Eine Frage der Dimensionen
(c) Dieter Schall, veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 28/1998
Dieser Beitrag basiert auf dem Vortrag, den Dieter Schall am 25. April 1997 beim EFODON-Stammtisch in München gehalten hat, aus dem Themenbereich seines Buches „Tor zur Wirklichkeit - die Verbindung von Spiritualität und Wissenschaft”.
1. Wirklichkeit, Realität, Illusion
Was ist Realität?
Diese Frage wird bei näherem Hinschauen sehr bedeutungsvoll und ist am Ende der Betrachtungen verknüpft mit der allgemeinen Frage nach unserer Existenz.
- Was ist ein Quastenflosser? Haben Sie schon einen gesehen? Woher wissen Sie es? Warum sind Sie so sicher, dass es stimmt, was da erzählt wird?
- Karl der Große, wer war das? Woher nehmen Sie Ihre Sicherheit? Nach neuesten Erkenntnissen gab es ihn überhaupt nicht, und die Jahre von 700 - 1000 wurden dazu gefälscht.
- Gibt es den Bundeskanzler Kohl wirklich oder handelt es sich bei der Person, die wir aus den Medien kennen, vielleicht nur um einen Schauspieler, der diese Rolle spielt?
Dies sei bitte nur als provokative Frage verstanden - aber Hand aufs Herz, warum sind Sie so sicher, dass es ihn gibt? Denken Sie über die Glaubwürdigkeit der Medien einmal nach.
In der Wissenschaft versucht man, die beobachtete Natur und deren Phänomene mit vereinfachten Modellen zu beschreiben. Das Atommodell nach Rutherford wäre ein Beispiel dafür. Die Teilchenphysik hat weit in das Subatomare hineingeforscht und komplizierte Modelle der atomaren Realität entwickelt - aber es sind bis heute Modelle und Vorstellungen. Die subatomare Wirklichkeit können wir nicht sehen, nur die Spuren, die sie hinterlässt.
Wir neigen in unserer wissenschaftlichen Verblendung dazu, das geschaffene Modell mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Ist Realität vielleicht nur das, was wir sehen und wahrhaben wollen?
Materie
Materie war für den bewusst wahrnehmenden und denkenden Menschen bis zu Beginn dieses Jahrhunderts etwas objektiv Vorhandenes, Fühlbares und Messbares. Die festen Stoffe können sich nicht gegenseitig durchdringen, Kräfte wirken auf sie und sie üben selbst Kräfte aus. Körper aus fester Materie sind auch im Raum eindeutig begrenzt, sie haben ein Volumen und eine Masse. Mit Beginn der Forschung im Mikrokosmos entdeckte man, dass die Atome ähnlich aufgebaut sind wie die Sonnensysteme des Makrokosmos - es ist eine ganze Menge „NICHTS“ im Volumen des Atoms enthalten, immerhin mehr als 95 % des Volumens besteht aus Nichts. Und von der Elektronenhülle, die Jakob Lorber schon um 1850 als Dunsthülle bezeichnete, wissen wir nicht genau, wann sie da ist, wann wieder nicht und wo überhaupt sich Elektronen in dieser Hülle aufhalten. Also auch die Hülle besteht eigentlich aus „nichts“. Moderne Forscher wie z.B. Fridjof Kapra gestehen dem Elektron zu, so etwas wie Wanderer zwischen den Welten zu sein, nämlich Wanderer zwischen Transzendenz und Realität.
Wenn wir die von unserer Physik messbare Masse der Atome von Ihrem Volumen - dem überwiegenden „NICHTS“ - befreien und dichtest möglich zusammenpacken würden, dann käme ein großes Ozeanschiff leicht in einer Zigarettenschachtel unter.
Jetzt müssen wir mit der Vorstellung leben, ein Tisch bestehe außer aus seinem Volumen überwiegend aus „NICHTS“ und das Glas Bier, das wir darauf stellen, auch - ich frage Sie, warum bleibt das Glas dann auf dem Tisch stehen? Alle festen Körper müssten sich bei so viel „Nichts“ doch eigentlich gegenseitig durchdringen!
