Die Andechser oder:
der heilige Berg und das Bier
(c) Hans Guggemos; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 2/2001
Keiner, der am Wochenende zum Kloster Andechs am Ammersee zu Bier und Brotzeit pilgert, wird sich bewusst, dass er sich an einem der geschichtsträchtigsten Orte Bayerns befindet. Hier treffen die Mythen und die alten Kräfte der Erde mit dem "frommen" Mittelalter und der Tragik des Schicksals, das sich an den Andechser Grafen erfüllte, zusammen.
Heute empfängt uns in Andechs auf dem "heiligen Berg" die benediktinische Gastfreundschaft, vielleicht etwas vordergründig. Doch die barocke Pracht, das Bier, die Schweinshaxen und Knödel können uns nicht über die Tatsachen hinwegtäuschen. Was hier geboten wird, ist mehr.
Der Grundriss
Die heutige Lage des Klosters Andechs liegt auf einem Bergsporn aus Schotter der Eiszeit. Der Kienbach hat im Laufe der Zeit eine Schlucht gegraben. Das Kienbachtal grenzt im Westen mit seinen Tuffbildungen und Nagelfluh-Terrassen den Berg gegen Westen ab. Strategisch gesehen war dieser Platz sicher wichtig, doch die Begrenztheit der Situation auf dem Berg setzte der Bautätigkeit Grenzen.
Wie alle Burgen des Mittelalters war auch die ehemalige Burg der Grafen von Andechs in erster Linie eine Befestigung, die notwendig war, um den persönlichen Besitz, Grund und Boden, Leibeigene und Lehenshörige an sich zu binden und zu halten. Zum anderen waren diese Herrscher trotz vieler Privilegien selbst Vasallen von Königen und Kaisern und dadurch bedingt abhängig oder pflichtig, Steuern und Waffendienste zu leisten.
Die Burg Andechs hatte grob die gleichen Ausmaße des heutigen Klosters.
Andechs, der "heilige Berg"
Warum der "heilige Berg"? Doch nicht wegen des Geschlechtes der Grafen von Andechs, einem der ältesten und wichtigsten Adelsgeschlechter im Stammherzogtum Bayern. Sie waren im Mittelalter die Herren unserer Gegend. Sie waren auch ein Geschlecht der "heiligen" und "seligen" Jungfrauen.
Und was noch wichtiger ist: sie hatten wohl auch sehr gute radiästhetische Kenntnisse über die Kräfte des "Dritten Gitters": der "Wachstumslinie". Sie kannten sehr wohl die Schattenseiten der Macht und taten das ihrige im Spiel der Mächtigen, um ihren Wohlstand und ihre Macht zu stärken.
Aus dem Dunkel der Schrift seiner Zeit hebt sich Graf Razzo (954+) hervor, ein Riese von Gestalt, der wohl manche Lanze für das noch schwache Christentum in Bayern brach, sowie eine Kunissa (Kunigunde), als auch ein Otto (Bischof von Bamberg, 1196+), eine Äbtissin von Edelstätten namens Mechthildis von Andechs. Eine hl. Hedwig von Andechs und eine St. Elisabeth in Thüringen gab es auch, und so ließe sich die Reihe der Heiligen und Seligen von Andechs fortsetzen.
Zu den Andechsern oder: Wer waren die Iringer?
Keiner weiß es so recht. Nur, so einfach haben wir es uns nicht gemacht.
Iringsberg = Iring in der Zeit der Huosi, 5.-8. Jh.
Schoneberg = Sconeburg (Burg der Grafen von Andechs).
Der Iringsberg (= Schatzberg) ist ein Doppelberg, südlich von Diessen gelegen, in Richtung Raisting (1), Wessobrunn. Die Iring als Grafengeschlecht findet man in Wolfratshausen (Iringsburg = Eurasburg). Sie traten bereits, lt. Archivauszug, zu Zeiten der Huosi in genau den gleichen Gebieten und Zonen auf. Nach dem "Ungarnsturm" wurden sie als die Diessener Grafen geführt. Es zeigt sich, dass die Iring (die Grafen von Eurasburg) eine Burg bei Diessen besaßen, die zur Zeit der Stiftung des Klosters bereits eine Ruine war. Die Burg der Grafen zu Diessen, auf dem nördlicheren Berg (Abstand etwa fünfhundert Meter) war aber noch bewohnt.
Die Iring waren also die Vorläufer, wenn nicht sogar die direkten Vorfahren der Diessener Grafen und damit der Grafen von Andechs. Aventin nennt einen Albert von Iring im Zusammenhang mit der Stiftung des Klosters Beuerberg. Sehr interessant ist, dass das Geschlecht der Iring im "Ungarnsturm" nahezu ausstarb. Neunzehn Grafen ihrer Sippe sind dabei gefallen. Wir erfahren erst wieder von einem Albert von Iring als rechte Hand des Kaisers Heinrich IV. (1077).
