Die letzte Chance der Menschheit?

 (c) 1999 Dieter Vogl

Wenn Anhänger der Paläo-SETI-These davon ausgehen, dass in der menschlichen Vergangenheit außerirdische Wesen zur Erde kamen, um den Planeten nach ihren Vorstellungen umzuformen und um in diesem Zusammenhang den Menschen zu schaffen, dann müssen wir uns fragen, warum sie dies taten. Gründe hierfür gäbe es viele. Einer dieser  Gründe könnte gewesen sein, dass den extraterrestrischen Wesen auf ihrem Heimatplaneten die Rohstoffe zur Neige gingen und sie deshalb gezwungen wurden, sich einen neuen Lebensraum zu suchen, bzw. ihren eigenen zu erweitern. Eine Reise zu anderen Planeten wäre also eine unbedingte Notwendigkeit.

Im ersten Moment erscheint dies eine unglaubwürdige Spekulation. Dennoch wird dieser Gedanke von einigen Wissenschaftlern ernsthaft ins Auge gefasst. Ervin Laszlo, Zukunftsforscher, Systemphilosoph, Autor einschlägiger Sachbücher und Mitbegründer des „Club of Rome“, schreibt beispielsweise: „Vielleicht sind anderswo im Universum intelligente Wesen verschwunden, kaum dass sie die Vorherrschaft übernommen hatten.“ Und der fügt im Angesicht der irdischen Verhältnisse hinzu: „Unser Überleben hängt davon ab: Wenn in der Steinzeit ein Feuer außer Kontrolle geriet, dann zog die Nomadenherde von Sapientes eben weiter in unangetastete Gebiete hinein. Aber die Feuer und Kräfte, die wir heute entwickeln und entfesseln, gleiten uns aus der Hand; es gibt keinen Ort mehr, wohin wir ausweichen können“ (1).

Eine unausweichliche Konsequenz

Jeder Planet, das ist eine Realität, ist ein Körper, dessen gesamte Masse in all ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen äußerst begrenzt ist. Mit anderen Worten, alle Ressourcen eines Planeten sind zwangsläufig endlich. Diese Begrenztheit bringt jede Lebensform, vor allem, wenn sie eine höhere Zivilisationsstufe auf technischem Niveau erreicht hat, binnen kürzester Zeit an den Rand des kollektiven Zusammenbruchs. Insbesondere dann, wenn sie an einen einzigen Planeten gebunden ist und keinerlei Ausweichmöglichkeiten hat, bleibt für das Überleben der eigenen Spezies nur eine unausweichliche Konsequenz. Sie heißt Expansion. Die Annahme, eine außerirdische Intelligenz könnte vor einigen Jahrtausenden die Erde besucht haben, um hier womöglich Kolonien zu gründen, ist also gar nicht so abwegig, wie sie im ersten Augenblick erscheint.

Die Erde ist der beste Beweis

Der Planet Erde ist der beste Beweis dafür, dass diese Annahme nicht abwegig ist, denn betrachten wir uns unsere Welt, dann ist es eine feststehende Tatsache, dass sich die Erdbevölkerung in absehbarer Zeit zumindest verdoppelt und es dadurch auf dem Planeten Erde im wahrsten Sinne des Wortes sehr eng werden wird. In den Reihen der Wissenschaftler ist es daher längst kein Geheimnis mehr: Das Ende der Gattung Mensch scheint besiegelt, denn aufgrund des exorbitanten Wachstums droht dem Planeten Erde eine regelrechte Menschen-Explosion. Diese Ansicht ist nicht unbegründet. Hochrechnungen ergaben, dass, nach dem derzeitigen Wachstum zu urteilen, die Weltbevölkerung in den nächsten Jahren um weitere zehn Milliarden Menschen ansteigen wird.

