Das Überleben von Relikt-Hominiden
– wie Yeti oder Sasquatch – aus der Sicht eines Zoologen

© 1996 François de Sarre; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 17/1996

Auf die Frage eines möglichen, bis heute andauernden Überlebens von wilden, behaarten Wald- oder Schneemenschen kann die Schulwissenschaft keine genaue Antwort geben. Das seit einem Jahrhundert mühsam aufgebaute evolutionistische Modell passt einfach nicht dazu!

Ein Überleben dieser uns als „Ahnen” vorgestellten Hominoiden würde der gängigen schulwissenschaftlichen Lehrmeinung total widersprechen. Denn wenn eine Menschentwicklung vom Affen angenommen wird, würde das bedeuten, dass durch den „Konkurrenzkampf” im darwinistischen Sinn alle möglichen Zwischenstufen regelrecht ausgeschaltet wurden. Diese wilden, behaarten Überlebenden aus grausamer Vorzeit darf es logischerweise nicht mehr geben! Sie wurden, wie der Neandertaler in jüngster Vergangenheit, vom werdenden Menschen verdrängt und zum Aussterben gebracht. So die Einstellung der modernen Schulwissenschaft! Das genügte, wie man sich leicht vorstellen kann, um die wissenschaftliche Erforschung der versteckt lebenden Menschenartigen, wie sie von Bernard Heuvelmans eingeleitet wurde, zu diskreditieren.

Sehr einleuchtend ist das Benehmen von Anthropologen im Zusammenhang mit der Eismann-Geschichte aus Minnesota, die sich nicht einmal die Mühe gaben, den verdächtigen Leichnam mit eigenen Augen zu betrachten (Heuvelmans 1974). Sie wollten wahrhaftig vermeiden, darüber urteilen zu müssen, was sie hätten sehen können. Und wenn es gar ein richtiger Neandertaler wäre? - Würden dadurch nicht zukünftige Streitprobleme in Sachen Menschenabstammung auftauchen? Würde man einsehen, dass, was in gewissen Lehrbüchern stand, falsch war? Dass sich Universitätsprofessoren geirrt haben könnten?

Französische Paläontologen wie Yves Coppens (1976) oder Jean Chaline (1982) sind in dieser Beziehung weitsichtiger und geneigt, nach Heuvelmans (1952) im Yeti einen Abkömmling des fossilen Gigantopithecus zu sehen. Nun, letzterer hatte sowieso nichts mit der Entstehung des Menschen zu tun, wie von eben diesen Paläontologen (Coppens 1983) beteuert wird, sondern er entstamme den Dryopitheciden aus dem Miozän, die bereits „abseits” standen. Darüber sprechen wir noch, zumal in westlichen Berichten Verwechslungen zwischen einem „großen” und einem „kleinen” Yeti vorliegen.

Für die Anthropologen wird es schon unbequemer, wenn ein Überleben von Neandertaler-Menschen erwogen wird. Wie in der oben angeführten Eismann-Geschichte gibt es Unbehagen, sobald man sich dem „modernen” Menschen nähert. Und doch wissen wir nun mit Sicherheit, dass Homo sapiens sapiens dem Neandertaler zeitlich voranging, in Palästina, wie auch in Ostafrika (Bahain 1993), wo ein wohlerhaltener im Omo-Gebiet gefundener Schädel mit knapp 200.000 Jahren datiert wurde!

Heutzutage „sollten” dennoch aus evolutionistischen Gründen Neandertaler und Jetztmenschen nicht auf dem gleichen Planeten koexistieren, da erstere von den anderen ausgemerzt wurden, die ja die Stärkeren waren, weil sie am Ende der natürlichen Entwicklung angelangt waren. Darwin dixit...!

Wie in einer vorherigen Veröffentlichung zum Ausdruck gebracht (de Sarre 1991), ist der Autor der Auffassung, dass in frühen geologischen Perioden seit Jahrmillionen (in konventioneller Zeitrechnung) stets von einem Zusammenleben zwischen Mensch und diversen Hominiden gesprochen werden kann.

Was die Kryptanthropologie mit ihren Nachforschungen und Sichtungen über Wald- und „Schnee-Menschen“ ermittelt hat, ist die biologische Tatsache einer Koexistenz bis zum heutigen Tag von bipeden Primaten, die sich in die logische Kontinuität eines älteren, durch die bekannten Fossilien belegten Zustands, einreihen lässt.

