Entwicklungssprung des Bewusstseins von der Antike zum 3. Jahrtausend

© Harry Radegeis; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 3/2000

Die Völker der Antike dachten und lebten vorwiegend im Mentalen und in der Gemeinschaft. Das individuelle Denken war erst schwach ausgeprägt. Daher war z.B. eine Einrichtung wie Blutrache im Sippenverband folgerichtig und beugte Grausamkeiten vor.
Ja, Sie haben richtig gelesen. In Germanien gab es im Strafrecht nur zwei Strafen: Tod für Landesverrat u.ä. Verbrechen, Blutgeld für Mord und Totschlag. Gefängnisse gab es glücklicherweise noch nicht. So etwas wurde als unwürdig empfunden für freie, selbstverantwortliche Menschen. Konnte der Totschläger die Angehörigen seines Opfers nicht entschädigen, so war dessen Sippe dran. Die wird einem Schlagetot in eigenen Reihen schon was geflüstert haben.
Es war nicht nur billiger, die Opfer direkt zu entschädigen, als Menschen in teure Gefängnisse zu stecken. Vor allem hatte das Opfer selbst eine Wiedergutmachung, während es heute meist leer ausgeht.

Im Norden war auch das individuelle Bewusstsein ausgeprägter als in den südlichen und südöstlichen Kulturen, weil die hiesige Mentalität einen größeren inneren Abstand zu sich selbst hat, was von Außenstehenden oft als “kühl” diagnostiziert wird
Daher war der Zusammenprall mit der stark schamanistisch geprägten hunnischen Kultur auch ein Schock für hiesige Menschen. Der Einzelmensch zählte bei ihnen nicht.

Während hierzulande die Tötung eines Menschen bei der Kriegsführung als Sportunfall billigend in Kauf genommen wurde, entartete der Zweck der Kriegsführung bei den Hunnen zum Sport des Tötens. Jahrhunderte später wurde der Ausspruch Dschingis Khans berüchtigt, ,,es gäbe für ihn keinen schöneren Klang als das Wehklagen der Witwen!“.
Während viele antike Völker Grausamkeit aber nicht um seiner selbst willen ausübten, sondern als für ehrenhaft deklarierten Teil der im Mentalen verhafteten Kriegsführung, wuchs mit Rom eine ganz neue Art des Denkens heran: Das rationale Denken. Hiermit verschaffte man sich erhebliche Vorteile gegenüber der mental denkenden Konkurrenz.

Heute gelten z.B. die Fetischteure Benins als Spezialisten der Suggestion und des geistigen Terrors in Westafrika. Befragt, warum sie ihren Zauber nicht den weißen Eroberern entgegengesetzt hätten, antworteten diese: ,,Die glaubten nicht daran!”
Aha, mentale „Kriegsführung“ setzt also eine Akzeptanz der Regeln auf beiden Seiten voraus und kommt nicht einseitig zur Wirkung. Und das macht sie gegenüber den rationalen Gesetzen unwirksam, die fast überall in gleicher Weise gelten.

Die Grausamkeit der römischen Kriegsführung entsprach also nicht einer fernöstlichen Freude daran, und auch nicht der Konsequenz auszutragender Feindschaft bei anderen Mittelmeeranrainern, sondern war Teil eines rationalen Kalküls zur Durchsetzung eigener Interessen. Wenn Terror andere dazu brachte, sich leichter zu unterwerfen, dann war es machtkalkulatorisch logisch, ihn mit ebensolcher sachlichen Überlegung auszuüben wie z.B. die Logistik des eigenen Heeres.
Hätte man Caesar die Grausamkeiten und Auslöschung ganzer Völker im Gefolge seiner Eroberungspolitik vorgeworfen (abgesehen davon, dass darauf kein Römer gekommen wäre!), so hätte er achselzuckend sicher geantwortet: ,,Was willst Du? Das ist doch gut für Rom!”
Hier sieht man die Überlegenheit des Denkens und Abwägens gegenüber der „magischen” Gefühlswelt.

Entwicklungsgeschichtlich wurde die mentale Welt mit Rom durch die heutige rationale Welt abgelöst. Nachfolger Roms wurden so nach und nach alle Völker wie in einem schulklassengemäßen Nachrücken.
Der Löwenanteil weltlicher Macht auf rationaler Grundlage wurde hier die Römische Kirche mit ihren wohlkalkulierten Ausrottungen. Auch hier haben Sie durchaus richtig gelesen. Die Kirche ist ein weltlicher Machtfaktor jenseits aller Religion. Religiös sind nur die Anhänger, nicht aber die Betreiber der Kirche.

Und hier kommt die kosmische Seite ins Spiel. Eine rationale Herrschaft kann auf Dauer nur ausgeübt werden, wenn die Anhänger diese Ideologie mental verinnerlicht haben.
Religiös Überzeugte sind von rationalen Herrschern leicht zu führen. Das Fischezeitalter begünstigte diese Tendenz, ließ wohl überhaupt erst die Möglichkeit des Hirten über die Herde zu.
Die den Fischen entgegengesetzte Jungfrau = Wissenschaft wuchs als ihr ,,natürlicher Feind” zu den heutigen Alleinherrschern, denn Kirche und Wassermannzeitalter sind nicht in Übereinstimmung zu bringen.

Die heutigen USA als Weltherrscher haben das antike Rom als auch die Kirche beerbt. Ihre Vorherrschaft beruht auf dem Glauben an das rational Machbare. Und sie machen auch, was machbar ist, ohne Rücksicht auf Verluste. Anderthalb Jahrhunderte Amerikanismus werden die Erde unbewohnbar machen, schreibt Fernau. Keine „mentale” Kraft hindert sie an der Ausübung des Wirtschaftswahns. Als Schmarotzer werden sie erst den Wirt, d.h. die anderen Völker, abwürgen und dann selbst untergehen.

Als neuer geistiger Horizont taucht seit etlichen Jahren eine neue Leitidee auf: PSI. Das wird die Zusammenlegung von ,,alter Magie” und ,,neuer Wissenschaft” sein, die Lehre vom Feinstofflichen nach der Erforschung des Grobstofflichen, die psychische Energien direkt anwendbar machen.
Und damit ein paar Probleme bewältigen, die wir als ,,Erblasten” des rationalen MachoDenkens mit uns herumschleppen. Feinstoffliche Energien benötigen keine ganze Erde als Müllbeutel des Kosmos.
Die Zusammenfügung mentaler und rationaler Denk und Verhaltensweisen kann aber erst jetzt erfolgen, nachdem die Grenzen beider Verhaltensweisen durchlebt und bis zur letzten Konsequenz erlitten wurden. Neues entsteht erst, wenn das Alte wehtut.


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