Amun Re in Nordeuropa
Apollon-Tempel im Norden Jütlands?
© 1997 Heinz Günther Birk; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 20/1997
Wer war nicht schon während seiner Schulzeit von griechischer Mythologie fasziniert? Welchem Griechenlandtouristen läuft nicht beim Anblick der gewaltigen Akropolis nahe der Hauptstadt Athen ein Schauer über den Rücken? Wer etwas über Zeus, Apollon, Athene und den ganzen phantastischen Götterhimmel liest oder hört, assoziiert dies ganz natürlich mit Griechenland. Ähnlich ergeht es denen, die den Namen Amun Re hören. Na klar, hier kann ja nur das geheimnisvolle Land der Pharaonen am Nil mit seinen gewaltigen Pyramiden gemeint sein. Germanische Göttersagen, wie die um Wotan, Odin oder Frigga können nur deshalb so geheimnisvolle, scheinbare Gemeinsamkeiten mit mediterranen Kulturen zeigen, weil die Barbaren (so Tacitus in seiner ,,Germania”) diese Überlieferungen in ihrer Ignoranz einfach mitbrachten. Daraufhin sollen die ,,dummen Wilden” gar Naturphänomene wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und Gewitter mit den griechischen und ägyptischen Gottheiten verwechselt haben. Sie waren eben noch unkultiviert, heidnisch und ohne jede Zivilisation. Doch stimmt dieses von der Schulwissenschaft aufgestellte und noch heute gültige Dogma wirklich?
Erste Zweifel hat der Verfasser ja bereits in SYNESIS Nr. 16/1996 postuliert (1). Die exakte Lage der vier Trelleborgen auf einer Linie, welche darüber hinaus das weltberühmte Orakel im griechischen Delphi sowie die ägyptische Oase Siwa durchschneidet, ist ja nur schwerlich mit dem Begriff ,,Zufall” (gibt es den Zufall überhaupt?) zu erklären. Auf meinen wiederholten Reisen durch Skandinavien stolperte ich immer wieder über höchst verdächtige Gemeinsamkeiten zwischen den Hellristnings bronzezeitlicher (gemäß offizieller Archäologie) Künstler und griechisch/ägyptischen Sagen und Mythen.
Wie bereits der dänische Privatflieger und Hobbyarchäologe Preben Hansson (2) in seinem, wie ich finde, überaus wertvollen Werk nachweist, scheint irgendetwas an ,,allgemein akzeptierten Theorien” nicht zu stimmen. Um hier ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, wollen wir nun den allzu oft als Märchenonkel diffamierten Griechen Herodot bemühen.
Dieser berichtet in seinen Historien unter anderem auch über das weltberühmte Orakel von Delphi. Nehmen wir den prominenten Athener, alternativ zu modernen Gelehrten, wörtlich, kommen wir im folgenden zu überraschenden Resultaten. So berichtet er, dass lange vor seiner Zeit, genauer: in der Urzeit, der Sohn des Göttervaters Zeus, der Gott Apollon, persönlich das Orakel von Delphi betrieb. Dies tat der Blitze schleudernde Apollon jedoch nicht ganzjährig. In der Zeit zwischen November und Februar blieb das Orakel stumm. Dies geschah deshalb, so lässt uns Herodot wissen, weil sich Apollon mit seinem Donnerwagen zu den Völkern der Nordwinde begab. Was er dort tat, erfahren wir allerdings nicht. Was könnte es jedoch anders sein, als Donnern und Orakeln. Wie bitte? Ein Apollon-Orakel bei den Völkern der Nordwinde? In Skandinavien gar? Ein ägyptisches Siwa-Orakel in Dänemark? Folgen wir zunächst einmal Preben Hansson.
