© 1999 Roland Roth
Deshalb (jetzt) in den Weltraum!
(Veröffentlicht in EFODON-SYNESIS
Nr. 6/1999)
Es ist
manches Mal nicht so einfach, neuen Ideen den Weg zu ebnen, so war es schon
immer. Aber halt: eine Idee, die von nicht wenigen Menschen abgelehnt wird, ist
die einer systematischen Forcierung der Weltraumfahrt und der damit verbundenen
Kolonisierung des Mars.
In der
SYNESIS Nr. 4/1999 hatte Pit Schellenberg diese Ansicht vertreten und bezog sich
auf meinen Artikel ,,Warum zum Mars?” (SYNESIS Nr. 2/1999). Wie erwartet,
,,verbiss” sich Herr Schellenberg in die irdische Problematik in Hinsicht auf
Ressourcen und Umweltzerstörung, und war im selben Atemzug der Auffassung,
zunächst die erdgebundenen Probleme zu lösen, bevor mit der ,,Exkursion” in den
Weltraum bzw. zunächst zum Mars begonnen wird, und möchte es einer
weiterentwickelten Menschheit überlassen, diese Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Nun, dazu
muss ich ein wenig ausholen und möchte die immense Bedeutung darlegen, die mit
der Expansion in den Kosmos verbunden ist, obwohl ich dies - wie ich meine - in
meinem Artikel ,,Warum zum Mars?” bereits genügend ausgeführt habe. Auch Dieter
Vogl hat (SYNESIS Nr. 4/1999) mit seinem Artikel ,,Die letzte Chance der
Menschheit?” interessante Aspekte zur Sprache gebracht.
Natürlich
stehen wir als Zivilisation vor großen Problemen, ich wäre der Letzte, der dies
bestreiten würde. Sicherlich ist unser Wirtschaftssystem und regional auch
unsere Politik nicht gerade vielversprechend, und doch ist ja gerade die
(beginnende) Raumfahrt so bedeutsam, da sie — wie ich bereits erwähnte — ein
unglaublich großes Potential darstellt, die Erde in Sachen Ressourcenknappheit
gewaltig zu unterstützen. Nicht zuletzt würden schließlich durch die geradezu
unabänderliche Herausforderung, in den Weltraum zu expandieren, und der sich
dadurch fortschreitenden Entwicklung der Technik neue Möglichkeiten ergeben,
unseren Heimatplaneten zu unterstützen, so beispielsweise die Entdeckung und
Nutzung neuer Energiereserven oder gar die Entwicklung neuer, alternativer
Energielieferanten, die wesentlich effektiver, bei kleinstmöglicher
Verschmutzung der Umwelt, sind. Welche Entdeckungen hier noch gemacht werden,
kann sich der einzelne kaum vorstellen, doch im Grunde kann man es sich
denken.
Der zur
Sprache gebrachte Punkt der Überbevölkerung ist in der Tat brisant. Das
Bevölkerungswachstum nimmt zu, und derzeit stehen keine Optionen zur Verfügung,
wie es auf der Erde (!) weitergehen soll. Mit humanen Mitteln ist da kaum etwas
auszurichten, und andere Möglichkeiten wollen wir ja um Gottes Willen nicht
vorschlagen.
Weshalb
denn auch? Wenn die Erde schon aus den Nähten platzt, dann lasst uns doch für
kommende Generationen das riesige Platzpotential im All nutzen! Wichtig ist,
jetzt zu handeln und Programme für den notwendigen Raumbedarf zu entwickeln.
Schließlich
müsste es doch in unser aller Interesse sein, unsere Spezies weit genug zu
verbreiten, um das Überleben und den Fortbestand zu sichern. In einer einzigen
Ecke des Universums sitzen zu bleiben, empfinde ich als überaus riskant, da
kosmische Katastrophen sich überall und zu jeder Zeit ereignen können, auch in
unserer stellaren Region.
Soll unsere
Menschheit auch auf langfristigem Wege bestehen bleiben, muss es unser Ziel
sein, andere Welten zu besiedeln, denn damit implizieren wir gleichzeitig eine
Vermehrung des Wissens und der Intelligenz im Kosmos.
