Die Sache mit dem so genannten Mars-Meteoriten

© Gernot L. Geise; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 18/1996

Eine "Sensationsmeldung" ging Anfang August 1996 um die Welt, herausgegeben von der NASA: "Wir haben Leben auf dem Mars gefunden!". Zeitungen und Illustrierten beteiligten sich sogleich an der Verbreitung dieser Meldung, so beispielsweise das Magazin "Focus" mit der Titelstory "Ist da draußen doch wer? Hintergründe und Folgen der Wissenschafts-Sensation" (1).


Der Meteorit "ALH84001", ein Steinbrocken vom Mars?

Der Meteorit "ALH84001", ein Steinbrocken vom Mars? (Aus: "Focus" Nr. 33 vom 12. August 1996)


Was war geschehen? Die NASA hatte bekannt gegeben, ihre Wissenschaftler hätten in einem Meteoriten aus der Antarktis, der vom Mars stamme, "extrem kleine, einzellige Strukturen" nachweisen können. Somit sei der Nachweis erbracht, dass es außerirdisches Leben und insbesondere ehemaliges Leben auf dem Mars gebe.

Die NASA hatte damit endlich wieder einmal das Thema Raumfahrt und gezielt den Mars in das Bewusstsein der Öffentlichkeit holen können. Schließlich fehlten ihr in den letzten Jahren spekulative Meldungen. Die Space-Shuttle-Missionen sind inzwischen (teure) Routine geworden, für die sich in der Öffentlichkeit kaum noch jemand interessiert. Ausgesendete Planetensonden waren nicht eben von Erfolg gekrönt (etwa "Mars Observer"), weil sie aus Kostengründen übermäßig abgespeckt sein mussten, doch die NASA plant für die nächsten Jahren weitere, besser ausgerüstete Mars-Sonden. Und da hilft jede noch so windige Meldung weiter bei der Befürwortung staatlicher Zuschüsse.

Man fragt sich natürlich unwillkürlich, wozu milliardenteure Raumfahrtunternehmen zum Mars gestartet werden, wenn es so einfach ist, hier auf der Erde marsianisches Leben nachzuweisen, während den Marssonden dies versagt blieb.

Warum wird jetzt ein ominöser Steinbrocken aus der Antarktis bemüht, um den Blick auf den Mars zu richten? Hätte man nicht auch auf andere Art auf außerirdisches Leben auf dem Mars hinweisen können? Ich darf daran erinnern, dass die NASA bis zum heutigen Tag das Vorhandensein künstlicher Strukturen auf der Marsoberfläche (etwa das "Marsgesicht" oder Pyramidengruppen) strikt ableugnet, obwohl diese durch private Forscher inzwischen als definitiv belegt angesehen werden können. Wir erkennen hier wieder, wie man die Augen vor Offensichtlichem verschließt und lieber kleine organische Molekülgruppen vorschiebt - die man seinerzeit bei der Landung der VIKING-Sonden auf dem Mars - falls vorhanden gewesen - durch die Landetriebwerke der Sonden vernichtete, vielleicht, um sie nicht nachweisen zu müssen? Die Politik der NASA verstehe sowieso, wer will, denn die von ihr herausgegebenen "Erkenntnisse" strotzen - schon fast traditionsgemäß - nur so von Widersprüchlichkeiten. Doch darüber habe ich schon früher berichtet (2).


Die umstrittenen, organisch aussehenden Strukturen, die man in dem Meteoriten fand

Die umstrittenen, organisch aussehenden Strukturen, die man in dem Meteoriten fand (aus: "Focus" Nr. 33 vom 12. August 1996).


Wie kommt man eigentlich dazu, einen auf der Erde gefundenen Steinbrocken als Meteoriten vom Mars auszugeben? Schließlich kann dieser Stein ja von überallher stammen. Da wird ein spektakuläres Szenarium entworfen, wie durch den Aufprall eines größeren Asteroiden auf die Marsoberfläche Gesteinsbrocken so weit hochgeschleudert worden seien, dass sie nicht nur die Fluchtgeschwindigkeit des Mars überwunden hätten, sondern auch noch zielstrebig zur Erde geflogen seien, um in der Antarktis zu landen und, im "ewigen Eis" konserviert, darauf zu warten, dass unsere Wissenschaftler sie bergen und untersuchen können. Mir erscheint diese Konstruktion denn doch ein wenig zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Ich frage mich, wie die Forscher darauf kommen, dass jener der Weltöffentlichkeit präsentierte Gesteinsbrocken "ALH84001" vom Mars stammen soll, denn wir haben bisher keinerlei Vergleichsmaterial, um dieses Gestein definitiv als Marsgestein bezeichnen zu können. Persönlich vermute ich - das geht jedoch aus keiner der Meldungen hervor -, dass man vielleicht winzige atmosphärische Spuren in dem Gesteinsbrocken lokalisieren konnte, aufgrund dessen man auf einen Herkunftsort Mars schloss.