Die affenartigen Anthropomorpha
Wir werden nun die Hauptfiguren der Relikt-Hominiden kennen lernen. In diesem Beitrag wird unser obligatorisches Referenzwerk die „Checklist” von Bernard Heuvelmans (1986) sein, die uns über unentdeckte und versteckt lebende Tiere (Kryptiden) der Welt Auskunft gibt.

In der zoologischen Systematik gliedern sich die Primaten (oder Herrentiere) zunächst in drei Unterordnungen:

Die letzte Gruppe (Affen und Menschen) wird dann aufgeteilt in Platyrhinia (Affen der Neuen Welt) und Catarhinia (Affen der Alten Welt und Menschen). Letztere wiederum in Cynomorpha (Meerkatzen, Paviane) und Anthropomorpha, auch Hominoidea genannt (= Menschenaffen, Australopitheciden, Menschen).

Die affenartigen Anthropomorpha sind die schwanzlosen Affen (Gibbons, Gorillas, Schimpansen), die wir gut kennen, aber auch fossile Spezies werden dazu gezählt: Proconsul, Oreopithecus, Dryopithecus, Sivapithecus, u.a. Sie alle werden bekanntlich durch eine besondere Neigung zur Bipedie, das heißt zum aufrechten Gang, den man am Skelett erkennt, gekennzeichnet.

In dieser Gruppe der affenartigen Anthropomorpha finden wir gleich das wohl am bekanntesten „Monstrum” - fast ein Symbol für die Kryptozoologie -, den Yeti aus Nepal!

Dieser Großaffe wurde 1958 von Bernard Heuvelmans wissenschaftlich beschrieben und offiziell Dinanthropoides nivalis genannt: „Der furchtbare Menschenartige aus dem Schnee”. Doch so furchtbar ist er nicht, bloß sein Ruf! Lediglich um Kindern, die ihr Abendessen nicht fertig essen wollen, Furcht einzujagen. Wie bei uns etwa der „Schwarze Mann”.

Yeti (Mi-Teh)

Yeti (Mi-Teh) (nach Heuvelmans [1993])

Im Schnee lebt der Yeti kaum, es sei denn, wenn er sich von einem Tal zum anderen begibt und dabei in den Schneefeldern seine famosen Spuren hinterlässt. Da verhält er sich wie ein Aufrechtgeher (das würde ein Schimpanse auch tun), einfach um zu vermeiden, dass seine Hände mit dem nasskalten Schnee in Berührung kommen! Aber, wie von vielen Augenzeugen berichtet (s. in Heuvelmans 1955, Grison 1990) läuft er normal auf allen Vieren wie ein Gorilla.

Mit dem afrikanischen Großaffen hat der Yeti viel gemeinsam, doch dürften sie nicht direkt miteinander verwandt sein. Auch der Gorilla war bis zum Jahr 1847 (als er erstmals von der Wissenschaft offiziell anerkannt wurde) ein gleichsam mythisches, furchteinjagendes „Monstrum” gewesen, das Kinder tötete, Frauen entführte und vergewaltigte. Nun, unser Gebirgsaffe aus Nepal (von den Sherpas Mi-Teh genannt, wenn sie das Fleisch-und-Blut-Wesen meinen) wurde - wie der Gorilla damals - in abschreckender Weise viele zu groß und abscheulich gezeichnet oder beschrieben! In Wirklichkeit, wie aus den glaubwürdigsten Augenberichten zu entnehmen ist, sei der nepalische Yeti kleiner als ein Durchschnittsmensch...

Das wird sicher manch einen Leser „umhauen”! Ich habe aber - wohlgemerkt - vom Yeti oder Mi-Teh gesprochen, und nicht von anderen Wesen aus benachbarten Gebieten (Tibet, Burma), die größer sind. Um die Verwirrung zu vervollkommnen, werden oft letztere Kreaturen ebenfalls als „Yetis” bezeichnet! Bernard Heuvelmans spricht also vom „kleinen” Yeti, der Vierbeiner ist, und vom „großen” Yeti, der auf zwei Beinen geht und viel menschenähnlicher aussieht. Wir werden später darauf zurückkommen.

