Chinas schweigende Zeugen
© Peter Krassa; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 5/2001
Im östlichen Teil Asiens befindet sich wohl eines der unergründlichsten Länder dieser Erde. Einwohnermäßig mit seinen rund 1,3 Milliarden Menschen sicherlich der am stärksten besiedelte Staat auf dieser Welt: Die Volksrepublik China.
Seit Jahrzehnten wird es kommunistisch regiert einstmals war es unter monarchischer Herrschaft: das legendäre "Reich der Mitte".
Doch unabhängig von allen sich im Verlauf der Geschichte sich verändernden politischen Gegebenheiten ist China vor allem durch seine wegweisende kulturelle Entwicklung beispielgebend hervorgetreten; durch seine genialen Erfinder und durch die in diesem Land immer wieder in die Praxis umgesetzten technologischen Großtaten, die im späteren Verlauf vielfach weltweite Nachahmung fanden.
Schon vor mehr als zweitausend Jahren dominierte Chinas Kultur zumindest im asiatischen Raum. Spätestens mit der Errichtung der sich über rund 2.500 Kilometer erstreckenden "Chinesischen Mauer" auch "Große Mauer" genannt verschaffte sich dieses Riesenreich Geltung und auch Bewunderung anderswo. Zwischen vier und sechzehn Meter hoch sowie sechs bis acht Meter dick, ist Chinas seinerzeit erbauter Schutzwall, der den Einfall fremder, eroberungssüchtiger Armeen verhindern sollte, gewissermaßen ein "Markenzeichen" unseres Planeten. Die "Große Mauer" ist nämlich das voluminöseste Merkmal der Erde, das laut Aussage unserer Astronauten bereits aus dem Weltraum sichtbar ist und somit deutliche Auskunft zu geben vermag, dass dieser Planet von intelligenten Geschöpfen bewohnt ist.
Chinas immer noch in geheimnisvollem Dunkel liegende Vergangenheit, seine oftmals rätselhaft anmutende Vorgeschichte, hat mich seit jeher fasziniert. Dreimal habe ich bisher die Volksrepublik bereist: 1972, 1982 sowie 1994.
1982 hatte ich die Möglichkeit, mit dem damaligen Leiter der Archäologischen Akademie der Wissenschaften in Bejing, Professor Xia Nai, zu sprechen. Das war übrigens jener Gelehrte, welcher den ungewöhnlichen Gürtel aus Silber und Aluminium untersuchte, der im März 1953 in einem Feldherrngrab nahe Shanghai entdeckt worden war.
Chinesische Archäologen waren bereits im Dezember 1952 auf diese Grabstätte gestoßen. Hier hatte der chinesische General Chou Ch'u seine letzte Ruhe gefunden. Chou Ch'u lebte von 240 bis 299 nC und war, erst 59-jährig, auf dem sogenannten Feld der Ehre gefallen. Schon vor der Entdeckung seiner Gruft hatten sich Grabräuber dort gewaltsam Zutritt verschafft und dabei wohl manche Kostbarkeit, die man Chou Ch'u auf seine letzte Reise mitgegeben hatte, erbeutet. Dass ihnen allerdings jenes ungewöhnliche, 1.700 Jahre alte Artefakt ein Gürtel mit 17 Metallornamenten aus Silber und Aluminium entgangen sein soll, ist kaum zu glauben.
Die Herstellung von Aluminium war auch in China (soviel wir wissen) damals unbekannt. Das Verfahren, Aluminium herzustellen, glückte den Europäern erst im Jahre 1825. Dieses Leichtmetall kann nämlich nur mit Hilfe eines Elektrolyseverfahrens aus Bauxit gewonnen werden, wobei extrem hohe Temperaturen erforderlich sind. Auch Professor Xia Nai zeigte sich mir gegenüber einigermaßen ratlos, als ich ihn darüber befragte, welches Wissen seine chinesischen Vorfahren befähigt haben könnte, Aluminium bereits vor mehr als anderthalb Jahrtausenden herzustellen.
Der Professor verblüffte mich mit einer mehr als skurrilen Überlegung. Er versuchte mir weiszumachen, dass die Aluminiumteile des Gürtels unter Umständen erst viel später in das Feldherrngrab hineingelegt worden seien. "Vielleicht sogar durch einen Grabräuber", wie Xia Nai realitätsfern spekulierte. Eine Annahme, wie sie unwahrscheinlicher kaum denkbar scheint. Weshalb sollten Grabschänder, die doch stets darauf aus sind, kostbare Beute in Herrschaftsgräbern an sich zu bringen, ausgerechnet die Gruft des Generals Chou Ch'u um einen wertvollen Gegenstand bereichert haben?
Professor Xia Nai informierte mich 1982 auch darüber, dass der von ihm untersuchte Aluminiumgürtel in zwei Einzelteile zerlegt worden sei und danach sowohl im Historischen Museum von Nanking wie auch in dem von Bejing besichtigt werden könnte. Nach letzten Informationen, die ich vor nicht allzu langer Zeit erhalten habe, ist die Gürtelhälfte, die man Bejing zur Verfügung stellte, aus der Vitrine des dortigen Museums verschwunden. Wurde da wieder einmal ein wichtiger Zeuge aus unserer noch unenträtselten Vergangenheit aus bestimmten Gründen "unter den Teppich" gekehrt?
Einer der genialsten Erfinder im einstigen "Reich der Mitte" war der Mathematiker, Astronom und Dichter Chang Heng. Er lebte zwischen 78 und 139 nC, während der späteren Han-Dynastie. Chang Heng entwickelte u.a. einen Seismographen, der zu den Prunkstücken des kaiserlichen Observatoriums zählte, dem dieses Allroundgenie auch als Hofastronom vorstand.
Unser nunmehriges Wissen über diesen Mann haben wir dem englischen Prähistoriker Joseph Needham zu verdanken, der zu Lebzeiten das alte China zu seinem bevorzugten Forschungsgebiet erwählte.
Der eigentliche Mechanismus der Apparatur wurde durch einen kupfernen Kessel verborgen und geschützt. An seiner Außenseite waren Drachenköpfe angebracht, die je eine Bronzekugel im Maul trugen. Darunter befanden sich Nachbildungen von Kröten. Traf beispielsweise eine Erdbebenwelle den Standort des Kessels, dann öffnete derjenige Drache, dessen Antlitz der Richtung der Druckwelle am nächsten stand, den Rachen, die Kugel fiel heraus direkt in das geöffnete Maul der darunter befindlichen Kröte. Zugleich ertönte ein Glockensignal, worauf sich der Kiefer des Drachen wieder schloss.
Auf diese Weise war es den altchinesischen Seismologen möglich, mit Lineal und Kompass das Epizentrum des Bebens festzustellen bzw. zu errechnen. Wobei bei dieser Gelegenheit nicht vergessen werden darf, darauf hinzuweisen, dass auch Lineal und Kompass ein Geniestreich altchinesischer Erfinder gewesen sind.