Wenn dem so sein sollte, dann hat diese Sache natürlich auch ihre Haken, denn eine solche Aussage kann zwangsläufig auch wieder nur auf Annahmen, Hochrechnungen und Hypothesen fußen, indem man von den - in den siebziger Jahren durch die VIKING-Sonden übermittelten - heutigen Mars-Atmosphäre-Daten ausgeht und hochrechnet, wie die Marsatmosphäre einmal ausgesehen haben könnte. Wie genau oder ungenau eine solche Rechnung dann sein kann, wird spätestens klar, wenn man hört, dass dieser Steinbrocken vor 15 Millionen Jahren durch einen Asteroideneinschlag auf dem Mars losgeschlagen worden sein soll und dann vor etwa 13.000 Jahren in der Antarktis gelandet sei. Dass - gesetzt den Fall, die angegebenen Jahre stimmen in etwa - die irdische Atmosphäre zu jenem Zeitpunkt durchaus so ausgesehen haben könnte wie die (möglicherweise) festgestellten Atmosphärespuren des Steinbrockens, daran denkt wohl niemand. Das wäre ja auch keine Sensationsmeldung wert.

Ob der Mars heute so tot ist, wie er hingestellt wird, ist zumindest umstritten, denn so eindeutig negativ waren die Untersuchungsergebnisse der VIKING-Sonden in den siebziger Jahren durchaus nicht, obwohl von vornherein kein Nachweis irgendwelchen Lebens erwartet wurde, auch wenn man der Weltöffentlichkeit das Gegenteil erzählt hat (wir erinnern uns: die Viking-Lander landeten auf ihren eigenen Raketentriebwerken auf der Marsoberfläche. Diesen nachhaltig durch die Triebwerkshitze sterilisierten Boden kratzten die Roboterarme der gelandeten Sonden dann zusammen, damit er an Bord der VIKINGs in mitgeführten Mini-Labors untersucht werden konnte).

Wie sehr die NASA-Falschaussagen auch heute noch vertreten werden - nicht nur in Bezug zum Mars -, beweist ein Interview mit J. William Schopf, einem amerikanischen Evolutionsforscher und Berater der NASA, in der zitierten "Focus"-Ausgabe. Er wiederholt beispielsweise, schon standardmäßig, die tradierte Falschaussage "Auf dem Mond gibt es kein Wasser und keine Atmosphäre". Dabei hat die NASA selbst herausgefunden, dass es auf dem Mond durchaus große Wassermengen gibt, wenn auch als Eis (letzte NASA-Mondsonde "Clementine". Wir berichteten darüber in SYNESIS Nr. 3/1994). Und dass unser Mond eine, wenn auch schwache, Atmosphäre besitzt, belegen Wolken, Dunst und nicht zuletzt die Fotos der Apollo-Missionen, die sogar an einigen Stellen der Mondrückseite grüne (!) Vegetation zeigen (besonders auf Fotos von Apollo 8). Und das auf einem toten Mond? (3)

Wir dürfen gespannt sein, welche Aussagen sich die NASA als nächstes einfallen lässt, denn um ihr ehrgeiziges zukünftiges Mars-Programm finanzieren zu können, benötigt sie dringend Geld. Da passt es überhaupt nicht in das NASA-Konzept, dass das Budget der US-Raumfahrtbehörde bis zum Jahre 2000 um weitere 3,2 Milliarden Dollar gekürzt werden soll, nachdem die NASA bereits im letzten Jahr eine Etat-Kürzung von fünf Milliarden Dollar verschmerzen musste (4).