Bei einem weiteren Vergleich zwischen dem Gorilla und dem nepalischen Yeti fallen die von den Augenzeugen bemerkten mächtigen Eck- oder Fangzähne auf, die geradezu auf eine äffische Natur hinweisen - und auf Vierbeinigkeit!

Wie vom belgischen Primatologen Serge Frechkop (1940) klar zum Ausdruck gebracht wird, haben Fangzähne bei Menschenaffen entwicklungsgeschichtlich nichts mit räuberischen Gewohnheiten zu tun, sondern sie ergeben sich zwangsläufig aus dem Umbau im Schnauzenbereich bei dem allmählichen Übergehen zu einer quadropeden Haltung! Zahnstruktur und Gestaltung werden vom Längenwachstum der Kiefer bestimmt (Prognathismus).

Die Theorie der ursprünglichen Zweifüßigkeit, wie sie 1926 erstmals vom Berliner Professor Max Westenhofer ausgedrückt wurde, schreibt den Vorfahren der heutigen Primaten eine bipede - d.h. aufrechte - Gangweise zu. Auch der Fuß war plantigrad, d.h. flächig der Unterlage ganz aufliegend (samt Ferse), wie beim Menschen oder bei den Bären.

Bei Affen verwandelte sich der Fuß während der Übergangsphase zum Baumleben in eine Art „Hinterhand” mit opponierbarer großer Zehe.

In dieser Beziehung ist ein Yeti-Fußabdruck wie aus dem berühmten Shipton-Foto wohl recht eigenartig, da die enorm große Zehe sehr human wirkt. Das passt wiederum nicht zu den lokomotorischen Angewohnheiten der Bestie, wie von vielen Augenzeugen berichtet wurde! Andererseits weisen jedoch andere Beobachtungen (wie vom Abbe Bordet, 1955) auf einen vierzehigen Fuß hin, zumindest was die Spuren im Schnee angeht: die erste Zehe kann also entweder nicht vorhanden oder nicht sichtbar sein (etwa, weil sie beim Schreiten nach oben zurückgezogen oder hochgeklappt wird).

Ein Affenfuß wird dem Yeti in seinem natürlichen Vorkommensgebiet die besten Dienste erweisen: es sind die hohen Bergtäler Nepals, um 4000 Meter Höhe, mit unerforschten und schier undurchdringlichen Wäldern von Rhododendron, Bambus und Birken (Hutchinson 1991). Darin lebt der Yeti, halb in Bäumen und halb auf Felsen. Und da kommt so einfach kein Mensch durch! Wenn man dazu rechnet, dass der Yeti ein nächtliches und scheues Tier ist, wird einem wohl verständlich, warum es von der Wissenschaft nicht belegt ist.


Fußabdrücke

Yeti-Fußabdruck (A), verglichen mit Schimpanse (B), Küstengorilla (C), Berggorilla (D), Orang-Utan (E). (Nach Grison[1990]).

Die berühmte „Zuckerbrot”-Gestalt seines Kopfes, wie sie von Augenzeugen beschrieben wurde, interessiert den Zoologen sehr, denn diese Einzelheit deutet auf das Vorhandensein eines knochigen Kammes hin, der von den Kopfhaaren bedeckt wird, und so das Aussehen eines „Zuckerbrotes” verleiht. Ein ähnliches Knochengerüst gibt es beim männlichen Gorilla sowie auch bei einigen fossilen Australopithecinen (Australopithecus robustus). Dies dürfte eine Andeutung sein, wie mächtig die Kaukraft der Kiefer sei, und ein Hinweis darauf, dass unser Gebirgsaffe sich von zäher pflanzlicher Kost (Rinde, Wurzeln) ernährt!

Nach Heuvelmans (1986) ist der Yeti sehr wahrscheinlich mit den fossilen Anthropomorpha nah verwandt, die am Rand des Himalajas entdeckt wurden, darunter Sivapithecus, der auch als ein Vorfahr des Orang-Utans gilt. - Vielleicht ist er sogar der Sivapithecus?

Auf jeden Fall kann man sich den nepalischen Affen durchaus wie einen etwas zu klein geratenen Berg-Gorilla aus Ruanda vorstellen, der nächtliche Sitten hätte. Beide Sorten sind gleichfalls vom Aussterben bedroht, und es wäre ein Jammer, wenn auch der nepalische Yeti von der Erdoberfläche verschwände, ehe die wissenschaftliche Welt erkennt, dass er existiert hat.