Natürlich geht das nicht - so haben wir das schon in der Schule gelernt - denn wir haben es mit Wechselwirkungen von Kräften zu tun. Magnetische Felder, elektrische Felder, Gravitationsfelder, das sind die drei uns bekannten Felder, die miteinander interferieren und Kräfte erzeugen.
Das Glas Bier wiegt also nur etwas, weil seine Masse sich im Gravitationsfeld der Erde befindet. Wir sprechen von seiner Gewichtskraft, deren substantieller Aufbau schon von Newton erkannt wurde - Masse mal ihrer Fallbeschleunigung. Beschleunigung - gut, die kann man sich vorstellen. Etwas wird immer schneller. Aber Masse, was ist das denn, wenn die subatomaren Teilchen in immer mehr „NICHTS“ zerfallen? Je mehr die Physik im Subatomaren forscht, um so rätselhafter wird das, was wir in der Schule als Masse kennengelernt haben. Am Ende haben wir nichts anderes in der Hand als ein Bündel Energie, das wir nicht fassen können.
Ich möchte keine Physikstunde geben und führe diese Gedanken jetzt auch nicht weiter. Es ging mir lediglich darum, die Grundfeste unseres Weltbildes - nämlich die Masse - zu hinterfragen und zu zeigen, dass wir mit alten Vorstellungen ganz gehörig aufräumen müssen, wenn wir auch nur den Bruchteil einer anderen Realität verstehen wollen.
Materie ist letztendlich nichts anderes als eine Ansammlung von Energie. Nicht umsonst sagen manche Wissenschaftler, der ganze Kosmos sei nichts anderes als Schwingung, auch die Materie. Auch in den fernöstlichen Religionen findet man solches Denken über die Welt.
Jules Muheim, den ich persönlich kenne, sagte über den Kosmos, dieser würde mit einer Frequenz von 10 hoch 100 Hertz zwischen Sein und Nichtsein schwingen, zerfallen und jedes Mal wieder neu aufgebaut. Das ist ein unvorstellbar hoher Wert. Ich habe den Versuch aufgegeben, diese Größenordnung in irgendeinen vorstellbaren Vergleich zu bringen.
Wenn unser Kosmos, der in den Augen der konservativen Wissenschaft unabhängig von seinen Beobachtern objektiv existiert, nichts anderes ist als Schwingung, was ist dann noch objektiv und real? Aus unserer Froschperspektive können wir eine allgemeingültige Antwort gar nicht geben.
„Die verstehen sehr wenig, die nur das verstehen, was sich erklären läßt“ (Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach)
Ich habe mich sehr viel mit der Struktur des Kosmos beschäftigt. Ich habe viel nachstudiert, was Forscher darüber sagen, ich habe darüber meditiert und ich habe die Natur der Dinge versucht zu verstehen. Nach meiner persönlich gemachten Erfahrung besteht der Kosmos, so wie wir ihn wahrnehmen und erleben, aus einer für uns unendlich komplexen feldartigen Struktur. Muheim nennt es das Psychefeld, Burkhard Heim nennt es Quantenfeldstruktur. Elementare Feldstrukturen bilden im Zusammenwirken Überstrukturen, solche wieder größere Strukturen und so fort. Wir dürfen dies aber nicht räumlich verstehen, sondern es handelt sich um einen Komplex mit unendlich vielen Dimensionen. Alles ist mit allem vernetzt und voneinander abhängig.
Die Leberzelle existiert, weil es eine formende Feldstruktur gibt, die nichts anderes bewirkt, als für alle Leberzellen dieser Welt die Information des Seins zu geben und die daraus entstandene materielle Struktur zusammenzuhalten. Die formende Feldstruktur der Leber - vielleicht ganz einfach das Bewusstsein der Leber als dienender Organismus - formt alle Lebern dieser Welt. Weil diese Struktur allumfassend - nämlich göttlich - ist, hängen auch alle Lebern dieser Welt irgendwie miteinander zusammen. Welche Rolle dabei die Gene - sozusagen als der Schlüssel des Leberbewusstseins - zur Realisation in der Materie spielen, müsste erst einmal erforscht - ermeditiert - werden. Dieses aufbauende Szenarium solcher Feldstrukturen kann man natürlich nach innen wie nach außen beliebig, um nicht zu sagen, endlos, fortsetzen. Dann wird doch klar, dass die Menschheit als Ganzes ein Organismus ist, in dem Informationen ausgetauscht werden, in dem bestimmte Kulturen, bestimmte Völker, bestimmte Typen, bestimmte Schicksale eine ganz bestimmte Rolle spielen. Im Zusammenhang mit den ja eigentlich bekannten Mechanismen des Karma und seines Bestrebens nach Ausgleich kommen wir zu ganz anderen Bewertungen dessen, was einzelne Menschen in unserer Gesellschaft tun. Das vielfältige Weiterdenken dieses Gedankens überlasse ich jedem von Ihnen selbst.
