Die Kelten
Schafe im Wolfspelz oder die Kindheit der Germanen?
© 1997 Harry Radegeis; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 22/1997
Selbst in gebildeten Kreisen unter den heutigen Germanen-Nachkommen herrscht viel Unwissen über das einstige Nachbarvolk, die Kelten, vor. Viele halten diese gar für ein ganz und gar fremdes und dunkles Volk, etwa so exotisch wie die Illyrer oder Awaren.
Zuerst verdient es festgehalten zu werden, dass die Kelten die süddeutsche „Bevölkerung“ waren, so wie die Germanen die norddeutsche. Reichen die germanischen Wurzeln weiter nach Norden bis Norwegen herauf, so reichen die keltischen eher nach Westen bis Irland. Während sich die Germanen schon früh nach Osten ausbreiteten, bis zur Krim hin, so ging der keltische Drang eher nach Süden und Südosten (Spanien, Balkan, Türkei, Palästina-Galiläa).
Die Kelten waren den Germanen so verwandt, dass eine Unterscheidung auf den ersten Blick schwer fällt (1). Außerdem sind wir hierbei stark auf die Darstellungen der „Römer“ angewiesen, denen es ohnehin schon immer schwer fiel, fremde Völker zu unterscheiden. Da der süddeutsche Raum durch Völkerwanderung germanisiert, und andererseits durch die römische Besetzung ver-mischt wurde, kommt heute der reine keltische Typus kaum noch bei uns vor. Dennoch lassen sich Mentalitätsunterschiede zwischen Nord- und Süddeutschen erkennen, die nicht auf fremde Beimischungen zurückgehen.
Insgesamt macht der Süddeutsche einen temperamentvolleren, lebhafteren Eindruck als der Norddeutsche, auch wenn beide „nordisch“ aussehen. Der kühl abwägende Norddeutsche ruft beim Süddeutschen immer wieder Befremden hervor, während der Süddeutsche dem Norddeutschen unzuverlässig erscheint.
Weiterhin fällt auf, dass trotz erst „römischen“ und später christlichen Drucks die germanischen Staaten bis heute fortbestehen, wenn auch in veränderter Form, ja, sogar noch einige vorwiegend germanische Staaten hinzugekommen sind, wie USA, Kanada, Neuseeland, Australien, Südafrika und starke deutsche Enklaven in Argentinien und anderen südamerikanischen Staaten.
Dagegen existiert kein keltischer Staat mehr in seiner ursprünglichen Form, wenn man vielleicht von Irland absieht. Kelten führen heute ein Enklavendasein innerhalb germanischer Staaten wie Cornen, Walliser, schottische Gälen, Bretonen.
Gerade auch die Gallier verloren unter „römischer Besatzung“ sehr schnell ihre Sprache und Kultur, und das, obwohl diese früher jahrhundertelang die „Römer“ das Fürchten lehrten (Brennus an der Allia, die Po-Gallier unter Hannibal).
Beim Vor- und Frühgeschichtsforscher Rudolf Pörtner findet sich ein Satz, der die Erklärung gibt: ,,Der Staat erschien ihnen nichts, die gemeinsame Lebensart alles”. Das liest sich wie die Umkehrung jeder preußischen Maxime.
Daher konnte den Keltenauszügen auch kein nachhaltiger Staatsaufbau folgen (2), im Gegensatz zu den germanischen Staatengründungen z.B. in Hellas - wenn man die Indogermanischen Ioner, Dorer und Achäer als germanentypisch gelten lassen will.
Auch sprachlich lässt sich die Grenze zwischen Kelten und Germanen heute noch gut beobachten: Sie verläuft etwa längs der ,,ick - ich”-Grenze. Südlich davon ist eine stärkere Neigung zum Katholizismus zu bemerken, nördlich zum Protestantismus, wenn man von einigen Enklaven beiderseits absieht, die Ergebnisse der Reformation sind, als das Landesvolk den Glauben des Landesvaters annehmen musste.
Grundsätzlich lässt sich bei den Süddeutschen auch eine stärkere Westorientierung bemerken, die z.T. natürlich auch auf westische und dinarische Einschläge zurückgeht. Dagegen neigen die Norddeutschen stärker dem Osten zu, haben auch häufiger einen ostischen Einschlag. Das sogenannte ,,Slawentum” ist mitunter der norddeutschen Seele verwandt (Was nicht verwundert, wenn man weiß, dass ,,slawisch” lediglich eine Sprach- und keine Völkerfamilie bezeichnet) (3).
Wie bereits angeführt, fällt die äußere Unterscheidung zwischen Kelten und Germanen schwer. Die Kelten neigen vielleicht etwas stärker dem fälischen Schlag zu als die Germanen, sind aber auch nicht typisch fälisch, sondern seelisch fast das genaue Gegenteil. Man könnte es auch mit einem stärkeren Einschlag in das Ernährungs-Empfindungsnaturell bezeichnen, während die Germanen eher zum Bewegungs-Empfindungsnaturell neigen.
