Ankh = Taukreuz + Sonnenscheibe
Aussagen zur altägyptischen Ur-Religion bei Jakob Cats (1657)
(c) 2002 Volker Ritters; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 4/2002
Jüngst fielen mir altägyptische (urchristliche) Inhalte der Mysterieneinweihung in der Verborgenen Geometrie der Werke von Raphael, Giorgione und Philipp Otto Runge auf. Man mag sich fragen, wie dieses möglich sei, da doch stets urchristliche Ansichten in Ägypten bekämpft und verfolgt wurden [s. Abhinyano 7] (ebenso in Frankreich die Templer [Hieber 33] und andere).
Abhinyano sagt sogar [folgend zitiert], dass das Neue Testament ein Plagiat ägyptischer Papyrii sei [135, 200], das neue Namen erhalten habe [200, 227]. Joseph, Maria und Jesus träten als bürgerliche Kleinfamilie an die Stelle der ägyptischen Trinität Asar, Astet, Heru (Osiris, Isis, Horus) [155]. Die verschleierte und allegorische Erklärung der Einweihungsmethode in die ägyptischen Mysterien würde in der Golgathageschichte fälschlich als ein einmaliges, historisches Ereignis wiedergegeben [156, 189], und sie sei „nie in ihrem esoterischen Sinn verstanden worden“, sondern wörtlich und exoterisch [45, 155]. Abhinyano meint, dass die westliche Menschheit seit der Zeitenwende bewusst und geplant von denen, die die christliche Kirche erfunden hatten, in das dunkle Zeitalter und in einen unspirituellen Materialismus, Anthropomorphismus und Phallizismus hineingeführt worden sei [7, 203].

Die Himmelfahrt einer Seele (Jakob Cats: Alle de Wercken, Bd. 2, Nr. 20, S.89, 1657): Tau-Kreuz mit Bändern, Sonnenscheibe, Buch.
Abhinyano interpretiert das ägyptische Pfortenbuch auf der Grundlage, dass die ägyptische Geheimlehre und deren Einweihung in die Mysterien in allen alten Kulturen gleich war [13, 37], also in der Ur-Religion übereinstimmte [33f, 37], nach dem indo-tibetischen Schlüssel des nördlichen Mahayana-Buddhismus [33], wie folgt: Ägypten sei der Ursprungsort des wahren Christentums [227]. Der Einzuweihende, der „leidende Chrestus“ [44ff], gehe einen Pfad der Befreiung aus den Banden der Materie und des Fleisches [63, 71, 115, 161], der Erlösung von der Knechtschaft der Materie und der Tierheit [40]: Die Dominanz der materiellen Begierden (Kama-Manas [75, 313]) über die spirituellen Fähigkeiten (Buddhi-Manas [300, 313]) solle gebrochen werden. Dieser Pfad führe durch den Bereich des menschlichen Unbewussten [188, 255] (zu dem auch das Tagesbewusstsein gehörte [71]), durch die Hölle der selbstsüchtigen Leidenschaften [38ff, 78]. Es gehe um das „Heraufbringen des vom Materiellen befreiten spirituellen Bewusstseins von einer Schicht des Unbewusstseinsbereiches zur nächst höheren“ [130] mit dem Ziel der Rückkehr in die „göttliche Heimat“, der „Wiedervergöttlichung“ [40], der Wiedervereinigung der menschlichen Ich-Seele (ihrer spirituellen Erfahrungen [80]) mit der spirituell-göttlichen All-Seele [32, 45, 49].
