25 Jahre nach APOLLO 11

© Gernot L. Geise, veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 4/1994

 

Der Bayerische Rundfunk brachte in seinem 3. TV-Programm am 19.07.94 die (leider nicht vorangekündigte) Sendung „Die ersten Menschen auf dem Mond. Eine Vision wurde Wirklichkeit" über die Mondlandung von APOLLO 11 im Jahre 1969. Des Nachts in der brillanten Sendereihe „SPACE-NIGHT“ wiederholte BR3 Ausschnitte der vor 25 Jahren über die Mattscheibe geflimmerten ARD-Sendung: jene Übertragung von der Landung von APOLLO 11, bei der weltweit Millionen Menschen gebannt vor dem Fernseher saßen und darauf warteten, dass die beiden Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin endlich ihre Füße auf den Mond stellen würden. Damals hatte die ARD ein Studio extra für dieses Ereignis eingerichtet, mit einem Mondfähren-Nachbau und Mitarbeitern in (nachgebauten) Raumanzügen, mit Bild- und Tonleitungen nach USA, um jedes noch so schlechte Bild und jeden Piepser, den die Astronauten von sich gaben, sofort übertragen zu können. Ein ganzes Team von Fachleuten war seinerzeit im Studio anwesend, und jedes Wort der Astronauten wurde, kaum dass es ausgesprochen war, schon übersetzt. Es ist, auch 25 Jahre danach noch, ein sehenswertes Erlebnis.

Es war ein schönes Wiedersehen mit Filmaufnahmen aus jener Zeit, und doch fielen mir einige Merkwürdigkeiten auf, die dem „normalen“ Betrachter entgangen sein mögen:

Nachdem die Astronauten ihre Aufgaben auf der Mondoberfläche erfüllt hatten, wurde der Rückstart zur den Mond umkreisenden Kommandokapsel gezeigt. Ich traute meinen Augen nicht: wusste ich doch, dass erst ab APOLLO 16 der Rückstart des Aufstiegsteils gefilmt wurde. Hinzu kam, dass ein wunderschöner Raketenantriebsstrahl zu sehen war, der bei den „richtigen“ Rückstarts eben nicht  zu sehen war.

Erst bei genauerer Begutachtung konnte ich erkennen, dass es sich hier um eine perfekte Computersimulation handelte. Das wurde jedoch mit keinem Wort erwähnt!

Gar lustig anzusehen war hingegen eine Kurzzusammenfassung, wo sich der Redakteur den Spaß erlaubte, das Gehüpfe der Astronauten auf dem Mond im Zeitraffer zu zeigen. Ob es ihm dabei nicht aufgefallen ist, wie „normal“ plötzlich die Bewegungen der Astronauten geworden sind?

Doch weiter: wie vor 25 Jahren saß ich auch dieses Mal wieder gebannt vor dem Fernseher bei Freunden, nur, im Gegensatz zu damals, um einiges Hintergrundwissen reicher. Und so vermisste ich den berühmten Spruch von Neil Armstrong „Ein kleiner Schritt für einen Mann, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit", den er beim Betreten der Mondoberfläche gesagt haben soll, und der in die Geschichte eingegangen ist. Denn: minutiös wurde jede Szene gezeigt und jedes noch so unwichtige Wort von den Moderatoren sofort übersetzt. Doch dieser berühmte Spruch fehlte. Mehr noch, und hier sollte man sich wirklich wundern, dass diese Kurzszene nicht einer Schere zum Opfer fiel: nachdem Armstrong ein paar Mal vor der Fähre hin- und hergelaufen war und Beschreibungen der Mondoberfläche abgegeben hatte, meinte einer der Moderatoren im Studio:

„Aber Armstrong ist wirklich dem treu geblieben, was er vor einigen Wochen auf der letzten großen Pressekonferenz sagte, als er gefragt wurde, ob er denn über etwas nachgedacht hätte, was er als angemessen und gegeben bei diesem Anlass sagen könnte, und er sagte nur schlicht »Nein, ich habe es nicht«, und er hat hier oben ja auch nichts dergleichen gesagt, keine großen Erklärungen abgegeben."

Etwa eine Stunde später, als die Astronauten ihre Mission soweit abgeschlossen hatten, erwähnte einer der Moderatoren, Armstrong habe den berühmten Ausspruch gemacht ... Wann soll das passiert sein? Die Direktübertragung zeigte, dass es nicht so war. Wer hat also den bekannten Spruch erfunden und Armstrong so perfekt untergeschoben?

Dem Bayerischen Rundfunk sei jedenfalls dafür gedankt, dass er diese Filmaufnahmen wiederholt hat.

 


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