Dass diese Menschenmassen alleine deshalb zwangsläufig nach neuen Lebensräumen suchen müssen, ist eine ebenso unstrittige Gegebenheit. Ausweichmöglichkeiten, beispielsweise wenn der Mensch dem Meer Lebensraum abgewinnen oder sogar die Ozeane vollkommen besiedeln würde, wären nur Scheinlösungen und nicht von Dauer, denn die Probleme würden durch derartige Maßnahmen nur für wenige Generationen hinausgeschoben, aber keinesfalls permanent aufgehoben. Im Extremfall würden sich überdies die Probleme verschlimmern, denn der Mensch würde dadurch zugleich die letzten ökologischen Refugien unweigerlich ebenfalls zerstören.

Wissenschaftler fanden heraus, dass durch das Wachstum der Menschheit nicht nur das Wasser, sondern auch der Boden zerstört wird, weil mehr Menschen mehr essen und daher mehr Nahrungsmittel angebaut werden müssen. Dies laugt auf Dauer den Boden derartig aus, dass seine Fruchtbarkeit verloren geht. Das kann auch nicht mit chemischer Düngung kompensiert werden. Studien ergaben, dass die Ressource Boden, um sich erneuern zu können, zirka zehn- bis vierzehntausend Jahre benötigt. Jedoch nur dann, wenn vorher eine regelrechte Bodensanierung erfolgt.

Auch ein totaler Krieg ist keine Lösung

Aber selbst wenn im Extremfall ein gigantischer Weltkrieg angezettelt würde, bei dem der Großteil der Weltbevölkerung ausgelöscht wird, könnte die Menschheit nicht so umfassend dezimieren werden, dass der Lebensraum Erde zukünftig für alle ausreicht. Immer wieder wird es ab einem gewissen Punkt eine Bevölkerungsexplosion geben und diese wird dann zwangsläufig immer wieder die gleichen Schwierigkeiten zur Folge haben.

Vor allem aber, und dies ist eigentlich der wichtigste Punkt überhaupt, können jene Rohstoffe nicht zurückgebracht werden, die schon viele Generationen vorher verbraucht wurden. So gesehen würde es niemals zu einem wirklichen Neuanfang kommen. Der Mensch muss sich deshalb, daran führt kein Weg vorbei, einen neuen Lebensraum suchen. Und dieser dringend benötigte Lebensraum kann nur in den Weiten des Kosmos liegen! „Die Möglichkeit, nach anderen Planeten zu fliehen, wird also zu einer Lebensnotwendigkeit.“ So schreibt zumindest Robert Charroux in seinem Buch „Verratene Geheimnisse“ (Seite 112). Und zweifellos dürfte er mit seiner etwas utopisch klingenden Annahme vollkommen richtig liegen, in der er davon ausgeht, dass die Bewohner der Erde durch „zunehmende Umdrehungsgeschwindigkeit, verminderte Dichte, steigende Luftverdünnung, Austrocknung der Ozeane, schneidende Kälte“, in Zukunft in die allergrößten Not geraten werden. Das diese bis dato noch spekulativen Szenarien irgendwann eintreten werden, kann sich jeder denkende Mensch an seinen fünf Fingern abzählen, denn sie sind quasi unabwendbar.

Aber wir brauchen Robert Charroux gar nicht so weit in die Zukunft des Planeten Erde zu folgen. Ist man objektiv, dann muss sich die Erdbevölkerung schon jetzt mit gravierenden Problemen befassen, die demnächst die Menschheit dazu zwingt, sich anderweitig zu orientieren. Dass hier der Weg ins All, zu Raumstationen, Mond- oder  Marsbasen und später der Schritt zu anderen Sternensystemen dringend notwendig sein wird, liegt auf der Hand, wenn die Expansion der Population Mensch wie bisher voranschreitet. Betrachten wir uns einmal objektiv die wichtigsten Problemstellungen, mit denen sich schon jetzt die Menschheit herumschlagen muss und deren Auswirkungen im Grunde genommen schon jetzt nicht mehr reparabel sind.

