Der Glaube von der Erdumkreisung des Mondes

(c) Gernot L. Geise; veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 1/1994

Wir haben es in der Schule gelernt, und in der einschlägigen Literatur steht es immer noch: Der Mond kreist um die Erde. Doch tut er das wirklich?

Der Mond umkreist nicht die Erde!

Dieses antiquierte Weltbild stammt offenbar noch aus der Zeit, als ganz selbstverständlich die Erde der Mittelpunkt des Weltalls war und sich dementsprechend alle Gestirne um sie zu drehen hatten. Nach und nach wurde im Laufe der Zeit mit dem falschen Bild der Zentralstelle der Erde aufgeräumt.

Nicolaus Copernicus (1473-1543) bemerkte, dass nicht etwa die Sonne die Erde umkreise, obwohl ein Erdbewohner diesen scheinbaren Eindruck hat, sondern dass die Erde die Sonne umkreist. Auch der Sternenhimmel dreht sich nicht etwa als Kugelschale um die Erde, sondern die Sternenbewegungen erscheinen uns so, weil die Erde sich dreht.
Und der Mond? Er geht auf und er geht unter - und scheint sich dabei ganz selbstverständlich um die Erde zu drehen, wobei er der Erde immer dieselbe Seite zuwendet. Schließlich ist der Mond ein Begleiter der Erde, und wie soll er sich sonst bewegen, als sich um die Erde zu drehen? Copernicus ließ die Planeten sich um die Sonne drehen - und den Mond um die Erde (Abb. 1). Hatte er da etwas übersehen?
Schaut man unter dem Stichwort "Mond" nach, so erhält man die unterschiedlichsten Aussagen. Einige Beispiele (Hervorhebungen von mir):
"... Der Mond benötigt für eine Erdumkreisung 27,3 Tage..." (Der Große ADAC Welt Atlas); "Der Mond bewegt sich ... um die Erde ...", aber: "Heliozentrisch gesehen bewegt sich der M. also auf einer durch die Erde stark gestörten Bahn um die Sonne." (Brockhaus Enzyklopädie). "In der Literatur begegnen wir leider überwiegend der längst überholten Version, wonach der Mond die Erde ... umrundet." (Ewert: Die physikalischen Zwangsläufigkeiten des Kosmos).


Nikolaus Kopernikus (links) und eine Skizze des Sonnensystems aus seinem Buch, so wie er es sich vorstellte.

Abb. 1: Nikolaus Kopernikus (links) und eine Skizze des Sonnensystems aus seinem Buch, so wie er es sich vorstellte.


"Die Bewegung des Mondes um die Erde"

Abb. 2: "Die Bewegung des Mondes um die Erde" (Großer Herder Atlas)


Was macht denn der Mond nun wirklich?
Er bewegt sich zunächst einmal auf einer leicht elliptischen Kreisbahn um die Sonne, in der gleichen mittleren Sonnenentfernung wie die Erde und auf der gleichen Kreisbahn wie die Erde. Durch das Vorhandensein der Masse der Erde wird er in eine wellenförmige "Schleuderbahn" gedrückt, ebenso, wie die Erde "schleudert", bedingt durch die Mondmasse. Dieses Zusammenspiel kosmischer Kräfte wirkt sich beispielsweise bei der Erde in Form der Präzession (einer Kreiselbewegung der Erdachse) aus. Allerdings wird dieser Effekt auch dadurch unterstützt, dass die Erde abgeplattet ist und deshalb einen Äquatorwulst besitzt. Weiterhin trägt auch unsere Sonne ihren Teil zu dieser Erdachsen-Taumelbewegung bei.



"Erdbahn und Mondlauf"

Abb. 3 (Klub Weltatlas)


In einigen, aber längst nicht in allen, Kartenwerken ist die schlangenförmige Taumelbewegung der Mondbahn dargestellt. Hier und dort wird auch darauf hingewiesen, dass auch die Erdbahn eine schlangenförmige Bewegung der Erde zeigt. Diese wird durch die ablenkende Masse des Mondes erklärt (z.B. Smoluchowski, S. 68). Genauer betrachtet, sieht es so aus, dass der Mond die Sonne auf einer Bahn umkreist, die um die Erde hin und her torkelt.



