Über die Bedeutung der frühgeschichtlichen Himmelskunde

© 1998 Karlheinz Baumgartl (veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 30/1998)

Die frühgeschichtliche Himmelskunde ist eine Wissenschaft, die nicht an Hochschulen gelehrt wird. Diese Himmelskunde war auch die Religion unserer Vorfahren, denn Wissenschaft und Religion waren damals eine Einheit. Diese Religion, die Sonnenreligion, wird heute offiziell nicht mehr vertreten. Mit dem aufkommenden Christentum wurde unsere eigene Vergangenheit schrittweise ausgelöscht und durch eine fremde Denk- und Glaubensweise ersetzt. Es wurde, genau genommen, unsere Identität ausgelöscht. Es bekennen sich heute einige heidnische Gruppen in unserem Land zum „Sonnenkult“. In Wirklichkeit ist aber die Zahl derjenigen, die sich ernsthaft und nachhaltig mit der ,,astralen“ Vergangenheit befasst, sicher viel höher einzuschätzen. Unbemerkt geschieht ein Selbstfindungsprozess bei vielen sensiblen Menschen. Das Interesse an der Vergangenheit bringt diesen Menschen wieder längst vergessene Sonne-Mond-Visuren ins Bewusstsein. Diese Visuren (Ausrichtungen auf Gestirne, hauptsächlich Sonne und Mond) weisen auf uralte heidnische Standplätze, Bildstöcke, Steinsetzungen, Hügel, Pflanzungen, Kirchen, überall dort, wo der Mensch früher seine Liebe zum Leben und sein Wissen über die Welt zum Ausdruck gebracht hat.

Viele unserer Zeitgenossen unterschätzen die Bedeutung der frühzeitlichen Himmelskunde. Man ,,befasst“ sich wohl mit Astronomie oder ihrer geschichtlichen Herkunft, oft auch mit großer Sorgfalt, dennoch bleiben die wesentlichen Zusammenhänge unerkannt. Das Problem liegt in der Aufteilung der Wissenschaft in viele Fachbereiche und in unzureichend fachübergreifendem Denken. Aber gerade das fachübergreifende (universale) Denken ist nötig, wenn tiefergehende Zusammenhänge über die Menschheit und ihre Geschichte erkannt werden sollen.

Der Einsatz moderner physikalischer Methoden (zum Beispiel der C14-Methode) in der Forschung ist ein Fortschritt (1). Erst damit war es möglich, längst vergessene Anlagen zu finden und genauer zu untersuchen. Aber zur Bewertung solcher Entdeckungen bedarf es eines gründlichen Wissens in Astronomie. Astronomie ist die älteste Wissenschaft. Sie zeigt mit ihrem jeweiligen Stand die Entwicklung des menschlichen Geistes. Die Beurteilung der frühzeitlichen Stätten ist deshalb nicht nur Sache der Historiker oder Heimatforscher. In unserem eigenen Interesse sind meistens weitergehende Betrachtungen angebracht, die von den ,,Fachleuten“ ignoriert werden. Das gilt besonders für die großen, bedeutenden Kultplätze in Europa.

Das berühmte ,,Stonehenge“ in Südengland ist eine ,,Sternwarte“ der Frühzeit. Sie ist, genauer gesagt, ein Sonne-Mond-Heiligtum. Oder noch anders: sie ist eine Zeitmessanlage (Kalender) in höchster Vollendung. Das Alter wird auf etwa 4.900 Jahre geschätzt. Die Bretagne (Nordwestfrankreich) war damals Mondforschungsgebiet. Vielleicht wurden hier die Voraussetzungen für Stonehenge geschaffen. Auch in Norddeutschland standen solche Anlagen, beispielsweise bei Detmold (in der Nähe der Externsteine) der ,,Sternhof“ auf Oesterholz, oder in Mecklenburg der Steintanz von Bützow bei Boitin. Die größte Zeitmessanlage der Erde steht im ehemaligen Westpreußen in der Tucheler Heide. Es sind die Steinkreise von Odry bei Konitz. Auch diese Anlage ist rund 4.000 Jahre alt.

In Bayern wurden vor einigen Jahren Grabenrondelle mit Sonnenvisuren gefunden. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 31.12.91 von ,,Monumentalarchitektur mit astronomischer Orientierung“, die 2.000 Jahre älter sei als Stonehenge. Die Passauer Neue Presse bezeichnete diese Stätten als ,,die älteste Sternwarte der Welt (März 1992). Diese Grabenrondelle am Rand des Donautals zwischen lnn- und Isarmündung sowie in der Nähe von Viecht südlich von Landshut weisen mit ihren Achsen auf Sonnenpunkte am Horizont. Es sind tatsächlich Sonnentempel, wobei das Wort ,,Tempel“ zurückzuführen ist auf lateinisch tempus = die Zeit. Demnach waren Tempel ursprünglich Orte der Zeitmessung.

Es fehlt hier der Platz, die vielen Sternwarten der Frühzeit aufzuzählen, die trotz der globalen Zerstörung durch das aufkommende Christentum heute noch bestehen. Nach Prof. Rolf Müller gab es einst über tausend solcher Kalenderbauten, von denen heute noch etwa hundert in Spuren nachweisbar sind.

Das Problem der Kalenderforschung damals bestand darin, den Sonnenkalender mit dem Mondkalender in eine Übereinstimmung zu bringen. Dabei ist der Mond das eigentliche Problem. Dadurch, dass seine Bahn um rund fünf Grad von der Ekliptik abweicht, macht er innerhalb von zwei Wochen größere Veränderungen am Himmel als die Sonne in einem halben Jahr. Deshalb sind auch die Finsternisse von Sonne und Mond unregelmäßig. Aber sie wiederholen sich nach etwas mehr als achtzehn Jahren. Man spricht vom Finsterniszyklus. Das Fremdwort dafür: Sarosperiode. Der astronomische Zusammenhang soll hier nicht weiter erläutert werden. Aber man bedenke, was es heißt, einen Kreislauf von mehr als achtzehn Jahren zu erforschen. Eine Schlechtwetterperiode konnte alles in Frage stellen. Die Erforschung dieses großen Mondkreislaufs gehört zu den größten Unternehmungen der Wissenschaft. Das war keine Sache einzelner Menschen oder einer Generation. Das war eine Sache von vielen Generationen, und vor allem war dies eine Sache einer ganzen Völkergemeinschaft. Vom Ural bis zum Atlantik, von Skandinavien bis nach Nordafrika war der Himmel beobachtet und erforscht. Das heißt, er war vollständig vermessen. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass die Erforschung des Saros ein Jahrtausendwerk gewesen sein muss. Und die Erbauung von Stonehenge und anderen bedeutenden frühen Sternwarten war der Höhepunkt, ja der krönende Abschluss, einer langen wissenschaftlichen Epoche in Europa, deren Anfänge wir nur ahnen können.

Literatur
Rudolf Gorsleben ,,Hochzeit der Menschheit“ (1930), Faksimile-Verlag (derzeit verboten)

Erhard Landmann ,,Weltbilderschütterung“ (1993), Wolke-Verlag

Karlheinz Baumgartl ,,Avebury - das größere Stonehenge“ (1996), Eigenverlag

Anmerkungen der Red.

Anmerkung
(1) Als moderne Datierungsmethoden erfunden wurden, schien es tatsächlich ein Fortschritt zu sein. Allerdings mehren sich in letzter Zeit die begründeten Zweifel daran, ob die Messergebnisse dieser Datierungsmethoden realistisch sind.

 


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