Von den Huosi zu den Iring und den Andechsern
Die Huosi treten in der Geschichte als Gaugrafen in einer Zeit auf, in der nur eine kleine Schicht der Bevölkerung lesen und schreiben konnte. Das Christentum war nur sehr schwach und teilweise überhaupt nicht nachweisbar. Die Huosi waren höchstwahrscheinlich selbst gar nicht getauft und Anhänger der "alten Ordnung". "Fromm" waren sie deshalb schon. Liegt der Heilsgedanke ja auch noch im keltischen Dualismus. Die Huosi waren noch ungebrochene Geomanten, und mit ihnen die Iring.
Die Grafen vom Iringsberg waren so, mit hoher Wahrscheinlichkeit, die Vorfahren der Grafen, die sich nun "von Diessen" und später "von Andechs" nannten. Es ist des öfteren der Fall, dass durch Erbteilung oder Aussterben einer Hauptlinie (beim "Ungarnsturm" neunzehn gefallene Grafen von Iring) eine Nebenlinie und deren Name plötzlich auftaucht, die dann als Hauptlinie mit anderem Namen weiterbesteht. So also die Iring zu Iringsburg und Burg, wie auch Diessen und Sconeburg zu den Grafen von Diessen, und letztlich die Burg und der "hl. Berg" zu Andechs. Es ist alles die gleiche Sippe. Im übrigen sei noch anzumerken, dass die Kenntnis der Geomantie noch zur Allgemeinbildung der Mönche und Nonnen des 11.-13. Jahrhunderts gehörte.
Es waren eher die guten Kräfte, die die Grundlage für die Grundrisse der alten Klöster bildeten. Sie wurden aus der alten Ordnung übernommen, als man noch auf Hainen, Mooren und auf Hügeln "fromm" war. Zweihundert Jahre später wurde man für die Kenntnis und für die Anwendung dieses Dualsystems verbrannt. Es vertrug sich nicht mit dem Machtstreben der Päpste, denn diese Kräfte entzogen sich ihrem Zugriff, obwohl sie doch allgegenwärtig waren... Daher wurde das Wissen über die Auffindung des Dritten Gitters, sowie die Anwendung und Veränderung dieses Wissens, systematisch verteufelt und ausgerottet.
Und doch haben die Huosi über die Iring bis hin zu den Andechsern etwas von dem unbeschreiblichen Reiz dieser an sich heiligen Landschaft mit ihren Kraftlinien für uns bewahrt.
Jeder, der heute nach Andechs pilgert und sich vielleicht die "heilige Kapelle" zeigen lässt, kann einen "frommen" Schauer fühlen. Keiner, der hier um Hilfe fleht, verlässt diesen Raum ungehört. Das leibliche Wohl nicht zu vergessen: ein gutes Bier mit Brotzeit und zeitgemäßer Selbstbedienung.
Zu erwähnen ist auch noch eine Krypta unter der Klosterkirche, die aber leider nicht mehr zugänglich ist. Die meisten Besucher wissen von dieser Krypta überhaupt nichts, in der einige Wittelsbacher beerdigt wurden, und die nach Plünderungen und Schändungen auf Anweisung der Wittelsbacher zugemauert wurde. Mehrere Eingänge sind bekannt, jedoch keiner mehr zugänglich.
Die Andechser und das Dritte Gitter
Wir wollen die Andechser Situation mit dem Dritten Gitter etwas näher erläutern. Das Dritte Gitter ist ein Reizstreifen, der eine maximale Breite von etwa dreißig Metern hat. Wir kennen ihn auch unter dem Namen "Wachstumslinie" (WL) oder "Leyline". Dieser Reizstreifen hat eine unregelmäßige Maschenbreite und ist besonders an Wegkreuzungen, Marterln, Kapellen und in Kirchen sehr gut zu spüren. So auch in Andechs. Die meisten etwas sensibleren Leute verspüren eine Kälte, oder es stellt ihnen "die Haare an den Armen auf".
Diese Kälte, die von dem besagten Dritten Gitter hervorgerufen wird, belebt das vegetative Nervensystem. Es ist weniger die kalte Kirche als dieses besonders positive Gitter, das diese Menschen spüren. Nicht zuletzt sind die eigenartigen Reizmuster in Andechs beredtes Zeugnis dieser Kräfte.
An dieser Stelle wollen wir nicht verheimlichen, dass auch das Bier hier an diesem Ort der Kraft sein Übriges tut...
Das Dritte Gitter ist noch unter folgenden Namen bekannt:
Leylines (England), Drachenlinien (China), Beredsamkeitslinien, Wachstumslinien, heilige Linien und Kraftlinien.
Dieses Gitter, das sich der Landschaft anpasst, hat einen Kreuzungspunkt genau in der heiligen Kapelle, die sich im Kloster Andechs in der ersten Etage befindet. Eine dieser positiven Linien verläuft vom Kloster Andechs (heilige Kapelle) über die Hedwigskapelle, die weiße Säule am Ostufer des Ammersees, über das Kloster Diessen, St. Georgen, über die Mechthildis-Quelle bis hinauf zur ehemaligen Sconeburg auf dem Iringsberg (Iringsberg = Schatzberg). Hier am Schatzberg kann man noch die Überreste der ehemaligen Sconeburg sehen.
