Notreaktion

© 1996 Gernot L. Geise; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr.  17/1996

Es ist selten, dass ein Mensch weiß,
was er eigentlich glaubt.
(Oswald Spengler) 

Was treibt die Menschheit eigentlich dazu, derart permanent und ungebremst auf den eigenen Untergang hinzuarbeiten, wie wir es beobachten können? Betrachten wir mit offenen Augen unsere Welt, so sehen wir derzeit eine maßlose Vermehrung der Menschen. Parallel dazu entsteht zwangsläufig eine dramatische Schädigung der Natur-Ressourcen, woraus wiederum Hungersnöte in immer größeren Ausmaßen resultieren. Es werden Kriege geführt - insbesondere unter und in den sogenannten Entwicklungsländern - die nicht etwa irgendeinen Landgewinn zum Ziel haben, sondern um möglichst viele „Feinde“ umzubringen, ganze Völker auszurotten und — um überlebenswichtige Nahrung. Ja sogar um Wasser wird schon gekämpft, weil es immer knapper wird. Flüchtlingsströme ohne Ende, mit ausgemergelten, verhungernden Menschen, sind zu Regionen unterwegs, von denen man annimmt, dass die Ernährung hier besser gesichert sei als in der angestammten Heimat. Fast täglich sehen wir im Fernsehen solche alarmierenden Bilder, doch wer nimmt sie noch als das wahr, was sie sind? Es ist doch vorauszusehen, dass die darbenden Menschenmassen aus den „Hungerländern“ in neuen Völkerwanderungen in die von der Natur mehr begünstigten oder durch eine effektivere Wirtschaftsstruktur wohlhabenderen Länder drängen werden. Bisher beschränkte sich ein solcher Exodus noch auf relativ wenige Einzelmenschen über eine Einwanderung.
Parallel zu der alarmierenden Bevölkerungsexplosion verkündet ja die katholische Kirche immer noch und immer wieder - an der Spitze der Papst - völlig paradox die Losung vom „Kindersegen“: je mehr, je besser.

Man muss sich - angesichts der Zustände in unserer heutigen Welt - wirklich nicht mehr fragen, ob das Ausgeben einer solchen „Losung“ nicht immer größere Gefahren heraufbeschwört. Wir sehen sie täglich. Gewiss, die Frage einer Geburtenkontrolle ist eine Frage der Weltanschauung und der Kultur, in der man lebt. Doch wo soll es hinführen, wenn wir weiterhin ungebremst Kinder in die Welt setzen? Es ist nicht nur der Papst, der das proklamiert, auch wenn er mit dieser „Losung“ missionarisch die Welt bereist. Die Bevölkerung nimmt auch in den nichtchristlichen Ländern in Südostasien (vielleicht außer China) und in den islamischen Ländern rapide zu. Und das westlich-materialistische „Wachstums-Credo“, von dem inzwischen alle Länder angesteckt zu sein scheinen, macht dann das Maß dann endgültig voll.

Unsere westliche Zivilisation, unsere Kultur, unsere Ethik, auf die wir so stolz sind, alles basiert bei uns letztendlich auf der christlichen Religion. Insbesondere, weil diese kein Original ist, sondern ein Konglomerat aus allen möglichen früheren Religionen (1). Doch wie realitätsfremd diese im Grunde ist, sehen wir daran, dass sie uns an den Rand des Abgrundes gebracht hat. Ich muss hier nicht detailliert auf die daraus resultierenden Mitweltzerstörungen durch das übermächtige Bevölkerungswachstum eingehen, darüber gibt es genug Literatur. In jeder Zeitung kann man täglich irgendwelche Alarmmeldungen lesen. Doch wir sind ja bereits so abgestumpft, dass wir sie überhaupt nicht mehr wahr-nehmen! Eine Bevölkerung - wie groß oder klein sie auch ist - will schließlich nicht nur ernährt, sie will und muss auch mit lebenswichtigen (und -unwichtigen) Dingen des täglichen Lebens versorgt werden. Sie verbraucht eine Unmenge an Energie und produziert Massen von Müll und anderen Abfällen. Je mehr, umso mehr. Ungezügelt mehr. Das predigt unsere Kultur der ganzen Welt. Wachstum auf „Teufel komm raus“! Wir können es täglich beobachten. Es stellt sich die Frage, ob wir wirklich auf diese Errungenschaften unserer hochgepriesenen Kultur stolz sein können oder ob wir das nicht besser schnellstens ändern sollten, solange wir noch eine kleine Chance dazu haben? In der Natur gibt es eine Art Regelmechanismus, der immer dann in Kraft tritt, wenn eine Art oder Gattung dem Aussterben nahe ist: es erfolgt eine übermäßige Vermehrung. Das ist eine, jedem Biologen bekannte Notreaktion der Natur auf eine befürchtete bevorstehende Vernichtung der Art. Der Sinn dahinter ist, dass bei der herannahenden Katastrophe - woraus auch immer sie bestehen mag - wenigstens einige wenige Individuen überleben könnten, um den Fortbestand der bedrohten Art zu gewährleisten. Dieser Regelmechanismus setzt bereits beim herannahenden Tod eines Einzelindividuums ein. Das kann jeder selbst in der Natur hautnah beobachten, wenn beispielsweise Pflanzen, deren Schädigung einen Tod voraussehen lassen, übermäßig viele Samen oder Ableger produzieren.