Dieser weist darauf hin, dass die heute gebräuchlichen Namen für die dänischen Trelleborgen von Missionaren stammten, die den ,,armen Heiden” die „frohe“ Botschaft überbrachten. Die auf der Hauptinsel Seeland befindliche Trelleborg heißt zu deutsch ,,Sklavenburg”. Die nördlichste und größte, am jütländischen Limbergfjord gelegene hingegen heißt Aggersborg (Acker des Herrn). Lediglich die an der Ostküste Jütlands, in der Nähe der Stadt Hobro gelegene Trelleborg Fyrkat behielt ihren ursprünglichen Namen. Fyrkat, zu deutsch: ,,feurige Katze”, hat, ebenso wie die ursprünglichen Namen der drei anderen Trelleborgen, etwas mit Licht, besser noch: mit einem Lichtheiligtum, zu tun. Beschränken wir uns hier auf zwei der Burgen - und zwar auf die Aggersborg, sowie auf die Burg auf der Kattegatinsel Eskeholm.
Erste Hinweise auf ein Apollon-Heiligtum gibt ein Historiker (auch von Hansson beschrieben), welcher im 11. Jahrhundert in Bremen als Lehrer tätig war. Dieser Adam von Bremen tradierte die älteste heute bekannte Überlieferung, in welcher der ursprüngliche Name der Aggersborg mit ,,Lumneta” angegeben wird. Dies tat er, wie er selber schreibt, mit äußerster Vorsicht, um bei den bischöflichen Eminenzen nicht Zweifel in bezug auf seine Frömmigkeit aufkommen zu lassen. So schreibt er: ,,Im übrigen habe ich viel verschwiegen und vor allem das aufgeschrieben, was im allgemeinen für die Nachwelt wissenswert und für die Kirche von Hamburg nützlich ist.”
Dies scheint jedoch dem guten Adam nicht völlig gelungen zu sein, spricht Hansson doch von reichhaltigen Radierungen in dessen Manuskripten. Selbst heutige Historiker und Archäologen scheint man getäuscht zu haben. So verschwanden auf mysteriöse Weise alte Flurkarten, die das von Adam von Bremen bezeichnete Oldenburg eindeutig mit der nahe Schleswig gelegenen alten Wikingerstadt Haitabu identifizieren. Indem man also entweder vom ostfriesischen Oldenburg bzw. vom nahe der Insel Fehmarn gelegenen holsteinischen Oldenburg ausging, war es nicht möglich, die von Adam von Bremen beschriebenen geheimnisvollen Heiligtümer in sieben bzw. vier Tagesreisen ,,von Oldenburg entfernt” zu finden. Preben Hansson gelang es jedoch in Zusammenarbeit mit Historikern und Heimatkundlern des Landesmuseums von Schleswig, das richtige Oldenburg zu identifizieren und gleichzeitig die Übereinstimmung von Aggersborg und Eskeholm mit den Darstellungen des Adam nachzuweisen. Auch muss dieser Adam von Bremen bereits vor der Bekehrung der Heiden dort gewesen sein. So berichtet er weiter:
,,Der berühmteste der Barbaren war zu seiner Zeit der Dänenkönig Suein... Als ich zur Zeit des Erzbischofs nach Bremen kam, hörte ich von des Königs Weisheit und beschloß bald, mich zu ihm zu begeben. Ich wurde auch, wie alle, sehr freundlich von ihm aufgenommen. Aus seinem Munde habe ich viel Stoff zu diesem kleinen Buch gehört. Er besaß Bücherwissen und Gelehrsamkeit und war äußerst zuvorkommend gegenüber Fremden...”
Diese Freundlichkeit des Dänenkönigs wurde ihm und seinem Volk in späterer Zeit mit blutiger Münze heimgezahlt, wie sich an der Unmenge gefundener, grausam zugerichteter Frauen- und Kinderleichen erkennen lässt - alles im Namen von Jesus Christus. Auch seine Beschreibung der heutigen Kattegatinsel Eskeholm, die Adam als ,,Holm” bezeichnete, ist mehr als wichtig für uns: ,,Es gibt viele Inseln in dieser Meeresbucht; sie werden fast alle von den Dänen und den Schweden beherrscht... (Es folgen Beschreibungen diverser Kattegatinseln.) ...und die siebente, die welche nahe dabei liegt...” An dieser Stelle folgt die von Hansson beschriebene Radierung.