Es steht viel auf dem Spiel, denn noch in diesem Jahr plant die NASA zwei Marsflüge (5), und zwar zwischen dem 5. und 25. November den Start der Sonde "Global Surveyor" und zwischen dem 2. und 9. Dezember den Start des "Mars-Pathfinder". Der "Global Surveyor" ist als die erste Sonde einer geplanten Reihe von folgenden im Rahmen eines "Mars Surveyor"-Programms. Es ist eine reine Orbiter-Sonde ohne Landeeinheit. Ihre Hauptaufgaben bestehen darin, "nach Leben zu suchen", Klimamessungen vorzunehmen und die Mars-Ressourcen zu erforschen, wobei die Suche nach Wasservorkommen eine Hauptrolle spielen wird.

Interessant ist die Mission des "Mars Pathfinder", denn dieses Gerät besteht, wie einst die VIKINGs, aus einer Orbiter- und einer Landeeinheit. Neu ist die Art der Landung, die aus einer Kombination von Fallschirm, Bremsraketen und Airbags besteht. Der Lander hat einen Minirover "Sojourner" an Bord: ein kleines Batterie- und Solar-angetriebenes Fahrzeug mit einem Aktionsradius von einigen zehn Metern pro Tag und einer projektierten Lebensdauer von einigen zehn Tagen. Dieses Fahrzeug wird drei verschiedene Messinstrumente enthalten und über die Landeeinheit und den Orbiter mit der Erde in Verbindung stehen (6).

Die weitere Erforschung des Mars hat sich die NASA vorgestellt mit der Sonde "Mars Surveyor 2001". Auch diese Sonde ist Teil des großangelegten "Mars Surveyor"-Programms und soll im wesentlichen eine Instrumentierung wie der "verschollene" "Mars Observer" enthalten. "Mars Surveyor 2003" und "Mars Surveyor 2005" sollen dann folgen, wobei bisher noch nicht genau festgelegt ist, wie die Instrumentierung und die Aufgabenverteilung aussehen sollen (7).

Die NASA hat sich also einiges vorgenommen, doch bei weiteren Budgetkürzungen wird sich dieses ehrgeizige Marsprogramm, das ein Vorläuferprogramm für die Landung von Menschen auf dem Roten Planeten ist, in Wohlgefallen auflösen. Zwar hat die NASA inzwischen eine neue Technik für ihre Raumsonden entwickelt, die sogenannte "Low-Cost-Technik".


Die geplanten Marssonden im Vergleich zum "Mars Observer" und dem Viking-Landefahrzeug

Die geplanten Marssonden im Vergleich zum "Mars Observer" und dem Viking-Landefahrzeug (Zeichnung: NASA)


Sonden mit dieser Technik bestehen im wesentlichen aus "abgemagerten" Versionen älterer Modelle und Technik-Komponenten beispielsweise aus der "Star-Wars"-Ära, die noch auf Lager liegen und nicht anders eingesetzt werden können. Der als verschollen geltende "Mars-Observer" war ein erstes Modell dieser Art. Er war zwar mit einer Minimal-Technik ausgestattet, hatte jedoch u.a. eine Hochleistungskamera aus einem Spionagesatelliten an Bord.

Zu sparen ist zwar gut, doch wenn an der falschen Stelle gespart wird, dann hilft auch die "Low-Cost-Technik" nicht mehr viel.

Anmerkungen
(1) Nr. 33 vom 12. August 1996.
(2) Beispielsweise in: "Warum werden wir belogen?", EFODON-DOKUMENTATION DO-4, oder: "Mars-Phänomene", EFODON-DOKUMENTATION DO-19, oder "Der Mond ist ganz anders!", EFODON-Edition MESON ME-7 (überarbeitete Neuauflage 2001).
(3) Ausführlich dargelegt und mit NASA-Fotos dokumentiert in "Der Mond ist ganz anders!", EFODON-Edition MESON ME-7 (überarbeitete Neuauflage 2001).
(4) Lt. Magazin 2000, Nr. 111, Juni/Juli 1996.
(5) Lt. persönlicher Mitteilung des Jet Propulsion Laboratory, 30.08.96.
MARS PATHFINDER hat inzwischen seine Marsmission erfolgreich beendet. MARS GLOBAL SURVEYOR ist bis auf unbestimmte Zeit in einem stabilen Orbit um den Mars und lieferte bisher hervorragende Fotos des Roten Planeten mit einer exzellenten Bildauflösung, die von den alten VIKING-Sonden niemals erreicht wurden.
(6) siehe Anmerkung (5)
(7) Review of NASA Planned Mars Program, National Academy Press, Washington, D.C. 1996.


(zurück zum Archiv)