr vorteilhaft erwies sich, dass Gelände und THW-Unterkunft mit Kantine, Schlafgelegenheiten und sanitäre Anlagen uneingeschränkt zur Verfügung standen.


Die EFODON-Truppe an der Stadtmauer von Passau.


Bericht Heidi Schmitt:

Samstag, den 17.08.1996, traf morgens gegen 9:00 Uhr das erste Mitglied, Gernot L. Geise, ein. Für mich war das schon ein sehr gutes Omen, denn irgendwo im Hinterkopf saß der komische Gedanke ,,was tun, wenn keiner kommt?”. Aber: ,,Redakteur da - alles gut”. Kurz darauf kam Paul Schmidt, dann Ursula Römer auf sechs Beinen (mit Hund) und etwas verspätet unser Vorsitzender Horst Kroeger mit Freundin Evelyn. Hermann, mein ungläubiger Ehemann (reiner Realist), der unser Treffen tatkräftig unterstützte, brachte die beiden zu unserer Gruppe, die schon unterwegs war. Da Passau eine sehr schöne, historische Stadt ist, gab es hier viel zu erkunden, so konnte einer vom anderen etwas lernen. Wir kannten zwar die geschichtlichen Daten, Ereignisse und Sehenswürdigkeiten unserer Stadt, aber die Deutung aus EFODON-Sicht war absolutes Neuland für uns. Besonders beeindruckt hat uns alle die Symbolisierung der alten Grabplatten und Gemälde, der Aufbau vom Dom und eigentlich alles über die Freimaurer. Manchmal wusste man nicht so recht, wer eigentlich wen führt. Da kann man auch noch einen abgebrühten Hauptschul-Oberlehrer bzw. langjährigen, aktiven Stadtführer beeindrucken. Altstadt, Dom, Rathaus und zwischendurch auch mal leibliches Wohl, denn auch unser Magen verlangte nach Zuwendung.

Das Mittagessen wurde im alten Kellergewölbe beim ,,Jodler Wirt”, der seinem Namen alle Ehre machte, eingenommen. Nach dieser Verschnaufpause ging es auf Schusters Rappen auf die Veste Oberhaus. Da war ein Besuch im dortigen Museum angesagt. Auf Wunsch der Museumsleitung wurde das alte Richtschwert auf seine Echtheit hin überprüft. Aber auch viele andere Gegenstände waren sehr interessant, Rute und Pendel kamen da schon mal zum Einsatz. Ursula und Evelyn machten ihre Recherchen als letzte, mit gutem Erfolg. Das kann auch einen knochentrockenen Stadtführer noch fast von den Socken hauen. Auch die plötzliche, detaillierte Angabe von Horst Kroeger über den Standort der alten Richtstätten von Passau machte uns schon nachdenklich. Da Erforschungen auch Energie abverlangen, machten wir uns mit einem riesigen Kaffeedurst auf den Weg ins ,,Café Simon” am Europaplatz. Der dort anfängliche Defekt an der Kaffeemaschine (Tee oder Kaffee?) wurde mit einer kostenlosen Ersatz-Kaffeerunde wieder wettgemacht. Da sich auch das Wetter von seiner angenehmen Seite zeigte, was zu dem Zeitpunkt eigentlich gar nicht so selbstverständlich war, konnte man noch die letzten Sonnenstrahlen genießen. Nach der Ruhepause für Geist und Körper ging es wieder zur Unterkunft zurück. Inzwischen war unser Koch Robert Sailler tätig. Unter der Pergola vor dem Haus wartete ein reich bestückter Grill auf uns, zudem eine große Auswahl an Salaten. Nachdem jeder seinen Hunger und Dunst gestillt hatte, kam es zu vorgerückter Stunde zum obligatorischen Meinungsaustausch. Das für den EFODON e.V. nicht unbekannte Streitgespräch blieb auch nicht aus. Aber es wurde trotzdem ein schöner und harmonischer Abend.


Ein „türkischer“ Reflexbogen in der Wallfahrtskirche Mariahilf (Fotos: Geise)


Den Sonntag (18. August) begannen wir mit einem gemütlichen Frühstück im Freien. So nach und nach wurden alle munter. Das von Horst Kroeger mitgebrachte Essener-Brot wurde dankbar angenommen. Es schmeckte uns vorzüglich. Pünktlich um 9:45 Uhr startete der Kombi wieder in Richtung Stadt, wir hatten noch einige Ziele vor uns. Aber vorher musste Gernot L. Geise noch lautstark mit Martinshorn und Blaulicht aufgefordert werden, die hiesige Örtlichkeit zu verlassen. Es eilte, denn um 10:00 Uhr stand eine spezielle Führung im Römermuseum ,,Kastell Boiotro” auf dem Programm. Herr Dr. Moosbauer, in Vertretung unseres Stadtarchäologen Prof. Dr. Niemeier, war die nächsten zweieinhalb Stunden hart gefordert.


Im Römermuseum Boiotro. In der Mitte Dr. Moosbauer, der uns durch das Museum führte (Foto: Kroeger)


Nach der hervorragenden Führung mit Erklärungen und verschiedenen fachlichen Gesprächen mit dem EFODON e.V. (wo der EFODON e.V. durchaus mithalten konnte) war unser Wissensdurst einigermaßen befriedigt. Ein dickes Lob an Herrn Dr. Moosbauer, der diese Führung kostenlos und in der Gefahr, seinen Sonntagsbraten zu versäumen, uns so geduldig vermittelte. Normalerweise sind in dem Römermuseum keine Führungen vorgesehen. Nach dem Mittagessen, das wir im ,,Gasthaus Auer” im Stadtteil Heining einnahmen, hatten wir wieder neuen Schwung. Nochmals in die Innstadt, am Römermuseum vorbei, zur alten Friedhofskirche St. Severin, es ist die älteste Kirche in Passau, aus dem 5. Jahrhundert. Wiederum machte der EFODON e.V. seine Messungen, und man kann schon sagen, dass man in Passau fündig wird. Letztes Ziel war die Wallfahrtskirche Maria Hilf, wo wir einen wunderschönen Blick auf die Dreiflüssestadt hatten. Auch die alte Wallfahrtstiege hatte so ihre Schwingungen und Ausstrahlungen. Ein letzter Blick zur Veste Oberhaus, die direkt uns gegenüber lag, ließ Horst zur Behauptung kommen, dass dieser Burgberg bestimmt unterhöhlt sei, was wir Einheimischen natürlich sofort verneinten, weil wir uns da ja auskennen. Am nächsten Tag gab es einen Bericht in unserer Passauer Neuen Presse, die Weste Oberhaus ist unterhöhlt wie ein Termitenbau (Zufall?). Man hätte sicher noch Tage damit füllen können, alles zu erforschen, besonders auch die nähere Umgebung. Aber das Rad der Zeit drehte sich, auch für uns. Nach der gemeinsamen Rückfahrt in die Unterkunft, wo die Autos geparkt waren, kam die Zeit der Abreise. Es waren viele schöne Stunden auf beiden Seiten und mit dem Vorsatz, sich wieder zu treffen, nahmen wir gegen 17.00 Uhr Abschied.


Unser „alter Bekannter“ im Römermuseum Boiotro in Passau, der ägyptische Osiris aus Bayern (Foto: Kroeger)


Sicher ist Passau irgendwann wieder eine Reise wert, vielleicht ist es mir dann möglich, auch einen größeren Teil der Mitglieder kennen zu lernen. Somit grüße ich recht herzlich alle Mitglieder, auch diejenigen, die nicht dabei waren und die ich noch nicht kenne!


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