Mit Chang Hengs "Erdbeben-Wetterhahn", wie sein Messgerät auch genannt wurde, war es zwar nicht möglich, seismische Vorgänge zu erklären, doch die vorzüglich funktionierende Maschine informierte den kaiserlichen "Himmelssohn" immer sofort über jedes Erdbeben in seinem Reich.
Chang Hengs Seismograph war ohne Zweifel ein technisches Prunkstück und wurde offensichtlich von einem hochempfindlichen Mechanismus gesteuert. Was den genialen Erfinder dazu angeregt haben könnte, wissen wir nicht, aber sein Wissen war jedenfalls bemerkenswert. In Chang Hengs Weltbild gab es keinen Platz für "kristallene Sphären", an die damals im Europa des frühen Mittelalters geglaubt wurde. Er wusste ebenso Bescheid über die Sonnen- und Mondfinsternis, und er beschrieb die einzelnen Mondphasen mit folgenden Worten:
"Die Sonne gleicht dem Feuer und der Mond dem Wasser. Das Feuer strahlt Licht aus, das Wasser reflektiert es. Also wird die Helligkeit des Mondes durch die Sonnenstrahlen hervorgerufen, er ist dort dunkel, wo sie ihn nicht treffen.
Die der Sonne abgewandte Seite ist dunkel. Das von der Sonne ausgestrahlte Licht erreicht nicht immer den Mond, da die Erde dazwischentreten kann das wird dann Mondfinsternis genannt. Wenn das gleiche mit einem Planeten geschieht, nennen wir es eine Bedeckung. Bewegt sich der Mond durch die Sonnenstrahlen, dann entsteht eine Sonnenfinsternis."
Zu den inzwischen weltweit anerkannten Heilmethoden aus Chinas Vorzeit gehört heute auch die Akupunktur. Sie soll vor ungefähr 5000 Jahren entwickelt worden sein. Mit Hilfe von Nadeln kann hierbei eine reflektorische Einflussnahme auf Organkrankheiten bewirkt werden. Ich weiß aus eigener Erfahrung, welche organische Hilfe diese Jahrtausende alte Therapie herbeizuführen vermag. Aber selbst chinesische Ärzte, die ich während meiner ersten Chinareise, im Jahre 1972, über die Herkunft dieses Wissens befragte, vermochten mir darüber keine zielführenden Angaben zu vermitteln.
Schon frühzeitig beschäftigten sich chinesische Astronomen mit den Gestirnen am Firmament. Fast alle Angaben über Sternexplosionen der vergangenen 3000 Jahre, wie sie uns heute geläufig sind, stammen aus chinesischen Quellen. Ein überlieferter Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert zeigt eine alte Sternwarte in Beijing. Dabei muss erneut das bereits mehrfach zitierte chinesische Universalgenie Chang Heng erwähnt werden: Sein "Planetarium", das der im Jahre 115 zum kaiserlichen Hofastronom ernannte Erfinder damals zu konstruieren vermochte im Jahre 133 hatte ihn der kaiserliche "Himmelssohn" zu seinem persönlichen Berater erhoben -, muss selbst aus heutiger Sicht als ein technisches Meisterwerk bezeichnet werden. Zeitgenössische Kommentare priesen die Funktionstüchtigkeit der Anlage, hoben gesondert hervor, wie wunderbar der künstliche Himmel der Apparatur mit der Wirklichkeit übereinstimmte. So soll der Sternenglobus mit Hilfe von Wasserkraft um eine Achse getrieben worden sein, wobei ein offenbar verborgener Mechanismus verschiedene Rotationsgeschwindigkeiten möglich gemacht habe.
Der Begriff des Fliegens tauchte in China bereits in ältesten Überlieferungen auf. Da gibt es etwa die Erzählung über eine Frau mit Namen Chang E. Sie ist in China jedem Einheimischen geläufig, der sich etwas intensiver mit den Sagen und Legenden seines Landes befasst. Chang E wird darin als die Gattin des Wissenschaftlers Hou Yi bezeichnet. Mehr darüber kann in zwei Schriftwerken der westlichen Han-Dynastie aus der Zeit zwischen 206 vor und 9 nC im Shanghaijing, dem Buch der Berge und Flüsse, sowie im Huainanzi, einer Sammlung philosophischer, historischer und wissenschaftlicher Artikel, nachgelesen werden. Chang E soll, so erfährt man, damals ebenso wie ihr Mann die Gunst des Himmelskaisers verloren haben. Hou Yi, der sich deshalb von dieser Welt empfahl und auf einem "Strom aus leuchtender Luft" zum Mond geflogen sein soll, blieb dort offenbar nicht allzu lange allein. Nachdem er zunächst auf dem Erdtrabanten (laut Legendentext) "den wie zu Eis erstarrten Horizont" bestaunt hatte, um danach hierorts einen "Palast Große Kälte" zu errichten, beschloss auch Chang E ihrem Mann nachzufolgen. Sie schluckte eine Art "Zaubertrank", um dann mit einem so genannten "Himmelsvogel" in Richtung Mond zu starten. Dort soll sie sich fortan in ihre Forschungen vergraben haben.
Für uns interessant erscheint die Beschreibung, die Chang E vom Aussehen dieses Himmelskörpers ihrer Nachwelt überlieferte. Sie bezeichnete den Mond als "leuchtende, wie Glas schimmernde Kugel von gewaltiger Größe und beträchtlicher Kälte". Andere Quellen aus dem 4. Jahrhundert, die aber auf weit älteren Erzählungen basieren, behaupten ferner, dass das Ehepaar Hou Yi und Chang E mehrmals die Route Erde-Mond-Erde zurückgelegt habe. Ein Gemälde, das ich bei einem meiner Chinareisen erwarb, zeigt den Mondflug der altchinesischen "Astronautin" - jedoch in rein symbolischer Deutung.
Verschiedene Tuschmalereien aus älterer Zeit machen immer wieder den frühchinesischen Wunschtraum deutlich, sich auf irgendeine Weise in die Lüfte erheben zu können. Das wurde manchmal in sehr naiver Form dargestellt, in dem man ein menschliches Geschöpf, Mann oder Frau, auf einem Vogel reiten ließ. Aber manchmal auch mit durchaus wissenschaftlich fundiertem Hintergrund.