Sollte die
Menschheit nicht versuchen, auch noch in abertausenden oder gar Millionen
Jahren existent zu sein? Die Dinosaurier haben es uns schließlich vorgemacht
und gaben nur deshalb das Regiment ab, weil ein womöglich kosmisches Ereignis
katastrophalen Ausmaßes ihr Dasein beendete. Ich bin der Meinung, wir sollten
uns dieser Aufgabe stellen und nicht mit der Gewissheit sterben, dass wir in
unserer Kinderstube (!) versauern und aussterben!
Außerirdische
Intelligenzen können sich ebenfalls auf kosmischem Wege ausgebreitet und
fortentwickelt haben. Weshalb sollen wir das nicht auch versuchen? Damit einhergehend
wird sicherlich auch eine spirituelle Weiterentwicklung eine langfristige Rolle
spielen. Irgendwann in ferner Zukunft werden die Menschen dann wohl doch ganz
anders in den Kosmos vordringen, wie es dann jedoch vonnöten ist, und zwar auf
geistige und vielleicht effizientere Weise, dazu reicht unser heutiges
Potential und bloßes Meditieren nicht aus. Also eines nach dem anderen.
Schellenbergs
Überlegungen zu „Transportproblemen” der Menschheit sind so auch nicht ganz
richtig. Hier muss beachtet werden, dass nicht in kurzen Zeitabschnitten
gedacht werden darf, sondern eine Kolonisation über mehrere, viele Jahre
andauernde, Schritte vollzogen werden muss, die die Energie- und
Rohstoffreserven der Erde gar nicht so arg beuteln, wie es mancher so schwarz
an die Wand malt. In diesem Zusammenhang sei auf die mannigfaltigen
Weltraumprogramme in einschlägiger Literatur verwiesen, wie sie von führenden
Raumfahrtexperten und -pionieren oftmals dargelegt wurden.
Es wäre
absurd, Transporter für ,,Milliarden von Menschen” zu bauen, da dies nicht
notwendig ist. Eine Verteilung der Bevölkungsdichte auf andere Möglichkeiten
ginge gleichmäßig und in einem vernünftigen Rahmen vonstatten.
Ein
wahrscheinlich über Generationen andauerndes Projekt würde sowohl die Entstehung
von Raumstationen vorsehen, als auch Mondbasen, von denen letztlich auch die
Rohstoffe und Materialien für weitere Optionen stammen würden.
Eine
Entwicklung im Schneeballeffekt würde folglich immer mehr Platz auf weiteren
Raumstationen, anderen Planeten und Monden schaffen. Autarke Kolonien würden
nach geraumer Zeit in größerer Zahl in interplanetarer Umgebung zur Verfügung
stehen, und das alles mit den Ressourcen eines ganzen Sonnensystems.
Der
Fortschritt auf technologischer und geistiger Ebene (was haben wir in
zweitausend, was in fünfhundert Jahren geschafft, und hatten wir unser
Wissensspektrum in nicht einmal hundert Jahren verdoppelt?) würde das dafür
nötige Wissen dazu liefern.
Die dafür
vorgesehene Zeitspanne darf hier nicht unterschätzt werden. ,,Denken im
kosmischen Maßstab” heißt die Devise. Für die Nutzung neuer Energiealternativen
und die damit verbundene Versorgung, sowie die Erfindung neuer
Antriebstechnologien, bliebe reichlich Zeit. Bei positiver Entwicklung wäre der
Weg zu den interstellaren Räumen vorprogrammiert. Womöglich genauso, wie es
unsere Vorvorfahren bereits einmal getan haben, als sie dieses Sonnensystem vor
Urzeiten kolonisiert hatten.
Wie der
Planet Mars früher beschaffen war, und ob ,,intelligente” Eingriffe ihn zu dem
machten, was er heute ist, lässt sich nicht lückenlos rekonstruieren. Man kann
darüber nur spekulieren, und das würde uns auch vom grundlegenden Thema
ablenken. Wenn es aber so war, dann wäre das noch ein zusätzliches Ziel,
weshalb der Aufbruch zum Mars forciert werden sollte. Es könnte uns helfen,
Antworten zu finden und mögliche Hinweise darauf, was in vergangenen Epochen
geschehen ist, und uns als Vorgabe dienen, es anders zu machen. So oder so
führt der Weg ins All!
Man darf
nicht von der falschen Tatsache ausgehen, nicht in den Weltraum aufbrechen zu
dürfen, solange unser Planet ,,kaputt” ist. Denn es ist genau anders herum:
unser Planet bleibt ,,kaputt”, wenn wir ihm nicht unter die Arme greifen und
die Möglichkeiten am ,,Schopf packen”, ihn in jedweder Hinsicht zu entlasten.