Astrologisch möchte man den Kelten eher die Elemente Feuer und Wasser zuordnen (in der Tat lieben sie das ,,Feuerwasser”), den Germanen hingegen eher Erde-Luft. Noch präziser scheinen bei den Kelten stark die Stier-Widder-Krebs-Löwe Eigenschaften hervorzutreten, bei den Germanen eher Zwilling-Jungfrau-Skorpion-Steinbock.
Endlich kann man mythologisch die Kelten als wanische Wasser-Verehrer ansprechen, die Germanen als asische Feuerverehrer. Beide Völker sind sowohl von nordischer als auch fälischer Rasse und müssten somit die gleichen Grundeigenschaften haben. Dennoch ist heute ein großer Teil der Erde germanisch-sprachig, und die keltische Sprache ist bis auf geringe Reste verschwunden.
Obwohl die Kelten gute und stolze Krieger waren, unterlagen sie fast immer zahlenmäßig geringeren germanischen Heeren.
Schon Civilis beklagte im Bataveraufstand, ebenso wie spätere Wikingerführer, die mangelnde Zuverlässigkeit und das häufig geringe Durchstehvermögen der keltischen Verbündeten.
Die „Römer“ beschrieben die Kelten als riesige, wilde Kämpfer, die aber - so Caesar - vor den Germanen Furcht hätten, obwohl sie früher einmal stärker als diese gewesen seien.
Hier fällt uns der Wanenkrieg ein, in welchem die Wanengottheiten (Kelten?) Asgard stürmten, sich dann aber mit den Asen verbündeten. Ist hier möglicherweise die Überlieferung zu einem sehr weit zurückliegenden irdischen Kampf zu suchen? Oder war dies keine Analogie, sondern ein geistiger Kampf der verschiedenen Schöpfungsmächte? Wir können dies heute noch nicht mit Sicherheit klären.
Historisch wissen wir jedoch folgendes: Die süddeutschen Kelten hatten in der La Téne-Periode, etwa 500 v.u.Z., ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Die Germanen waren ein kleines nördliches Nachbarvolk, das die Kelten jedoch in zunehmendem Maße bedrängte. Daher bauten die Kelten ihre früher zu kultischen Zwecken genutzten Haine immer stärker zu Wallburgen aus, so dass sich ein regelrechter keltischer Limes durch die deutschen Mittelgebirge zog.
Etwa 600 v.u.Z. wurden die Kelten aus dem Harz vertrieben. Gegen das Jahr Null besetzte Marbod bereits mit seinen Markomannen das keltische Böhmen.
Zwischen ca. 115 und 102 v.u.Z. bewegten sich die Kimbern, Teutonen und Ambronen anscheinend ungehindert im keltischen Europa, schließlich schlossen sich aus dem ebenfalls keltischen Helvetien noch die Tiguriner an. Der Gegensatz kann also nicht allzu groß gewesen sein, es ging offensichtlich um die Vorherrschaft im nördlichen und westlichen Europa.
Wenn wir die immer wieder beobachteten keltischen Eigenschaften (4) nehmen, wie Hitzköpfigkeit, Prahlerei, schlechte Disziplin usw., (neben einer seelischen Tiefe, die sich in wunderbaren Kunstwerken ausdrückte) - so erscheinen die Kelten mit ihren rassisch gleichartigen Zusammensetzungen auch äußerlich wilder, weniger ebenmäßig als die Germanen. Man könnte fast dazu neigen, dem keltischen Erwachsenen die Eigenschaften eines germanischen Kindes zuzusprechen: begeisterungsfähig, Freude am Wettkampf, hitzig, beweglich und doch tiefsinnig und grüblerisch. So drängt sich der Gedanke auf, ob Germanen weiterentwickelte Kelten sind?
Doch dies sind oberflächliche Beurteilungen. Es geht hier um kosmische Entwicklungsstufen eines Volkes, wobei es zwar sein mag, dass sich viele Kelten später im germanischen Volk wiederverkörperten, doch dies ist derzeit nicht beweisbar, wenn es auch einleuchtend wäre.
Die Kelten lebten in der Kunst, nicht im Staat. Ihre Stärke war nicht die Organisation, sondern die Musik (5). Sie sind der polar weiblich ausgerichtete Teil ein- und desselben Volkes, sie mussten einfach als verwandte Polarität der Germanen so sein. Die Germanen waren (trotz stark matriarchalischer Komponenten) männlich ausgerichtet: schöpferisch, wissenschaftlich, kriegerisch, staatstüchtig. Eine Entsprechung zur germanischen Gauverfassung ist bei den Kelten bis heute nicht nachweisbar. Auch die keltische Sagenwelt lebte in einer ganz anderen Ebene als die germanische:
Sie war feiner, weniger wuchtig, verspielter. Krachen bei den Germanen in den Sagas Gut und Böse mit elementarer Gewalt zusammen, so sprechen bei den Kelten eher eine Unmenge Trolle, Kobolde, Elfen usw. aus dem Zwischenreich zwischen Göttern und Riesen zum Menschen.