Der inzwischen verstorbene englische Prähistoriker und Chinaexperte Joseph Needham, mit dem ich 1981 korrespondierte, fand in alten chinesischen Schriften den interessanten Hinweis, wonach der hier bereits mehrfach genannte geniale chinesische Erfinder Chang Heng auch einen Flugapparat konstruiert haben soll, mit dem es ihm angeblich möglich war, sich selbst in die Luft zu erheben. Needham zitiert in seiner "Monumentalen Geschichte der Wissenschaft in China" auch eine Passage aus dem Werk des Gelehrten Ko Hung, in dem es heißt, Chang Heng, der "kaiserliche Astronom und Meister der mechanischen Künste" habe selbst berichtet, er sei mit einem Gerät mit drehenden Rotoren und eingebautem Antriebsmechanismus durch "die Lüfte" geschwebt. Eine alte Tuschzeichnung scheint auf diese Erfindung hinzudeuten. Demnach dürfte Chang Hengs Flugkörper einem vorgeschichtlichen Helikopter geähnelt haben. Auch der moderne Fallschirm besitzt einen historischen Vorgänger. Zeichnerische Darstellungen solcher Gebilde aus den frühesten Epochen Chinas beweisen deren enge Verbindung zum Fliegen. Ein ganz wesentliches Indiz für chinesische Hinweise, Fluggeräte bereits in ältester Zeit besessen zu haben, sind jene Legenden aus dem einstigen "Reich der Mitte", die von "feurigen Drachen" zu erzählen wissen. Der Drache ist auch in der heutigen Volksrepublik sowie in Taiwan ein nach wie vor gültiges Nationalemblem. Wobei jedoch streng unterschieden werden muss: Die Chinesen sehen in diesen Monstern keineswegs wie etwa unsere Historiker ein prähistorisches Urtier, einen Flugsaurier oder ähnliches. Für sie ist in diesem Zusammenhang vielmehr davon die Rede (wobei man sich vorwiegend auf mythologische Überlieferungen stützt), dass die legendären Vorfahren der Gelben Rasse die sogenannten "Himmelssöhne" am Anfang der Zeiten auf "feurigen Drachen" auf die Erde kamen und dort das heute chinesische Terrain besiedelten.
Zwar ist in diesen Sagen natürlich nicht von Raketen oder Raumfahrzeugen die Rede, doch finden sich beispielsweise in dem altchinesischen Schriftstück "Huai-nan-tsu" auffallende Andeutungen in dieser Richtung. "Geister stiegen oft zu den Menschen herab, um sie die göttliche Weisheit zu lehren", heißt es darin, und in seinem 108. Kapitel beschreibt dieser Text ein geradezu idyllisches Zeitalter: "Damals lebten die Menschen und Tiere in einem Paradies und waren in kosmischem Verstehen miteinander verbunden...".
Weiter erfahren wir aus dieser prähistorischen Quelle, dass die "Drachenkönige" gleichzeitig auch die Väter der 1. Dynastie Chinas gewesen seien. Dass man heute Drachendarstellungen auch mitten im Stadtbild von Beijing und anderen Städten des Landes ansichtig wird, beweist die Wertigkeit, die Chinas Symbol immer noch zugemessen wird. Wobei die Vermutung, bei den chinesischen Ur-Drachen könnte es sich in Wirklichkeit um mechanisch angetriebene Luftfahrzeuge gehandelt haben, keineswegs zu weit hergeholt erscheint.
Aus Beschreibungen in alten Texten über die bemerkenswerten Fähigkeiten dieser angeblichen Fabeltiere erfährt man, jene Ungeheuer seien auf Winden "gen Himmel geröhrt" eine zweifellos akustische Wahrnehmung also -, und sie seien auch imstande gewesen, bis in die Tiefen des Meeres hinab zu stoßen. Ab und zu, so ist überliefert, hätten die Drachen auch Mädchen entführt und danach zu ihren Herren, die in den Wolken gewohnt haben sollen, gebracht.
Die Möglichkeit zu fliegen nimmt in Chinas Annalen breiten Raum ein. Eine Tuschmalerei aus dem frühen Mittelalter (siehe Bild) zeigt eine erstaunt zum Himmel blickende Ansammlung von Chinesen und über den Leuten zwei mit Passagieren besetzte Flugwagen. Sogar etwas wie eine Luftschraube ist auf einem dieser Luftfahrzeuge andeutungsweise zu sehen.
Intensive Nachforschungen des englischen Sinologen Herbert A. Giles ergaben für diesen Gelehrten die Gewissheit, dass der Begriff des Fliegens im alten China nicht nur ein Wunschtraum gewesen ist, sondern anscheinend auf Erfahrungswerten basierte, die uns Chronisten zugänglich machten. So besitzt dieses fernöstliche Kulturvolk von alters her die Vokabel "Fei-chi". "Fei" bedeutet "fliegen", "chi" hingegen wird mit "Kraft" beziehungsweise "Energie" übersetzt. Was aber wurde mit "Kraft" oder "Energie" betrieben? Wohl ein fester Körper. Professor Giles entdeckte Anfang des 20. Jahrhunderts in dem Buch "Po wy chih", das im 3. Jahrhundert verfasst worden war, Berichte über das kunstfertige Volk der Chi-Kung. Es besaß, der Überlieferung nach, mehrere fliegende Wagen. Davon existieren sogar Tuschmalereien, die im frühen Mittelalter angefertigt wurden, jedoch auf weit ältere Quellen zurückgeführt werden müssen. Berichte über die rätselhaften "Fei-chis" der Chi-Kung reichen jedenfalls in Epochen zurück, von denen uns heute rund 3800 Jahre trennen. Eine Legende über die Konstrukteure jener fliegenden Wagen erzählt:
"Die Chi-Kung sind ein kunstreiches Volk. Sie kennen viele Dinge, die anderen Völkern verborgen bleiben. Auf großen Wagen reisen sie mit Windeseile durch die Lüfte. Als der Kaiser T'ang die Welt regierte, trug ein westlicher Wind die fliegenden Wagen bis nach Yüchow (dem heutigen Hunan; d. Verf.), wo sie landeten. T'ang ließ die Wagen auseinander nehmen und verbergen. Zu leicht glaubte das Volk an übernatürliche Dinge; der Kaiser aber wollte seine Untertanen nicht in Unruhe versetzen.
Die Besucher blieben zehn Jahre, dann bauten sie ihre Wagen wieder zusammen, luden die Ehrengeschenke des Kaisers ein und flogen auf einem starken östlichen Wind davon. Sie erreichten wohlbehalten das Land der Chi-Kung, 40.000 Li jenseits des Jadetores. Mehr ist über sie nicht bekannt."
Wir müssen uns also auf den spärlichen Rest beschränken, der aus prähistorischen und dichterischen Quellen erhalten geblieben ist. In einem von dem chinesischen Poeten Kuo P'o (er lebte von 270 bis 324 nC) verfassten Gedicht heißt es dazu:
"Bewundernswert sind die geschickten Arbeiten des Chi-Kung-Volkes. In Verbindung mit dem Winde strengte es sein Hirn an und erfand einen fliegenden Wagen, genannt ,Fei-lun', der, steigend und sinkend, je nach seinem Wege, es zum Kaiser T'ang brachte."
