Unterwegs im Hügelland des Rottales
Das EFODON-Arbeitstreffen vom 28.-29. 9. 1991

(c) Ronald Orlogi, veröffentlicht in EFODON NEWS Nr. 5/1991

Das EFODON-Arbeitstreffen vom 28. und 29.09.91 stand ganz im Zeichen von Exkursionen.
Gegen 9.30 Uhr trafen wir uns im Gasthof zur Post in Bayerbach/Rott. Von hier aus fuhren wir im Konvoi nach Reutern bei Bad Griesbach, denn hier war ein Besuch der "Sammlung Friedl" vorgesehen. Frau Irmgard Friedl hat in mühsamer Kleinarbeit innerhalb von etwa 25 Jahren (Ende der 50er bis Mitte der 70er Jahre), vor ihrem Tode, diese Sammlung aufgebaut. Sie besteht zum größten Teil aus Lesefunden von Steinzeitartefakten. Der Sinn des kleinen Privatmuseums mit dem sehr reichhaltigen Material besteht darin, zu beweisen, dass das Rottal auch schon in der Altsteinzeit bevölkert war. Frau Gerlinde Hockemeyer, die Tochter von Frau Friedl, erläuterte uns dies mit ihren eigenen Worten sehr ausführlich. Ausgehen muss man hierbei davon, dass das Rottal mit seinem Höhenrücken zu einem eisfreien Korridor von ca. 100 km Breite gehörte, in welchem sich während der Eiszeiten alles jagdbare Wild befunden hat, z.B. Mammut, Wildpferd, Ren, Bison u.a. Es ist daher naheliegend, dass sich auch die Menschen in dieser Zeit in dieses Gebiet zurückgezogen hatten oder es durchwanderten.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal Frau Hockemeyer danken, dass sie uns ihre Sammlung so bereitwillig zeigte.


Bearbeitete Steine im Museum Friedl

Bearbeitete Steine im Museum Friedl (Foto: (c) Geise)

Nach dem Besuch in Reutern ging es zurück nach Bayerbach, wo im Gasthof zur Post nach dem Mittagessen eine freie Aussprache stattfand.

Zur Abrundung des ersten Tages fuhren wir am späten Nachmittag noch nach Lengham bei Bad Birnbach, wo sich in der Waldung "Lugens" eine Ringwallanlage befindet. ("Lugens" heißt frei übersetzt "Lauerplatz". Das "Lueg" = der Lauerplatz, die Höhle. "Auf der Luegen" = auf zwei Anhöhen, zwischen denen ein Tal ist [1]). Bei der Ringwallbesichtigung gingen wir von der Holzkapelle aus, die sich am südlichen Ende, auf einer Wegspinne, befindet. Die eigentliche Wallanlage hat ungefähr eine Größe von 180 auf 200 Meter. Ihre Ausmaße und die versteckte Lage deuten darauf hin, dass sie während der Ungarneinfälle im 10. Jh. als Fliehburg benutzt worden sein könnte. Ihre ursprüngliche Bestimmung dürfte aber eine ganz andere gewesen sein, denn nach den neuesten Erkenntnissen, festgestellt durch EFODON, befindet sich inmitten der Anlage eine Keltenschanze. Und dies war bis dato nicht bekannt!

Am Sonntag trafen wir uns gegen 8:30 Uhr am Parkplatz Waldlehrpfad im Staatsforst "Steinkart" mit dem Heimatpfleger, Herrn Grimbs. (Die Bedeutung des Wortes "Steinkart": "Kart" dürfte eine Verfälschung von "hart" sein. "Hart" = identisch mit Wald oder Holz (2). "Steinkart" dürfte somit "Steinwald" heißen, was hier den Nagel auf den Kopf trifft.)

Im Steinkart liegen Quarzkonglomeratfelsen in jeder Form und Größe, einzeln und in Gruppen, herum! Die bekannteste Formation dürfte die sog. "Habererkirche" oder der "Teufelsfelsen" sein. Dies ist ein liegender Konglomeratblock, an den ein zweiter schräg angelehnt steht. Ihre Grundpositionen dürften sich seit der letzten Eiszeit nicht mehr verändert haben. Bekannt wurde die Habererkirche durch ihre angeblich einzige echte Felsmalerei Deutschlands, die sog. "Habergeiß mit Jungen". Diese Auffassung wird aber nicht mehr allgemein vertreten. Dr. Georg Spitzelberger vertritt die Meinung, die Zeichnung stamme aus dem Mittelalter (3). Offizielle Untersuchungen über das Alter wurden jedoch nie angestrengt. Auffällig ist, dass die Zeichnung große Ähnlichkeit mit anderen europäischen Felsmalereien hat.