Nun kann für den Kenner dieser Inselwelt nur eine in Frage kommen. Sie trägt den Namen Reersö, offenbar den eines der heidnischen Götter; vergleichbar mit Re oder Re-Amun, dem ,,Zeus” der Ägypter. Reersö bedeutet nichts anderes als ,,die Insel des Re”. Aber was suchen die Götter der Griechen an dieser völlig ungewöhnlichen Stelle an der Mündung des baltischen Meeres? Ein Heiligtum des Zeus oder Amun-Re verlangt natürlich auch nach griechischen Priestern - und diese gab es dort tatsächlich, selbst Häfen und Schiffe besaßen sie, um in ihre Heimat zu kommen. Adam von Bremen fährt fort:
,,Als achte Insel nennt man jene, die ganz nahe bei Schonen und Götaland liegt und Holm heißt - der meistbesuchteste Hafen in Dänemark und ein sicherer Ankerplatz für die Schiffe, die üblicherweise zu den Barbaren (,,Barbaren” hörte sich in frommen Ohren schon immer gut an) und nach Griechenland ab fahren.”
Doch Adam berichtet noch mehr - Dinge, die an das Orakel von Delphi oder an jenes im ägyptischen Siwa erinnern:
,,Diejenigen, die am zentralsten wohnen (das Volk auf Eskeholm) und von allen die mächtigsten sind, sind die Retharien. Ihre Hauptstadt ist Rethre, ein Sitz der Götzenverehrung (,,Götze” gefiel den Frommen sicher auch gut). Dort ist ein großes Heiligtum für die Götzen erbaut worden, von denen Redigast der Oberste ist. Sein Denkmal wurde aus Gold gefertigt und sein Lager ist mit Purpur bereitet. Diese Stadt hat neun Tore und ist von allen Seiten von tiefem Wasser umgeben. Der Zugang erfolgt über eine Holzbrücke, zu welcher nur diejenigen Zutritt haben, welche opfern oder Orakel-Rat suchen.” Leider gab der Verfasser dieser Zeilen die Öffnungszeiten des Rethre-Orakels nicht bekannt.
Ähnlich wie bei Rethre oder Holm klingen Adams Beschreibungen über Lumneta (Aggersborg) am Limbergfjord. Dort gibt es darüber hinaus noch eine geheimnisvolle Sage. Hierzu muss man wissen, dass Aggersborg nahe einer Furt liegt, an der der Fjord seit Alters her überquert wird. Eines schönen Tages zog ein mächtiger Häuptling samt seinem Gefolge dorthin, um seinen Vater, der nördlich des Fjordes wohnte, zu besuchen. Nun geschah etwas Unerhörtes, das die tapferen Krieger, denen so schnell vor nichts graute, in die Flucht schlug. Nahe des Sonnenuntergangs war eine weitere riesige Sonne am Himmel zu sehen; das Schauspiel war begleitet von donnernden und furchtbare Geräuschen. Um den Zorn der Götter nicht zu provozieren, suchten sie also das Weite.
Wenn wir in diesem Zusammenhang von seefahrenden und orakelnden Griechen sprechen, muss man sicher fragen, wie lange diese schon hier mit Schiffen operierten. Haben deshalb Priester und Wissende in Skandinavien in großer Zahl Schiffe in den Fels gemeißelt und riesenhafte Götter mit ihren scheinbar dort hinterlassenen Fußabdrücken abgebildet? Selbst gigantische Stiere, die ja in Nordeuropa niemals vorkamen, können nicht aus einem „Spleen“ dieser Künstler heraus entstanden sein. Die Frage nach der wahren Datierung dieser Hellristnings ergibt sich auch aus der Tatsache, dass man im Osfjord (dem Wasserweg nach Oslo), in der Nähe von Fredrikstad, solche Kunstwerke unter Wasser fand. Wenn man diesen Völkern nicht eine Taucherausrüstung zugesteht, könnte hier nur geritzt worden sein, als der Meeresspiegel noch entsprechend niedriger lag. Wann mag das gewesen sein? Vor der biblischen Sintflut vielleicht?