Aber auch in T'ao Hung Chings Werk "Chen kao", in Jen Fangs Buch "Schu itschi" sowie in einer Schrift des Kaisers Yüan-Ti (alle diese Werke entstanden im fünften Jahrhundert nC; d. Verf.) werden "fliegende Wagen" bzw. "fliegende Räder" als Transportmittel genannt.
Das im 14. Jahrhundert veröffentlichte Werk "I yü kuo chih" enthält im übrigen jene bereits erwähnten Tuschmalereien, die später der englische Sinologe Professor Giles in seinem Buch wiedergab. Inwieweit die Datierungen bezüglich der Existenz dieser Flugapparate zutreffen, ist nicht hundertprozentig nachzuweisen. So findet sich beispielsweise im 47. Kapitel des im Jahr 1341 veröffentlichten Werkes "Ku yü t'u" inhaltsmäßig fast die gleiche Geschichte über das Volk der Chi-Kung, jedoch wurde dort diese Legende in einem anderen, weit früheren Zeitalter angesiedelt. Da lesen wir:
"Vor alter Zeit unter Kaiser Cheng von der Chou-Dynastie (1122 bis 249 vor Christus) schickte das Land der Einarmigen Gesandte mit Tributgeschenken. Sie saßen auf einem Wagen aus Federn, der vom Wind getrieben wurde. So kamen sie herangeflogen zum Hofe der Chou. Der Herzog von Chou fürchtete, dass das seltsame Kunstwerk die Bevölkerung aufregen könne und ließ daher die Wagen zerstören. Da die Gesandten infolgedessen nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren konnten, ließ der Herzog von Chou einen gen Süd zeigenden Wagen herstellen."
Dabei dürfte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um jenen "Südanzeiger-Wagen", von dem bereits in chinesischen Schriften aus dem Jahr 121 nach Christus die Rede ist, gehandelt haben. Offensichtlich wurde hier uraltes Wissensgut einschließlich jenem, das dem erfindungsreichen Volk der Chi-Kung zugeschrieben werden muss, in spätere Zeiten transferiert, was in der Folge zu gewissen Missverständnissen führte.
Inmitten von Wulipai, einem östlichen Randbezirk von Changsha, der Hauptstadt von Hunan, entdeckte man bei Ausgrabungen eine Begräbnisstätte aus der unruhigen Zeit der "fünf Dynastien" (907 bis 960 nC), in welcher das "Reich der Mitte" wieder einmal in einzelne, sich bekriegende Teilstaaten gespalten war. Heute trägt der Fundort jener archäologischen Entdeckung den Namen "Ma Wang Dui", was soviel bedeutet wie "Begräbnishügel des Königs Ma Yin".
Insgesamt wurden damals, im Januar 1972, im Erdreich drei Gräber aufgefunden. In der zentralen Kammer des ersten Grabes wurde eine Konstruktion von vier ineinander verschachtelten Sarkophagen entdeckt. Im innersten Bereich davon ein Schrein, in welchem eine weibliche Mumie in etwa achtzig Litern einer gelblichen Flüssigkeit schwamm. Diese Flüssigkeit, deren Zusammensetzung bis heute nicht restlos analysiert werden konnte, diente zweifellos zur Konservierung des Leichnams.
Bei der etwa 1,54 Meter großen Verstorbenen, deren Körper zum Zeitpunkt der Entdeckung 34,3 Kilogramm wog, handelt es sich zweifelsfrei um Xin Zhui, die Gattin von Li Chang, einem hohen Adeligen aus dem Volk der Dai (Thai). Dieser bekleidete während der Periode der westlichen Han-Dynastie das Amt des Premierministers im Hofstaat des Prinzen von Changsha.
Die mumifizierte Frau starb nachweislich 168 vC, also vor bald 2.170 Jahren. Da Xin Zhui damals auch selbst als hochrangige Persönlichkeit angesehen wurde, ist es nicht verwunderlich, dass man ihr, als sie ungefähr fünfzigjährig verstarb, reichhaltige Grabbeigaben mit auf den letzten Weg gab.
Was man dabei an Kostbarkeiten im Jahr 1972 sicher zu stellen vermochte, sprengt allerdings den Rahmen unserer landläufigen Vorstellungen. So wurden in Xin Zhuis Grabstätte beispielsweise zehn Bücher über Medizin gefunden, die den ungemein hohen Stand der Heilkunst im alten China dokumentieren. Ferner entdeckte man in Ma Wang Dui das Manuskript "Umläufe von fünf Planeten" eine auf Seide verewigte Beschreibung der Umlaufzeiten von Merkur, Mars, Venus, Jupiter und Saturn um die Sonne. Diese Aufzeichnungen verraten uns geradezu ungeahnte Erkenntnisse der alten chinesischen Astronomen auf dem Gebiet der Himmelskunde. Selbst aus heutiger Sicht eine beeindruckende Bilanz.
Der sensationellste Fund war jedoch die Auffindung einer topographischen Landkarte, 96 mal 96 Zentimeter im Quadrat und auf feiner Seide dargestellt. Darauf sind die Regionen der aneinander grenzenden Provinzen Guangxi, Guangdong und Hunan abgebildet.
Insgesamt erstreckt sich das auf dieser Karte dargestellte Gebiet vom Distrikt Daoxian in der Provinz Hunan über das Tal des Xiao-Flusses bis zur Gegend um die Stadt Nanhai in der Provinz Guangdong. Zudem ist das im Maßstab 1:180.000 angefertigte Kartenwerk von einer geradezu unglaublichen Präzision. Chinesische Wissenschaftler, die auf diesen Grabfund ausdrücklich aufmerksam gemacht wurden, waren dermaßen verblüfft, dass sie sich, wie im Fall des Professors Wang Shiping, dem Leiter der Forschungsabteilung des Historischen Museums der Provinz Shaanxi in Xi-an, dazu zu der Bemerkung hinreißen ließen, bei der Herstellung der Karte müssten die Aufnahmen für deren topographische Erfassung wohl aus großer Höhe vorgenommen worden sein. Wörtlich erklärte er:
"Wenn es nicht so phantastisch klingen würde, müsste man sagen, das Vorbild für diese Karte ist eine Satellitenaufnahme, die vor Jahrtausenden von einem fremden Satelliten aus dem Erdorbit gemacht worden ist."