Das Ernährungsproblem

Eine unabwendbare Folge des Wachstums ist es, dass eine rapide Verschlechterung der Umweltbedingungen eintreten wird. Eine andere aber weitaus schlimmere Folge ist es, dass damit unweigerlich ein Nahrungs-Beschaffungs-Problem verbunden ist. Wissenschaftler fanden anhand von Langzeitstudien heraus, dass beispielsweise durch die wiederholte Aussaat das Genom der Pflanzen rasant altert und in Qualität und Quantität degeneriert. Dadurch verlieren die Pflanzen im Laufe der Zeit die Fähigkeit, fruchtbaren Samen zu bilden. Wobei, auch dies wurde anhand von Laborversuchen belegt, es eine Nebenerscheinung dieser Degeneration ist, dass die Nutzpflanzen ständig anfälliger für Insekten- und Pilzbefall werden. Am Schluss dieser, im wahrsten Sinne des Wortes mörderischen, Spirale stehen Pflanzen, die ihre genetisch bedingte Resistenz gegen natürliche Feinde vollkommen einbüßten. Schon jetzt sammeln daher viele Staaten die Gene der Nutzpflanzen und lagern sie in Gen-Banken, um darauf im Bedarfsfall zurückgreifen zu können.

Hunger und Armut

Der anerkannte Physiker, Philosoph und Zukunftsforscher Fritjof Capra ist der Meinung: „Fortgesetzter Ideenaustausch und Zusammenarbeit zwischen den Kulturen unseres Planeten ist heutzutage von entscheidender Bedeutung, denn unser aller Schicksal ist aufs engste verwoben. Die Hauptfragen unserer Zeit - der drohende Atomkrieg, die Verwüstungen der natürlichen Umwelt, die Fortdauer des Hungers und der Armut rund um die Welt, um nur die drängendsten Probleme aufzuführen - sind allesamt globale Probleme, die globaler Zusammenarbeit bedürfen, um verstanden und gelöst zu werden.“ (2)

Hunger und Armut ist auf unserem Planeten weit verbreitet. Groben Schätzungen zufolge leidet etwa die Hälfte der Menschheit gelegentlich an Hunger oder ist sogar permanent unterernährt. Die Steigerung der Ernteerträge, auch wenn dies viele immer noch nicht wahrhaben wollen, ist daher das Gebot der Stunde. Die ewige Behauptung, wir hätten genug zu essen und der Hunger würde nur auf Verteilungsproblemen beruhen, stimmt nicht und will nur die Probleme verlagern. Es mag zwar ein Grund sein, doch letztlich ist es der Mangel an Nahrungsmitteln, der diese Verteilungsprobleme verursacht.

Experten fordern deshalb schon seit langem eine Reform der Bodenkultur durch effizientere  Bewässerungssysteme, die Steigerung der Erträge durch leistungsfähigeren Pflanzenschutz und eine wirkungsvollere Pflanzenzucht. Dieses Ziel zu erreichen ist jedoch nicht so leicht, denn es fehlen hierfür immer noch die geeigneten Mittel. Pflanzenschutzmittel und Handelsdünger wären zweifellos eine Lösung. Ebenso wie das Klonen von Pflanzenarten. Doch das Klonen ist aus berechtigten Gründen umstritten, und der Nutzen, der beispielsweise durch den Einsatz von Schutzmittel und Dünger erreicht werden kann, steht immer noch in keinem Verhältnis zum Schaden, den sie in unserer Mitwelt anrichten.

Nimmt man beispielsweise die verwendeten Insektizide als Maßstab, dann muss man feststellen, dass dadurch nicht nur Schädlinge der Kulturpflanzen getötet werden, sondern u.a. auch jene Tierarten, die diese Insekten zum Überleben benötigen. Fritjof Capra schreibt im oben angeführten Artikel: „Je gründlicher wir diese Probleme studieren, desto klarer wird uns, dass sie isoliert nicht verstanden werden können. Sie sind alle miteinander verbunden und voneinander abhängig.“

Setzen wir nun voraus, dass wir das Problem der Ernährung in den Griff bekommen, vielleicht wie es etwa Gisela Ermel in ihrem Buch „Auf den Spuren des Grals“ spekulativ vermutet, durch eine Art nie versiegender Nahrungsspender, wie es, nach Meinung der Paläo-SETI-Hypothese, der Heilige Gral gewesen sein soll, dann stellt sich der Menschheit gleich das nächste Problem. Es ist nicht minder schwer und auch nicht leichter zu lösen als das erste. Denn: auch  wenn es in naher Zukunft technisch machbar wird, eine Art Nahrungsmittelreplikator (3) herzustellen, wie sollte das Gesundheitsproblem gelöst werden?

