Gernot L. Geise
Stell dir vor ...
Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin! - Jeder kennt diesen Spruch, und mancher hat darüber geschmunzelt. Handelt es sich um einen Wunschtraum?
Jetzt ist Krieg, auch wenn er zur Drucklegung dieser SYNESIS Nr. 3/2003 schon so gut wie vorbei ist. Krieg zwischen Amerikanern, Engländern und dem Irak. Vielleicht dachten die Amerikaner, die Irakis würden bei einem überlegenen Angriff nach obigem Spruch handeln, so dass die Besetzung Iraks zu einem unblutigen Spiel werden würde.
Ich möchte nicht über die Recht- oder Unrechtmäßigkeit dieses Krieges schreiben. Aber wir sollten eines bei all den schrecklichen Kriegsbildern, die wir täglich im Fernsehen sehen und sahen, nicht vergessen: Bevor wir in unser heutiges Leben hinein inkarniert sind, hat es sich jeder von uns angesehen und selbst ausgesucht! Es dürfte also für uns nicht überraschend sein, dass wir die heutigen Geschehnisse erleben (müssen). Und - so ungern wir es wahrhaben wollen - es ist ein Teil unseres gewollten Lebens, denn wir hatten die freie Wahl. Wir hätten uns vor unserer Inkarnation auch ein anderes aussuchen können.
Es müsste uns deutlich werden, dass die heutige Situation somit zu unseren Aufgaben gehört, die wir in diesem Leben bewältigen müssen.
Nicht nur in esoterischen Kreisen, sondern auch in vielen Religionen ist es kein Geheimnis, dass die Aufgabe einer jeden Seele darin besteht, durch jede weitere Inkarnation zu lernen, um sich immer mehr zu vervollkommnen und geistig aufsteigen zu können. Der Lernprozess besteht keinesfalls darin, dass man jeder Aufgabe passiv gegenüber steht oder ihr ausweicht. Dann hat man nämlich das selbst gesteckte Ziel verfehlt und muss die selben Aufgaben im nächsten Leben noch einmal wiederholen, wie in der Schule, wenn man sitzen bleibt.
Die Aufgaben, denen wir in unserem jetzigen Leben gegenüber stehen, resultieren demgemäß nicht nur, aber auch aus Fehlern oder ungelösten Aufgaben, die wir in einem unserer Vorleben begangen oder nicht gelöst haben, und wozu wir nun die Gelegenheit geboten bekommen, sie in diesem Leben zu meistern und daraus zu lernen. Das wird durch zahllose Rückführungen bestätigt.
Wir haben in einem Leben jedoch nicht nur Aufgaben zu lösen, sondern auch Erfahrungen zu machen. Dabei handelt es sich nicht nur um positive, sondern auch um ausgesprochen negative Erfahrungen, die wir durchleben müssen, denn niemand kann entscheiden, ob etwas gut oder schlecht ist, wenn er die Gegenseite nicht kennt!
Diesbezüglich ist aufgrund des Irak-Krieges ein weltweites Phänomen zu beobachten, das im wahrsten Sinne des Wortes erstmalig und hoffentlich nicht einmalig ist. Rund um die Welt, in allen möglichen Staaten und Ländern gingen Menschen zu Millionen auf die Straßen, um überwiegend mit friedlichen Mitteln gegen den Irak-Krieg und für den Frieden zu protestieren. Dabei spielte es keine Rolle, welcher Religion oder welcher Gesinnung die Menschen angehören. Stell dir vor, es ist Krieg, und jeder protestiert dagegen! Müssen wir den Spruch dahingehend ändern?
Dieses Phänomen, das in seiner gigantischen Auswirkung bisher niemals so richtig gewürdigt wurde, ist tatsächlich bisher einmalig, zumal die meisten Friedens-Demonstrationen in solchen Ländern stattfanden, deren Regierungen den Krieg befürworten oder zumindest tolerieren.
Wo waren diese Demonstranten beim vorigen Golfkrieg? Wo waren sie beim NATO-Angriffskrieg auf Jugoslawien? Wo waren sie beim Überfall auf Afghanistan? Natürlich haben auch damals einige Wenige protestiert. Aber es war nicht ein Hauch dessen, was dieses Mal passiert ist.
Und das macht Hoffnung! Nicht darauf, dass es zukünftig keine Kriege mehr geben wird. Das wären unerfüllbare, unrealistische Wunschträume. Aber es zeigt eindrucksvoll, dass die gesamte Menschheit offenbar dazu gelernt hat und auf dem besten Weg ist - wenn auch ganz langsam -, ihren Lernprozess erfolgreich weiter zu führen. Diese weltweite Antwort auf den Krieg zeigt, dass positive Schwingungen keinesfalls bloße Einbildungen sind.
Man hört immer wieder, mit dem Eintritt in das Wassermann-Zeitalter würde eine Schwingungserhöhung vor sich gehen, wie auch immer sie sich auswirken mag. Betrachte ich die derzeitigen Kriegstreibereien, so kann ich kaum daran glauben. Betrachte ich jedoch die weltweiten millionenfachen Reaktionen darauf, so könnten das erste Auswirkungen einer Schwingungserhöhung sein, zumal die kriegerischen Aktionen nur von wenigen Machthabern ausgelöst werden.
Sehr bemerkenswert ist dabei, dass Kinder und Jugendliche zu Hunderttausenden für den Frieden demonstrieren und ihre Schule schwänzen, weil ihnen ihre Friedensaussage wichtiger war. Es sind genau diese Jugendlichen, denen man bisher nachsagte, sie hätten nur Fun im Kopf. Eine Schülerin: Wir werden alle irgendwann einmal erwachsen, und dann verändern wir die Welt! Ich glaube, wir haben uns in der bisherigen abfälligen Beurteilung unserer Jugendlichen sehr geirrt!
Die Menschheit hat wohl noch einen weiten Weg vor sich, denn bisher sieht es realistisch gesehen so aus, dass die (gewählten oder nicht gewählten) Politiker oder Volksvertreter ihre mörderische Politik auch weiterhin durchführen, ohne Rücksicht auf den Willen der überwiegenden Mehrheit ihrer Völker zu nehmen.
Im Gegenteil werden - insbesondere von den kriegführenden Parteien - alle Möglichkeiten der Propaganda und der Menschenbeeinflussung eingesetzt, um nicht nur das eigene Volk hinter den kriegführenden Politikern zu versammeln.
Wenn wir erst einmal so weit sind, dass die Volksvertreter jedes Staates auch die vorherrschenden Meinungen ihres Volkes vertreten, wenn wir erst einmal so weit sind, dass sich allgemein auch bei den Politikern die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass mit kriegerischen Maßnahmen kein Konflikt gelöst werden kann, dann besteht die Hoffnung auf eine gemeinsame friedliche Zukunft der Menschheit.
Sind das nur unerfüllbare Wunschträume? Die Millionen friedlicher Demonstranten rund um die Welt lassen hoffen, dass es noch eine Chance gibt!
© 2003 Gernot L. Geise