© Roland Roth

Feuer, Rauch und Schwefel

(Veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 6/1999)

 

                  Ist die Welt zur Jahrtausendwende am Ende?

                  ,,Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd.

                  Und der darauf saß, des Name hieß Tod,

                  und die Hölle folgte ihm nach.”

(Offenbarung, 6:8)

 

Schon immer hat sich zu bestimmten Zeiten eine gewisse Weltuntergangsstimmung in den Köpfen der Menschen breit gemacht. Schon im Mittelalter war die Angst groß, Meteoriten, Kometen und allerlei andere Dinge könnten den Menschen auf den Kopf fallen. Ein mittelal­terliches Gebet veranschaulicht die damaligen Ängste: ,,Gott schütze uns vor Kometen und dem Zorn der Wikinger...”.

Auch heute - zum Ende dieses Jahrtausends - scheint es wieder so weit zu sein. Berichte von Erdbeben, Stürmen und Überschwemmungen, von Krieg und Elend auf der Welt mehren sich insbesondere zur gegenwärtigen Zeit, und ein Ende ist kaum absehbar. Vielleicht auch kein Wunder: Unzählige Propheten legen oder legten den Zeitpunkt des Weltuntergangs in die Zeit des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts, allen voran der viel zitierte Nostradamus.

Prophezeiungen haben derzeit Hochkonjunktur. Sie sind immer eine Herausforderung an den Menschen, denn sie zwingen einen, sich zu entscheiden. Schenkt man ihnen Glauben oder nicht? Was wären die Konsequenzen für jeden einzelnen von uns, wenn diese Prophezeiungen stimmten? Ist etwas dran an diesen Aussagen, oder sind es lediglich hysterische Anfälle von Pessimismus oder Massenhysterie? In der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts schrieb No­stradamus u.a. folgende Zeilen nieder, die heute von vielen Autoren für den Einsatz der Atombombe bzw. Luftangriffe gehalten werden:

                  ,,Im Jahr neunzehnhundertneunzig neun,

                  kommt vom Himm‘l ein großer Schreckenskönig,

                  auferweckt Angoumois‘ großer König

                  vor, nach Mars das Reich wird glücklich sein.”

 

Auch in der Offenbarung des Johannes von Patmos im Neuen Testament meinen Bibelfor­scher Hinweise auf einen Atomkrieg zu deuten. Hierzu gibt es Textstellen, an denen von der Macht die Rede ist, ,,die Menschen mit Feuer zu versengen”, oder wiederum andere wie bei­spielsweise ,,Und den Menschen ward heiß von großer Hitze und sie lästerten den Namen Gottes...”.

Die Offenbarung enthält auch Beschreibungen von einer letzten Schlacht in der Periode der Apokalypse und des Jüngsten Gerichts, die Schlacht von Armageddon (Megiddo), in der ein Heer von vielen tausend Reitern angreifen wird, die ,,Feuer, Rauch und Schwefel” speien — Beschreibungen, wie sie ein damaliger Prophet bei der Beobachtung moderner Militärtechnik gemacht hätte.

Der 1945 verstorbene ,,schlafende Prophet” Edgar Cayce sagte große Naturkatastrophen und Veränderungen der Erde voraus, und dabei betonte er immer wieder: ,,Das wird noch vor dem Jahr 2000 geschehen.”

Doch was ist nun wirklich dran an diesen düsteren Prophezeiungen, die ganze Bibliotheken füllen? Sind zur Zeit wieder nur viele ,,Verrückte” unterwegs, die von einer ,,Wendezeit” oder einer ,,Zeit des Umbruchs” palavern, oder sind es die ultimativen Vorreiter eines neuen Bewußtseins? Vorhersagen der verschiedensten Individuen sind anscheinend schon viele Male in Erfüllung gegangen, andere hingegen stehen oftmals auf verlorenem Posten, wenn die Tage der angeblichen Erfüllung dieser Vorhersagen verstrichen sind. Dies ist immer in Hin­sicht auf den Interpretationswert aufzuwiegen. Oder ist es gar keine Frage der Interpretation?