Das Gesundheitsproblem

Auch wenn von vielen populärwissenschaftlichen Autoren das derzeitige Weltgeschehen und vor allem die Zukunft der Menschheit heruntergespielt und recht rosig beschrieben wird, zeigt uns doch allein ein Blick in die tägliche Presse, dass beispielsweise auf medizinischem Gebiet ein unlösbares Problem auf dem nächsten folgt. Früher war es die Pest, heute sind es Schlagwörter wie Krebs, „AIDS“ oder BSE.

Wie im Mittelalter, so treten vor allem in Ballungsgebieten auch heute wieder vermehrt Krankheiten auf, die schon lange als ausgerottet galten. Hier ist beispielsweise die Pest zu nennen. Selbst jene Länder werden davon nicht verschont, die eine ausreichende medizinische Versorgung haben und deren hygienischen Bedingungen als einwandfrei eingeschätzt werden. Lediglich dem schnellen Reagieren der Gesundheitsbehörden ist es zu verdanken, dass keine größeren Opfer zu beklagen sind.

Nimmt man so „alltägliche“ Krankheiten wie Krebs, dann haben es weder die schulwissenschaftlichen Mediziner noch die nonkonformistischen Alternativmediziner bislang fertiggebracht, diese Geisel der Menschheit zu besiegen. Wir könnten diese Reihe der „unbesiegbaren“ Krankheiten schier endlos fortsetzen. Deshalb grenzt es nahezu an eine Verhöhnung der Betroffenen, wenn es Menschen gibt, die der Menschheit eine besonders schöne Zukunft prophezeien.

Die Entwicklung neuer Arzneimittel und die Verbesserung der Hygiene können dabei nur kleine Schritte zur Anhebung der allgemeinen Lebensqualität des Menschen sein. Auch hier müssen wir umdenken und zu Werten zurückfinden, die schon unseren Vorfahren ein gesundes Leben garantiert haben! Leider gehen aber diese Werte immer mehr verloren und der Mensch verlässt sich, ganz besonders im Zusammenhang mit seiner anscheinend ständig steigenden Lebenserwartung, ausschließlich auf chemische Wirkstoffe. Das gleiche trifft auf die prophylaktische Behandlung von Krankheiten zu.

Betrachtet man sich in diesem Zusammenhang beispielsweise die Tierzucht, dann werden diesen armen und geschundenen Wesen massenweise Antibiotika verpasst, um sie in der qualvollen Enge der Ställe vor ansteckenden Krankheiten zu schützen. Das Resultat ist, dass diese über die Nahrungskette in den menschlichen Organismus gelangen und dann dort bei Bakterien und Viren eine regelrechte Trotzreaktion auslösen. Ist man dann am Ende bei einer Krankheiten auf diese Arzneimittel angewiesen, sind diese Medikamente schon heute bei den meisten Krankheitserreger vollkommen wirkungslos. Das Wahnwitzige an dieser Erkenntnis ist, dass die Bauern - besser gesagt: die Fleischproduzenten - trotzdem weiterhin ihren Tieren diese Medikamente mit dem Futter verabreichen müssen und so auch künftig mit der Gesundheit des Menschen spielen.

Letztlich könnten einige Krankheiten sogar zum Aussterben der Population Mensch führen und dabei den gesamten Planeten Erde so tiefgreifend verseuchen, dass ein Überleben unmöglich ist. Denken wir in diesem Sinne an die mittelalterliche Pest, dann könnte ein epidemiartiges Szenarium wie damals auch heute die allerschlimmsten Auswirkungen haben, weil wir sie, mangels geeigneter Medikamente, nicht mehr im notwendigem Maße bekämpfen können. Und was eigentlich am schlimmsten ist - eine derartige Epidemie, vor allem wenn es sich um Krankheiten mit einer kurzen Inkubationszeit handelt, kann sich heute binnen weniger Tage, vor allem, weil die Menschen durch die modernen Verkehrsmittel näher zusammengerückt sind, um den gesamten Erdball verbreiten.