Dass diese götterverehrenden Griechen vielleicht sehr viel früher hier waren, impliziert der als letzter König vor der Flut apostrophierte Prophet Henoch. In seinem gleichnamigen 1. Buch überliefert er einen merkwürdigen Reisebericht. Als ihn der Engel auf seiner Himmelfahrt mitnahm, sah er recht Ungewöhnliches. Wir erfahren erstaunliche Beschreibungen über die von ihm besuchten Länder. In einem von ihnen ging die Sonne im Sommer niemals unter. Dies ist weder in unseren Breiten, noch in Ägypten der Fall. Es liegt auf der Hand, dass hier nur der Norden Skandinaviens gemeint sein kann. Noch merkwürdiger mutet Henochs Abstecher mit seinem himmlischen Reiseführer ins Land der Winterdunkelheit an. Auch dieses kann er nur jenseits des Polarkreises erblickt haben. Wo also war Henoch? Wo stand der von ihm beschriebene Thron des Heiligen?
In SYNESIS Nr. 9/1995 diskutierte Dr. Friedrich die Entstehung von Ober- und Unterägypten aus diffusionistischer Sicht. Dabei sieht er die Besiedlung Unterägyptens aus Richtung der iberischen Halbinsel her, über eine zu früheren Zeiten noch existierende Landenge zwischen Spanien und Marokko, einsetzen. Angesichts der Throne des Re, heiliger Orakel des Redigast, sowie heiliger, mit Traelleborgkreuzen und Schiffen geschmückter Orte in Schweden und Norwegen könnten seine vorsichtig andiskutierten Thesen überraschend aktuell werden. Wenn er die Entstehung der ägyptischen Hochkultur einer Transfusion aus weiter Ferne zuschreibt, muss man vielleicht wirklich zum hohen Norden blicken.
Übrigens, verlängert man diese von Südost nach Nordwest verlaufende Traelleborglinie in Richtung Nordwest über Dänemark hinaus, kommt die unwirtliche, nur an einem schmalen Küstenstreifen bewohnbare Insel Grönland in Sicht. Warum trägt diese Insel eigentlich den Namen Grönland? Er bedeutet schlicht und einfach ,,Grünland”. Die Frage ist, wann es hier einmal grün war. Vielleicht vor vielen tausend Jahren, als der Heilige auf seinem Thron das von Henoch beschriebene Land der Winterdunkelheit beherrschte? Warum zogen die Menschen dann immer weiter südlich? Gab es am Ende keinen langsamen Vereisungsprozess, sondern Katastrophen, von wem oder durch was auch immer verursacht? Vielleicht könnte man unter den gigantischen Eismassen Grönlands veritable Überreste einer längst vergangenen und vergessenen Hochkultur finden - das Land, das durch nordische Sagen und Mythen als Thule, Asgaard oder Avalon geistert? Möglicherweise ein Land, in dem sich dereinst die Story der Pendragon-Saga oder die Geschichte der germanischen Edda abspielte? Sollte es uns irgendwann tatsächlich gelingen, die Scheuklappen von den Augen zu nehmen, könnten Asen, Vanen, Riesen und Götter Gestalt annehmen.
,,Wer sucht, der suche bis er findet. Und wenn er gefunden hat, wird er erschüttert sein. Und wenn er erschüttert ist, wird er staunen. Und dann wird er über das All herrschen!”
(Die Worte des Retters im Thomas-Evangelium; gefunden im ägyptischen Nag Hammadi)
Literatur und Anmerkungen
(1) „Gedanken zur prähistorischen Hochkultur in Nordeuropa“, SYNESIS Nr. 16/1996
(2) „Sie kamen von den Sternen“, Preben Hansson, erw. Neuauflage, Frankfurt/Berlin 1994