Mehren sich nicht doch die Zeichen eines Wendepunktes, an dem die Menschheit gezwungen sein wird umzudenken? Es beunruhigt beispielsweise so manchen, daß kaum ein Jahr vergeht, ohne daß nicht irgendwo auf der Welt brutale Kriege entfacht werden oder schlimme Men­schenrechtsverletzungen geschehen. Die Angst eines totalen Krieges, auch mit dem Einsatz von Atomwaffen, scheint seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr zu bestehen, obwohl immer wieder gefährliche Brandherde aufflammen und der Atomschmuggel — vorwiegend aus der ehemaligen UdSSR — auch hier berechtigte Zweifel anmeldet. Vielmehr fürchtet man die ökologische Krise globalen Ausmaßes. Die Umweltzerstörung ist in den letzten Jahrzehnten kaum merklich weniger geworden, und erst jetzt scheint sie ihre unheilvollen Fühler nach der Erde und deren Bewohner auszustrecken.

Die Ozonbelastungen der letzten Jahre und die noch immer wachsenden Ozonlöcher an den Polen sind weiterhin ein aktuelles Problem, das nur zaghaft angepackt wird. Die Überbevölkerung bildet zusätzlich eine noch immer beängstigende und unüberschaubare Situation, wie denn auch, bei mehr als sechs Milliarden Individuen auf nur einem Planeten? Auch Vulkanausbrüche, Erdbeben, Wirbelstürme und Überschwemmungen in allen Teilen der Welt schienen in der letzten Zeit bei Nachrichten und Presse an der Tagesordnung zu sein.

Die ,,Ex-und-Hopp-Mentalität” des ausgehenden Industriezeitalters ist die Folge von Denkmuster, die dem Menschen nur eine begrenzte Lebenszeit auf diesem Planeten gestattet. ,,Nach uns die Sintflut” ist ein wahrhaftig inhumanes Lebensmotto, das der Verantwortung für unsere Welt und auch unseren Nachkommen keinen Platz läßt. Kaum jemand hat beispiels­weise auch nur ansatzweise von alternativen Kfz-Motoren gehört, die mit Alkohol, Müll, Wasser oder Wasserstoff angetrieben werden, oder Einspritzanlagen, die es ermöglichen, hunderte von Kilometern mit ein paar Litern Benzin auszukommen. Wer von uns führt sich schon vor Augen, daß das Konzept der Verbrennungsmotoren seit über fünfzig Jahren über­holt ist? Aufgrund korrupten Denkens und Gleichgültigkeit der Umwelt gegenüber ist man seit Jahrzehnten dazu gezwungen, Benzin zu benutzen. Dem Normalbürger bleibt kaum eine Wahl. Um mobil zu bleiben, muß er motorisiert sein. Und das nur, weil mit Öl eine Menge Geld zu verdienen ist.

Doch solange mit Öl und der damit verbundenen Verschmutzung der Meere und der Luft Pro­fit zu machen ist, solange es skrupellose Konzerne und Geschäftemacher gibt, die sich nicht um unsere Belange kümmern, setzen wir uns weiterhin der Gefahr aus, chemisch und gene­tisch geschädigt zu werden. Und dieser Alptraum wird sich erst auf unsere Kinder und Enkel auswirken.

Kein Wunder also, daß sich viele Leute Gedanken darüber machen, wie es weitergeht, daß einige sogar kaum Wege aus der Misere wissen und Weltuntergangsstimmung pro­pagie­ren, oder gar den Eintritt in einer der unzähligen obskuren Sekten erwägen, die zumeist auf Hilfe aus dem All hoffen.

Hinzu kommt kurioserweise, daß bei den angeblichen Entführungen von Menschen durch UFO-Besatzungen sehr oft sich ewig gleichende Botschaften über die Zerstörung der Erde herauskristallisieren. Die Außerirdischen hätten die Erdbewohner immer wieder auf den öko­logischen Zusammenbruch, die negativen Auswirkungen der Atombombenversuche und dem Problem der Überbevölkerung hingewiesen mit der Bitte, Einsicht walten zu lassen, da ein gewisser Wendepunkt — in solchen Kreisen ,,Omega-Punkt” genannt — unmittelbar bevorste­he, an dem die Menschheit entweder überlebt oder untergeht. Ein ziemliches Pech, daß aber stets überwiegend ,,normale” Durchschnittsbürger für solche Botschaften ausgewählt wurden und ihnen, logischerweise, niemand Glauben schenkt. Des öfteren sind diese Außerirdischen sogar bereit zu helfen, sogenannte „Auserwählte” in der Stunde der Not zu retten und diese später auf der ,,von Menschen gereinigten Erde” oder gar auf einem extra reservierten Plane­ten wieder auszusetzen.