Schon im Altertum gab es verheerende Seuchen

Wer nun glaubt, dass dies unhaltbare Vorstellungen sind, der sei, am Beispiel der Pest, daran erinnert, dass derartige und ähnliche Formen von Seuchen zu allen Zeiten ganze Landstriche ausgerottet haben. Gehen wir z.B. in die Antike zurück, dann stoßen wir schon um das Jahr 429 v.u.Z. auf die Pestilenz (4) von Athen als erste historisch überlieferte Epidemie. Die wahren Ausmaße der damaligen Seuche wurden von Thukydides recht nüchtern geschildert, so dass wir heute von den damals herrschenden Zuständen sehr genau bescheid wissen. Unter anderem beschreibt er sehr detailliert, wie die Seuche in der Bürgerschaft Athens sämtliche familiären Beziehung aufgelöst hat. Da er selbst von der Pest befallen war, trägt seine Darstellung besonderes Gewicht.

Vergleicht man diese antike Überlieferung mit den heute vorherrschenden Verhältnissen, dann wird wieder einmal deutlich, dass unsere Vorfahren keinen Unsinn verfasst haben, sondern ernsthafte Chronisten ihrer Zeit waren.

Ebenso verheerenden Auswirkungen müssen die katastrophenartigen Seuchen gehabt haben, die uns aus der Zeit der römischen und byzantinischen Kaiser Antonius Pius (86-161) und Justinianus (482-565) überliefert werden. Die größte Epidemie dürfte es jedoch auf der Erde in den Jahren 1347 bis 1352 gegeben haben. Man schätzt heute, dass der Schwarze Tod, der ausgehend von Asien den Weg über Handelsruten nach Sizilien fand, dann in kürzester Zeit ganz Italien befiel, über die Hafenstadt Marseille ganz Frankreich heimsuchte, auf Handelsschiffen den Kanal überquerte und England erfasste, und bald darauf auch Deutschland in Angst und Schrecken versetzte, mehrere Millionen Todesopfer gefordert hat. Der italienische Dichter und Humanist Giovanni Boccaccios schreibt über diese Zeit, ähnlich wie Jahrhunderte vor ihm schon Thukydides, „dass ein Bruder den anderen [...], oft die Gattin den Gatten verließ; [...] Väter und Mütter besuchten und pflegten ihre Kinder nicht, als ob dieselben sie gar nichts angingen.“ (5)

Kein Wunder, dass die Bevölkerung Europas um mindestens ein ganzes Drittel dezimiert worden sein soll, wenn man bedenkt, dass zwischen fünfzig und neunzig Prozent all jener mit den Bakterien der Beulenpest infizierten Menschen zum Tod verurteilt waren. Von jenen, die schon vorab in China, Indien und dem vorderen Orient starben, kennt die Zahlen niemand. Sie müssen aber auch hier gigantisch gewesen sein.

Nach wie vor sind also Seuchen und Krankheiten, deren Verbreitung auf Übertragung basieren, die allergrößten Feinde der Menschheit. Unverbesserliche sehen jedoch oftmals trotzdem keinen Handlungsbedarf, und so können wir selbst im 20. Jahrhundert auf eine ganze Reihe von Epidemien zurückblicken, die viele Millionen Menschenleben gekostet haben. Man denke nur an die Asiatische Grippe oder an die Malaria-Seuche von 1946 auf der Insel Sri Lanka. Damals starben in einem Jahr 2.800.000 Menschen. Und zwischen 1968 und 1969, knapp zwanzig Jahre später, wiederholte sich das Desaster. Annähernd 2.500.000 Menschen wurden, nach amtlichen Registern, hier das Opfer der Malaria. Die Dunkelziffer dürfte, so inoffizielle Schätzungen verschiedener Gesundheitsbehörden, bei weit über zehn Millionen gelegen haben.