Die germanische Götterwelt war von einer überirdischen Wucht geprägt zwischen den Riesen und den Göttern. Da war kein Platz für Kompromisse, da wurde dreingeschlagen, da wurde auch überlistet, um dem Recht zum Sieg zu verhelfen. Der Mensch spielte eine Nebenrolle, und in den Heldensagen eiferten die Helden den Göttern nach, um ihnen möglichst nahe zu kommen. Das über dem ganzen Leben der Germanen leuchtende Ziel und Ideal war Walhall, dem sie als typische Idealisten alles andere unterordneten, auch ihr Lebensglück, ihr Leben selbst. Was hier an Stärke des Geistes im Ideal sich manifestierte, ist von anderen Völkern, die auch nicht gerade arm an Helden waren, niemals erreicht worden. Das Heldische darf vielleicht als größtes germanisches Ideal angesehen werden.
Anders bei den Kelten. Obwohl wuchtige und hitzige Kämpfer, lag ihnen die intellektuelle Planung nicht. Die Kelten lebten im magisch-intuitiven Bereich, sprachen eher mit dem Flussgeist oder der Baumelfe als mit Belenus oder Teutates. Daher waren die Kelten auch verletzlicher, verletzten aber ebenso leicht andere durch Unbedachtheiten.
Als sich diese Auseinandersetzungen abspielten, geschah der Umbruch vom Widderzeitalter ins Fischezeitalter. Die Kelten dürfen durchaus als Mischung aus diesen beiden Elementen gesehen werden und verkörperten so - im Negativen wie im Positiven - beide Tierkreiszeichen. Beide sind aber nicht geeignet, irgendwelche beharrliche und langangelegte Politik zu betreiben. Da aber das beginnende, alles „zerfließende“ Fischezeitalter eine Polarisierung geradezu erforderte, mussten die hierzu ungeeigneten Kelten in ihrer Macht abgelöst werden, hatten sie in ihrer magischen Verwurzelung in einem Zeitalter, das auch als polare Herausforderung an die Fische die Jungfrau (Wissenschaft, Intellektualität, Individualismus) hervorbrachte, von vornherein keine Chance.
Die Germanen, mit ihrer Prinzipienfestigkeit, waren da einfach geeigneter, den inneren Widerstand in einem chaotischen Zeitalter zu tragen.
Heute, im beginnenden Wassermannzeitalter, das zur Vielfalt neigt, kommen auch die fast untergegangenen Völker wieder hervor. So ist das in den letzten Jahren sich überall verstärkende keltische Bewusstsein kosmisch bedingt und wird weiter wachsen. Daher ist es wichtig, dass jeder Germane weiß, wer die Kelten sind und wie die Kelten sind.
Anmerkungen d. Red.
(1) Vgl. Gernot L. Geise: „Wer waren die Römer wirklich?“, Hohenpeißenberg 1994: Germanen war eine durch die „Römer“ geprägte Sammelbezeichnung für die in Südskandinavien und in Mitteleuropa zwischen Rhein und Weichsel lebenden Stämme. Die Germanen hatten keine eigene für ihre Gesamtheit geltende Bezeichnung. Bis heute ist keine definitive Unterscheidung zwischen Germanen und Kelten möglich.
Kelten ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene, weitverbreitete indoeuropäische Stämme, deren Urheimat sich bisher nicht zufriedenstellend lokalisieren ließ. Das Wort Kelten stammt aus dem Griechischen = keltoi = die Angekommenen, sinngemäß: die Kolonisten.
(2) Lt. schulwissenschaftlicher Lehrmeinung.
(3) Die Slaven-Ethnogenese ist derzeit noch völlig ungeklärt. Überdies gibt es viele Unterschiede zwischen Ost-, West- und Südslawen. Slawen ist ein Sammelbegriff für zahlreiche indogermanische Stämme. Man vermutet, dass im Ursprung damit die Sklaven (slavar, slaver) der Nordmänner bezeichnet wurden. Die Begriffe Slaven und Sklaven sind identisch, noch heute heißt Sklave in der englischen Sprache slave. Sie stammten vermutlich ehemals aus den nördlichen Karpathen. Nach dem 6. Jh. eroberten sie als Slavenen nach und nach den Balkan. Vgl. Gernot L. Geise: „Wer waren die Römer?“, Wessobrunn 1994.
(4) Wohlgemerkt: Diese Schilderungen stammen einzig und allein aus den Beschreibungen „römischer“ Eroberer! Sie können also nicht objektiv sein!
(5) Nach schulwissenschaftlicher Lehrmeinung.