Und tatsächlich: Vergleicht man die mindestens zweitausend Jahre alte Karte mit einer zum Vergleich vorliegenden modernen Aufnahme beispielsweise vom NASA-LANDSAT -, dann werden unglaubliche Parallelen sichtbar: Da wie dort schlängeln sich Flüsse, und selbst ausgetrocknete Wasserläufe sind noch erkennbar. Im Fall von NASA-LANDSAT wissen wir, dass die jeweiligen Kartographien aus dem Weltraum vorgenommen werden wie aber erfolgte die Anfertigung jener sensationellen Seidenkarte aus der Grabstätte von Ma Wang Dui? Gab es in jenen Zeiten ähnliche Möglichkeiten? Eine "heimliche Kultur", wie Professor Wang Shi-ping spekulativ vermutet?
Bereits während meiner zweiten Chinareise, 1982, hatte ich in Beijing Kontakt mit zwei damals überaus aktiven jungen UFO-Forschern. Einer von ihnen, Zhu Fu Zheng, verfasste für mein 1984 veröffentlichtes Sachbuch "...und kamen auf feurigen Drachen" sogar ein überaus geglücktes Vorwort. Aber auch mein zweiter Gesprächspartner, Shi Bo, hat sich inzwischen als Autor einen Namen gemacht. Von ihm erschien vor einigen Jahren ein auch ins Deutsche übersetztes Sachbuch über verschiedene in China beobachtete UFO-Phänomene.
Optisches Sprachrohr der beiden war in den achtziger Jahren eine damals in der Volksrepublik oft gelesene UFO-Zeitschrift "The Journal of UFO-Research". Stolz berichteten mir Zhu Fu Zheng sowie Shi Bo, die beide als Chefredakteure fungierten und dieses Magazin gemeinsam herausgaben, dass ihr Blatt, bei einer Gesamtauflage von 300.000 monatlich erscheinenden Exemplaren innerhalb von nur drei Tagen ausverkauft gewesen sei. Ich hatte in zwei danach veröffentlichten Ausgaben die Ehre und das Vergnügen, nicht nur porträtmäßig als österreichischer Autor grenzwissenschaftlicher Themen vorgestellt zu werden, sondern in dem UFO-Journal sogar einen Teilabdruck eines meiner früheren Sachbücher vorzufinden.
Meine beiden chinesischen Freunde in Beijing berichteten mir während meines damaligen Aufenthaltes in ihrem Land auch über eine der ungewöhnlichsten UFO-Sichtungen, die sich dort ereigneten:
Am frühen Morgen des 24. August 1980 fotografierten zwei Studenten nahe der Großen Mauer, wo sie während der Nachtstunden campiert hatten, einen hell strahlenden, ovalen Körper, bei dem es sich zweifelsfrei um ein offensichtlich intelligent gesteuertes Flugobjekt handelte. Zahlreiche weitere UFO-Beobachtungen wurden in der Folge aus den verschiedensten chinesischen Provinzen gemeldet. Nach wie vor ist innerhalb der Grenzen der Volksrepublik China die Diskussion über die mögliche Identität derartiger UFO-Erscheinungen im Gange.
Was mich an China sowie an seiner bewegten Geschichte von Anfang an zu faszinieren vermochte, sind dessen legendäre Erinnerungen an eine weit zurückliegende Vergangenheit. Und wenn man die aus dieser Zeit stammenden Überlieferungen nicht von vornherein als bloße Hirngespinste verwirft, dann kommt man zu dem überraschenden Ergebnis, dass in dem einstigen "Reich der Mitte" offensichtlich bereits eine Hochkultur existiert haben muss, die auch mit technologischen Überraschungen aufzuwarten wusste. Archäologische Entdeckungen in dieser Richtung scheinen diese These vollinhaltlich zu bestätigen.
So etwa der Höhlenfund in der Gebirgsgegend von Baian-Kara-Ula im Jahre 1938, als chinesische Anthropologen die Skelette von kleinwüchsigen, menschenähnlichen Lebewesen entdeckten, deren Leichname jeweils eine Scheibe aus Granit von der ungefähren Größe einer Langspielschallplatte beigegeben worden war.
Insgesamt 716 Stück dieser merkwürdigen Artefakte wurden damals geborgen. Jede dieser Scheiben war etwa zwei Zentimeter dick, besaß einen Durchmesser von rund 30 Zentimetern und wies in der Mitte jeweils ein kreisförmiges Loch auf. Sämtliche dieser Relikte waren mit unbekannten Zeichen bedeckt, wobei sich diese Zeichen, laut der Beschreibung, spiralförmig von der Mitte aus zum Scheibenrand hinzogen. Was die aufgefundenen Zwergskelette betraf, so erinnerte man sich bei den Anthropologen an verschiedene Sagen aus diesem Gebiet, die von kleinen, gelben Männern zu erzählen wissen, die vor rund 12.000 Jahren mit ihren "Himmelsgleitern" aus dem Weltall gekommen sein sollen und nach einer unfreiwilligen Landung auf unserem Planeten nicht mehr in der Lage waren, ihre Flugapparate wieder zu starten. Sie siedelten sich deshalb in jener Gebirgsgegend Chinas an und wurden von den umwohnenden Bewohnern "Dropa" genannt. Keines dieser Wesen soll größer gewesen sein als höchstens 1,30 Meter, wobei den Nachbarstämmen vor allem der unverhältnismäßig große Schädel der Fremdlinge aufgefallen sein soll.
Die Meinung über die wirkliche Identität der in den Höhlen aufgefundenen Toten war unter den Wissenschaftlern geteilt. Manche hielten sie lediglich für eine ausgestorbene Gebirgsaffenart. Allerdings vermochten auch sie nicht die Frage zu beantworten, weswegen man einer Tiergattung beschriftete Steinscheiben mit in die Gräber gelegt hatte.
Erst 1962 machten sich, dem Vernehmen nach, fünf Gelehrte der Universität Beijing daran, die seltsamen Schriftzeichen auf den Granitplatten zu entschlüsseln. Einer von ihnen, sein Name Tsum Um Nui wurde auch in der westlichen Welt genannt, ging schließlich nachdem ihm und seinen Kollegen ein Teilerfolg geglückt zu sein schien an die Öffentlichkeit. Er publizierte das Ergebnis im Rahmen eines Fachartikels, wurde aber im Anschluss daran von anderen Wissenschaftlern seiner Fakultät heftigst kritisiert. Nicht verwunderlich, hatte doch Tsum Um Nui im Einverständnis mit seinen vier Mitarbeitern nichts weniger behauptet, als dass es sich bei den geheimnisvollen "Dropa" um Ankömmlinge aus dem Kosmos, also um Besucher von einem fremden Planeten gehandelt habe, die sich später in China angesiedelt hätten.
Die "Baian-Kara-Ula-Story", wie ich die Ereignisse rund um diese Vorfälle nennen möchte, fand auch in Europa großes Interesse. Zahlreiche Autoren grenzwissenschaftlicher Themen nahmen sich der Sache an. Auch ich berichtete 1973 darüber in meinem ersten China-Sachbuch "Als die gelben Götter kamen".
