Süden oder Norden?
Wo hat sich der Mensch entwickelt?
© Gernot L. Geise, veröffentlicht in EFODON-NEWS Nr. 23/1994
Was spricht für, und was spricht gegen eine arktische Vergangenheit des Menschen, aus dem sich die heutige Menschheit entwickelte?
Die These, dass sich die Menschheit nicht etwa in Afrika, sondern mit größerer Wahrscheinlichkeit in kälteren Regionen zu dem entwickelt hat, was wir heute sind, ist nicht neu. Natürlich wird heute die „Out-of-Africa“-These favorisiert, wobei dieses komische Affenskelett namens „Lucy“ (als Kopie ausgestellt im Senckenberg-Museum in Frankfurt/Main) bemüht wird, der (weibliche) Urahn des Menschen zu sein. Abgesehen davon, dass diese Behauptung nach meinem Dafürhalten „an den Knochen herbeigezogen“ ist, gibt es auch Wissenschaftler, die eine andere Entwicklung des Menschen vertreten, nämlich dass sich nicht etwa der heutige Homo sapiens aus einem affenähnlichen Wesen entwickelt habe, sondern dass es umgekehrt gewesen sei: die heutigen Affen könnten entwicklungsmäßig Degenerationserscheinungen aus dem Homo sapiens-Typus sein (z.B. François de Sarre mit seiner „Bipedie-These“).
Wenn sich die Menschheit, wie es die übliche wissenschaftliche Meinung ist, in Afrika entwickelt hätte, wie kamen sie dann in die Arktis, um sich dort weiter zu entwickeln? Soll zu „Lucys“ Zeiten - oder kurz danach - ein Massenexodus in die Arktis stattgefunden haben? Das würde sogleich die Frage nach dem Grund aufwerfen, denn wer verlässt freiwillig eine Heimat, in der es ideale Lebensbedingungen gibt (warme Temperaturen, keine Nahrungsprobleme, kaum natürliche Feinde), um sie gegen eine unwirtliche Gegend einzutauschen (kalte Temperaturen, Nahrungsmittelknappheit)? Denn in Afrika fand eine Weiterentwicklung zum heutigen Homo sapiens denn doch nicht in der Art und Schnelligkeit statt, wie die Forscher es gerne gehabt hätten. Es ist logisch: die Natur entwickelt nur dann etwas, oder verändert etwas Bestehendes - passt es an -, wenn ein nachdrückliches Bedürfnis dafür vorliegt, in Form irgendeiner Bedrohung der Art. Fehlt dieser Druck, dann wird nichts verändert.
Vitali Laritschew, Doktor der Geschichtswissenschaften in Russland, hat 1988 nachgewiesen, dass die menschliche Entwicklung mit der Entstehung des Verstandes durch warme Umweltbedingungen nicht gerade stimuliert wurde. Seiner Meinung nach kann dies nur durch kalte Umweltfaktoren, die ein kreatives Überlebensdenken im Sinne der Evolution erzwangen, stattgefunden haben.
Bei Ausgrabungen (1982) am Steilufer des Flusses Lena wurden denn auch im sibirischen Dauerfrostboden jede Menge Hinterlassenschaften unserer frühesten Vorfahren gefunden. Der damalige Leiter der Ausgrabungen, Juri Moltschanow, kam aufgrund der reichhaltigen Ausbeute zu dem Ergebnis, dass sich die „Wiege der Menschheit“ im Norden befunden haben muss. Vergleicht man die dort zutage gekommenen archäologischen Funde (Skelette, Werkzeuge, Nahrungsreste usw.) mit den paar Affenknochensplittern aus Afrika, so fragt man sich unwillkürlich, welcher Grund wohl dahinter stecken mag, dass unsere Vergangenheit mit aller Gewalt nach Afrika verbracht werden muss. Ist es nur ein Profilierungsgehabe der Forscher um Louis Leakey oder steckt da mehr dahinter?
Quellen
Sergej Tschajkun: „Liegt unsere Urheimat im Norden?", in: SPUTNIK, ca. 1988.
Vitali Laritschew: „Die Geschichte nimmt ihren Ursprung in Sibirien", in: SPUTNIK 2/1988, S. 58.