© 1993 Hanns
Ludwig
Die Steinzange im ALDI-Logo
ALDI hat ein neues Firmen-Logo. Auch auf meinen letzten Reisen
nach Hamburg fand ich es dort. Es klebt an den Schaufensterscheiben (Abb. 1)
und an den ALDI-Lastkraftwagen. Auch ist es auf der Plastik-Mehrzwecktragetasche
aufgedruckt (Abb. 2). Als ich kürzlich in Karlsruhe zu tun hatte, war da immer
noch ein altes ALDI-Zeichen (mit dem schräg nach rechts oben laufenden A), das
in Norddeutschland ganz unbekannt ist. Kann man daraus schließen, dass hier
absichtlich in Nord und Süd geteilt wird? Und liegt da eine Übereinstimmung mit
der Verbreitung des christlichen Freimaurer-Ordens (FO), der im Norden
stärker, im Süden aber schwächer vertreten ist?

Abb.
1: ALDI-Schaufenstermü neuem Logo.
Ich kannte bisher nur
die Gestaltung der Wörter „ALDI MARKT“ (Abb. 3). Im neuen Logo sind der
Buchstabe „A“ und die Worte „ALDI“ und „MARKT“ in einem Rechteck neu geordnet.
Das Auffälligste: Das neue „A“, erinnert mich zuerst an eine Kralle bzw. an das
Greifen eines Baggers. Da ich natürlich bei ALDI nicht gekrallt oder
abgebaggert werden will, fällt mir dann eine höherwertige Assoziation ein: die
Steinzange vom mittelalterlichen Baukran, ihr unterer Teil mit einem
eingeschlossenen Stein (dem „A“-Querbalken) darin. Besonders die nach innen
gewandten Spitzen verweisen nach meinem Empfinden auf die Steinzange (1), mit
der die operativen (praktisch arbeitenden) Maurer die fertig behauenen Quader
auf die Höhe der Mauerkrone hochzogen und dort absetzten (2). Die Abbildung 4
(3) zeigt die ganze Zange aus zwei S-Formen, die sich bei Belastung des Seiles
selbsttätig zusammenzieht.

Abb.
2: ALDI-Tragetasche mit neuem Logo.
![]()
Abb. 3
Im Zusammenhang mit den mittelalterlichen
(operativen) Maurern fallen mir gleich die spekulativen Maurer, die Freimaurer,
ein: Bei ihnen (im Freimaurer-Orden) ist diese Zange im 6. Grad, bei der
„Arbeit“ einer Einweihung eines Andreas-Meisters, gedanklich anwesend, da der
Einzuweihende symbolisch (und ideal) als ein vollkommener Baustein (Kubus)
erhoben wird (4). Er wird mit einem Tau (Vereinigungsband) Hand über Hand
gebunden und so am aufgerichteten Winkel (Baukran) befestigt (4), und durch
vier Schritte (durch Westen/Geburt, Süden/Wiedergeburt, Norden/Tod und
Osten/Auferstehung) verwandelt und also symbolisch emporgehoben (5) [s. Abb. 5,
ein Ausschnitt einer Tempeldarstellung (6)]. Auf Arbeitstafeln wird dieser
Zusammenhang auch in Verbindung mit Adonirams (de Molays) Tod (Sarg)
dargestellt, indem das Tau um den Sarg mehrfach geschlungen gezeigt wird [Abb.
6, Ausschnitt (7)].