Gibt es noch lebende Australopithecinen?
In Afrika halten sich viele Gerüchte über behaarte Bipeden, die sehr affenähnlich aussehen und bestimmte Waldgebiete bewohnen würden. Sie lassen an überlebende Australopithecus-Spezies denken, was von einem zoologischen Gesichtspunkt betrachtet gar nicht so erstaunlich wäre!

Man weiß, dass der südafrikanische Paläontologe John T. Robinson zugab, er hätte Fallen in der Savanne aufgestellt, in der stillen Hoffnung, lebende Australopithecinen zu erwischen. Die jüngsten Fossilien von Australopithecus sind kaum eine Million Jahre alt, nach konventioneller Zeitrechnung. Der französische Paläontologe fand sogar einen von ihm benannten Tchadanthropus, der kaum 10.000 Jahre aufweist, wie mir Professor Jean Chaline aus Dijon mitteilte.

Interessanterweise wurde ebenfalls in Tschad ein Fossil entdeckt, das den Australopithecinen zugerechnet wird (Brunet et al. 1995). Die Datierung, nach umgebenden Leitfossilien, ergab eine Zeitspanne von drei bis dreieinhalb Millionen Jahren. Vielleicht war es die gleiche Flutwelle, die in Hadar (Australopithecus afarensis) landete, da die Faunenzusammensetzungen sich gleichen!

Nichtsdestoweniger glaubt der französische Paläontologe aus Poitiers, Michel Brunet, dass die Australopithecinen im Pliozän über ganz Afrika verbreitet waren, womit er recht haben mag. Das würde für ihr Überleben in weiten Gebieten des Schwarzen Kontinents sprechen. Darüber hinaus würde ich sogar meinen, dass Australopithecinen weltweit verbreitet waren!

Die behaarten Wesen, um darauf zurückzukommen, die heutzutage aus Afrika gemeldet werden, sind unter vielerlei Bezeichnungen (Kakundakari, Kikomba, Agogwé ...) bekannt. Da sie als Bipeden von den Augenzeugen beobachtet wurden, bestand lange unter den Kryptozoologen die Meinung, dass sie mit den fossilen Australopithecinen identisch wären (Heuvelmans 1980, 1986).

Moderne Erkenntnisse (de Sarre 1995a, 1995b) zeigen jedoch, dass die daraufhin untersuchten Australopithecus-Arten, insbesondere die geologisch jüngeren (darunter „Homo” habilis), eigentlich Quadropeden waren! Der Autor meint also nun, dass die versteckten Hominiden Afrikas nicht zur Gattung Australopithecus gehören, sondern (was die Größeren anbetrifft) dem „Homo” erectus zuzurechnen sind, wie auch aus dem Buch der französischen Ethnologin Jacqueline Roumeguere-Eberhardt (1990) erkennbar wird. Die kleineren Wesen scheinen der Art Homo sapiens (Infra-Pygmäen) zuzurechnen zu sein.

Was nicht ausschließt, dass überlebende Australopithecinen in den Wäldern Afrikas existieren könnten. Meines Erachtens wurden sie von den Beobachtern „als mehr affenartig” empfunden, was mit einigen Berichten (in Heuvelmans 1980) auch übereinstimmt. Vielleicht ist der heutige Bonobo oder Zwergschimpanse ein Nachfahr von Australopithecus afarensis („Lucy”)? Und stünde ein anderes Fossil, Ardipithecus ramidus, mit dem gemeinen Schimpansen (Pantroglodytes) in engster Beziehung?


Kakundakari

Kakundakari (nach Heuvelmans [1980]).

Der Orang-Pendek aus Sumatra
Wir sagten vorhin, dass die Australopithecinen vermutlich weltweit verbreitet waren. Einige Fossilien-Funde deuten ja auf Südostasien hin (Franzen 1985). Von Sumatra wurden schon längst Berichte über ein merkwürdiges Wesen laut, das Sedapa oder Orang-Pendek hieß. Der bekannte Primatologe W. Osman Hill (1945) hielt es für einen Homo erectus.

Neue Untersuchungen (Martyr 1990, 1993) zeigen jedoch, dass der Orang-Pendek („kleiner Mann”) eher mit den Australopithecinen verwandt ist. Seine unbeholfene Bipedie könnte sekundär sein, wie die des Gibbons oder des Indris. Das würde heißen, dass der Orang-Pendek von einem im dichten Wald erreichten Vierbeiner-Stand (Dehominisation) nun versucht, wie alle Affen es auch tun, sich wieder aufzurichten!