 

Die hier dargestellte Kurve zeigt das Anwachsen der Menschheit während der letzten zehntausend Jahre (aus: Karlheinz Deschner: „Das Kreuz mit der Kirche“, Düsseldorf/Wien 1992).

Diese Grafik ist in zwar in keiner Weise gesichert. Es handelt sich hierbei um Hochrechnungen und Schätzungen, und die Kurve dürfte mit großer Sicherheit bei weitem nicht derart gleichförmig über die Jahrtausende verlaufen, doch selbst wenn einige Schwankungen hinzukommen und eventuell der rapide Anstieg in der Gegenwart nicht ganz so dramatisch verlaufen sollte, zeigt diese Grafik eindrucksvoll, wie alarmierend unsere heutige Situation ist.


Betrachten wir nun die Entwicklung der Erdbevölkerung, so müssen wir nachdenklich werden. Die inzwischen jedem geläufige, unkontrollierbare Bevölkerungsexplosion setzte etwa zu Anfang dieses Jahrhunderts ein. Zuvor betrug die Weltbevölkerung

·       im Jahre 1650 nur 470 Millionen,

·       um 1750 etwa 694 Millionen,

·       selbst 1800 nur 906 Millionen Menschen,

·       im Jahre 1900 bereits 1,6 Milliarden.

(Diese Zahlen sind zwar reine Schätzwerte, basieren jedoch auf Ausgrabungen, Überlieferungen, Dokumenten, Berechnungen, Rekonstruktionen usw.).

Die wahre, regelrecht explosive Vermehrung ist demnach erst seit dem zweiten Weltkrieg zu beobachten. Sie verläuft parallel mit unserer technischen Entwicklung. Waren es - geschätzt - nach dem Ende des Krieges noch etwa 2,4 Milliarden Menschen (1950), die unsere Welt bewohnten, lag ihre Zahl nur 25 Jahre später - 1975 - bereits bei 4,1 Milliarden. Bemerkenswert ist, dass auch die beiden Weltkriege mit ihren über hundert Millionen Toten diese rapide ansteigende Vermehrungskurve nicht im geringsten beeinflussen konnten, genauso, wie keiner der nachfolgenden Kriege, egal in welchem Land er stattfand, sich reduzierend auf die jeweilige Bevölkerungsstatistik auswirkte.

In den siebziger Jahren wurde im Auftrag der amerikanischen Regierung ein Bericht über die menschliche Entwicklung in der nahen Zukunft bis zur Jahrtausendwende erstellt, der auch bei uns großen Anklang fand. In dem Werk „Global 2000“, das daraus entstand, errechneten und prognostizierten Wissenschaftler aller Fakultäten ein Zukunftsszenario auf der Basis der damaligen Kenntnisse und Erkenntnisse. Dieses umfassende Werk warnte eindringlich u.a. vor den Gefahren einer unkontrollierten Vermehrung der Menschheit. Bemerkenswert ist, dass man in diesem Werk eine Weltbevölkerung von 6,35 Milliarden für das Jahr 2000 voraussagte. Viele hielten damals diese Zahlen für maßlos übertrieben und dachten, die verantwortlichen Wissenschaftler wollten durch übertriebene Zahlen abschrecken, gingen doch konventionelle Berechnungen von „nur“ fünf Milliarden aus — die jedoch erst im Jahre 2025 erreicht werden sollten.
Die raue Wirklichkeit hat alle diese angeblich „maßlos übertriebenen“ Berechnungen bereits zu Makulatur werden lassen: bereits fünf Jahre vor der Jahrtausendwende ist die Menschheit auf rund acht Milliarden angewachsen — manche Wissenschaftler meinen sogar, es seinen inzwischen weitaus mehr —, und es ist kein Ende der Zunahme abzusehen, im Gegenteil: die Bevölkerungszunahme erfolgt immer schneller. Seit Beginn unseres Jahrhunderts haben wir eine Verfünffachung der Erdbevölkerung!

