Viereckschanzen „entzaubert“?
© Gernot L. Geise, veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 24/1997
Unter der Überschrift „KELTEN / Ende eines Mythos: Die Viereckschanze ist entzaubert“, und dem Untertitel „Grabung bringt es an den Tag: Die vermeintlichen Heiligtümer waren Gutshöfe“ brachte die „Schwäbische Post“ am 2. August 1997 einen Beitrag, der sich mit einer Grabung in Nordheim (Kreis Heilbronn) auseinandersetzt.
Dort wurde wegen des Baues einer Umgehungsstraße in Form einer Notgrabung eine durch Luftbildarchäologie festgestellte Schanze ergraben. Die Funde werden bis zum 1. März 1998 im Hochdorfer Museum ausgestellt. Ich nehme an, dass man hier - wie schon bei der Schanze bei Bopfingen, die wir 1992 besuchten - flächendeckend höchstens zwanzig Zentimeter freigelegt hat, und vielleicht an verschiedenen Stellen tiefere Stichgrabungen gemacht wurden. Anders ist es nicht erklärbar, wenn der Leiter des Hochdorfer Keltenmuseums in Eberdingen, Tibor Bader, sagt: „Viereckschanzen sind keine Tempel, sondern Gutshöfe“ und „Ein Mythos ist weg.“ (Zitat aus o.g. Zeitungsartikel).
Man will festgestellt haben, dass auf der etwa 100 mal 100 Meter großen Schanze ein wohlhabender Mann mit seiner Großfamilie gelebt habe, der Ackerbau und Viehzucht betrieben habe.
Mich stört daran, dass diese Feststellung sofort pauschal auf alle Schanzen übertragen wird, zeigt es doch nicht mehr und nicht weniger, als dass unsere Archäologen nach wie vor über eine Funktion und den Sinn einer Schanze völlig im Dunkeln tappen.
Worauf gründet sich die Behauptung, es sei ein Gutshof gewesen? Man fand verkohlte Pfostenreste und erklärt sie damit, Plünderer hätten den Hof angezündet, der aus einem Haupthaus und zwei Wirtschaftsbauten bestanden haben soll. Wir kennen solche „Rekonstruktionen“ aus der Grabung auf der Insel Wörth (Staffelsee), wo man aufgrund eines einzigen Steines (!) eine ganze Wohnanlage (!) rekonstruierte. Bei den Grabungen in Nordheim wurden etwa 10.000 (!) Tierknochen entdeckt, überwiegend von Kühen und Schweinen, die man in die Zeit zwischen -193 bis -110 datiert hat.
Nur 350 Meter entfernt liegt schon die nächste Schanze, und ich wage die Prognose, dass dies nicht die einzigen in dieser Gegend sind.
Gut ist es, wenn die Archäologen endlich von ihrem selbstgeschaffenen „Mythos“-Denken abrücken. Denn mythisch ist an keiner Schanze etwas. Und wenn endlich eingesehen wird, dass sie zu Unrecht als Tempelanlagen bezeichnet wurden, dann ist das auch als Fortschritt zu werten. Doch Gutshöfe? Das klingt wieder einmal sehr nach einer neuen Verlegenheits-Erklärung, die sich mit einiger Logik selbst widerlegt.
Die Kelten, die damals gelebt haben sollen - das kann man mit gutem Gewissen behaupten, denn es gibt mehr als genug Belege dafür -, waren um einiges „fühliger“ als unsere heutigen Durchschnittsmenschen. Ein Kelte hätte sein Haus jedoch niemals auf einen Platz gebaut, wo er und seine Familie irgendwelchen gesundheitsschädlichen Strahlungen ausgesetzt war. Selbst bis fast in unsere Zeit stellte man insbesondere Bauernhäuser exakt nach geomantischen und radiästhetischen Gesichtspunkten auf die dafür geeigneten Plätze, niemals wahllos, wie es heute gemacht wird.
Wenn also auf einer Schanze Pfostenreste ergraben werden, so hat hier möglicherweise einst eine Hütte gestanden, in der ein Druide nicht etwa lebte, aber zu rituellen Zwecken hinkam. Ich rufe in Erinnerung, dass Schanzen von den Kelten verwendet wurden, um sich vor einem Kampf energetisch aufzuladen („furor teutonicus“). Dieses Verfahren funktionierte verblüffend gut, sonst wäre es nicht von ihren Gegnern, den „Römern“, beschrieben worden.
Auf dem Gelände einer aktiven Schanze auf Dauer leben zu wollen, ist absolut tödlich. Die enorme Strahlen-Dauerbelastung erzeugt alle möglichen Krankheiten bis zum Krebs. Das wussten auch die Kelten. Schon aus diesem Grund ist es völlig unmöglich, dass Schanzen zu Wohnzwecken bebaut gewesen sein sollen.
Was weiterhin gegen eine Verwendung als Gutshof spricht, ist die enorme Menge an gefundenen Tierknochen. Kein Bauer, weder heute noch damals, würde rings um sein Haus Tierknochen ansammeln, abgesehen davon, dass sie bestimmt nicht alle sauber abgenagt waren und die Fleischreste in Verwesung übergegangen wären. Was dann passiert, kennen wir aus dem Mittelalter: es entstehen, auch bedingt durch das entstehende Leichengift, Krankheiten. Durch dieses Leichengift wäre also der Boden um das Wohnhaus vergiftet worden. Und hier soll ein keltischer Bauer gelebt haben? Allein die Vorstellung daran ist lächerlich.
Solange keine Schanze einige Meter tief ergraben wird, werden wohl auch weiterhin solch obskure Deutungen veröffentlicht werden. Nur, wenn tiefere Grabungen durchgeführt werden und dann die Schichtung festgehalten wird, ein Korrekturschacht oder eine Wasserschlaufe freigelegt werden, befürchte ich, dass die Archäologen mit diesen Details wieder nichts anfangen können, weil sie keine Physiker sind, die hier eine technische Funktion erkennen können.
Es bleibt abzuwarten, was ihnen dann für merkwürdige Erklärungen einfallen werden.