Die Sprache der Europäer
- wie sie entstand und sich entwickelte -

(Vortrag in Kürnbach anlässlich der EFODON-Tagung 2001 vom 17.08.-19.08.)

(c) Friedrich Köhler; veröffentlicht in EFODON SYNESIS Nr. 6/2001


Die Geschichte seit Christi Geburt ist keineswegs gesichert, sondern nachweislich zum Teil falsch. Ich brauche das in diesem Kreise nicht zu vertiefen. Ich verweise nur

Auch was in der Ur- und Frühgeschichte heute noch als gesichert gilt, muss morgen schon wieder neu geschrieben werden.

Selbst die scheinbar auf festen Fels gegründete Kirchengeschichte einschließlich der Lebensgeschichte von Christus bekommt Risse.

Was ist wahr, was ist gesichert? Ich weiß es nicht. Ich stelle nur eines fest: überall in der Geschichtswissenschaft gibt es Ungereimtheiten! Dabei gilt die Wissenschaft doch als (Zitat) "der Inbegriff des durch Forschung, Lehre und überlieferte Literatur gebildeten für gesichert erachteten Wissens".

Offensichtlich ist dieser akademische Glaube an das gesicherte Wissen wohl doch nicht ganz angebracht.

Nicht alles was als gesichertes Wissen gilt, muss nämlich (das zeigt besonders die jüngste Erfahrung) auch tatsächlich gesichert sein. Wissen und Glauben liegen dicht beieinander. Fehler sind leicht gemacht. Ein Fehlschluss ist schnell unterlaufen und muss nicht immer als solcher erkannt werden. Er kann vom nächsten Wissenschaftler im guten Glauben ungeprüft übernommen werden. Darauf beruft sich der Nachfolgende, und so kann nach und nach aus einem Irrtum wissenschaftlich gesichertes Wissen werden. Schöne Beispiele finden sich bei Carotta.

Wenn eine Theorie gegen gesichertes Wissen verstößt, kann das demnach geradezu ein Gütesiegel sein. Und scheinbar unwissenschaftlich zu arbeiten, ein hervorragendes Zeugnis geistig unabhängiger Arbeit.

Dass auch die Geschichte der Sprachen ungesichert ist, lässt schon die Unzahl der Kritiker vermuten. Ich nenne nur:

Die Sprachgeschichte ist voller Fragezeichen. Vieles liegt (das geben selbst die Experten zu) im Dunkeln. Wo mag zum Beispiel unsere Sprache herkommen? Die Wissenschaft bemüht sich nicht einmal um eine Antwort! Sie erklärt statt dessen solche Fragen für zu spekulativ und damit für unwissenschaftlich.

Trotzdem sollte man sich unbedingt darüber Gedanken machen!

Denn wenn wir nur weit genug in die Vergangenheit zurückblicken könnten, würden vermutlich alle Menschen einer einzigen Familie angehören. Nach der derzeitigen Theorie begann der moderne Mensch vor 100.000 Jahren, von Afrika aus die Erde zu besiedeln. Dabei bildeten sich in den einzelnen Regionen unseres Globus unterschiedliche Erscheinungsformen aus. Das ist der zur Zeit allgemein anerkannte Wissensstand.

Kaum bekannt ist dagegen eine Besonderheit, die allein uns Europäer betrifft. Der Lebensraum des europäischen Typus erstreckte sich nämlich nach neuesten Erkenntnissen (das ist bei Horken und Dr. Meier nachzulesen) während der Eiszeit nicht nur auf das heutige Gebiet, sondern auch auf die jetzt überfluteten riesigen Schelfgebiete im Norden Europas. Diese waren damals zwar von Eisbarrieren umgeben, dafür jedoch vom Golfstrom begünstigt. Die dort am und vom Meer lebenden Nordeuropäer müssen sich (nach Horken, Dr. Meier und Marquardt) lange Zeit isoliert von den anderen entwickelt haben. Während anderswo kultureller Austausch stattfand, wurden jene hinter dem Eis gleichsam konserviert.

Der Vielfalt der weltweit lebenden Menschen entspricht auch die Vielzahl der Sprachen. Es gibt ca. 6000 auf der Welt und 200 - 300 Sprachfamilien, wie die indogermanische.

Haben diese ihren natürlichen Ausgangspunkt ebenfalls in Afrika?
Wir wissen es nicht. Die Vergleichende Sprachwissenschaft weiß nicht, wo die Sprache herkommt. Sie weiß auch nicht, wie sie entstanden ist. An den Lehrstühlen empfindet man solche Fragen als unwissenschaftlich, ja sogar als unseriös.

