Und wieder keine Katastrophe!
(c) 2000 Gernot L. Geise
Die Katastrophisten und Weltuntergangsbeschwörer hatten Konjunktur. Nicht nur eigene Horror-Szenarien wurden entworfen, sondern auch die Seher und Propheten aus allen Jahrhunderten hat man bemüht, uns klar zu machen, dass das Ende der Welt nahe sei.
Hat es schon mit dem sogenannten Jahrtausendwechsel - der gar keiner war, weil er erst Ende dieses Jahres stattfindet - nicht geklappt, weil alles weiterfunktioniert hat, wie es gewohnt war. Kein "böser" Asteroid ist eingeschlagen und selbst die Strom-versorgung blieb gewährleistet. Ja, alle, die mit längst veralteten Computern und deren Programmen arbeiteten, mussten sich endlich von ihrem alten "Schrott" verabschieden und zweitausendjahrfähige Programme installieren. Erstaunlich dabei ist, dass doch eine erklecklich große Zahl von Firmen davon betroffen war.
Doch die Propheten des Weltuntergangs gaben sich so schnell nicht geschlagen. Meist hat man den nicht eingetretenen Kataklysmus abgetan mit "Glück gehabt" oder "Das in eine höhere Dimension aufgestiegene Bewusstsein der Menschen hat die Katastrophe verhindert" oder "Der geistige Zusammenschluss vieler Menschen wendete das Unheil ab". Schade, dass ich keinen einzigen Menschen mit diesbezüglichem Meditieren kenne.
Wie auch immer, die Katastrophe fand nicht statt, aber so einige der Unheilverkünder konnten sich denn doch nicht geschlagen geben. Der von Nostradamus für den "Jahrtausendwechsel" vorangekündigte "König des Schreckens" ist zwar ausgeblieben, was so manche Katastrophisten sehr getroffen hat, waren seine Voraussagen doch ihrer Meinung nach bisher doch sehr genau.
Aber nun galt die neue Losung: Der "Jahrtausendwechsel" sei doch gar nicht das schlimmste Datum gewesen. Die richtige Katastrophe käme erst, wenn am 5. Mai die Planeten unseres Sonnensystems wie auf einer Perlenschnur aufgereiht stehen würden. Dadurch würden derart starke Gravitationskräfte kumulieren, dass mit dem Schlimmsten zu rechnen wäre.
Von Überschwemmungen, Polsprung, Auseinanderbrechen der Erde bis hin zur Geburt eines neuen Planeten wurde phantasiert, sogar Maya-Prophezeiungen wurden zitiert, obwohl die Maya-Schrift bis heute nicht zufriedenstellend übersetzt werden kann. Da - mit Ausnahme von Erde und Pluto - bei dieser Konstellation alle Planeten unseres Sonnensystems in einer Reihe zur Sonne stehen, sollte dieses Kräftepotential ausreichen, um aus der Sonne ein glühendes Stück herauszubrechen, das dann als neuer Planet in unserem System kreisen sollte. Und wieder einmal wurde den Menschen nahegelegt, sie mögen "zum Überleben" genügend Vorräte anliegen. Wer damit wohl sein Geschäft macht?
Ich glaube, diejenigen, die sich den Unsinn mit den Gravitationskräften unserer Planeten ausgedacht haben, kennen die wahren Größenverhältnisse in unserem Sonnensystem nicht. Es ist ihnen wohl nicht bewusst, dass die - im Vergleich zur Sonne - kleinen planetarischen Erbsen, die zudem noch so weit von ihrem Muttergestirn kreisen, dass sie gerade noch am Wegfliegen in den stellaren Raum gehindert werden, absolut keine messbaren Auswirkungen auf die Sonne haben können!
Da wurden Szenarien beschrieben, wie sie angeblich vor -zig tausend Jahren passiert sind, als diese Konstellation zum letzten Mal der Fall war. Nun, da damals niemand der Heutigen dabei war, und es auch keine Überlieferungen aus jener Zeit gibt, artete alles wieder in eine reine Glaubenssache aus.
Und seien wir ehrlich: Wer von uns hat an besagtem 5. Mai irgendetwas Außergewöhnliches bemerkt? Keine Sonnenfinsternis (die sollte im vorigen Herbst der erste Vorbote der großen Katastrophe sein...!), kein Polsprung, noch nicht einmal ein größeres Unwetter belästigte uns. Auch der vorangekündigte "Antichrist" blieb aus (vielleicht hatte er Angst, gleich verhaftet oder nicht ernstgenommen zu werden?). Auch die Landung ganzer UFO-Flotten, um die "guten" Menschen (wie hätten sie das wohl festgestellt?) von ihren zerstörten Planeten zu evakuieren, fand nicht statt.
So verging der 5. Mai, und die folgenden Tage passierte auch nichts. Unsere Sonne hat es überwunden und keinen neuen Planeten geboren.
Ich bin gespannt, was die Katastrophen-Unker sich als Nächstes einfallen lassen werden.
Stellvertretend hier eine Kostprobe aus "Magazin 2000plus" (Nr. 145, Januar/Februar 2000): "Der Countdown läuft - sorgen Sie vor..." (S. 52), "...Bedenken Sie, daß überhaupt nichts Schlimmes passieren muß. Es kann aber auch alles zusammenbrechen ... Was immer passieren wird, sich darauf vorbereitet zu haben, kann nichts schaden, auch wenn alles weitergeht wie bisher. Wichtig ist die positive Einstellung." und auf Seite 70 die passende Anzeige "Lebensmittelvorrat - nicht nur für die Jahrtausendwende", für ein 90-Tage-Paket zu DM 1700,-. Muss man dazu noch etwas sagen?