Bieten Dieter Vogls ,,Cavatori-Augen” Lösungen für skandinavische Felsbilder?
© 1997 Heinz Günther Birk; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 22/1997
Die Untersuchungen des Natursteinfachmanns Dieter Vogl bezüglich der von ihm vor Ort untersuchten für den Bau der Pyramiden verwendeten Steine und der Bautechnik (1) scheinen mittlerweile eine immer breitere Diskussion ausgelöst zu haben. Von Herrn Vogl selbst, vielleicht in dieser Form nicht vorgesehen, deutete sich schon in SYNESIS Nr. 20 mit der von Gernot L. Geise vehement vorgetragenen Aussage (2), die Pyramiden hätten nie und nimmer von Altägyptern gebaut worden sein können, eine Ausweitung dieses Themas an.
Nun sind ja die ägyptischen Pyramiden nicht die einzigen Riesenmonumente, welche bezüglich ihrer Bauweise recht ähnliche Fragen zulassen. Wenn Vogl in Anlehnung an Arbeiten Dr. Niepers (3) dessen Vakuumfeldenergie als Erklärung für millimetergenaue Bearbeitung riesiger Steinblöcke sieht, käme als nächstes die Frage nach der angewandten Technik. Es wäre schwer glaubhaft, hätte, wer immer auch, diese Technik im Land der Pharaonen exklusiv angewandt.

Abb. 1: Tanum
Die recht deutlichen Aussagen des Cavatori Vogl, eine derart präzise Bearbeitung sei nur mit modernen Steinbearbeitungswerkzeugen, keinesfalls jedoch mit Stein oder Bronze zu bewerkstelligen, lässt sich auf die seltsamen Felsritzungen übertragen (4). Vor allem im Gebiet der Bohuslän-Küste bis hin zum Oslo-Fjord muss man sehr deutlich von Felsritzungen sprechen. Im Gegensatz zu anderen, vor allem nordwärts bis über den Polarkreis hinaus gefundenen Bildern sind alle Motive in den Stein geritzt.
Wichtig daran ist zunächst einmal die Feststellung, dass diese Felsritzungen in Granitgestein erfolgt sind. Granit ist eine der härtesten Gesteinsarten, woraus vor allem in Meeresnähe rund ein Drittel dieser Bohuslän-Küste besteht. Neben den hier an allen Stellen zu sehenden Schiffsdarstellungen, welche ja in SYNESIS Nr. 20 bereits eingehender besprochen wurden, interessieren uns für dieses Thema mehr die überall und grundsätzlich dargestellten Kugeln oder ,,Sonnen” (Abb. 1).
Was man auf dem Bild nicht erkennt, ist die absolut gleiche und exakte Gravur. Immer die gleiche Profiltiefe, nicht der kleinste Grat als Spur von Werkzeuggebrauch ist feststellbar; darüber hinaus zeigt das Paneel Spuren vorheriger manueller Glättung des Steines. Diesen Eindruck von der vorausgehenden Glättung des Steines gewinnt man vor Ort nach einem Vergleich der Bildpaneele mit unweit zu sehendem Naturstein. Diese offensichtliche Bearbeitung zeigt vor allem Abb. 2, die den Ausschnitt eines großen Hauptpaneels zeigt.