Abb. 4
Neben der Steinzange (mit dem
Bedeutungsumfeld: Tau, Baukran, Kubus, Verwandlung, Erhebung, Adonirams und de
Molays Sarg) fallt mir im „A“ die vorrangige Richtung nach rechts oben, d. i.
nach Südosten, auf: Das ist die Richtung des letzten Schrittes von Norden
(links) nach Osten (oben), eben nach rechts oben. Und es fällt mir werter die
Dreistreifigkeit der drei Balken des „A“ auf; das ist „3 mal 3“, der
„Dreifachgroße Baumeister der ganzen Welt“. Die blaue Farbe finde ich im „A“
und in den beiden Worten. Blau ist die Farbe der Johannisloge (8). Das Rot des
rechteckigen Rahmens des Logos ist mit dem Weiß des Grundes des Logos die Farbe
der Andreasloge im 6. Grad (9). Johannis- und Andreasloge zusammen gesehen
bedeuten zahlensymbolisch „3 + 4“ (10), hier anschaulich erkennbar an den
größten Formen, dem „A“ (Dreieck, 3) und dem Rahmen (Rechteck, 4). Johannis-
und Andreasloge arbeiten nun in der Vorhalle des Salomonischen Tempels (11),
die rechteckig ist, - während das Ziel, das Innerste und Allerheiligste (12)
(das Innerste in mir der Ort der Begegnung mit Gott) quadratisch ist (13). Das
Feld mit „A“ und „ALDI“ ist genau ein Quadrat (Der „MARKT“ bleibt draußen. Er
ist die Vorhalle, d. i. der Eingang und Zugang zum Inneren des Tempels. Wer
denkt jetzt gleich an Weihnachten? Ja aber nein doch.)
Es
kommen hier also viele symbolische Bedeutungen zusammen, die zu meiner
Vermutung und Annahme einer freimaurerischen Bedeutung dieses Firmen-Logos
führen. Sollte es so sein, drängen sich mir nahe liegende Begründungen auf:
Es gibt eine Werbung
durch Information: Informationen über ein Produkt, über eine Firma, über eine
Leistung (Informations-Werbung). Dann gibt es Werbung durch tendenziöse
Zugaben, die zum Produkt, zur Firma, zur Leistung als gefühlsmäßige Werte
dazugegeben werden, ohne zum Produkt ... selbst eigentlich zu gehören. Diese
gefühlsmäßigen Zugaben sind etwa folgender Qualität: Ansehen, Beliebtheit,
Erfolg, Luxus, Sportlichkeit, Jugendlichkeit, Genussfreude, Sinnlichkeit,
Potenz ... (tendenziöse Werbung). Die tendenziösen Zugaben sind jeweils
einzelne Werte, die einem Menschen gefallen können, sodass er auf diese positiv
anspricht (und möglichst auch auf das Produkt ...). Er kann sie aber auch
abweisen, weil es für ihn daneben (davor) noch andere gibt, die ihm wichtiger
sind (ich brauche z. B. keine Jugendlichkeit, um zu forschen). Diese
tendenziöse Werbung bringt also zum Produkt ... zusätzliche Werte ins Spiel,
die nicht umfassend, sondern „teilinhaltlich“ sind, sie betreffen immer nur
einen Aspekt des Menschen. Sie können also gut abgelehnt werden. Sie können
untereinander oder zu anderen (von der Werbung nie angepriesenen) Werten in
Konkurrenz treten (z. B. ich möchte lieber sinnlich als angesehen sein,
oder z. B. ich bin sinnlich oder philosophiere, wann ich will).

Abb. 5
Was sich aber bei der
„Steinzange“ zeigt, eröffnet eine ganz neue Dimension einer tendenziösen Werbung:
Ihre Inhalte sind nicht „teilinhaltlich“ (also konkurrierend und austausch-
oder abweisbar), sondern umfassend und absolut: Der humane Wert der Erhebung
zum Licht, zum Geistigen, zum Ewigen, zur Überwindung irdischer Gegensätze und
Mängel, zur Vollkommenheit ... ist umfassend human, eben absolut (und kann so
eigentlich nicht gegen andere Werte eingetauscht oder einfach abgewiesen
werden). Man will oder soll eben kein Unmensch sein. Diese neue Dimension einer
tendenziösen, absoluten Werbung bringt den Zwang des hochwertigen Angebotes,
diesem folgen zu müssen.