Der falsche Prophet Applewhite hatte seinen Anhängern beispielsweise prophezeit, daß hinter dem Kometen Hale Bopp ein Raumschiff warte, und wenn sie sich vorher ihrer menschlichen Hülle entledigen — sprich Selbstmord begehen — würden sie von diesem Raumschiff errettet werden.

Die Sektenführerin Heide Fittkau-Garthe hatte ihren Sektenmitgliedern das ewige Leben und am 8. Januar 1998 die Landung eines Raumschiffes auf dem Gipfel des Vulkans Pico de Tei­de auf Teneriffa versprochen, wo ein Massensuizid die Erlösung bringen sollte. Traurige Kapitel von der Verwundbarkeit des menschlichen Geistes.

Sind dies alles nur ,,Spinnereien” von sogenannten ,,Kontaktlern”? Vielleicht Urängste, geboren aus dem Sumpf der Zivilisation? Ist das ,,kollektive Unbewußte” für unsere Zukunft verantwort­lich? Oder sitzt ,,da oben” in der Tat jemand kopfschüttelnd, während der Mensch seinen Heimatplaneten langsam aber sicher dem Konkurs zusteuert? Vieles davon wird sicherlich erstunken und erlogen sein, ein kleiner Prozentsatz ist kaum nachvollziehbar. Wir wissen es nicht, doch sollte man sich einem bewußt sein: Durchsetzungsvermögen und Überlebenswille zeichneten die menschliche Spezies in ihrer Entwicklungsgeschichte immer wieder aus, und wir sollten alles daransetzen, um nicht irgendwann von Archäologen einer nachfolgenden, fremden Kultur — genau wie die Dinosaurier — ausgegraben und in irgendeinem Geschichts­buch unter der Rubrik „Ausgestorben” kurz erwähnt zu werden.

Der Mensch hat die Fähigkeit, nach vorn zu schauen und immer zu versuchen, einen Weg zu finden. Das zeichnet uns als hominide Rasse aus. Niemand sollte die Augen vor einer drohen­den Klimakatastrophe oder einem Systemzusammenbruch verschließen, sondern versuchen, positive Gedankengänge und Ansätze in die Tat umzusetzen, auch wenn manch guter Wille an der Un­tätigkeit (oder ist es der Unwille?) der Politik und machthungrigen Wirtschaft scheitert.

Trotz der Gefahr des Zusammenbruchs der Zivilisation, dem Zerfall von Moral und Idealen, der Schreckgespenste Krieg, Rezession oder Naturkatastrophen sollte der Mensch immer dar­auf aus sein, mit einem Schuß Optimismus ein lebenswertes Leben zu bewahren, auch wenn der Nachbar gegenüber mal wieder unsachgemäß Pflanzenschutzmittel gegen eigens defi­nierte Schädlinge einsetzt und sich hiernach mit Schlagermusik das Gehirn erweicht. Auch eine blinde Menschheit findet mal ein Korn, ein Korn, das unser Überleben sichert!

 

Und als es das siebte Siegel öffnete, trat eine Stille im Himmel ein, wohl eine halbe Stunde lang”

(Buch der Offenbarung, 8:1)

 

Literatur und Quellen

·  Allgeier, Kurt: Prophezeiungen für das dritte Jahrtausend, Rastatt 1999

·  Berlitz, Charles: Weltuntergang 1999, Wien/Hamburg 1981

·  Cohen, Daniel: Weltuntergang?, Bergisch-Gladbach 1974

·  Fischinger, Lars A. & Horn, Roland M.: UFO-Sekten, Rastatt 1999

·  Geheimnisse des Unbekannten: Wahrsagungen und Prophezeiungen, Amsterdam 1988

·  Geheimnisse des Unbekannten: Seelenreisen, Amsterdam 1988

·  Holbe, Rainer: Warum passiert mir das?, München 1990

·  Horn, Roland M: 2000 Der große Umbruch?, Wien 1998

·  Osswald, Susanne & Schnelting, Karl: Dein Wille geschehe jetzt!, Neuhausen 1998

·  Schipke, Ulrich: Die Zukunft das Bild der Weil von morgen, GüterslohT97S

·  Smith, Tom H. & Braeucker, Savitri: Mutter Erde wehrt sich, Neuhausen 1997/98