Einer aber wollte es genauer wissen: Der am Rande Wiens lebende Hobby-Forscher Dr. Ing. Ernst Wegerer. Gemeinsam mit seiner Gattin sowie zwei chinesischen Dolmetschern reiste er 1974 durch die Volksrepublik, um irgendeine Spur dieser mysteriösen Steinscheiben zu finden. Zu seiner eigenen Überraschung wurde Wegerer fündig. Im Banpo-Museum von Xian, wo eigentlich nur Artefakte aus Ton ausgestellt sind, entdeckte der Hobby-Forscher in einer sonst unbeschrifteten Vitrine eine dieser mit "Runen" übersäten granitenen Scheiben. Später zeigte man ihm dort noch ein zweites, allerdings beschädigtes Artefakt, vermochte Wegerer aber von Seiten der Museumsleitung weder Sinn noch Herkunft der beiden Exponate zu erklären.
Für mich war es ein Glücksfall, Wegerer im Rahmen einer Vortragsveranstaltung ein paar Jahre danach persönlich kennen zu lernen. Er lud mich zu sich nach Hause ein und zeigte mir dort verschiedene Fotos, die er 1974 mit seiner Polaroidkamera im Banpo-Museum gemacht hatte.
So wurde ich der erste Berichterstatter, dem es vergönnt war, optische Beweise für die wirkliche Existenz dieser umstrittenen chinesischen Relikte in meinem zweiten China-Sachbuch "...und kamen auf feurigen Drachen", 1984 erschienen, erstmals zu präsentieren.
1994 bereiste ich die Volksrepublik China gemeinsam mit dem befreundeten Autor Hartwig Hausdorf zum drittenmal. Leider- was die Steinscheiben betraf vergeblich. In den 20 Jahren, die seit Wegerers Besuch des Banpo-Museums vergangen waren, hatte sich in China sehr viel verändert. Seit dem Ende der unseligen Kulturrevolution war dort das gesamte Museumspersonal ausgewechselt worden und anscheinend waren mit ihm auch die beiden so interessanten Artefakte verschwunden. Niemand vermochte uns erschöpfende Auskunft zu geben, was mit den für uns so wichtigen Exponaten aus Chinas frühester Vergangenheit geschehen war. Dennoch bin ich nach wie vor bemüht, meiner "Fata Morgana" (wie ich meine Spurensuche einmal bezeichnet habe) weiter zu folgen. Ich habe die Hoffnung noch immer nicht ganz aufgegeben ...
Dass es sich bei diesen ominösen Artefakten aus dem Baian-Kara-Gebirgsmassiv nicht bloß um eine Mär oder eine phantastisch ausgeschmückte Münchhausiade handelt, bewies uns eine skizzenhafte Darstellung in einem archäologischen Sachbuch aus China, die uns im Banpo-Museum gezeigt wurde. Zweifellos handelt es sich dabei um eine jener geheimnisumwitterten Steinscheiben, denen ich nunmehr seit bald dreißig Jahren auf der Fährte bin.
Neuen Auftrieb, solchen mysteriösen Dingen weiter zu folgen, gaben mir vor sechs Jahren kurze, fast gleichlautende Agenturmeldungen in zwei Boulevardblättern in Wien und Hamburg. "Täglich Alles" (eine inzwischen eingestellte österreichische Tageszeitung) sowie "Bild" berichteten damals übereinstimmend, dass chinesische Anthropologen in der Provinz Sichuan auf zwei kleine Ansiedlungen gestoßen seien, in denen etwa 180 Abkömmlinge eines Volksstammes leben, von denen keiner größer sei als höchstens 1,15 Meter. Der kleinste Dorfbewohner messe überhaupt nur 63,5 Zentimeter. Zizhong, eine der beiden Ansiedlungen, befindet sich, den Angaben nach im Süden der Stadt Chengdu, zweihundert Kilometer südlich von Huilong dem anderen Dorf mit außergewöhnlich kleingewachsenen Einwohnern. Es soll nicht allzu weit von der Stadt Jianyang entfernt sein. In Zizhong leben, dem Vernehmen nach, rund 120, in Huilong ungefähr achtzig Einwohner.
In den beiden Agenturmeldungen wurde auch berichtet, dass die beiden Dörfer im Puppenhaus-Stil errichtet worden seien: mit kleinen Türen, extrem niederen Stufen und kurzen Betten.
Einige chinesische Forscher kamen zu der etwas übereilten Auffassung, wonach Umweltgifte den Zwergenwuchs dieser Leute verursacht hätte und ein besonderes Gen deren Wachstum beeinträchtigt haben könnte. Konkret wurde dabei auf eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Quecksilber im Trinkwasser der betroffenen Gebiete hingewiesen, die man als Ursache für das geringe Wachstum bezeichnete.
Dem widersprach inzwischen jedoch der deutsche in München tätige Toxikologe Dr. Norbert Felgenhauer. Quecksilbervergiftungen seien zwar in der Lage, so replizierte er, Störungen des Zentralnervensystems herbeizuführen, sowie Magen, Darm und Nieren zu schädigen, jedoch keinesfalls imstande, die Chromosomen auf derartige Weise das Wachstum betreffend zu beeinflussen.
Für mich stellt sich hierbei die Frage, ob es einen eventuellen Zusammenhang zwischen diesen 180 Nachkommen eines offensichtlich kleinwüchsigen Volksstammes und jenen legendären Dropa aus dem Gebiet von Baian-Kara-Ula geben könnte? Ob womöglich deren Überlebende vor Jahrhunderten in die nunmehrige Wohngegend gezogen sein könnten, um dem damals rund um das Gebirgsmassiv florierenden Sklavenhandel zu entgehen? Was mir bei der Sache inzwischen einiges Kopfzerbrechen bereitet hat, ist die Weigerung der chinesischen Behörden, mir eine Aufenthaltsbewilligung in dem betreffenden Gebiet von Sichuan zu gewähren, sowie das völlige Stillschweigen in Beijing (auch gegenüber der eigenen Botschaft in Wien), Näheres über die Identität des kleinwüchsigen Volksstammes bekannt zu geben. Gibt es hierfür triftige, für mich nicht einsichtige Gründe?
Ähnlich wie bei den Steinscheiben will ich auch diese "Fata Morgana" weiter im Auge behalten...