Lassen sie mich trotzdem spekulieren. Wir wissen doch, dass Babys nicht mit einem fertigen Wortvorrat auf die Welt kommen. Wohl aber mit der Fähigkeit, eine Sprache (und zwar jede x-beliebige) perfekt zu lernen. Ich folgere daraus: wenn uns Sprachen nicht fix und fertig mitgegeben werden, müssen sie irgendwann einmal ihren Anfang genommen haben.

Sprachen fallen ja nicht fertig vom Himmel!
Irgendwann in grauer Vorzeit müssen die Menschen folglich das erste Mal begonnen haben zu sprechen. Es kann zu jener fernen Zeit noch keine fertige Sprache zur Verfügung gestanden haben. Man kann nur bei Null angefangen haben. Es muss daher auch ein erstes Wort gegeben haben! Danach ein zweites, ein drittes und sofort.

Was ist überhaupt ein Wort und was ist Sprache?
Sprache ist der Gebrauch gleichbleibender Zeichen zur Verständigung.

Zeichen können zum Beispiel Lichtzeichen sein. Rot heißt in der Lichtsprache für Fußgänger HALT! Grün bedeutet GEHE! Diese Bedeutung muss vereinbart werden.

Die deutsche Sprache ist eine Lautsprache und die einzelnen Lautzeichen nennen wir Wörter. Jedes dieser Zeichen hat seine Bedeutung, und die muss (genau so wie bei den Lichtzeichen) vereinbart werden.

Auch das aller erste Lautzeichen muss demzufolge vereinbart worden seien.

Sprache ist zwar eine Erfindung des Menschen, aber zugleich auch eine Schöpfung der Natur. Und diese bildet aus einfachen Anfängen erst nach und nach auf sehr wirtschaftliche Weise komplexere Strukturen.

Die ersten Lautzeichen dürften also noch sehr einfach gewesen sein. Wenige Laute, darunter vielleicht der (auch von Herrn Knauer favorisierte) Kardinalvokal "a" oder der für die Spracherkennung unerlässliche Steuervokal "i".

Sprache ist gleich der Natur immer ökonomisch. Die nächsten Lautzeichen werden daher (so ist zu vermuten) durch geringfügiges Abändern oder einfache Kombination der bereits gebräuchlichen entstanden sein.

Auch Prof. Zarnack vertritt diese Auffassung (Zitat): "neue Wörter werden generell durch Anregung und in Anlehnung an ältere gemacht." Er selbst zitiert auch Zimmer bzw. Langacker, die es so formulieren: "es lässt sich kaum etwas Neues bezeichnen, ohne auf Bekanntes oder Benamtes zurückzugreifen."

Jedes neue Wort müsste dann eigentlich irgendeinen Bezug zum vorhergehenden gehabt haben. Anfangs könnte man demzufolge die Laut- und Sinnverwandtschaft der Wörter noch verstanden haben. Vielleicht so wie heute dem "Handy" noch die Hand anzuhören ist.

So könnte die indogermanische Ursprache aus wenigen Urwörtern langsam und organisch gewachsen sein. Aus der immer komplexer werdenden Ursprache müssen dann allmählich all die eigenständigen Sprachen entstanden sein, deren Verwandtschaft erst vor 200 Jahren aufgefallen ist.

Die Vergleichende Sprachwissenschaft weiß weder wo noch wie die Sprache entstanden ist. Sie macht sich nicht einmal darüber Gedanken. Trotzdem unternimmt sie den kühnen (und ich meine hoffnungslosen) Versuch, die Ursprache zu rekonstruieren.

Sie zerlegt (kurz gesagt) zur Lösung ihrer Aufgabe jede einzelne schriftlich belegte Sprache in ihre Bestandteile und vergleicht diese. Mit Hilfe der festgestellten Gesetzmäßigkeiten und der bekannten Wörter rekonstruiert sie dann die zugehörigen mutmaßlichen Urwörter. Diese gelten, als sei das selbstverständlich, heute als wissenschaftlich gesichert.

Ich meine dagegen, dass diese Vorgehensweise unwissenschaftlich ist und die Ergebnisse keineswegs als gesichert hingenommen werden können.

Die indogermanischen Sprachen sind doch erst seit etwa 5000 Jahre schriftlich belegt. Die Ursprache dürfte (wenn man an unsere gemeinsame Herkunft aus Afrika denkt) dagegen sehr viel älter sein. Es ist daher ausgesprochen verwegen, sich bei der Rekonstruktion nur auf einen Bruchteil der Sprachgeschichte zu beschränken und dann noch die gewonnenen Erkenntnisse für wissenschaftlich gesichert zu halten.

Zudem hat jede Sprache ihre eigene Geschichte. Es könnte daher auch Sprachen geben, die die Elemente der Ursprache besser bewahrt haben. Es ist also unlogisch, alle Sprachen ohne weiteres gleich zu behandeln.