Riesige Menschen?
Aus Nordamerika und Südasien hauptsächlich stammen Berichte über Riesen, die knapp um drei Meter messen, behaart sind und dementsprechend große Fußabdrücke hinterlassen. Daher der Name „Bigfoot”, im westlichen Kanada und in den USA. Die Indianer nennen das Wesen: Sasquatch, Oh-Mah oder Tokémussi.

Trotz notorischer Ulks, beispielweise dem Patterson-Film und anderen bizarren Fotos oder Spuren, genießt der Riese eher einen guten Ruf bei den Primatologen! So wurde der Sasquatch von Dr. Grover Krantz (1986) von der Washington State University als Gigantanthropus canadensis beschrieben, nach eingehender Untersuchung von Gips-Formen, die Dermatoglyphen (Hautlinien) zeigten.

Zu seiner Zeit war der deutsche Paläontologe Franz Weidenreich (1945) aus idealistischen Gründen ziemlich geneigt gewesen, den fossilbekannten Gigantopithecus („Riesenaffe”) in Gigantanthropus („Riesenmensch”) umzutaufen!

Als von diesem großen Primaten von dem Holländer G. von Königswald ein Zahn in Südchina entdeckt wurde, konnte über dessen Natur nicht viel gesagt werden. Nun kennen wir einige Unterkiefer und hunderte dieser Zähne. In den Büchern wird der Gigantopithecus in der Vierbeiner-Stellung dargestellt (Coppens 1983), wie ein übergroßer Gorilla, obwohl nichts dieses Bild wirklich bestätigt. Die Zähne wirken eher human.

Bernard Heuvelmans hatte bereits 1952 in Erwägung gezogen, dass Gigantopithecus ein Vorfahre des großen Yeti sein könnte. Wie der Amerikaner G. Krantz weist er auf eine enge Verwandtschaft mit dem Sasquatch hin, der in prähistorischen Zeiten, von Südostasien kommend, über die Beringstraße hingewandert sein mag.

Falls spätere Entdeckungen diese Ansichten bestätigen sollten, empfiehlt es sich, den „Riesenaffen” Gigantanthropus zu nennen. In solchen Fällen hat nämlich der zoologische Name gegenüber dem paläontologischen Vorrang. Das würde schließlich auch dem Wunsch des deutschen Naturforschers Franz Weidenreich voll entsprechen.

Ob der Sasquatch mit dem großen Yeti (Nyalmo, Tok, Xiao) identisch ist, bleibe jedoch dahingestellt. Die vierzig Zentimeter langen Fußabdrücke gehören Wesen an, die zwar mit fliehender Stirn, aber mit vorspringendem Kinn (Bleuze 1994), beschrieben sind. Die asiatischen Riesen, von Tibet bis Burma oder Malaysia, sind recht affenähnlich, auch wenn sie aufrecht gehen und Spuren machen, die an einen menschlichen Fuß denken lassen. Verwechslungen mit kontinentalen Orang-Utans dürften auch vorliegen, besonders im südlichen China. Auch aus Malaysia gibt es Berichte von einem Riesenmenschen, Jarang Gin.

Als er 1993 von einer Studienreise zurückkehrte, erzählte mir Dr. Heuvelmans die Geschichte von Mokhtar Mohamad: Im dichten Wald spürte dieser, wie eine enorme behaarte Hand ihn packte; als er sich umdrehte, sah er einen drei Meter großen Jarang Gigi! Zwar lief er davon, doch die Riesen verhalten sich friedlich. Vielleicht versuchen sie sogar Kontakt mit uns, Homo sapiens, herzustellen.

Die Relikt-Neandertaler
Asien beherbergt noch ein sehr erstaunliches Wesen, das uns morphologisch und anatomisch wohl am nächsten steht. Es dürfte mit dem Neandertaler-Menschen aus unseren Schulbüchern identisch sein. Wir werden diese nächtliche Bergkreatur, in Anlehnung an Bernard Heuvelmans (1974), Homo pongoïdes, als Synonym von Homo neanderthalensis, benennen.

