Prof. Dr. Lesch, so nicht!
("Heute wollen wir mal enthüllen!")

(c) Gernot L. Geise, veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 1/1999

BR-alpha ist der Wissenschaftskanal des Bayerischen Fernsehens. Meistens wird dieser Fernsehkanal in den Programmzeitschriften verschwiegen. In seinem Regionalprogramm BR3 bringt der Bayerische Rundfunk jede Nacht nach Sendeschluss die Reihe "Space Night" mit zum Teil recht interessanten, manchmal durchaus auch spekulativen, Themen rund um die Raumfahrt. Viele Sendungen werden mehrmals ausgestrahlt, was durchaus positiv zu werten ist, da man Interessierte darauf hinweisen kann, wenn etwas Wesentliches gezeigt wurde.

Leider gibt es auch Ausrutscher bei den sonst guten Sendungen. Einen solchen möchte ich hier beschreiben, weil die Sendung "Was ist dran am Marsgesicht?" in der Reihe "Alpha-Centauri" (erstmals ausgestrahlt am 25. Oktober 1998 und seither in BR3 und BR-alpha wiederholt) derart viele Falschaussagen enthält, dass es mir fast körperlich weh tat. Falschaussagen im Fernsehen sind wir ja gewöhnt, besonders zu den besten Sendeplätzen am Abend. Doch wenn eine Sendung als "wissenschaftlich" verkauft wird, sollte sie doch etwas seriöser mit strittigen Themen, wie hier dem Marsgesicht, umgehen.

Prof. Dr. Harald Lesch, Professor für theoretische Astrophysik an der Universität München, war sich nicht zu schade, die oben genannte Sendung zu gestalten und haarsträubende Erklärungen abzugeben. "Heute wollen wir mal etwas ganz anderes machen, heute wollen wir mal enthüllen!".

Nach einer kurzen Einführung in die Phänomene des Mars - er zeigte nur ein Fotomosaik der Cydonia-Region aus alten Viking-Aufnahmen - klärte Lesch in seiner hessisch gefärbten, lockeren Art auf, dass das Marsgesicht "nur ein Haufen Schutt" sei. Als Beleg zeigte er die bekannte Aufnahme des Mars-Global-Surveyor (vgl. SYNESIS Nr. 28/1998, S. 19), ohne jedoch zu bemerken, dass diese Aufnahme von der Bildqualität her noch schlechter ist, als es die alten Viking-Fotos sind. Na gut, das hat er vielleicht nicht gewusst.

Auch dass er den größten Vulkan des Mars, Olympus Mons, als "Monte Pons" bezeichnete, kann man als Versprecher werten. Doch dass er sich über die Astronomen des Vor-Raumfahrt-Zeitalters und ihre Beobachtungen (z.B. der Linien) lustig machte und sie im gleichen Atemzug mit Science-Fiction-Autoren gleichsetzte, ist schon nicht mehr fein. Mit den Science-Fiction-Autoren - die durchaus seriös vorgehenden Forscher, die das Marsgesicht untersucht haben, erwähnte er nicht einmal - schlug Lesch einen großen Bogen und warf sie zusammen mit unseriöser UFO-Literatur in einen Sack, auf den er dann verbal einschlug ("... absoluter Nonsens!"). Angesehene Forscher wie beispielsweise Vincent DiPietro & Gregory Molenaar, die geradezu sensationelle Untersuchungsmethoden entwickelten, Dr. Mark J. Carlotto, dessen Bildbearbeitungsprogramme von der NASA eingesetzt werden, oder Richard C. Hoagland, der viele Wissenschaftler zur Untersuchung der Marsphänomene zusammenführte, als Menschen zu verunglimpfen, die Unsinn erzählen, und ihre Forschungsergebnisse schlicht zu ignorieren, hat mit "Enthüllung" "absolut" nichts zu tun.

Ich denke, jeder darf seine eigene Meinung haben. Wenn jemand nicht davon überzeugt ist, dass das Marsgesicht und die Marspyramiden künstlich errichtet wurden, sondern natürlichen Ursprungs sind, so sei ihm diese Meinung unbenommen. Doch wenn Wissenschaftler wie die oben genannten in akribischer Kleinarbeit nachweisen, dass diese Objekte gar nicht natürlich sein können, so sollte man ihre Arbeit nicht lächerlich machen.

Prof. Lesch erklärte anschließend, dass diese Stelle (Cydonia-Region) auf der Venus nicht zu sehen wäre - damit hatte er den roten Faden zur Atmosphäre gesponnen -, weil die Venus-Atmosphäre aus undurchsichtigen Wolken besteht. Bevor Raumsonden zur Venus geflogen waren, so erklärte Lesch, stellte man sich vor, der Planet wäre von Regenwald überzogen, "wo dann schon mal ein Dinosaurier rumspringt".

Warum wohl die Venusatmosphäre auf über fünfhundert Grad aufgeheizt ist, die irdische um die zwanzig Grad Durchschnittstemperatur hat und der Mars eisig kalt ist, obwohl der Abstand zwischen den Planeten "gar nicht so dramatisch" ist? Ein "paar zig Millionen Kilometer" spielen wohl keine Rolle, denn die Kohlendioxid-Atmosphäre ist dran schuld, wie Lesch aufklärte: "...dann merken Sie gleich, wohin ich will". Die Venus sei das warnende Beispiel, denn wir seien drauf und dran, unsere Erdatmosphäre genauso aufzuheizen: "Wir arbeiten ja daran, unsere eigene CO2Atmosphäre zu schaffen". Aha! Daher weht der Wind! Lesch hat sich vor den Karren der Treibhaus-Lobby spannen lassen und wiederholt deren blühenden Unsinn. Dabei ist es inzwischen erwiesen, dass es gar keinen Treibhauseffekt auf der Erde gibt (Hierzu siehe etwa "raum&zeit" Nr. 89 "Es gibt gar keinen Treibhauseffekt!"). Doch Prof. Lesch weiß das anscheinend nicht.