Wissenschaft sollte (Zitat) "von Wertungen und Gefühlen frei" sein. Sie sollte (Zitat) "mit auf Sachbezogenheit gründender Objektivität allgemein nachprüfbare Aussagen treffen". Es zeugt in diesem Licht nicht von akademischer Weitsicht, sich von der nicht überprüfbaren (und immer häufiger angezweifelten) Annahme "ex oriente lux" den objektiven Blick vernebeln zu lassen.

Nur deswegen gilt als wissenschaftlich gesichert, dass sich die sogenannten "germanischen" Sprachen irgendwann einmal von den übrigen abgespalten und danach eine Lautverschiebung mitgemacht haben. Das ist in Wirklichkeit überhaupt nicht zu beweisen! Niemand kann den wahren Grund dieses als 1. Germanische Lautverschiebung bekannten Phänomens nennen oder gar wissenschaftlich belegen. Da hat GRIMM einen entscheidenden wissenschaftlichen Fehler gemacht.

Der schwerste Fehler der Vergleichenden Sprachwissenschaft aber ist, dass sie die Sprache unterschätzt hat. Sprache und Geist kann man sich nach Humboldt nicht eng genug beieinander denken. Das ist vollkommen richtig! Man weiß bis heute nicht einmal annähernd, wie das menschliche Gehirn oder die Sprache wirklich funktionieren. Der Sprache und dem menschlichen Geist kann man daher nicht allein mit mechanischem Sprachvergleich und pedantischer Erbsenzählerei beikommen. Sprachen (ganz besonders eine alte wie das Deutsche) sind vom Geist der Urahnen erfüllt. Sie haben eine Seele, die sich erst dann offenbart, wenn man nicht nur der Lautstruktur- sondern auch der Sinnverwandtschaft der Worte Beachtung schenkt.

Solche Gedanken haben schon meinen Vater bewegt. Von ihm habe ich die Sprachforschung geerbt wie der arme Müllerbursche den gestiefelten Kater.

Ihm war das aufgefallen, was auch in dem neuen Buch von Walter Haug und Reinhard Schmid ("Unsere Dorfsteinbrüche, Die größten Megalith - Monumente der Welt?" CERNUNNOS, ISBN 3-00-007639-5) anklingt. Dass es im Deutschen viele Wörter gibt, die (unter Berücksichtigung der bekannten Lautveränderungen) nicht nur ähnlich klingen, sondern auch eine gemeinsame Wurzel zu haben scheinen.

Bei Walter Haug zeigt die Hälde (Grabhügel) eine gewisse Sinngemeinschaft mit dem Wort halten und ist auch offenbar verwandt mit Wörtern wie Halde, hohl, hehlen, der Totengöttin Hel oder Holda.

Wenn man fleißig (so wie ich) sucht und auch mal nach den anderen "germanischen" Sprachen oder dem Lateinischen und Griechischen schielt, kommt man auf eine riesige Zahl von solchen Begriffen, die sich zu sehr wenigen großen Gruppen laut- und sinnverwandter Wörter zusammenfügen.

Alles was ich behaupte ist, dass sich jede dieser riesigen Wortgruppen auf ein einziges Urwort zurückführen lässt! Man muss sich nur in die einzelnen Wörter hinein vertiefen, ihre Botschaft verstehen, und den Geist der Sprache zu begreifen suchen.

Dann treten die Worte der Ahnen aus der grauen Vergangenheit hervor. Und diese Urwörter sind archaisch einfach: zum Beispiel ICH, DU, DER, FEUER, HÖHLE. Diese fundamentalen aus maximal drei Lauten bestehenden Wörter können nur die echten Urwörter der indogermanischen Sprache sein! Sie bilden ein in sich geschlossenes und unmittelbar einleuchtendes dreigliedriges System aus ganz wenigen einfachen Lautzeichen (darunter, wie anfangs vermutet, der wichtige Kardinalvokal a, und der Steuervokal i). Es lässt sich sogar eindeutig verstehen, welches das allererste Wort gewesen sein muss.

Am Anfang war das Wort, das erste (zwischen zwei Menschen vereinbarte) Lautzeichen der indogermanischen Sprache.

Es war das Urwort thi = DU.
Und das zweite Urwort lautete i = ICH. Höchstwahrscheinlich wurden beide im Spiel zwischen Mutter und Kind "erfunden".

thi bedeutete in der Urzeit nicht nur DU, sondern auch LAUTZEICHEN oder WORTE, weil es das erste LAUTZEICHEN überhaupt war. Wir bezeichnen unsere LAUTZEICHEN daher immer noch als thi, nur mit dem kleinen Zeitbegriff uer = VON ANFANG AN oder schlicht UR davor. In der Ursprache bedeutete uer-thi also UR-WORTE oder UR-LAUTZEICHEN. Das ist der eigentlich SINN unseres heutigen Substantivs WOR-TE!