Ich habe in diesem Zusammenhang drei Axiome aufgestellt - oder besser vorgeschlagen -, die als Basis für den Aufbau einer Vorstellung unseres Kosmos dienen können.
Die von uns wahrnehmbare materielle Welt ist nur ein Teil des Universums und kann als Projektion transzendenter Seinsebenen in das Raum-Zeit-Kontinuum hinein gesehen werden.
Wenn das Universum aus einer einzigen Singularität entstanden ist, dann sind alle Differenzierungen, die sich daraus gebildet haben und jemals bilden werden, miteinander verbunden und für die gesamte Dauer ihrer Existenz voneinander abhängig. Es kann deshalb keine unabhängigen Prozesse im Universum geben. Die beobachtbaren Phänomene sind Wechselwirkungen eines Netzwerkes unendlich vieler Elementarprozesse, die in unendlicher Vielfalt miteinander korrespondieren.
Neben unserem Universum gibt es zahllose andere Universen. Alle zusammen machen den Kosmos aus.
2. Alles ist nur eine Frage des Standpunktes
Die Frage der Dimension
Mehr als die bekannten drei kartesischen Dimensionen sind im allgemeinen nicht bekannt. Dennoch bedient man sich in der Wissenschaft und in der Technik schon seit langem mathematischer Systeme mit sechs und noch mehr Dimensionen - man spricht dann allerdings nicht von Dimensionen, sondern von Freiheitsgraden, was letztendlich aber dasselbe ist. Bei der Beschreibung der Bewegung eines Flugzeuges im Raum verwenden die Ingenieure zum Beispiel Systeme mit bis zu achtzehn Freiheitsgraden, um dieses Flugzeug vollständig zu simulieren. Mit diesen achtzehn Freiheitsgraden wird in den Flugwissenschaften ohne weiteres Nachdenken operiert.
Der Mathematiker McGillen befasste sich u.a. auch mit Fragen der Dimensionalität und sagt, je besser man etwas kennenlerne, um so komplexer werde es oder um so mehr Dimensionen erhalte es. In der Verallgemeinerung bedeutet dies, dass die Dimensionen erst im Auge des Betrachters entstehen. Kleinkinder haben keine Angst vor der Höhe, weil sie diese nicht wahrnehmen. Erst der schmerzhafte Sturz aus der Höhe macht diese bewusst, und sie entsteht dann als Dimension. Auch im Laufe der Geschichte des Menschen - so McGillen - habe unsere Wahrnehmungsfähigkeit unserem Universum mehr und mehr Dimensionen hinzugefügt.
Der erste Eindruck einer Galaxie könnte aus der Ferne als ein Punkt mit der Dimensionszahl Null verglichen werden. Aus geringer Distanz würde daraus eine zweidimensionale Scheibe mit glatter Oberfläche. Bei weiterer Annäherung würde man den dreidimensionalen Charakter erkennen. Dringen wir in die Oberfläche ein, eröffnen sich uns weitere Dimensionen und wir stellen fest, dass die Zahl der Dimensionen in dem Maße zunimmt, wie wir immer tiefer in diese eindringen. Auch übertragen auf die Evolution könnte dies gelten und wir finden dann, wie sich uns mit zunehmender evolutionärer Erkenntnis immer weitere Dimensionen erschließen werden und wir immer tiefer eindringen in die Sphären und Ebenen des Seins, bis wir erkennen, dass unser Kosmos und wir selbst unendlich und multidimensional sind.