Aber diese Seuchen sind nicht nur der Feind der Menschheit. Auch andere Populationen werden von derartigen Epidemien nicht verschont. So müssen wir nur an die Rinder- oder Schweinepest, die Maul- und Klauenseuche oder den Katzenschnupfen denken. Auch sie fordern bis heute in den relevanten Populationen so große Opfer, dass ihre Zahl unbeschreiblich ist. Das besonders Schlimme ist allerdings, dass einige dieser Seuchenformen von einer Population auf die andere übergreifen können. So wurde beispielsweise die Rinderseuche BSE vom Schaf auf Rinder, von dort sogar auf Katzen, Hunde und andere Tiere, und schließlich, in abgewandelter Form, auch auf den Menschen übertragen.

Keine Lebensform bleibt verschont

Die Tatsache, dass auch nichtmenschliche Lebensformen vor natürlichen Seuchen nicht verschont bleiben und derartige Krankheitsformen nicht ausschließlich auf den Menschen zutreffen, bestätigt  die wissenschaftlich Annahme, dass durchaus die Möglichkeit besteht, dass derartige Katastrophen jede Lebensform befallen kann. Und gibt es letztlich andere, mit intelligentem Leben besiedelte Planeten im Universum, dann müssen auch sie mit derartigen Gesundheitsproblemen zu tun haben. Nur Phantasten glauben, dass Außerirdische ständig mit Spezies gleichgesetzt werden müssen, die von Derartigem verschont bleiben.

Nehmen wir an, dass die Menschheit vielleicht irgendwann auch dieses Problem in den Griff bekommen würde, dann wird unweigerlich die Verknappung der natürlichen Werk- und Rohstoffe über sie hereinbrechen, und dieser Misere wird sie nicht entgehen können. Es sei denn, sie würde andere Planten besuchen, Kolonien gründen und dort nach brauchbaren Rohstoffen suchen.

Das Ressourcen-Verknappungs-Problem

Der Bedarf an Rohstoffen steigt mit der rasch anwachsenden Population der Menschheit. Aber es ist nicht in erster Linie das Wachstum der Menschheit allein, das uns die Verknappung der Rohstoffe beschert, es ist vor allem das menschliche Verhalten. Und obwohl der Mensch längst weiß, dass die Erde keine unerschöpflichen Rohstoffquellen hat, ändert er sein Verhalten nicht. Der Mensch treibt Raubbau und nimmt dadurch sich und seinen Nachkommen unweigerlich die Lebensgrundlage. Er hat längst vergessen, dass er nur der Verwalter und nicht der Besitzer der Erde ist.

Ausgehend von der natürlichen Grundlage der Ressourcen, kann die Nachfrage in einigen Bereichen der Wirtschaft schon längst nicht mehr allerorts ausreichend gedeckt werden. So kann, vor allem aus Kostengründen, beispielsweise die Bekleidungsindustrie nur noch deshalb den ständig steigenden Bedürfnissen der Käuferschichten nachkommen, weil sie etwa vierzig Prozent des Bedarfs mit Chemiefasern wie Nylon oder Perlon abdeckt. Die natürlichen Vorkommen von Schafwolle, Baumwolle, Leinen und Seide reichen nämlich längst nicht mehr aus, um allen Wünschen in gleicher Weise gerecht zu werden.

Der Zunahme der Weltbevölkerung, vor allem aber dem technischen Fortschritt in diesem Jahrhundert, ist es auch zu verdanken, dass der Mensch nicht nur Bedarf an immer mehr Rohstoffen hat, sondern auch an immer besseren. Und es ist im Rahmen der menschlichen Konsum- und Produktionsprozesse sehr leicht nachzuvollziehen, wann diese Rohstoffreserven aufgebraucht sein werden. Die ewigen Optimisten werden anführen, dass dieser Zustand noch lange nicht erreicht sei. Sicher ist dieser Einwand berechtigt, aber der glücklich Umstand, dass es noch genügend Rohstoffe gibt, dürfte nicht bedeuten, dass der Mensch mit seinem Raubbau an der Natur so verfährt wie bisher.