Abb. 6
Und das Selbstverständnis der hochwertigen Werteanbieter, die so
unausweichlich gut sind, liest sich in deren Selbstdarstellung so: „Der
Hochleuchtende Meister beendete Ihre Aufnahme mit den Worten ,Stehen Sie auf,
auserwählter Bruder!' ...“ Im älteren Sprachgebrauch bezeichnet man eine
auserwählte Minderheit von besonderer Qualität allgemein als Elite. Sie stellte
die in sich abgeschlossene, privilegierte Führungsschicht dar. Im heutigen
Sprachgebrauch zählt zu einer Elite, wer dazu fähig ist, bestimmte Funktionen
in einem Ordnungsgefüge zu übernehmen, und die in diesen Funktionen von ihm
erwartete Leistung zu erbringen.
Ich möchte dabei keineswegs die durch elitäre Geisteshaltung etwa
geprägte Vorbildrolle der Freimaurerei als mögliche normprägende Kraft der
Gesellschaft verkennen ...
„Als Freimaurer und damit als Mensch höherer
Bewusstseinsstufe erleben und erfassen wir hier das Heilige in seiner völligen
Abgrenzung gegenüber dem Profanen ...“ (14).
Wer diese Selbstdarstellung für eine Selbstüberhöhung hält, möge
an die Erfahrungen von C. G. Jung erinnert werden, der sagte, dass „ein
Teufel sich gerne in einen Engel des Lichtes verkleidet“ (15).
Und der Wille, zu den Auserwählten zu gehören, sich durchzusetzen,
ist auch gegeben: „Sie selber tragen an
ihrem Schulterband einen Dolch. Die Andreas-Lehrling-Gesellen-Loge ist eine
Kampfloge. Unser Kampf gilt der Krone, der Krone des ewigen Lebens.“ (16).
Haben die Auserwählten das Instrument der Werbung für sich entdeckt? Benutzen
sie ihre Inhalte als tendenziöse, absolute, unabweisbare Botschaften der
Werbung, um Urwünsche der Menschheit nach Erhebung und Aufstieg anzusprechen,
um ungehinderten Zugang zu ihrem Inneren zu erlangen? Nicht von ungefähr gibt
es gerade heute Rhetorik-Schulung in der Freimaurerei (17).
Eine vermutete Benutzung freimaurerischer Symbole aus der
Andreasloge im Firmen-Logo von ALDI im Sinne eines tendenziösen Werbeträgers
mit der neuen Dimension absoluter (unausweichlicher) Inhalte sollte im Auge
behalten werden, um mögliche weitere ähnliche Zusammenhänge zu erkennen und zu
deuten.
1 Gottfried Kiesow: „Weshalb hinterließ uns die Gotik die
Löcher in den Steinen?“ In: Monumente, Bonn # 5/6, 1993, s. S. 32, 33.
2 Andreas Grote: „Der vollkommene Architectus“. München
1959, s. Bild auf S. 36 (Walter Ryff „Vitruvius Teutsch“) und Bild auf S. 67
(Sebastian Brandt „Das Narrenschiff“).
3 Ein Ausschnitt aus einer Zeichnung um 1590 nach älterer
Vorlage: „Kloster Schönau“. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, K 1432, Hz
195-204.
4 Zirkelkorrespondenz, Uetersen, Nr. 7/8, 1986, S. 300, 301,
314 und Nr. 8, 1990, S. 315.
5 Zirkelkorrespondenz, Uetersen, Nr. 7/8, 1986, S. 303, 313,
314 und Nr. 8, 1990, S. 316.
6 Klaus C. Feddersen: „Die Arbeitstafel in der
Freimaurerei.“ Quellenkundliche Arbeit No. 16 der Forschungsloge Quatuor
Coronati # 808, Bayreuth 1987, S. 441.
7 Feddersen a. a. O., S. 487 und s.
Zirkelkorrespondenz, Uetersen, # 7/8, 1986, S. 300.
8 Otto Schwartz & Wilhelm Kaiweit: „Einrichtung der
Tempel und rituellen Räume der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland
Kiel 1968, S. 12, 19.
9 Zirkelkorrespondenz, Uetersen, Nr. 7/8, 1986, S. 300 und
Nr. 8, 1990, S. 314.
10 Zirkelkorrespondenz, Uetersen, # 7/8, 1986, S. 321 und # 8, 1990, S. 319.
11 Zirkelkorrespondenz, Uetersen, # 8, 1990, S. 319.
12 Zirkelkorrespondenz, Uetersen, # 7/8, 1986, S. 297.
13 Lexikon der Bibel, Hrsg. Christian Gerritzen. Eltville am
Rhein 1990, S. 441.
14 Zirkelkorrespondenz, Uetersen, # 7/8, 1986, S. 281-283.
15 C. G. Jung: „Bewußtes und Unbewußtes“, Frankfurt/Main und
Hamburg 1960, 3. Aufl., S. 126.
16 Zirkelkorrespondenz, Uetersen, # 7/8, 1986, S. 284.
17 Z. B. in der Johannisloge „Zum Rothen Adler“
in der hanseatischen Schwesterstadt Hamburg durch den ersten und ehem.
Provinzialmeister von Bremen-Oldenburg.
Zeichnungen und Fotos:
© Hanns Ludwig
(Veröffentlicht in EFODON NEWS Nr. 18/1993)
Das oben beschriebene ALDI-Logo bezieht sich auf die
ALDI-Filialen „ALDI Nord“, während die Filialen „ALDI Süd“ weiterhin mit dem
alten ALDI-Logo versehen sind. Heute sind – gegenüber früheren Zeiten – die
Filialen „Nord“ und „Süd“ auch schon im Logo als solche ausgewiesen. Die
Aufteilung der Filialen in „Nord“ und „Süd“ bezieht sich auf die beiden
Albrecht-Brüder, denen die ALDI-Kette gehört.