Die Felsenzeichnung "Habergeiß" am "Teufelsfelsen"

Die Felsenzeichnung "Habergeiß" am "Teufelsfelsen" (Foto: (c) Geise)

Gesichert ist, dass die Blöcke der Habererkirche stellenweise von Menschenhand bearbeitet worden sind. Nach radiästhetischen Untersuchungen unseres EFODON-Mitglieds Reinhold Lück kam dieser zu der Aussage, die Blöcke seien so bearbeitet worden, dass ihre Achsen nach Leylines (4) ausgerichtet seien. Dies könne man heute auch anhand des Baumbewuchses feststellen.

Von der Habererkirche gingen wir weiter zum sog. "Geldfundstein", der eigentlich aus drei Steinblöcken besteht.

Hier fanden Jugendliche mehrere tausend Münzen aus dem 11. bis 14. Jh. aus den verschiedensten Gegenden Europas, zusammengepackt in zehn Gefäßen.

Die Nähe zur alten Hinrichtungsstätte "Köpfstätt" ist der Auslöser für die Spekulation, hier handele es sich um einen alten Thingplatz oder um eine Art Gerichtskasse jüngerer Zeit. Es könnte sich allerdings auch um eine Art Zollkasse gehandelt haben, denn unmittelbar neben dem "Geldfundstein" verläuft ein alter Weg, der sogenannte "Rennsteig", der noch bis kurz nach dem 2. Weltkrieg gerne als Abkürzung genommen wurde.

Weiter ging es zu einem anderen Block, der in späterer Zeit angeblich abgebaut wurde, um Mauerwerk für Häuser und Umfriedungen zu erhalten.

Vom Parkplatz "Steinschwammerl" aus besuchten wir einige Trichtergruben. Diese entstanden dadurch, dass ehemalige Schächte zur Erzgewinnung wieder einfielen, wenn sie nicht mehr benutzt wurden. Die Schächte wurden bis zu acht Meter tief bei einem Durchmesser von etwa drei Metern in die Erde getrieben. Mit einer Holzverschalung wurde das seitliche Erdreich gestützt. Durch ständiges Aufflammen löste sich das Erz aus dem Gestein und sammelte sich am Boden des Schachtes, von wo aus es dann als Knollen gefördert wurde.

Durch eine C14-Untersuchung wurde das Alter der Verschalhölzer durch H. Frei ins 8. Jh. datiert. Weitere Trichtergruben dieser Art finden sich u.a. im Grafenwald bei Kösslarn.

Durch viel Gestrüpp ging es dann, etwas abseits des Weges von Freiling nach Bergham zum sog. "halbfertigen runden Stein", oder, wie er noch genannt wird, zum "Mühlstein". Es handelt sich hierbei um einen eindeutig bearbeiteten Großstein. Die runde Bearbeitung hat noch heute einen Durchmesser von etwa 1,20 Metern. Der große Konglomeratblock bildet mehrere aufeinanderliegende Schichten, so dass man ihn fast als ein altertümliches Kugellager bezeichnen könnte.


An diesem Felsblock wurden früher angeblich einmal Steine zum Hausbau gebrochen (Foto: (c) Geise)

Nach einem ausgiebigen Mittagessen fuhren wir auf Anregung von Reinhold Lück noch zu der Ortschaft Luderbach (zwischen Bayerbach und Bad Birnbach). Aufgrund des Ortsnamens müsste hier in der Nähe ein ehemaliger Ludrenplatz zu finden sein. Nach längerer Suche fanden wir ihn auf der Anhöhe "Hahnöd", nahe dem "Hölzlberg". Um den ehemaligen Zweck zu verschleiern, wurde auch hier, wie an anderen wichtigen Stellen, ein "Schutzwald" angelegt.

Den Abschluss dieser erfolgreichen Veranstaltung bildete ein fröhliches Zusammensein in der Klosterschänke des ehemaligen Benediktinerklosters Asbach.

Anmerkungen
(1) Johann Andreas Schmeller: "Bayrisches Wörterbuch", Sonderausgabe Band 1/2, Seite 1462, Oldenburgverlag München 1985
(2) nach Lexer "Mittelhochdeutsches Wörterbuch"
(3) Sonderdruck aus "Naturwissenschaftliche Zeitschrift für Niederbayern", Landshut 1980, S. 50
(4) Begriff aus der Radiästhesie: Reizstreifen, Wachstumslinie.


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