Diese Information darf ja auch nicht in die Köpfe der Bevölkerung einziehen, denn sonst würde man merken, dass Millionen Treibhaus-Forschungsgelder zum Fenster hinausgeworfen werden.

Na gut, Venus hat eine CO2-Atmosphäre. Auf der Erde wird CO2 durch Regen wieder aus der Atmosphäre hinausgewaschen, weil die Erde glücklicherweise eine Plattentektonik besitzt. Sie werden sich fragen, was diese beiden Faktoren miteinander zu tun haben. Das fragte ich mich auch. Doch Lesch erklärte weiter: Kohlendioxid wird auf der Erde durch Plattentektonik freigesetzt. Wenn die Venus also eine Kohlendioxidatmosphäre besitzt, hat sie auch eine Plattentektonik, so einfach ist das. Doch durch das dortige Höllen-Treibhaus ist es nicht möglich, dass auf der Venus das Wasser das Kohlendioxid abregnen kann, im Gegensatz zur Erde, deshalb bleibt es in der Lufthülle ...

Weil der Mars keine Plattentektonik besitzt, gibt es auf ihm auch kein Wasser, "hat es vielleicht auch nie gegeben", und was man als Spuren von Wassereinwirkungen deutet, könne auch durch Windeinwirkungen entstanden sein. Natürlich habe der Mars wegen seiner fehlenden Plattentektonik auch keine CO2-Atmosphäre. Hätte er auch niemals haben können, denn durch seine geringe Anziehungskraft hätte er das CO2 gar nicht halten können, meinte Lesch. Über so viele Falschaussagen stellen sich einem doch die Haare einzeln auf!

Woher nimmt Lesch eigentlich seine Informationen? Aus seinen zitierten Science-Fiction-Romanen etwa? Aber bestimmt nicht von der NASA. Denn erstens besitzt die Venus keine Wasserdampfatmosphäre, die nicht abregnen kann. Es finden sich nur geringe Wasserdampf-Spuren darin. Die zum Teil sehr ausgeprägten ehemaligen Flussbetten auf dem Mars sollen also durch Wind entstanden sein. Ich möchte gerne einmal den Wind sehen, der gewundene Flussläufe mit Inseln darin erschafft! Und das bei einer Atmosphärendichte, die gerade mal etwa ein Prozent der irdischen beträgt, wo also der Winddruck fehlt.

Auf dem Mars soll es, nach Prof. Lesch, kein Wasser geben. Dann haben sich also die Marssonden, auf deren Messergebnisse er sich so gerne beruft, alle getäuscht, die festgestellt haben, dass beispielsweise die Pole reine Wassereis-Ansammlungen sind. Oder kennt Lesch ausgerechnet diese Messergebnisse nicht?

Und aus welchen Gasen sich die Marsatmosphäre denn nun zusammensetzt, ließ Lesch offen, nur: CO2 nicht, weil der Planet es ja nicht halten könne. Schade, dass Lesch keine Messergebnisse gelesen hat, sonst wüsste er, dass die Marsatmosphäre sogar zu 95% aus CO2 besteht! Aber dann wäre er möglicherweise in Erklärungsnot gekommen, wie es denn möglich ist, dass eine 95%ige CO2-Atmosphäre die Venus aufheizen kann und den Mars nicht. Außerdem hätte er dann seine fehlende Plattentektonik nicht einbringen können, denn woher soll wohl das Kohlendioxid kommen, wenn es keine Plattentektonik gibt ...?

Am Ende der zwanzigminütigen Sendung kam er wieder zum Titel, dem Marsgesicht, zurück und stellte fest: "Wir sehen, dass davon nicht mehr übrig bleibt als ein Haufen Dreck. Und die Idee der Marsianer ist offensichtlich nicht mehr".

Ich frage mich, wer Prof. Lesch dafür bezahlt hat, dass er die Zuschauer so verschaukelt, denn als ordentlicher Professor an der Uni München müsste er eigentlich wissen, dass er Unsinn in Potenz erzählt. Wie gesagt: jeder soll seine eigene Meinung haben. Doch wenn man sich anmaßt, sich über Menschen mit anderen Erkenntnissen lustig zu machen, sie obendrein zu verunglimpfen und wegen ihrer anderen Meinung zu verurteilen, dann müssen zumindest die eigenen Erklärungen hieb- und stichfest sein. Man sollte niemals jemanden bezichtigen, er erzähle Unsinn, und dies mit ebenso unsinnigen, falschen Aussagen belegen. Damit verliert man seine Glaubwürdigkeit.

Prof. Dr. Lesch, durch diese Sendung haben Sie sich selbst disqualifiziert!

Sollte das Marsgesicht, wie wir annehmen, eine intelligente Schöpfung in Stein, zerstört worden sein - ob durch kriegerische Einwirkung oder durch Alterserosion, spielt keine Rolle -, dann hat Prof. Lesch an dieser Stelle seiner Ausführungen wenigstens unbeabsichtigt recht: er sprach von einem "Haufen Schutt". "Schutt" aber ist das Ende eines Bauwerkes, also eines künstlichen Gebildes!


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