Es stellt sich die Frage, warum zur Zeit eine derart unmäßige Vermehrung der Menschheit zu beobachten ist? Und eine weitere Frage stellt sich: warum werden in unseren Medien diese alarmierenden Zahlen immer noch heruntergespielt, indem einfach die zu niedrigen Schätzzahlen, die teilweise aus den fünfziger Jahren stammen, zitiert werden?

Jede Lebensform besitzt ein kollektives Artenbewusstsein, das gilt heute als gesicherte, nachgewiesene Erkenntnis. Dieses Artenbewusstsein, das auch Kollektivbewusstsein genannt wird, schließt jedes einzelne Individuum einer Art ein.
Das persönliche Identitätsfeld eines jeden Lebewesens - auch Aura oder feinstofflicher Körper genannt - steht in einem ständigen, interaktiven Kommunikationsaustausch mit dem übergeordneten Artenbewusstsein. Diese Verbindung und der Datenaustausch funktioniert (zum Glück!) völlig unabhängig und unbeeinflussbar von unserem Wachbewusstsein und entzieht sich bisher erfolgreich dem Zugriff unserer Wissenschaftler (sonst würden wir auch hier noch herumpfuschen). Wir können die Funktion des Artenbewusstseins an dem simplen Beispiel erkennen, wenn ein Erfinder irgendetwas erfindet und zeitgleich, irgendwo an anderen Stellen der Erde, andere Erfinder dasselbe erfinden, völlig unabhängig voneinander und im Regelfall ohne eine Kenntnis von den „Parallel-Erfindern“. Das zeigte sich an ungezählten Erfindungen. Wie kommt ein solches zustande? Das jeweilige Unbewusste (des Erfinders) nahm die Information (der Erfindung) aus dem Artenbewusstsein (wo sie gespeichert ist) über die Kommunikationsverbindung durch das persönliche Identitätsfeld auf.

Wenn unser Artenbewusstsein mit jedem einzelnen Identitätsfeld in wechselseitiger Verbindung steht - und das ist so -, so kann man durchaus daraus schließen, dass unser Gruppenbewusstsein mehr „weiß“ als ein Einzelindividuum. Es hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den größeren Gesamtüberblick über die Gefahren, denen die Menschheit ausgesetzt ist oder sich selbst aussetzt. Deshalb sollten wir schleunigst darangehen, dieses unser Kollektivbewusstsein zu befragen, welches die Gefahren sind, die der Menschheit drohen, und konsequent dagegen angehen, ehe es zu spät ist: sind es sogenannte hausgemachte oder natürliche Gefahren? Denn nicht ohne triftigen Grund hat die Natur die Notreaktion einer übermäßigen Massenproduktion in Gang gesetzt.

Doch wie so oft: wir stehen - wieder einmal? - mit geschlossenen Augen davor. Schon in der Bibel steht es: „Menschensohn, hast du Augen zum Sehen und siehst doch nicht!“

Anmerkung
(1) Die christliche Kirche hat jedoch immer nur das übernommen, was ihr ins Konzept passte, ob positiv oder negativ.

Literatur
Das neue Taschenlexikon in 20 Bänden, Gütersloh 1992.
Der kleine Brockhaus in zwei Bänden, Wiesbaden 1961.
Karlheinz Deschner: „Das Kreuz mit der Kirche“, Düsseldorf/Wien 1992.
Reinhard Kaiser (Hrsg.): „Global 2000. Der Bericht an den Präsidenten", Frankfurt/Main 1980.
Prof. Dr. Carl Troll (Hrsg.): „Großer Herder Atlas", Freiburg im Breisgau 1958.
Immanuel Velikovsky: „Das kollektive Vergessen", Frankfurt/Berlin 1987.

Weiterführende Literatur
Gernot L. Geise: "Unsere Existenz: Nur ein Traum?", Peiting 2002.


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