Walpurgis
Das Fest der Hexen

© 1997 Harry Radegeis; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 22/1997

Huiii, Walpurgis! Da schaudert’s den frommen Mann! In dieser Nacht bloß nicht hinausgehen, da tanzen die Hexen und treiben allerlei Unwesen, und da begegnet man ihnen lieber nicht! So will es ein alter Aberglaube wissen, und viele glauben es heute noch.

Doch in einer Zeit, wo schon so viele ,,alte Zöpfe abgeschnitten wurden”, muss man auch hier nach den wirklichen Hintergründen des Volksglaubens fragen.

Walpurgis, das heißt Wall-Burg oder Wahl-Burg. An einem umwallten Platze trafen sich in dieser Nacht die Walas (das sind die Ausgewählten, weisen Frauen), auch Walküren genannt, die Botinnen des Göttervaters Wodan in Wal-Hall, der Wahl-Halle. Die Walküre Brünhild ist von einer Waberlohe (in der Siegfriedsage) umgeben, aus der nur der Ausgewählte sie befreien kann. Und da sind wir beim Kern des Walpurgisfestes:

In dieser Nacht wählte sich das Mädchen ihren Bräutigam aus (das war damals so üblich!). Der am besten zu ihr passende war der Auserwählte. So war es auch das Fest der Einweihung der Mädchen, hier wurden sie von den Walas in ihre späteren Aufgaben eingewiesen. Besonders deutlich wird hierbei das alte Mutterrecht.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn viele Feministinnen heute gerade Walpurgis wieder für ihre Hexendemonstrationen wählen (siehe immer auch die Bedeutung der Sprache: wählen und walten, der schützende Wald). Doch wenn es auch in manchen Kulturen reine Frauenfeste gab, so war in unserer Heimat Walpurgis selbstverständlich auch für die Männer da, wie sollten sie sonst auserwählt werden?

Ebenso war es beim Wodansfest, dem Einweihungsfest der Männer. Da waren natürlich auch die Frauen dabei. Da wurden dann die Wahlen der Walter (Würdenträger) abgehalten. Und in der mythologischen Ebene wählten ja auch die Walküren die gefallenen Helden nach Walhalla. (Wahl und küren sind ja heute noch dasselbe!)

Auf den Wodanstag wurde dann später Allerheiligen verlegt, und seltsamerweise ist auch der Reformationstag in dieser Zeit zu suchen.

Doch zurück zu Walpurgis. In einer solchen Nacht wurde natürlich viel gefeiert und getanzt. Und so haben wir heute noch in dieser Nacht den Tanz in den Mai, wobei der 1. Mai seit 1889 Festtag und seit 1933 Feiertag ist.

Noch ein Wort zu den Hexen: Die Hegerinnen der Natur und des Natur- und Heilwissens nannte man Hagedisen oder Hag-Idisen (s. der Hag = eingehegtes Stück oder die Hecke). In der einheimischen Runenschrift sieht das dann so aus:

Die Missionare sahen das G für ein X an, und so wurde das Wort zu ,,Hexe” verstümmelt. Ein X gibt es jedoch nicht im Germanischen, es kommt aus dem Griechischen und Lateinischen. In den skandinavischen Sprachen wird es heute noch ,,ks” geschrieben. So wird uns manchmal ein ,,X” für ein ,,G” vorgemacht!


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