Der „leidende Chrestus“ wurde in der Königskammer der Großen Pyramide [62] an das Tau-Kreuz (das Symbol des spirituell-göttlichen Lebens, aber auch der Sexualität) gebunden [52], das er überwinden sollte, „denn der Neophyte [Einzuweihende] hatte sich selbst von diesem Kreuz der Sexualität abzunehmen, indem er seine physisch-sexuelle Natur ,kreuzigte´...“ [52]. Dementsprechend „löste er selbst die Stricke, die ihn an das Kreuz gebunden hatten“ [52] und überwand so den Tiermenschen [38, 52]. Dann sollte er sich in den Sarkophag für 3 Tage und Nächte legen, wo er in Versenkung (Samadhizustand) den (vom Einweihenden suggerierten) Versuchungen der selbstsüchtigen Begierden widerstehen sollte [52f]. Nach dieser Prüfung zog der reine [78] Neophyte mit seinem völlig spiritualisierten Ich-Prinzip (Höheres Ich, Buddhi-Manas [165, 300]) den Scarabäus sacer, das 7. und höchste Prinzip Atma (universeller Geist) [248, 313] zu sich heran [244], so dass er überleuchtet wurde [40f]. Das 7. Prinzip, Osiris - der göttliche Geist [46], die Lebenskraft [58, 237], die Sonne über seinem Kopf [106], überstrahlte ihn [98, 107] und schuf seinen „unsterblichen, feurig-elektrischen und spirituell-göttlichen Körper“ [9], den „glorreichen Lichtkörper“ [58, 244], die „solare Robe“ [186, 269, 292ff] in seiner göttlichen Neugeburt und Wiederauferstehung [248] für seine Rückkehr [111, 244] in die kosmische Heimat [33]. Wenn der Eingeweihte nach drei Tagen (in einem nach Osten offenen Tempelraum) beim Sonnenaufgang erwachte, war er ein „siegreicher Christus“ [45], ein „zweimal geborener“ Mensch [61]. So war auch Y´schua ben Pandera - Jesus -, in den griechischen Texten Jesos Christos, ein Sieger über seine tiermenschliche Natur und ein Voll-Eingeweihter in die ägyptischen Großen Mysterien [61].
Jakob Cats (1577-1660), ein holländischer Jurist, Staatsmann, Gelehrter und Dichter plauderte in seinem Gedicht „T´samen-Spraeck, tussen Ziel en Lichaem“ (Gespräch zwischen Seele und Leichnam) über das Leben auf der Erde („da muß Kampf sein, bis zum jüngsten Tag“) und über die Himmelfahrt („ich sehe, hier scheint ein Geist aus dem Grabe aufzusteigen“) [Cats II/20, S. 89]. Interessanterweise zeigt nun die Illustration hierzu eine himmelfahrende, menschliche Gestalt, in einer Hand das ägyptische Taukreuz mit den Schnüren, in der anderen das offene Buch (den Geist der Weisheit [Cooper 30]) und die Lichtscheibe der Sonne hinter dem Kopf: Nach altägyptischer Anschauung überleben nur die spirituellen Erfahrungen (in der 5. Schicht Buddhi-Manas) [Abhinyano 80]. Und die herangezogene Sonnenscheibe des Wieder-Vergöttlichten und das überwundene Taukreuz, induktiv zusammen gesehen, bilden das Ankh-Kreuz (das T mit dem Kreis darüber), das „Symbol des physischen wie des göttlichen Lebens“ [Abhinyano 52, 62f, 104] in diesem „Kreislauf der Notwendigkeit“ [Abhinyano 40].
Verwunderlich, dass diese altägyptische Sicht einer Himmelfahrt im kirchen-christlichen Abendland im Jahre 1657 bekannt war und veröffentlicht wurde.
Literatur
Abhinyano: „Die Mysterieneinweihung der ägyptischen Pyramiden.“ Werner Kristkeitz Verlag, Heidelberg-Leimen 1984.
Cats, Jakob: „Alle de Wercken, so ouden als nieuwen.“ 2 Bände, by Jan Jacobsz Schipper, Amsterdam 1657/58.
Cooper, J. C.: „Illustriertes Lexikon der traditionellen Symbole.“ Drei Lilien Verlag, Wiesbaden o.J.
Hieber, Otto: „Der Johannis-Meister.“ Verlag Karl Sasse, Bad Harzburg 1964 (5. Aufl.)
Bildnachweis
Radierung: Privatsammlung, Repro © Volker Ritters.