Natur-Katastrophen 

Alexander & Edith Tollmann
Das Weltenjahr geht zur Neige

Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 1998
512 Seiten, ISBN 3-205-98898-1

Vor fünf Jahren hatten die Autoren in einem Werk („Und die Sintflut gab es doch“, München 1993) einen auf 7.553 v.Chr. datierten multiplen Kometen-Impakt als Verursacher von Sintflut und Atlantis-Untergang gefordert. Zugleich wurde eine Rückkehr zum Katastrophismus des großen Cuvier (1769-1832) als geologische Leitidee angemahnt.

Das Werk schlug im Geologie-Bereich, der seit hundertfünfzig Jahren bei der Kataklysmen leugnenden ,,Doctrine of Uniformity“ verharrt, wie eine Bombe ein. Immerhin war Alexander Tollmann seit 1972 Geologie-Ordinarius auf einem traditionsreichen Lehrstuhl an der Universität Wien, und seine Frau und Mitautorin ist Paläontologin!

Da im Weltbild der Autoren Kataklysmen, d.h. vernichtende Groß-Naturkatastrophen, etwas ganz ,,Normales“, im Verlaufe der Erd- und Menschheitsgeschichte häufig Auftretendes sind, war es nur logisch, dass sie sich in ihrem neuen Buch die Frage vorlegen, wann es wohl wieder so weit sein wird. Da die Astronomie nichts Konkretes zur Impakt-Gefahr durch Planetoiden und Kometenkerne aussagen kann, und erst recht nicht zu voraussichtlichen Einschlags-Zeitpunkten, haben die Autoren die zahlreichen ,,Weltuntergangs“-Prophezeiungen gesichtet, wo für die Annäherung an das Jahr 2000 Menschheitsbedrohliches vorhergesagt zu werden scheint.

Methodologisch bedenklich erscheint, dass die Autoren alle jene Prophezeiungen als unrealistisch und daher unglaubhaft aussondern, die mit ,,Polsprung“-Ereignissen zu tun haben. Sie rechnen ausschließlich mit Impakt-Kataklysmen, verursacht durch heranrasende und auf Festland oder ins Meer stürzende Planetoiden oder Kometenkerne. Zu Recht verweisen sie darauf, dass dergleichen einschlagende kosmische Kleinkörper bei der massiven, rotierenden Erde niemals eine Polverlagerung bewirken könnten, vergessen aber, die durchaus reale Möglichkeit von Nahbegegnungen mit planetengroßen, vagabundierenden kosmischen Objekten in Betracht zu ziehen. Velikovsky hatte in den Fünfzigerjahren eben dies postuliert. Und wirklich wurde seither nachgewiesen, dass eine nahe Annäherung eines planetenartigen Weltkörpers an die Erde, ein nahes Vorbeiziehen an ihr, an dem von uns bewohnten Planeten sehr leicht rasche Präzessionsmanöver (auch etwa ein ,,Kippen“ um 180 Grad innerhalb von rund 24 Stunden!) induzieren kann.

Unter Berücksichtigung nur der ihnen glaubwürdig erscheinenden Prophezeiungen (an erster Stelle Nostradamus) kommen die Autoren zu der Schlussfolgerung, dass Juli/August 1999 mit dem Ausbruch eines 3. Weltkrieges zu rechnen ist: russische Panzer-Streitkräfte stoßen in drei Heeressäulen durch Deutschland nach Westen vor, nachdem Kommunisten und Nationalisten in Russland die Macht übernommen haben. Hm! Man hegt Zweifel, ob die derzeitige Lage Russlands dergleichen erlaubt. Schon im Oktober 1999 werde allerdings die erneut aufflammende Kriegs-Idiotie durch einen Kometeneinschlag beendet. Abgesehen vom sonstigen traumatischen Impaktgeschehen sei die Erde danach atomar verseucht, teils durch Einsatz von Atomwaffen, teils weil der Impakt-Kataklysmus die Atomkraftwerke und sonstigen Nuklearanlagen zerstöre.

Wir werden also bereits binnen kurzem Gelegenheit haben, zu überprüfen, ob diese beiden mutigen Prophezeiungs-Ausleger die Aussagen von Sehern vergangener Zeiten richtig gedeutet haben! Sollten sie, respektive die Seher, sich geirrt haben, so wäre auch dies ein Faktum von Interesse.

In einem zweiten Teil des Buches geht es um außersinnliche Wahrnehmungen generell, und um die aus ihrer Existenz zu ziehenden Konsequenzen hinsichtlich unseres Weltbildes (,,Ausbruch aus dem materialistischen Gefängnis“). Es handelt sich da um ein höchst beachtenswertes Plädoyer, immerhin zweier namhafter Naturwissenschaftler (!), dass und warum das materialistische Weltbild als unrealistisch und simplistisch baldmöglichst über Bord zu werfen sei. Dem kann der Rezensent nur zustimmen! Wir sind es leid, uns Ideologie als Wissenschaft ,,verkaufen“ zu lassen.

(c) 1998 Dr. Horst Friedrich, Wörthsee


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