(c) 1999 Kurt Schildmann

Zum Thema Sonnenfinsternis:

Alles Zufall oder Nicht-Zufall?

(Veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 35/1999)

Zahlreiche Typen, insbesondere Wissenschaftler, basteln sich ihr Weltbild unter Benutzung des Zauberers „Zufall“ zusammen. Vor einigen Tagen sah ich abends im Fernsehen eine Talkshow zu dritt (Hauptfiguren die Schauspielerin Michaela XXX und der Deutsch beherrschende Schriftsteller Kishon), die das Weltbildschema anschnitt.

Michaela ist bildschön und sehr klug, kein orientalischer oder südlicher Typ, sondern nordisch. Kishon bewunderte ihren Wort- und Ideenreichtum. Sie stellte zwei Faktoren heraus: Es gäbe keinen Zufall und sie sei unglaublich neugierig. Mit einem Astrologen habe sie sich eine Stunde unterhalten. Er habe ihr das erzählt, was sie sowieso von sich wusste.

Anders als die mürrischen Brummbären, die den Zufall in ihr Weltbild einbauen, ist Michaela ein strahlender, fröhlicher Typ, den weite Volkskreise spontan anhimmeln. Wie sagt doch Goethe:

Volk und Knecht und Überwinder, sie gestehn zu jeder Zeit:
höchstes Glück der Erdenkinder, ist doch die Persönlichkeit.

Der Verein der Brummbären will nicht nachhinken. Säuberlich werden Namen von Leuten gesammelt, die eine winzige Entdeckung gemacht haben. Wer davon eine wirkliche Persönlichkeit war, wird nicht gern hervorgehoben. Die Norm, das Schema, gilt.

Nun zurück zum Weltbild: Anlässlich der am 11. August in Europa sichtbaren totalen Sonnenfinsternis sagte im Fernsehen ein Astronom, ,,schließlich sei der Mond ja doch nur ein Felsbrocken, der bei erdnaher Konjunktion mit der Sonne zufällig die Sonnenscheibe genau decken könne.” Ist das wirklich ein Zufall?

Im virtuellen Weltriesen (Vishnu, Ymir, Pankow etc.) der Protogrammatik sind Sonne und Mond die zwei Augen des himmlischen Schädels (die abertausend Sterne im dunklen Haupthaar die Äuglein himmlischer Wesen, Sanskrit sa.hasr.akschi = die Nacht, = die Tausend-Äugige). Vgl. auch in diesem Bild die Stadt Delhi als den Nabel der Erde und den südlichen Ozean als den den Leib umrundenden Gürtel, nordwärts besetzt mit Korallen.

Alles das auch ein Zufall?


 

Die Sonnenfinsternis vom 11.08.99 (Fotos: Geise)


Dazu kommt noch die alles andere als zufällige numerologische Verflechtung der synodischen Umläufe der Planeten, in irdischen Tagen gezählt. Dazu habe ich bereits an vielen Stellen einiges geschrieben. Man hat den Tagen jener siebentägigen Woche, die man zu Ehren Jupiters instituierte, und die man in der Induskultur wieder aufleben ließ, auch Namen geben müssen. Man wählte die Reihenfolge Sonne und Mond (= Sonntag, Montag), Mars und Merkur (Dienstag, Mittwoch), Jupiter und Venus (Donnerstag und Freitag), zuletzt kommt der Bummelant Saturn, deifiziert als Gott des Todes. Man beachte die Paarigkeit: Mond kann Sonne genau abdecken (passt wie ein Auge aufs andere); Merkurs Grundzahl 4,5 ist die Hälfte von 9 = Grundzahl des prätrojanischen Mars. Auf Jupiter mit Grundzahl 7 folgt Venus mit Grundzahl 8, wie im Maya-Kalender, und die 399 des Jupiter - aufaddiert mit den 378 des Saturns = 777. Zufall?

Wie großartig ist die Regel, dass die Summe der 1., 2. und 3. Potenz der Grundzahl des Planeten die Dauer seines synodischen Jahres ergibt. Zufall?

Wie großartig ist das seit undenklicher Zeit bekannte Pentagramma Veneris, das 8 x 365 = 5 x 584 ist, mit weiteren Implikationen. Alles Zufall?

Für die mürrischen Brüder vom Trottelverein sind das alles blöde Zufälle. Ihre in Dunkelheit angefertigte Liste von Brummbären offenbart in der Tat wenig Wunderbares, und die Menschen weithin wirklich Begeisterndes, wie es, zum Beispiel, Michaela vermag.


Kurt Schildmann ist Präsident der Studiengemeinschaft Deutscher Linguisten in Bonn.


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