© Hans J. Andersen
Das dunkle Zeitalter (IV.)
Catal Hüyük - Stadt aus der „langen Nacht“
(Veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 34/1999)
Catal Hüyük
Sehr eigenartig erscheint die Anlage von Catal Hüyük in der Türkei. Diese Stadt war, nach konventioneller Datierung, seit mindestens Mitte des 7. Jahrtausend bis -5700 bewohnt - das führt in die Zeit der „langen Nacht“ zurück.

Schematische Rekonstruktion eines Ausschnitts von Schicht VI mit Häusern und Heiligtümern, die sich in Terrassen übereinander erheben.

Rekonstruktion des zweiten Geierheiligtums (VII 21) mit Menschen- und Stierschädeln.
Die Ausgrabungen von 1961 bis 1963 förderten archäologische Überraschungen zutage. Mit einer so frühen Stadtkultur hatte man nicht gerechnet. Nur Jericho ist älter.
Catal Hüyük besteht aus mindestens elf aufeinander folgenden Besiedlungsschichten.
Die Stadtanlage ist in der Tat sonderbar. Man setzte die einstöckigen Häuser Wand an Wand. Innerhalb dieser geschlossenen Bebauung gab es nur ausnahmsweise einmal einen Innenhof. Alles ohne Straßen dazwischen, was auch dafür spricht, dass man um Wärme- bzw. Kälteschutz bemüht war. Türen gab es ebenfalls nicht. Der Einstieg erfolgte über Dachluken, und anstatt Fenstern hatte man lediglich schmale Öffnungen an der Raumoberkante, wo das Nachbarhaus etwas niedriger anschloss. Auf Helligkeit durch Sonnenlicht scheint man keinen Wert gelegt zu haben, es gab eben keine Sonne wie heute. Aber der Rauch von Feuerstellen konnte nach oben abziehen.

Stierköpfe von der Ostwand des Heiligtums VI B 8 in der Reihenfolge ihres Vorkommens.

Ost- und Südwand des Heiligtums VI 61 mit in einer Bank eingelassenen Hornscheiden.
Als die Archäologen die Wandgemälde freilegten, zerfielen die Farben alsbald. Sie waren nicht lichtbeständig. Ein Beweis dafür, dass es in damaliger Zeit kein normales Tageslicht gab, sondern wohl nur ein Dämmerlicht. Kein Maler konnte wissen, ob seine Farben unter der Sonne späterer Jahrtausende lichtbeständig sein würden.
In den Kulträumen findet man viele Stierkopfskulpturen. Ich habe den Eindruck, dass das Gestirn, das bei den Maya „7-Arara“ genannt wird, hier als Stier verehrt wurde. Dafür spricht, dass Gerippe von sieben Stierhörnern vorkommen, die Zahl Sieben also auch hier. Wir werden astronomisch erklären können, warum die Sieben zur heiligen Zahl wurde.
Es fehlt aber auch nicht an Sonnensymbolik. Diese war nun äußerst ungewöhnlich: In etlichen Darstellungen sieht man auf der Nase eines Stieres ein kleines Sonnengesicht, angedeutet nur mit Augen und Mund, oft umgeben von Strahlen oder auch einem sternartigen Kranz. Da ist kein Zweifel möglich. Diese Sonnenerscheinung war wesentlich kleiner als die des stierhaften Gestirns, denn die Sonnengesichter sind nur ein Bruchteil so groß wie der Stierkopf. Die viel zu kleine Sonne beweist, dass diese Symbolik - und somit auch die Stadt - in einer Epoche entstand, als die Erde der Sonne fern war. Wie immer man die C14-Datierungen bewerten mag, es war, als die Menschheit ohne die Sonne als Tagesgestirn lebte.
Man findet in anderen Kulturen weitere Größenvergleiche mit der Sonne, wenn man darauf achtet.
Eine Katastrophe, die Zeit der Himmelsstiere beendend
Was die Datierung der Fundschichten mit den Stierköpfen betrifft, so fällt auf, dass mit der Schicht VI A alle Stier- und Stierkopfdarstellungen plötzlich aufhören. Die Zeittafel vermerkt bei VI A außerdem „Zerstörung“. Viele Zerstörungen - vor allem späterer Jahrtausende - sind ja durch Menschen und ihre Kriege verursacht worden. Aber hier wird man eine Naturkatastrophe in Erwägung ziehen müssen, denn die Ära der „langen Nacht“ ging schließlich einmal zu Ende, und dabei kam es wahrscheinlich zu größeren Katastrophen, die eine Erdveränderung begleiteten, was zu einer anderen Position der Erde im Sonnensystem führte, nahe der jetzigen.
Die konventionelle Radiokarbondatierung gibt für diese Schicht ein Alter von -5800 bzw. -5781 an, mit einer möglichen Ungenauigkeit von einem Jahrhundert. Im weiteren Gang dieser Forschungen werde ich das mit meinen eigenen Daten vergleichen, die sich ohne C14, auch ohne Dendro- oder Warvenchronologie, allein aus der Rekonstruktion von antiken Chroniken, ergeben haben.
Literatur
James Mellaart ,,Catal Hüyük - a neolithic Town in Anatolia“, London 1967; deutsch: G. Lübbe Verlag, Berg. Gladbach, 2. Aufl. 1967.
Hans J. Andersen: „Am Anfang war die Zahl“, in der Reihe IMAGO MUNDI, Nr. 5/1993, Studienreihe des Kult-Ur-Instituts e. V.; zu beziehen im Andersen-Verlag, Körnerstraße 84, D-58285 Gevelsberg

Hans J. Andersen ist u.a. Autor des Sachbuches „Polsprung. Prophezeiungen und wissenschaftliche Analysen“ (G. Reichel Verlag, ISBN 3-926388-43-9)