© 1999 K.-Laura Bräuer
Die Ura Linda Chronik: noch immer ein heißes Eisen?
(Veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 6/1999)
Ist Professor Herman Wirth
noch immer verdächtig, weil er eine Chronik übersetzte, die in anderen Teilen
der Welt gut und gängig ist?
Müssen wir uns einer Diktatur
über unser Denken noch immer beugen, oder dürfen wir - endlich - auch Texte lesen und in unsere
Vorstellungswelt einbeziehen, da ja keine festen Vorstellungen mehr geboten
werden?
Auf einer Tagung, die uns zu
den Externsteinen ins Lipper Land
führte, hörte ich zum ersten Mal von dieser ältesten Geschichte. Und wahrhaft alt muss sie sein, weil sie von
Dingen berichtet, die sich vor der Sintflutzeit, vor den zu Göttern erhobenen
Menschen, vor der Entstehung des Stammes der Kelten und ihrer Druiden,
abgespielt hat. Da wird von einer Kultur gesprochen, deren ethische Forderungen
so hoch angesetzt sind, dass wir nur davon träumen können. Da wird der Abstieg
der Ethik-Verwirklichung genauestens beschrieben. Und es werden Erklärungen
angeboten über Dinge, bei denen unser heutiges Wissen bisher im Dunkeln tappte.
Die Annahme, dass es keine schriftlichen Aufzeichnungen aus der grauen Vorzeit gäbe, und die ans Lächerliche
streifenden Erklärungen, warum das so sein müsse, sind nun wohl beiseite
geräumt. Besonders interessant ist der Kampf dieser niederländischen Findung in
unserer westlichen Wissenschafts-Clique. Was war es denn, was uns dieser Fund
wegnahm? Etwas, das uns so lieb ans Herz gewachsen war - unsere alten Götter,
oder die christliche Religion? Oder
beides? Die Empörung unserer Universitätsprofessoren, deren Lehrauftrag
wackelige Beine bekam? Was es auch immer gewesen sein mochte, wir haben es uns ja
noch nie leicht gemacht, wenn es darum ging, überkommenes Wissen zu ändern, wenn es neue Fakten gab.
Es sollte eben alles wirklich nachgeprüft und durch Querverbindungen erhärtet
sein, ehe es seinen Weg in die Hörsäle fand.

Heute ist das etwas leichter,
weil wir es schon fast gewohnt sind, Lehrmeinungen zu ändern. Frau Berta
Voigts, die ja lange Zeit in Afrika gelebt hat und deren Familie dort noch
immer aktiv ist, schickte mir die Nachricht, dass Adriaan Snyman einen Vortrag
über dieses Buch hielt, dessen Grundlage ein in Südafrika veröffentlichtes Buch
Die Oera Linda Boek in Afrikaans, also in der dortigen Landessprache,
war. Seine Beobachtung, dass die Sprache der Buren in Südafrika dem Friesischen
äußerst ähnlich ist, und dass diese Sprache uralt ist, lässt ganz überraschende
Rückschlüsse zu, die aber bereits in der Chronik selbst als logisch und nachvollziehbar dargestellt
werden.

Prof. Hermann Wirth (1885-1981)
Ich möchte hier eines der
Vorworte zitieren, damit man verstehen kann, was da so Aufregendes zutage
gekommen ist.
„Okke,
mein Sohn!
Diese Bücher musst Du mit
Leib und Seele wahren. Sie umfassen die Geschichte unseres ganzen Volkes und
unserer Ahnen. Vergangenes Jahr habe ich sie aus der Flut gerettet mit Dir und
Deiner Mutter. Aber sie waren nass geworden: Dadurch fingen sie nachher an, zu
verderben. Um sie nicht zu verlieren, habe ich sie auf ausländischem Papier
abgeschrieben. So wenn Du sie erben wirst, sollst Du sie auch abschreiben.
Deine Kinder desgleichen, damit sie nimmermehr verloren gehen.
Geschrieben zu Ljuwert,
nachdem Atland versunken ist, das dreitausendvierhundertundneunundvierzigste
Jahr, das ist nach der Christen Rechnung
das zwölfhundertsechsundfünfzigste Jahr. Hidde zugenannt Ura Linda (Über die
Linden). - Wache.“
Meine
ganz persönliche Freude, die ich empfand, als ich davon erfuhr, die Texte las
und tief in mir ein Echo davon
widerklang, als müsste es so und nicht anders gewesen sein, drängte mich, auch
vor diesem Forum darüber zu sprechen. Mehr Menschen die Möglichkeit zur
Ergänzung ihres Suchens zu verhelfen. Eben ein in Vergessenheit zurücksinkendes
Wissen wieder hervor zu holen. Die Diskussion mit neuen Fakten zu bereichern.
Es geht ja dabei nicht um das Aufwärmen an einem edlen Öfchen, sondern darum,
Mut zu gewinnen. Erfahrungen, die in uns gespeichert sind, zu aktivieren und
uns einmal mehr der Mitverantwortung bewusst zu werden, die unser eigenes,
persönliches Denken im Gesamtgefüge ausmacht.