Betrachten wir uns auch hier die tatsächlichen Verhältnisse: Es muss als Tatsache betrachtet werden, dass sich eine Population, die aufgrund ihrer Intelligenz einen technischen Fortschritt hat und demzufolge in der Hauptsache wegen des permanenten Populationswachstums immer größere Rohstoffmengen benötigt, binnen kurzem mit dem Problem der Rohstoffverknappung konfrontiert sieht. Denn ebenso zwangsläufig werden die Ressourcen eines Planeten mit der Zunahme der Population an ihre Grenzen stoßen. Gibt es dann keine Ausweichmöglichkeiten, wird die Population mit Sicherheit in Chaos verfallen und schließlich untergehen, wenn sich keine neuen Rohstoffquellen finden lassen.

Das Energieproblem

Jede planetare Population, die infolge ihrer Intelligenz eine höhere, in der Hauptsache auf Maschinen basierende Technik zum Einsatz bringt, wird sich sehr schnell mit dem Problem der Energieversorgung auseinandersetzen müssen. Um so mehr, da die herkömmlichen Quellen wie Kohle, Erdöl und Erdgas zwar zur Zeit immer noch reichlich vorhanden, aber dennoch begrenzt sind. Ohne Zweifel müssen wir damit recht sparsam umgehen und die vorhanden Ressourcen bestens verwerten.

Kernenergie oder Energie aus chemischen Vorgängen wäre natürlich ein beachtlicher Ausweg aus dieser Misere. Jedoch der Schein trügt, denn blickt man hinter die Fassade dieser Energiequellen, dann offenbaren sich Gefährdungspotentiale, die im Gegensatz zum erwartenden Nutzen stehen. Störfelle, wie der von Tschernobyl, zeigen, wie unsicher diese Technik ist und wie gigantisch ihre Zerstörungskraft sein kann. Nicht nur, dass alle Lebewesen in unmittelbarer Nähe derartiger Kraftwerke auf das Höchste gefährdet sind. Bei einem GAU (6) werden ganze Landstriche betroffen. Die Folgen sind katastrophal und nicht wieder gut zu machen.

Andererseits gibt es natürlich auch alternative Energiequellen, wie z.B. Wind- Sonnen- oder Wasserenergie, die ökologisch sauber und ebenso effizient sind wie die fragwürdige Kernkraft. Welche Energieform sich letztlich durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Es muss eine sichere Energiequelle sein, die das damit verbundene Gefahrenpotential so gering wie möglich hält oder, was am Besten wäre, vollkommen ausklammert. Die derzeitige Kernkraft-Technik kann dies nicht gewährleisten, denn im Kreislauf von Ver- und Entsorgung der bestehenden Anlagen gibt es zu viel Schwachpunkte. Zumal die derzeitigen Entsorgungskonzepte der bestrahlten Brennelemente und anderer radioaktiven Abfälle nicht nur Schwachpunkte, sondern regelrechte Gefahrenherde enthalten.

Angesichts der zu erwartenden Energieprobleme muss man auch hier die Optimisten beim Zügel nehmen und bremsen, denn mit neuen Wirtschaftsrezepten, ganzheitlichen Produktionsweisen und alternativen Ökonomietheorien alleine lassen sich weder gesündere noch friedvoller Lebensbereiche auf dieser Welt schaffen. Auch wenn wir alle Werte von einer ganzheitlichen Basis aus betrachten: die Energieprobleme für mehr als acht Milliarden Menschen können nicht allein durch das Zurückschrauben des Energiebedarfs gelöst werden. Denn mit jedem neuen Erdenbürger müsste diese Schraube eine Umdrehung weiter rückwärts gedreht werden. Stellen sich die Fragen: Wie weit will man sie zurückdrehen? Wie weit will man die  menschliche Anforderungs- und Bedürfnisliste begrenzen? Wie weit will man die Zukunft mit sinnlosen Normen reglementieren?