"Wahre Bahn des Mondes während eines Monats"
Abb. 4 (Bremer Atlas)


Das Hauptmerkmal der Mondbewegung besteht darin, dass er permanent versucht, die Erde auf ihrer Bahn außerhalb zu überholen. Diese Bewegung ist physikalisch nur durch ein Einfangen während einer höheren Geschwindigkeit erklärbar. Somit ist exakt diese wellenförmige Bewegung des Mondes in Bezug zur Erdbahn eine direkte Folge davon, dass die Erde einst den Mond einfing, als er seinerzeit als "Wanderer zwischen den Sternen" in die Erdumlaufbahn einschwenkte. Während des gemeinsamen Sonnenumlaufs beeinflussen sich die beiden Schwerkraftfelder von Erde und Mond derart, dass es zu einer Beschleunigung des Mondes kommt, wenn sich die Erde zwischen ihn und die Sonne schiebt, denn die beiden Kraftfelder von Sonne und Erde addieren sich dann. Befindet sich der Mond jedoch zwischen Sonne und Erde, so wirkt das Kraftfeld der Erde bremsend auf die Mondbewegung und verzögert diese. Durch dieses Verhalten entsteht aus irdischer Sicht der Eindruck, der Mond würde die Erde umkreisen.



Links: "Bewegung von Mond und Erde um die Sonne während zweier Monate; in der schematischen Darstellung ist der Abstand Erde ? Mond stark übertrieben"; Rechts: "Bewegung von Erde und Mond um die Sonne, dargestellt für einen synodischen Monat, mit einem wirklichkeitsnäheren Verhältnis der Bahnradien; die Pfeile weisen in rückwärtiger Verlängerung auf die Sonne"

Abb. 5: Links: "Bewegung von Mond und Erde um die Sonne während zweier Monate; in der schematischen Darstellung ist der Abstand Erde – Mond stark übertrieben"; Rechts: "Bewegung von Erde und Mond um die Sonne, dargestellt für einen synodischen Monat, mit einem wirklichkeitsnäheren Verhältnis der Bahnradien; die Pfeile weisen in rückwärtiger Verlängerung auf die Sonne" (Brockhaus Enzyklopädie).


Würde der Mond in Höhe der Bahnebene, wo er sich befindet, die Erde umkreisen, dann müsste er auf seinem Weg um die Sonne eine Spiralbewegung durchführen und einen Teil seiner Bahn rückläufig zurücklegen (siehe Abb. 9). Man kann diese Bewegung vergleichen mit dem Verhalten eines Rades, das sich um seine Achse dreht. Ein Punkt auf dem Reifen stellt den Mond dar, die Radachse die Erde. Bewegt sich nun das Rad vorwärts (das entspräche der Erde, die sich auf ihrer Bahn vorwärts bewegt), so dreht sich der Reifen nur oben in Fahrtrichtung. Unten dreht er sich entgegengesetzt (siehe Abb. 10). So müsste dann die Bahn des Mondes aussehen, würde er sich um die Erde drehen. Wäre seine "Umlaufbahn um die Erde" senkrecht zur Erdumlaufbahn, so müsste seine Bahn spiralförmig um die Erdumlaufbahn liegen. Beides ist nicht der Fall.



Falsche Darstellung der Mondbahn

Abb. 6: Falsche Darstellung der Mondbahn (Westermann Schulatlas)


Im Gegensatz zu unserem Mond ist beispielsweise der Marsmond Phobos ein wirklicher Umkreiser seines Planeten. Er rotiert in etwa 7,5 Stunden einmal um den Mars und ist damit schneller als dessen Eigenrotation. Seine Bahn bildet auf der Marsumlaufbahn eine Spiralbewegung. Unser Mond jedoch ist kein Umkreiser, sondern "nur" ein Begleiter der Erde auf einer "Schleuderbahn".


Falsche Darstellung der Mondbahn

Abb. 7: Falsche Darstellung der Mondbahn (ADAC Welt Atlas)


Bedingt durch die Merkmale seiner Umlaufbahn und seiner Pendelbewegung um die Erdbahn sind alle Spekulationen gegenstandslos, die davon ausgehen, unser Mond habe sich bei der Bildung unseres Sonnensystems zusammen mit der Erde aus der Urmaterie gebildet oder sei ehemals ein Teil der Erde gewesen. Er war es nie, sondern er wurde - und das beweist seine Bahnbewegung eindeutig - als Wanderer in unserem Sonnensystem von der Erde eingefangen (siehe Abb. 11). Woher er kam, das werden wir noch zu einem späteren Zeitpunkt untersuchen.