Zarnack behauptet, dass (Zitat) "grundsätzlich jedes Wort einer indogermanischen Sprache mehrere Bedeutungen habe... Diese Binsenweißheit werde von Etymologen häufig übersehen." Er hat Recht, die Urwörter bestätigen das.

Meine nach Ansicht der Fachleute unwissenschaftlichen Forschungsergebnisse sind aber auch aus vielen anderen Gründen plausibel.

Man kann zwar zur Zeit noch nicht sagen, wo oder gar wann die Ursprache entstanden ist. Aber eines kann man jetzt mit Sicherheit sagen:

Die Urwörter haben sich im Norden Europas am besten erhalten! Die Sprache scheint einfach mit den Menschen zusammen in der Isolation am besten konserviert (eingefroren) worden zu sein. Die sogenannten "germanischen" Sprachen haben die Ursprache schlicht am besten bewahrt. Und nicht die vielen anderen Sprachen bis hin zum Sanskrit!

Man nehme eine Sprache, rekonstruiere daraus mit viel Phantasie ein paar vermeintliche Urwörter und behaupte mit viel Brimborium, diese Sprache habe die Urwörter am besten bewahrt. Handelt es sich hier um einen klassischen zirkulären Schluss?

Nein, die gefundenen Urwörter bilden nicht nur ein deutlich erkennbares logisches System. Sie decken auch die unweigerlich zu erwartenden und offensichtlichen Fehlergebnisse der Vergleichende Sprachforschung auf!

Das vermeintliche Urwort für FEUER soll zum Beispiel *ngni gelautet haben. Rekonstruiert wurde dieser künstliche Zungenbrecher u.a. aus lat. ignis = Feuer. Ignis ist jedoch offenkundig laut- und sinnverwandt mit dem (ahd.) Verb kniten = reiben, hat also mit Feuer nur indirekt zu tun. Das ist nur einer der unzähligen sofort ins Auge springenden Fehler, die schon allein deswegen passieren konnten, weil die Bedeutung der germanischen Sprachen so sträflich unwissenschaftlich unterschätzt wurde. (Das wirkliche Urwort lautet übrigens fir.)

Die Urwörter bilden nicht nur ein sich geschlossenes und unwiderlegbares Ganzes. Sie decken nicht nur die Fehler der Sprachwissenschaft auf. Sondern darüber hinaus lassen sich unendlich viele Wörter der modernen Sprachen, deren ursprünglicher Sinn verlorengegangen ist, mit Hilfe der wahren Urwörter plausibel erklären.

Wenn die Urmenschen miteinander sprachen, so nannten sie das thi ah tan. Das bedeutet wörtlich etwa: LAUTZEICHEN GEIST TUN. Da es am Anfang der Sprache demnach offenkundig noch kein eigenes Wort für "sprechen" gab, wurde dieser Vorgang von ihnen sehr intelligent umschrieben. Mit den einfachen Urwörtern, die bereits zur Verfügung standen: LAUTZEICHEN, GEIST und TUN. Sie beweisen damit, dass sie das Wesen der Sprache besser verstanden hatten, als die Vergleichenden Sprachwissenschaftler. Für unsere Vorfahren TAT sich mit den LAUTZEICHEN das Tor zum GEIST der Mitmenschen auf. Nicht Humboldt sondern sie haben als erste erkannt, wie nahe Sprache und GEIST beieinander liegen: LAUTZEICHEN GEIST TUN, man kann es nicht besser sagen.

So kamen die Tuatha-Völker, nach Dr. Meier die Vorfahren der sogenannten "germanischen" Stämme, zu ihrem Namen. Tuatha kommt von thi ah tan und bedeutet "sprechen". Diese Völker gehörten alle der gleichen Sprachgemeinschaft an und würden daher besser nicht als "germanische" sondern als thi ah tan-ische (oder vielleicht auch als teutonische) Völker bezeichnet.

(Ahd.) theota = Volk ist daher auch falsch!

Die "Deutschen" bedeutet schlicht und einfach die, die "SPRECHEN".

Die Begriffserfindung "1. Germanische Lautverschiebung" ist demzufolge wissenschaftlich ebenfalls nicht mehr zu halten! Sie müsste nämlich einfach nur "Erste Lautverschiebung" heißen, weil sich nicht die germanischen (d. h. thiahtanischen) Laute verschoben haben, sondern die der anderen Sprachen.


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