Zwar wird er von unseren Wissenschaftlern mitunter als unser „Ahne” angeführt, aber es wird seit einigen Jahrzehnten ersichtlich, dass Menschen modernen Aussehens dem Neandertaler fossilienbelegt in Afrika und dem Nahen Osten vorangegangen sind.

Während der letzten Kälteperioden in Europa verdrängten zwar die pongoïdes zu bestimmten Zeitperioden die sapiens, wenn die vorherrschenden schlechten Klimabedingungen dessen Zivilisation(en) vernichteten. Die aus den Gebirgen herunter kommenden Neandertaler waren an solche extremen Konditionen schlechthin besser angepasst. Aber als sich die Wetterlage merklich verbesserte, kehrten unsere Ahnen in die Tiefländer Europas zurück und verdrängten wiederum die Neandertal-Menschen in die Berge oder in die tiefsten Wälder. Seitdem gelten sie als ausgestorben. Wie es der französische Naturforscher Michel Raynal (1994) klar zum Ausdruck brachte: hinter diesem Schuldogma des Neandertaler-Verlöschens verbirgt sich immer noch der alte Glaube, dass sie sich einst in moderne Menschen „umgewandelt” hätten. Doch fanden logischerweise die pongoïdes Zuflucht in den hohen Gebirgsketten, wo ihnen auch das Klima mehr zusagte als in den milden Tiefländern.

Die kryptozoologische Forschung fand heraus, dass in den Pyrenäen viele Überlieferungen existieren, wonach behaarte Wildmenschen bis in die jüngste Vergangenheit dort überlebt haben mögen (Raynal 1989, 1993). Über die Gebirgskette Sierra Nevada - Riff, die einst eine Landbrücke zwischen Europa und Afrika bildeten, wären diese Neandertaler bis in die heutigen Maghreb-Länder vorgestoßen (de Sarre 1995c).

Nach Koffmann (1991) kommen sie in Kaukasien noch vor. In den Gebirgen Ost-Pakistans wurden vom spanischen Zoologen Jordi Magraner (1991) entsprechende Berichte gesammelt. Und nach Bernard Heuvelmans (1974, 1986, 1993) darüber hinaus auch in weiten Gebieten Eurasiens. Der sogenannte „Yeti” oder Yeren aus Zentralchina wäre auch solch ein Relikt-Neandertaler.

Ein solches Geschöpf, in den USA auf Jahrmärkten ausgestellt und in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt, wurde vom Zoologen Bernard Heuvelmans (1974) unter die Lupe genommen und mit dem wissenschaftlichen Namen Homo pongoïdes belegt. Der Ursprungsort dieses von Jägern (oder Militärs) abgeschossenen Waldmenschen dürfte Vietnam gewesen sein.


Orang-Pendek

Orang-Pendek (nach Martyr [1993]).

Sollte der Homo pongoïdes mit dem fossilbekannten Neandertaler identisch sein, bekommt der erstere Name Vorrang und ersetzt den paläontologischen Namen neanderthalensis.

Das rekonstruierte Bild des Pongoïd-Menschen wurde Augenzeugen aus Pakistan gezeigt und mit dem lokalen Bar-Manu gleichgesetzt. Diese Wesen, seien sie nun fossil oder rezent, waren an Kälte und Gebirgsleben angepasst. Die eigenartige Schädelstruktur mit dem vorspringenden Gesichtsteil könnte wohl auf die Weise entstanden sein, dass die Wildmenschen aus den Gebirgen Europas ihren Mund nach und nach als eine Art dritte Hand benutzten. Durch die stetige Kletterei in den Felsen entstanden weitere Abweichungen gegenüber dem „modernen” Menschen (der dem Neandertaler wohl lang vorausging): Der Daumen verlor an Beweglichkeit, was die Tatsache erklärt, dass der Mund allmählich zu feinen Greifzwecken herangezogen wurde, und bestand nunmehr aus zwei gleichlangen Fingerknochen. Allgemein wird gemeint, dass die mächtige Hand eines Neandertalers eine bis zu zwölfmal stärkere Packkraft ausüben konnte als unsere eigene Hand. Die sehr breiten Füße mit behaarten Oberseiten zeigen gekrümmte bewegliche Zehen, die das Auf- oder Absteigen in den Felsklippen hervorragend ermöglichen.