So gesehen müsste der Begriff "Mond" neu definiert werden. In den verschiedenen Werken stehen Definitionen, die sich nur selten gleichen, beispielsweise:

"Mond, Himmelskörper, der sich um einen Planeten und mit diesem um die Sonne bewegt ..." (Kleiner Brockhaus, 1962); "Der Mond (...), Himmelskörper, der die Erde als Trabant (Satellit) umkreist ..." (Bertelsmann Volkslexikon); "Mond, der um die Erde kreisende Himmelskörper ..." und "Monde, Satelliten, Trabanten, heißen d. Himmelskörper, die sich um die Planeten nach Keplerschen Gesetzen bewegen ..." (Knaurs Lexikon); "Der Mond ist der ständige Begleiter der Erde auf ihrer Reise um die Sonne." (Moore: Der Mond).

Wie nun? Lautet die Definition, ein Mond umkreise einen Planeten - dann ist unser Mond kein Mond. Oder ist ein Mond "nur" ein Begleiter eines Planeten - dann hat unser Mond die korrekte Bezeichnung.



"Die Masse des Mondes ist im Verhältnis zur Erdmasse so groß, dass der gemeinsame Schwerpunkt nicht mit dem Erdmittelpunkt zusammenfällt. Dadurch laufen Erde und Mond auf Schlangenlinien um die Sonne ? nur der Schwerpunkt folgt exakt einer elliptischen Bahn"

Abb. 8: "Die Masse des Mondes ist im Verhältnis zur Erdmasse so groß, dass der gemeinsame Schwerpunkt nicht mit dem Erdmittelpunkt zusammenfällt. Dadurch laufen Erde und Mond auf Schlangenlinien um die Sonne – nur der Schwerpunkt folgt exakt einer elliptischen Bahn" (Smoluchowski: "Das Sonnensystem").


Eine solche Umlaufbahn um die Erde und um die Sonne müsste der Mond zurücklegen, wenn er die Erde wirklich umkreisen würde

Abb. 9: Eine solche Umlaufbahn um die Erde und um die Sonne müsste der Mond zurücklegen, wenn er die Erde wirklich umkreisen würde (Zeichnung: (c) Geise)

Abb. 10 (Zeichnung: (c) Geise)


Was ändert die Erkenntnis, dass der Mond unsere Erde nicht umkreist, an unserem Weltbild? Im Prinzip nichts. Ob er die Erde umkreist oder nicht, wir sehen ihn täglich, und kaum jemand macht sich über sein Vorhandensein Gedanken. Und schon gar nicht darüber, ob er die Erde umkreise oder nicht. Jedoch fällt diese kleine Richtigstellung in unser Aufgabengebiet, Falschaussagen aufzuzeigen. Und falsche Darstellungen gibt es mehr als genug, egal von welchem Thema.


Nach der Einfangtheorie wurde der unabhängig irgendwo im Sonnensystem gebildete Mond bei einer starken Annäherung an die Erde durch deren Anziehungskraft eingefangen

Abb. 11: Nach der Einfangtheorie wurde der unabhängig irgendwo im Sonnensystem gebildete Mond bei einer starken Annäherung an die Erde durch deren Anziehungskraft eingefangen (Moore: "Der Mond").

Die verschlungene Mondbahn um die Erde und um die Sonne

Abb. 12: Die verschlungene Mondbahn um die Erde und um die Sonne (Diercke Weltatlas)

"Lichtgestalten des Mondes"

Abb. 13a

Zwiespältig, Auslegeware. Mal so, mal so

Abb. 13b: Zwiespältig, Auslegeware. Mal so, mal so. Einmal die verkehrte Darstellung (Abb. 13a), und auf derselben Seite die korrekte Darstellung der Mondumlaufbahn (Abb. 13b) (Diercke Weltatlas).


Quellen:
Andree-Putzger's Gymnasial- und Realschul-Atlas, Bielefeld, Leipzig 1888.
Bertelsmann Volkslexikon, Gütersloh, 1956, 1962.
Brockhaus Enzyklopädie, Mannheim 1991.
Der Große ADAC Welt Atlas, 1985.
Der kleine Brockhaus in zwei Bänden, Wiesbaden 1962.
Diercke Weltatlas, Braunschweig 1969.
Erber, Felix: "Illustrierte Himmelskunde", Berlin 1912.
Ewert, K. D.: "Die physikalischen Zwangsläufigkeiten des Kosmos", Haselünne 1985.
Klub Weltatlas, Berlin, Stuttgart 1959.
Knaurs Lexikon A-Z, München 1985, 1987.
Lautensach: "Bremer Atlas", Heidelberg-München 1959.
Moore, Patrick: "Der Mond", Freiburg 1982.
Smoluchowski, Roman: "Das Sonnensystem. Ein G2V-Stern und neun Planeten", Heidelberg 1983.
Troll, Carl (Hrsg.): "Großer Herder Atlas", Freiburg 1958.
Westermann Schulatlas, Braunschweig 1970.


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