Abb. 2: Fossum
Das Bild zeigt aber noch mehr, nämlich zwei abstrahlende Kugeln, welche zumeist als Sonnen deklariert werden. Auch wenn man noch so viel Phantasie aufbringt, eine Sonne mit fünf justierten Strahlen ist nun einmal schwer vorstellbar. Interessant hier auf jeden Fall die zu sehenden Adoranten (Zauberer) mit Axt und eher einer Schwertscheide ähnelndem ,,Schwanz”.
Einer eingehenden fachlichen Begutachtung durch einen Natursteinfachmann scheint die Abb. 3 wert zu sein. Hier könnte vielleicht sogar ein Adorant bei Bedienung einer solchen „Sonne“ dargestellt sein. Dieses Bild ist schon, vor allem im Hinblick auf Vogls Ausführungen, einer eingehenden Betrachtung wert. Man sieht, wie der Weise offenbar auf seiner Kleidung das gleiche Symbol trägt wie die dreistrahlige Sonne. Der rechte Strahl scheint auf den Felsen aufzutreffen, eine der seltsamen Kugeln entsteht. Noch besser erkennt man die offensichtliche vorherige Bearbeitung des Paneels - absolut gratfrei wie moderner Betonguss. An der Peripherie des Bildes sind dagegen errosionsbedingte Narben im Granitgestein zu erkennen.
Licht und Helligkeit spielten bei diesen Steinen wohl eine große Rolle; die Granitpaneele haben zumeist mineralische Einschlüsse. Dies führt dazu, dass viele der eingeritzten Bilder bei Tage nur schwer zu sehen sind. Erst bei indirektem, reflektierendem Licht erwachen diese ,,Zaubersteine” zu phantastischem Leben. Ein Effekt, der von den prähistorischen Künstlern gezielt gesucht wurde. Wo es kein solches Gestein mit mineralischen Einschlüssen gab, mischten die Zauberer Mineralien in die verwendete Farbe. Durch uralte Sagen geistern diese Steine als ,,Elfensteine”, leuchtende Steine fürwahr.
Dies scheint sich auch in den skandinavischen Sprachen erhalten zu haben. So heißt ,,Stein” auf schwedisch ,,Häll”. Die Hinweise auf Felsritzungen findet man auf Schildern und Karten mit der Bezeichnung ,,Hällristning”. Der Begriff für ,,Licht” ergibt sich durch Anhängung eines einzigen Buchstabens, eines ,,e”. ,,Hälle” bedeutet ,,Leuchten”. Sucht man als Reisender Steingräber, steht dort ,,Hällekista”, also ,,leuchtende Kiste”. Auch in norwegischer Sprache funktioniert diese Spielerei. ,,Hell” = Stein; ,,Hella” = Leuchten. „Hella“ kennen viele Autofahrer als den Markennamen des norwegischen Halogen- und Nebellampenherstellers Hella.
Bliebe noch die Frage nach der Energiequelle für die vakuumfeldverdächtigen Sonnen. Hierzu könnte vielleicht Erich Neumann mit seinem Buch (5) eine Lösung anbieten. Hierin ist von ,,Formenenergie” die Rede, die die Menschen der Vorzeit bereits zu nutzen wussten. Neumann sieht die Anzapfstellen dieser Energien in großen ovalen Steinkreisen. Solche Steinkreise finden sich in der Nähe der heiligen Felsritzungspaneele grundsätzlich. Eine ganze Reihe davon sind offen sichtbar. Wieder andere, meist der höchste Punkt im Gelände, sind mittlerweile von Kirchen überbaut. Man kann jedoch die ovale Form des Steinkreises noch deutlich erkennen.

Abb. 3: Adorant mit „Sonne“
Vielleicht könnte man diese strahlenden Sonnen mit heiligen Steinen gleichsetzen. Wenn jemand den Werkstoff Glas nicht kennt, wäre die Bezeichnung ,,Stein” nicht vollkommen falsch. Es wäre sicher interessant, nachzuforschen, inwieweit diese Technik auf dieser Erde bekannt war. In allen Berichten der entdeckenden Seefahrer ist die Rede davon, dass trotz völlig fremder Sprachen den ,,Wilden” geschenkte Glaskugeln als Effekt die Gegengabe Gold provozierten. War es wirklich nur die ,,Dummheit” von ,,Wilden”, angesichts dieser ,,Steine” den weißen Göttern Gold zu geben?
,,Jede nicht verstandene Technik ist zwangsläufig Magie”
(George Bernhard Shaw)
Literatur und Anmerkungen
(1) Dieter Vogl: „Das Pyramidenmaterial von Gizeh“, in: SYNESIS Nr. 19/1997
(2) Gernot L. Geise: „Die Pyramiden von Gizeh wurden nicht von Altägyptern gebaut“, in: SYNESIS Nr. 20/1997
(3) Dr. H. A. Nieper: „Pyramiden mit Vakuumfeldenergie?“, in: NATURSTEIN 3/92, Ulm, in SYNESIS Nr. 20/1997 zitiert.
(4) Siehe hierzu Artikel des Verfassers über Felsbilder in SYNESIS Nr. 16/1996 und 20/1997
(5) Erich Neumann: ,,Inspirationen aus der Vorzeit”, EFODON-ME-18, ISBN 3-932539-07-9
Abbildungen © Heinz Günther Birk