© 1993 Guy Dettweiler
Die Ausgrabungen in
der Trinitarierkirche zu Vianden
Als
man Anfang des Jahres 1988 anfing, die Trinitarierkirche in Vianden zu
restaurieren, konnte niemand ahnen, was bei den Ausgrabungen zutage kommen
würde.
Zuerst
wurde das so genannte Mönchsschiff in Angriff genommen. Ursprünglich wollte man
nur etwa fünfzig Zentimeter tiefe Ausschachtungen vornehmen, um die
Installation einer Fußbodenheizung durchführen zu können. Doch bereits als man
den Mosaikboden entfernte, der vor dem l. Weltkrieg verlegt wurde, stieß man
auf Keramikfunde, die denjenigen gleichen, die man im Schloss Vianden fand. Und
so lag die Vermutung nahe, dass man hier noch weitere Gegenstände finden
könnte. Also benachrichtigte man das zuständige Amt für Denkmalschutz. Diese
wiederum schickten Archäologen, um die Fundstelle abzusichern, damit die
aufgefundenen Gegenstände nicht abhanden kommen.
Man dachte auch daran, im Hauptchor (1) (vgl.
Risszeichnung), der 1644 erbaut worden ist, Ausgrabungen vorzunehmen, doch der
Gedanke daran wurde zunächst verworfen und auf einen späteren Zeitpunkt
verlegt. Zunächst konzentrierte man sich auf das Mönchsschiff, wo bereits nach
zweimonatigen Ausgrabungen interessante Erkenntnisse zutage gekommen waren. Wie
vermutet, stieß man beim Abtragen der verschiedenen Bodenschichten auf eine
Reihe unterschiedlicher Gegenstände. Unter anderem fand man mehrere Grablegen
und Mauern. Im Mönchsschiff fand man ungefähr 47 Gräber, unter denen zwei ganz
besonders hervorstechen: Das eine befindet sich im Übergangsteil vom
Mönchsschiff zum Mönchschor. Dieses Grab (2) bildet, zusammen mit der
unterirdischen Mauer (7), ein Kreuz. Außerdem ist dieses Grab aus gebranntem
Kalkstein gemauert. Im Inneren befindet sich ein Sarkophag aus gebrannter Erde.
Bei dem anderen Grab wird vermutet, es handele sich um das Grab der Gräfin
Maria von Spanheim/Vianden (4). Es war reich verziert und bestand aus
gebranntem Kalkstein. Doch leider kann man es nicht mehr nachprüfen, denn
dieses, wie auch die anderen Gräber, wurde nach Abschluss der Ausgrabung
vollkommen zerstört. Die zuständige Behörde kann keine weiteren Auskünfte
geben.
Nach
dem Mönchsschiff begann man im so genannten Bürgerschiff mit den Ausgrabungen.
Auch hier fand man etwa die gleiche Anzahl von Gräbern, doch handelt es sich
hier nur um einfache Begräbnisstätten. Die aufgefundenen Gräber wurden in
mehreren Lagen angelegt, auch sie wurden alle zerstört. Die sterblichen
Überreste sämtlicher Gräber setzte man zuvor in einer für diesen Zweck
angelegten Nische (3) bei.
Unter
dem vorderen Teil der Kirche entdeckte man einen Raum, der vermutlich als
Keller diente (9). Er stammt vermutlich noch aus der Zeit vor dem Bau der
Kirche im Jahre 1248, denn er entspricht nicht dem Baustil der Kirche.
Nach
Abschluss der Restaurierungsarbeiten in den beiden Schiffen begann man, das
große Haupttor zu restaurieren. Als hier der Bodenbelag entfernt wurde, fand
man außer Keramikteilen auch Wertgegenstände, eine Mauer, und unter dem
Hauptaltar eine bislang unbekannte Krypta. Bei den Wertgegenständen handelt es
sich um Münzen und um ein silbernes Jagdhorn, das als Anhänger für eine Kette
gedacht war. Die Gegenstände befinden sich z. Z. im Stadtmuseum in
Luxemburg-Stadt. Bis heute, zwei Jahre nach Fertigstellung der Kirche, sind sie
allerdings für die Öffentlichkeit noch nicht zugänglich. Keiner weiß, ob sie
das jemals sein werden.
Die
ausgegrabene Mauer (10) ist vermutlich der Überrest eines früheren Chores.
Hinter der Mauer fand man in etwa zwei Metern Tiefe eine gotische Tür (8).
Welchen Zweck sie hatte, ist nicht bekannt. Hier, wie auch bei den anderen
Funden, wird Stillschweigen bewahrt. An der einzigen Fundsache, die eine
Untersuchung rechtfertigen würde, hatten die Archäologen kein Interesse: eine
unterirdische Krypta im Hauptchor (1), deren Zugang (6) sich unter der
Holzkonsole des Hauptaltars befindet. Die Krypta ist vermutlich eine Grabstätte
und älter als der Chor, doch das sind Spekulationen des Pfarrers, der sich als
einziger mit der Krypta befasst hat. Leider durfte er auf eigene Faust keine
Ausgrabungen vornehmen, und so wurde die Krypta wieder geschlossen. Sie ist nun
vom Rest des Chores durch eine Mauer (5) abgetrennt.
Soweit der kurze Überblick über die Ausgrabungen in der
Trinitarierkirche zu Vianden.

Trinitarierkirche (Vianden)
(Veröffentlicht in
EFODON NEWS Nr. 17/1993)