Es ist
eigentlich nicht besonders schwierig, die Sachlage so zu begreifen, wie sie
ist, doch zur Veranschaulichung möge ein - zwar im ersten Moment
ungewöhnliches, aber letztlich einleuchtendes - Beispiel dienen (bitte nicht
lachen):
Jeder kennt
die SF-Serie ,,Star Trek” und vielleicht auch noch den Kinostreifen ,,First
Contact”: Hier geht es um die Zeitepoche, in der die Menschheit ihren ersten
,,Warp-Flug” (mit Lichtgeschwindigkeit) durchführt und prompt von den anderen
galaktischen Rassen ,,bemerkt” wird, was zum Aufbruch in ein neues, großartiges
Abenteuer führt. Der Ausgangspunkt: just zu jener Zeit hat die Erde gerade eben
ihren Dritten Weltkrieg hinter sich, und in einem dementsprechend desolaten
Zustand befindet sich der Planet, die Menschheit und das Wirtschaftssystem.
Wenige mutige Forscher haben es dennoch geschafft, in dieser ,,wilden” Zeit
Augen für das Wesentliche zu haben und erreichten den ,,Kontakt” mit anderen,
raumfahrenden Zivilisationen. Die weitere Entwicklung ist absehbar: die
Menschheit wird sich im Ganzen ihrer Situation im Kosmos bewusst und baut durch
die neue technologische und geistige Herausforderung einen Großteil ihrer
Probleme ab, langsam, aber stetig.
Nun ist ja
schon seit geraumer Zeit bekannt, dass in Science Fiction jede Menge ,,Science”
ist und die Star Trek-Saga viele wissenschaftlich fundierte Aspekte enthält.
Einen
ähnlichen ,,Start” würde ich auch der Menschheit bescheinigen: Eine Evolution
und Expansion des menschlichen Geistes durch die Kolonisierung neuer Welten.
Schließlich muss irgendwann einmal damit begonnen werden, und eine
,,spirituelle” Entwicklung wird sich, trotz manch gegenteiliger Meinung, erst
dann wirklich einstellen, wenn die Menschheit sich vom Kosmos aus als ,,Ganzes”
sieht.
Den Weltraum
und den Mars einer ,,weiterentwickelten” Menschheit zu überlassen, ist nicht
akzeptabel, denn schließlich ist es so, wie es nun einmal ist: Wir selbst sind
doch schließlich die ,,weiterentwickelte” Menschheit, und zwar in durchaus
abschätzbarer Zeit.
Schließen
wir also die Augen vor unserer eigenen Weiterentwicklung, werden wir in
derselben auch gleichzeitig stillstehen! Denn eines ist so klar wie Mutters
Buchstabensuppe: Der Weltraum und seine unschätzbaren Möglichkeiten und
Herausforderungen gehört unweigerlich zu unserer Fortentwicklung und
schließlich zu unserer eigenen Evolution, diesem Faktor müssen wir uns stellen.
Da halte ich es ebenso wie ,,meine” Väter der Raumfahrt, Wernher von Braun und
Eugen Sänger. Im übrigen sollte man unsere bisherigen Anstrengungen, in den
Weltraum vorzudringen, nicht abwerten. In der Tat ist gerade erst der
klitzekleine Beginn der Raumfahrt vollzogen, doch ist und bleibt es
,,Raumfahrt”. Eine Diskussion um Namen und Begriffe halte ich diesbezüglich für
unangebracht. Sie würde niemals die Leistungen der eben genannten Herren von
Braun oder Sänger abwerten. Für sie war es genau das, was es für mich und viele
andere heute auch ist: der Beginn der Raumfahrt!
Es bleibt
letztlich zu überlegen, ob sich durch unseren Aufbruch in den Kosmos nicht auch
unsere Situation auf dieser unserer Erde ändern wird, und zwar im positiven
Sinne unsere Wirtschaft, unsere Politik und letztlich unser Denken allgemein.
Eine gute Ausgangssituation für unendlich viele Gespräche und Diskussionen,
doch letztlich ist es eine Frage der persönlichen Meinung. Wir sollten
bedenken: Zu unserer Umwelt gehört auch der Weltraum, und so sind wir, im
tieferen Sinne, noch nicht einmal aus unserer Haustür herausgetreten!