Eine andere Linie des Dritten Gitters hat den Verlauf über den Ammersee in Richtung St. Leonhard (Utting), bis hin zu der Keltenschanze bei Achselschwang. Die Burgkapelle ist dem St. Nikolaus geweiht. Diese Kapelle ist ein Überbleibsel der ehemaligen Burg Andechs. Die Burg wurde zwar von den Wittelsbachern zerstört, jedoch blieb die Burgkapelle erhalten. Ein Nebenraum der Burgkapelle birgt heute noch einige kostbare Reliquien, die Graf Razzo von einer Wallfahrt mit Judith, der Gattin des Kaisers Heinrich des Voglers, mitbrachte, wie man sagt. Im 12. Jahrhundert bekam Graf Bertold von den Päpsten die drei heiligen Hostien, die wohl die berühmtesten der Reliquien sind.
Es fällt auf, dass das Geschlecht der Andechser im 12. und 13. Jahrhundert offenbar sehr bewusst geomantische Kräfte zu nutzen wusste und für uns in Bauwerken dokumentiert hat.
Es ist hier ein schöner Lehrpfad angelegt, an dem man die heimischen Pflanzen genauer studieren kann. Wenn man diesen Pfad entlang spazieren geht, kommt man an der Mechthildis-Quelle vorbei, an der auch heute noch Augenauswaschungen vorgenommen werden. Dies ist kein Wunder, ist doch das Wasser dieser Quelle stark rechtsdrehend (sehr positiv). Die Mechthildis-Quelle ist eine der vielen Heilquellen, im Oberlauf ohne balneologische Eigenarten, d.h. sie hat keinen erhöhten Mineralgehalt (es sei denn von den neuzeitlichen Mineral- und Fäkalüberdüngungen). Es ist jedoch noch gutes Wasser, - was heute auch schon selten ist. Das galt wenigstens noch, als wir sie besuchten.
Woher kommt der Name der Mechthildis-Quelle? Zerlegen wir ihn einmal, dann haben wir "Mecht" = Wunsch, und "Hildis" = Hold, Huld. War die Quelle ein Wunschholdbrunnen? Herzerfrischend! Man merkt, wie frisch und unmittelbar der mittelalterliche Mensch dachte. Er entbehrte nicht der geistigen Erotik.
Der Ort ist heute Treffpunkt von Liebespaaren und von solchen, die es werden wollen. Lauschig versponnen steht, als Einfassung, eine kleine Kapelle. Aus ihr sprudelt das "Heilwasser". Zeitlos, wie es scheint. Die selige Mechthild hatte wohl Liebreiz und Andechser Energie in sich vereint.
Mechthild ist im Stammschloss der Andechser zu Beginn des 12. Jahrhunderts zur Welt gekommen. Am 31. Mai 1160 verstarb sie in Diessen. Ihre Gebeine wurden in der Stiftskirche in Diessen beigesetzt.
Zur Zeit Kaiser Barbarossas waren die Grafen von Andechs die Herren dieses Gebietes. Barbarossa wollte die Grafen von Andechs noch gleichrangig neben Otto von Wittelsbach stellen, der wegen treuer Dienste in der Schlacht bei der Veroneser Klause mit dem bayerischen Herzogtitel ausgezeichnet wurde. Herzog Bertold von Andechs, Istrien und Meranien war Herr riesiger Besitzungen, Burgen und Ländereien im ganzen österreichischen und bayerischen Sprachraum. Die nächste Verwandtschaft hielt den Bamberger Bischofsstuhl.
Doch das Unheil nahm seinen Lauf! Die Wittelsbacher als Emporkömmlinge sahen mit großem Argwohn, dass neben ihnen in Bayern einer Sippe mehr Gebiet, Macht und Gunst zugesprochen wurde, als ihnen, denn Herzog Bertold war Bannerträger Barbarossas, also einer der engsten Vertrauten des Kaisers.
Die offene Missgunst Philipps des Staufers und Nachfolgers Barbarossas stachelte Otto von Wittelsbach, den Hitzkopf, derart auf, dass es auf der Hochzeit Philipps, in Bamberg, zur Katastrophe kam. Otto erstach im Streit den König Philipp. Die Andechser wurden der Intrige und Anstiftung beschuldigt und aller ihrer Besitzungen und Titel enthoben. Bertold war ohne Macht und musste fliehen. Nun schufen die Wittelsbacher vollendete Tatsachen: Andechser Land wurde verwüstet, Dörfer wurden niedergebrannt, die Burgen zerstört.
Von nun an schrieb die bayerische Geschichte der Sieger: Wittelsbach.
Anmerkungen
(1) Raisting ist 776 erstmalig urkundlich erwähnt, als der Edelfreie Isanhart aus dem Geschlecht der Huosi die Hälfte seiner Güter in Raistingun an das Kloster Schlehdorf übergab. ("Unser Landkreis", Landratsamt WM-SOG, 1993)