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Hazel Henderson will Antworten auf diese Fragen geben und schreibt beispielsweise (7): „Die alten Wirtschaftstheorien von Smith und Keynes samt ihren marxistischen Varianten sind für die Zukunft so nutzlos wie Affen für die Erforschung des Weltraums. In der realen Welt sind sie für Vorhersagen und Problemlösungen fast nichts mehr wert.“ Glauben wir dem, und es gibt keinen Grund, es nicht zu tun, dann wären alle Probleme auf dieser Welt mit etwas besseren Mitteln lösbar und Weltraumprojekte wären z.B. vollkommen nutzlos. Wie blauäugig doch Menschen sein können!

Was ist, wenn die Erdbevölkerung auf zehn, fünfzehn, zwanzig oder gar fünfzig Milliarden angestiegen ist? Wenn in Städten fünfzig, sechzig oder gar hundert Millionen Menschen leben und dadurch diese Städte nachweislich unregierbar werden? Was ist, wenn ganze Stadtteile, wie beispielsweise schon jetzt in London, New York oder Kalkutta, von den Straßenkarten verschwinden, von der Energie- und Wasserversorgung abgeschnitten werden und es keine Rezepte mehr gibt, die dort lebenden Menschen wieder in die Gemeinschaft einzugliedern? Was ist, wenn der Planet Erde aus allen Nähten platzt? Wer in Gottes Namen will dann der Population Mensch Nahrung, Energie und alle anderen wichtigen Rohstoffe geben, die sie zum Überleben braucht?

Durch eine andere Verteilung, das ist todsicher, wird der Lebensbereich Erde nicht gerettet werden, schon eher durch eine Erweiterung der Weltraumprojekte und der Erforschung universeller Lebensräume. Dass dabei eine Neubewertung der bisherigen Wirtschaftsrezepte erfolgen muss, ist zwangsläufig und unabdingbar - ebenso wird es aber zwangsläufig sein, dass die Besiedlung des Weltraums erfolgen muss, wenn die Population Mensch auch in absehbarer Zeit noch überleben will. Und vielleicht macht sich ja der Mensch eines Tages tatsächlich andere Planeten untertan, ebenso, wie er es mit der Erde tat. Zumindest ist es die einzige adäquate Strategie, die der Menschheit zum Überleben bleibt.

 

Anmerkungen

1 Aus dem Buch „Eine Welt für alle“, Rosenheim 1990 Zitat aus dem Aufsatz „Die neue Sicht der Evolution“ von Ervin Laszlo, Seite 23

2 Aus dem Buch „Eine Welt für alle“, Rosenheim 1990, Zitat aus dem Aufsatz „Paradigmenwechsel und Wertewandel“ von Fritjof Capra, Seite 31

3 Durch die Tatsache, dass es vor wenigen Monaten Wissenschaftlern gelungen ist, aus einer Zelle den vollständigen Organismus eines Lebewesens zu rekonstruieren, ist es natürlich in absehbarer Zukunft auch möglich, andere zellulare Strukturen zu Klonen.

4 Es muss festgehalten werden, dass der Ausdruck Pestilenz, ausgehend von seiner medizinisch historischen Bedeutung ursprünglich nichts mit der Pest zutun gehabt hat. Anfänglich manifestierte dieser Begriff eigentlich nie ein fest umrissenes Krankheitsbild, sondern das Wort muss in erster Linie als Kollektivbegriff betrachtet werden, in dem unsere Vorfahren die unterschiedlichsten Formen von Seuchen zusammenfassten. Wenn man heute unter dem Wort Pestilenz ausschließlich die Seuche der Pest sieht, ist dies folglich falsch.

5 Quelle „Eine Weltgeschichte der Menschheit“ von Veronica Wedgwood, München, S. 354

6 GAU = Größter Anzunehmender Unfall.

7 Aus dem Buch „Eine Welt für alle“, Rosenheim 1990, Seite 67

 


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