Im Vergleich mit dem Homo sapiens, der ein tagaktiver, geselliger, im Bereich milder Temperaturen lebender Mensch war, ist der Homo pongoides eine nächtliche, einzeln lebende und kälteliebende Menschenspezies, die von der unseren grundlegend abweicht, auch wenn in (prä)-historischen Zeiten Hybriden entstehen konnten.

Diskussion
Studiert man die paläontologischen Fakten objektiv unter Beiziehung des willkommenen Beitrages seitens der Kryptozoologie, so gelangt man zu folgenden Aussagen:

  1. Ein Überleben von diversen Waldmenschen oder Wilden Menschen respektive Menschenartigen bis zum heutigen Tage stellt an sich ein ebensowenig erstaunliches Phänomen dar wie das Überleben der Großaffen in ihren jeweiligen Relikt-Arealen.
  2. Evolutionistische Vorurteile schulwissenschaftlicher Natur über den Zeitpunkt des Erscheinens des Homo sapiens sapiens, angeblich erst vor wenigen Jahrzehntausenden (konventioneller Zeitrechnung) und die überholte Vorstellung einer Affenabstammung des Menschen verhindern, dass die Forschungserkenntnisse der Kryptanthropologie gebührend berücksichtigt werden.
  3. Die Fossilienfunde deuten an sich darauf hin, dass es geologische Perioden gegeben haben muss, in denen gewisse nicht-sapiensartige Hominiden zahlenmäßig bedeutender waren als die humane Spezies.
  4. Es gab immer eine zeitliche Koexistenz vom „Jetztmenschen” mit aufrechtem Gang und verschiedenen Primaten-Formen in verschiedenen Graden der Dehominisierung.

Das evolutive Phänomen der Dehominisierung oder Entmenschlichung dürfte jeweils zustande gekommen sein, wenn unter schlechtesten Klimabedingungen (nach einer großen Naturkatastrophe wie etwa ein Planetoiden-Impakt) Menschengruppen einer kulturellen Dekadenz unterworfen wurden. Einseitige Pflanzen- oder Fleischkost sowie Vitamin-Mangel (Sanderson 1963) führten zu physiologisch-anatomischen Veränderungen und einem Umbau des Körpers im Sinne dieser Entmenschlichung.

In Anlehnung an Bernard Heuvelmans (1974) wird folgende, die menschliche Form verändernde Entwicklung, als Dehominisierung bezeichnet: Die Stirn wird flacher, Schnauze und Kiefer mächtiger, der Kauapparat kräftiger, was zur Stärkung der Knochenauswüchse am Schädel, wo die beteiligten Muskeln ihre Ansatzpunkte haben, führt. Die gesamte Gestalt ändert sich, die Körperhaltung neigt immer mehr nach vorn, bis die Vierfüßler-Haltung erzwungen wird. Sämtliche Wesen, die von Dehominisierung betroffen werden, hören auf, sich wie Menschen zu benehmen. Sie gleichen um so mehr der Vorstellung, die wir von einem Tier haben.

Schlusswort
Im theoretischen Rahmen der Annahme einer ursprünglichen Bipedie (aufrechter Gang auf zwei Füßen) werden infolgedessen „Relikt-Hominiden“ nicht als unsere „Ahnen” oder deren wildere Abkömmlinge hingestellt, sondern eher als überlebende Seitensprosse des ehemals verzweigenden und gewissermaßen „explodierenden” Menschenstammes!


Bar-Manu / Homo pongoides

Links: Bar-Manu (nach Magraner [1991]).
Rechts: Homo pongoides (nach Heuvelmans [1993]).

In vielen Fällen, wie wir sahen, entsprechen den fossilen Funden die von kryptozoologischer Seite entworfenen Porträts der Wild- und Waldmenschen oder Menschenartigen:

In einem Fall wie bei einem Asteroiden-Einschlag oder anderen gigantischen Kataklysmen bliebe wohl auch keine andere Alternative, als für einige Jahrhunderte in Höhlen oder andere Bunker zurückzukehren und sich große Sorgen um das eigene Überleben zu machen! Was dann weniger der Fall für Wild- und Waldmenschen wäre, die dann vielleicht gar in für sie echt gesegnete Zeiträume hineinkämen.

Dies ist vielleicht die einfache, zoologische Erklärung zu dem großen Relikt-Hominiden-Mysterium!


(nach oben) . (zurück zur Übersicht)