Seit Ende März 1974 bei Grabungsarbeiten auf einem Feld fünf Kilometer östlich der Bezirkshauptstadt Lintong überlebensgroße Tonfiguren im Erdreich entdeckt und geborgen werden konnten, ist die so genannte Terrakotta-Armee zu einer Attraktion der chinesischen Stadt Xian geworden. Heute weiß man, dass wir diesen Jahrhundertfund in der Provinz Shaanxi dem sich seinerzeit selbst ernannten "Ersten Kaisers von China", Qin Shi Huangdi, zu verdanken haben. Ihm war es bereits zu Lebzeiten darum zu tun gewesen, sich auch nach seinem Tod von entsprechendem Personal (aus Kriegern, Dienern, Pferden und sogar Streitwagen) in der Unterwelt beschützen zu lassen. Alle Figuren wurden übrigens, wenn auch überlebensgroß, damals tatsächlich existierenden Menschen bzw. Tieren aus Ton nachgebildet. Insgesamt wurden bisher an die 8.000 Tonfiguren ausgegraben.
Qin Shi Huangdi war im übrigen auch jener Herrscher, der den Bau der berühmten "Chinesischen Mauer" veranlasste, um fremde, nichtchinesische Eindringlinge daran zu hindern, kriegerisch in sein Reich einzufallen.
Er selbst ließ sich, wie aus einem überlieferten Bericht des chinesischen Historikers Sima Ch'ian hervorgeht, nicht allzu weit vom Fundort seiner Terrakotta-Armee, in einer von rund 700.000 Arbeitern errichteten, etwa 47 Meter hohen sowie ungefähr 350 Meter Seitenlänge messenden fünfterrassigen Erdpyramide aufbahren.
Damit nicht genug. Wenn die Aufzeichnungen des Historikers Sima Ch'ian zutreffend sein sollten (viele heutige Archäologen zweifeln allerdings am Wahrheitsgehalt dieses Berichts), dann würde die Öffnung der kaiserlichen Pyramide einer Weltsensation gleichkommen. Laut Sima Ch'ian sei die Decke des Saales, in welchem sich der Prunksarg von Qin Shi Huangdi befindet, auf kunstvolle Weise dem Sternenhimmel, wie er sich damals zu Lebzeiten des Kaisers dargeboten hatte (im verkleinerten Maßstab), nachgebildet worden. Auf diese Weise ruht der Herrscher, wie es sich für einen "Himmelssohn" des Reiches der Mitte geziemt, umgeben von Sonne, Mond und Gestirnen, gewissermaßen inmitten des Weltalls.
Zu ebener Erde wurde angeblich jene Landschaft des alten China (maßstabverkleinert) nachgebildet, die sich rings um die Erdpyramide von Qin Shi Huangdi ersteckt. Mit kunstvoll errichteten Bergen, Tälern, Ebenen sowie Flüssen aus Quecksilber. Das beigefügte Bild stellt den Versuch dar, getreu der Beschreibung des Historikers Sima Ch'ian, das mögliche Aussehen der Grabstätte im Inneren der Pyramide zu rekonstruieren.
Um die kostbaren Besitztümer des Kaisers vor Grabräubern zu schützen, soll Qin Shi Huangdi zusätzlich eine auf mechanische Weise funktionierende künstliche Armee von Bogenschützen rund um seinen Sarkophag installiert haben. Eventuell eindringende Grabschänder mussten also damit rechnen, mit einem tödlichen Pfeilhagel empfangen zu werden.
Trotz aller bisher geäußerten wissenschaftlichen Zweifel an der Authentizität der Texte des Sima Ch'ian könnte aber an seinen Angaben doch etwas Wahres anhaften: Jedenfalls stießen chinesische Archäologen bei Grabungen rund um die Pyramide auf überraschende Quecksilberspuren. Sollte es sich dabei um im Erdreich versickerte Flüsse aus dem Inneren der kaiserlichen Grabanlage handeln?
Was wohl kaum jemand ausgerechnet in China erwartet haben dürfte, hat sich (siehe auch die Begräbnisstätte von Qin Shi Huangdi) inzwischen als absolut authentisch erwiesen: Denn auch in der heutigen Volksrepublik gibt es so wie in Ägypten, Mexiko, Kolumbien und anderwärts auf der Welt beeindruckende Pyramiden!
Nicht wenige von ihnen überragen das Bauwerk des "Ersten Kaisers von China" beträchtlich. Eine dieser "schweigenden Zeugen" aus dem einstigen "Reich der Mitte" genießt inzwischen bereits legendären Ruf. Der Standort der betreffenden Pyramide ist allerdings umstritten. Ihre "schattenhafte" Existenz beruht vorläufig lediglich auf den Aussagen zweier amerikanischer Piloten, sowie auf einem einzigen Foto einer Luftaufnahme.
Sie stammt aus einem der zahlreichen Aufklärungsflüge, welche die US-Air-Force während des Zweiten Weltkrieges bzw. kurz danach auch über der Volksrepublik China vornahm. Damals machte der Pilot James Gaussmann über dem Qin Ling-Shan-Gebirge südwestlich von Xian eine aufregende Entdeckung. Seine Schilderung klang so:
"Ich flog um einen Berg, und dann kamen wir über ein ebenes Tal. Direkt unter uns lag eine gigantische, weiße Pyramide. Es sah aus wie im Märchen. Die Pyramide war von schimmerndem Weiß umhüllt. Es hätte auch Metall sein können oder irgendeine Art von Stein. Sie war an all ihren Seiten völlig weiß. Das Bemerkenswerteste daran aber war die Spitze: Ein großes Stück edelsteinähnliches Material. Es war für uns unmöglich zu landen, obwohl wir das gerne getan hätten. Wir waren von der gewaltigen Größe dieses Bauwerkes beeindruckt."
Gaussmann blieb nicht der einzige Beobachter. 1947 veröffentlichte die renommierte Tageszeitung "New York Times" nämlich auch den Bericht eines anderen US-Piloten. Er war nach dem Weltkrieg für die Fluggesellschaft "Trans World Airlines" unterwegs gewesen. Oberst Maurice Cheahan schilderte darin, eine bislang unbekannte Pyramide am Fuß des Qin-ling-Gebirges, und zwar in der Ebene von Chenis, entdeckt und fotografiert zu haben. Ihre Höhe schätzte er auf dreihundert Meter, die Seitenlänge des Bauwerkes auf über vierhundert Meter. Hatte er sich dabei maßlos verschätzt? Beruht die Identität jener Pyramide bloß auf einer Verwechslung? Oder existiert irgendwo in China tatsächlich ein Bauwerk, dessen Höhe und Länge jene der weltberühmten Cheops-Pyramide in Ägypten bei weitem übertrifft?
Im März 1994 bereiste ich gemeinsam mit meinem Freund und Autorenkollegen Hartwig Hausdorf abermals die Volksrepublik China. Nunmehr bereits zum drittenmal. Man hatte uns von zuständiger Seite ausdrücklich die Erlaubnis erteilt abseits jedes Touristenrummels -, auch die gewissermaßen noch "verbotenen Zonen" des Landes zu betreten. Inbegriffen die Besichtigung der sich dort befindlichen Pyramiden. Es wurde für uns beide ein unvergessliches Erlebnis. In der endlos scheinenden Weite der Provinz Shaanxi überblickten wir zig solcher Bauwerke. Es gibt hier hunderte davon.
Erst 1991 waren nahe der Stadt Xian drei Pyramiden entdeckt worden, als man gerade dabei war, die Schnellstraße zum neuen Flughafen Xianyang fertig zu stellen. Im Gegensatz zu den Bauwerken in Ägypten, Mexiko oder Kolumbien sind Chinas "schweigende Zeugen" nicht aus Stein sondern zumeist aus lehmiger Erde errichtet worden. Zudem sind diese Bauten sogar bepflanzt. Manche Bauern haben es sich nicht entgehen lassen, den schräg ansteigenden Lehmboden für ihren Getreideanbau zu benützen.
Diese Pyramide (eine von jenen dreien, die beim Bau der Schnellstraße bekannt wurde die hinterste davon) erinnert ein wenig an die Stufenpyramide von Sakkara in Ägypten. Jene hingegen, sie befindet sich ebenfalls nahe von Xian, lässt uns eher an die berühmte Sonnenpyramide von Teotihuacan in Mexiko denken. Sie erreicht eine Höhe von etwa sechzig Metern.
Keines dieser vielen Bauwerke wurde bisher von Wissenschaftlern geöffnet und erforscht. Weshalb das so ist, vermag ich nicht zu sagen. Scheuen Chinas Wissenschaftler davor zurück, auch ausländische Experten an derartigen Vorhaben teilnehmen zu lassen? Oder mangelt es lediglich an der Möglichkeit, solche Unternehmen auch zu finanzieren? Mich erinnert diese offenkundige Säumigkeit der chinesischen Pyramidenforscher jedenfalls an einen Ausspruch, den ich 1982 bei meinem Besuch der Archäologischen Akademie in Beijing zu hören bekam, als ich den damals leitenden Wissenschaftler dort befragte, weshalb man sich denn bisher nicht bemüht habe, die 47 Meter hohe Pyramide des selbst ernannten "Ersten Kaisers von China", Qin Shi Huangdin, endlich zu öffnen, um die sensationellen Angaben des chinesischen Historikers Sima Ch'ian auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen? Professor Xia Nai meinte dazu nur lakonisch: "Damit soll die nächste Generation beginnen..."
Ebenfalls um ein geheimnisvolles Bauwerk eine sogenannte Rundpyramide geht es in der Provinz Guangzhou (früher Kanton). Wir besuchten 1994 die Stadt Yueyang. Sie liegt am Ufer eines riesigen Binnenmeeres am sagenumwobenen Dongting-See. Nach einem Erdbeben, das sich 1959 in dieser Region ereignete, sollen auf der in diesem See befindlichen Insel "Jotuo" die Fragmente von einigen Rundpyramiden sichtbar geworden sein.
Der chinesische Archäologe Professor Chi Pen-lao habe daraufhin im Juli 1961 an der Ruinenstätte Vermessungen vornehmen lassen. Dabei sei er auf unterirdische Gewölbe gestoßen, welche vor langer Zeit anscheinend künstlich angelegt worden waren. An den wie glasiert wirkenden Wänden der unter der Wasseroberfläche liegenden Höhlengänge seien so wird jedenfalls berichtet Reliefabbildungen erkennbar gewesen. Sie zeigten angeblich Wesen (wie hier zeichnerisch, getreu den Angaben, rekonstruiert), die aus einem schwebenden Flugobjekt mit modern anmutenden Waffen auf flüchtendes Wild zielten. Chi Pen-lao und seine Mitarbeiter beschrieben die dargestellten Wesen als modern gekleidet mit Jacken und langen Hosen. Auch zur ebenen Erde seien auf den Reliefs menschliche Gestalten möglicherweise Eingeborene zu erkennen gewesen, die mit Blasrohren bewaffnet die flüchtenden Tiere jagten.
Während unseres Aufenthaltes am Dongting-See standen wir allerdings vor dem damals unlösbaren Problem, bei den nahezu unzählbaren Inseln ausgerechnet jenes Eiland in der uns zur Verfügung stehenden knapp bemessenen Zeit ausfindig zu machen, das in den uns bekannten Texten als Insel "Jutuo" bezeichnet wird. Keinem, den wir befragten, war dieser Name geläufig. Und die chinesische Bezeichnung für jene Insel vermochten wir leider ebenfalls nicht zu eruieren ...
Professor Chi Pen-lao schätzte das Alter der nur noch als Fragmente erhalten gebliebenen Rundpyramiden auf Jahrzehntausende. Gab es in jener Zeit bereits intelligentes Leben in China? Ein nach wie vor ungelöstes Rätsel.
Andererseits will eine chinesisch-russische Expedition im Jahre 1959 in der Wüste Gobi einen Millionen Jahre alten Schuhabdruck gefunden haben. Irdische Spuren oder womöglich solche von außerirdischen Besuchern?
Wesen mit mongoloiden Gesichtszügen und seltsamen Kopfbedeckungen finden wir weltweit. Handelt es sich hierbei um Nachbildungen von Chinas legendären Vorfahren, den geheimnisvollen "Himmelssöhnen"?
Chinas "schweigende Zeugen" sind vielfältiger Natur. Ob es sich dabei nun um Bauwerke handelt die hier offerierten Pyramiden -, deren ursprüngliche Bedeutung wir vorläufig noch nicht kennen, um rätselhafte Funde, wie jene mysteriösen Steinscheiben aus den Baian-Kara-Ula-Höhlen, oder um an die dreitausend Jahre alten Statuetten aus dem mexikanischen Hochland (mit deutlich mongoloiden bzw. negroiden Merkmalen), wie die hier bildlich gezeigte, die vor einigen Jahrzehnten von mexikanischen Privatforschern ausgegraben werden konnte - wir wissen für alle diese Funde keine plausible Erklärung abzugeben. Die hier dargestellte, nur etwa siebzehn Zentimeter große (besser gesagt: kleine) Figur besteht aus rötlichem Sandstein und scheint eine Art Raumfahrer- oder Taucherhelm zu tragen. Sie wurde als interessant genug angesehen, um mehrere Jahre im weltberühmten Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt zu werden.
Aber werden Chinas "schweigende Zeugen" jemals zu uns sprechen? Werden sie ihr Geheimnis preis geben? Im Interesse unserer bereits Millionen Jahre währenden Geschichte und jener, die bemüht sind, sie zu erforschen, wäre es zu wünschen...
Fotos: (c) Peter Krassa
Peter Krassa ist Sachbuchautor und Journalist. Neben vielen Zeitschriftenartikeln hat er unter anderem folgende Bücher veröffentlicht:
"Als die gelben Götter kamen" (1973)
"...und kamen auf feurigen Drachen" (1984)