Reduzierte Welten
Eine sehr anschauliche Vorstellung ergibt sich bei der Betrachtung der reduzierten Welten: Stellen wir uns die Linienwelt vor, in der es nur Punktwesen ohne räumliche Ausdehnung gibt, die auf diesen Linien leben. Weil die Wahrnehmungsfähigkeit dieser Punktwesen auf die Linie fixiert und begrenzt ist, können sie andere Punkte auf solchen Linien wahrnehmen, die sie selbst bewohnen. Parallele Linien sind nicht wahrnehmbar und deshalb außerhalb des Vorstellungsvermögens. Ihr Universum ist die Linie und sie haben keine Ahnung von den unendlich vielen anderen Linien des nächsthöher organisierten Universums. Sie haben nur einen Freiheitsgrad der Bewegung, nämlich vorwärts oder rückwärts und nur entlang der Linie. Da die Punktwesen anderen Punktwesen nicht ausweichen können, ist die Bewegungsfreiheit begrenzt auf das Liniensegment zwischen den benachbarten Punkten. Ihr Universum ist eine Linie endlicher Länge und es ist begrenzt von zwei anderen Punkten. Dort, wo eine andere Linie kreuzt, entsteht eine Polstelle. Die Punktwesen kennen den Begriff der Richtungsänderung nicht. An einem Zweig ergeben sich plötzlich zwei Möglichkeiten des Weitergehens, ohne dass die Punkte dies bemerken. Unversehens sind sie auf einer anderen Linie gelandet. Treffen sie auf einen anderen Punkt, geht es nicht weiter, und ob sich eine Linie jenseits des Endpunktes befindet, vermag ein solches Punktwesen nicht zu erkennen, es kann darüber allenfalls spekulieren.
Die Flächenwesen im Überuniversum des Linienuniversums haben die Punktwesen längst als niedere Organismen erkannt und machen sich darüber lustig, weil die Punktwesen nicht erkennen, dass sie die Begrenzungspunkte auf ihrer Linienwelt leicht überholen könnten, wenn sie sich nur seitlich daran vorbeibewegten, denn der Raum dafür ist ja vorhanden. Die Flächenwesen machen sich einen Spaß daraus, von der Seite unbemerkt an ein Punktwesen heranzuschleichen, es kurz zu greifen und auf einer anderen Linie wieder abzusetzen. Für das Punktwesen passiert jedes Mal etwas völlig Unerklärliches. Die vertraute Heimatlinie verschwindet plötzlich im Nichts und taucht kurze Zeit später wieder auf, aber sie ist nicht mehr wie sie war. Die Begrenzungspunktwesen sind andere, und die Heimatlinie selbst ist unversehens irgendwie anders geworden. Das Weltbild der Punktwesen liefert dafür keine Erklärung - es ist allenfalls ein Wunder geschehen. Für die Flächenwesen war es eine Kleinigkeit, die Punktwesen durch die zweite Dimension zu bewegen und an einer anderen Stelle wieder auf die Linie oder auf eine ganz andere Linie zu setzen.
Die Flächenwesen leben in einer Flächenwelt mit zwei Dimensionen. Ihr Bewegungsraum ist im Vergleich zu demjenigen der Punktwesen stark erweitert, denn mit der zweiten Dimension erschließt sich ein weiterer Freiheitsgrad, der es ihnen erlaubt, sich von allen Seiten zu betrachten, umeinander herumzugehen und so den gesamten zweidimensionalen Raum zu erkunden. Sie stellen fest, dass ihr Universum eine Ebene ist und dass dieses Universum keine Grenzen haben kann, weil man in einer beliebigen Richtung unendlich weit gehen kann. Die Wissenschaftler der Flächenwesen machen Experimente mit den Punktwesen, indem sie diese auf Kreise setzen und beobachten. Sie stellen fest, dass das auf dem Kreis lebende Punktwesen endlos im Kreise geht und nicht merkt, dass der Kreis zwar weder Anfang noch Ende hat, aber dennoch eine bestimmte Länge, die man messen kann. Dass das Punktwesen trotz der Fortbewegung in eine Richtung immer wieder an die gleiche Stelle des Kreises gelangt, erscheint den Flächenwesen einfach, ist für das Punktwesen aber nur unter Aufbietung aller Intelligenz und unter Verwendung einer komplizierten Physik nachvollziehbar.
Die Flächenwesen der Flächenwelt seien in ihrer Form alle als kongruente Dreiecke unterschiedlicher Größe geschaffen. Sie haben gleiche Seitenlängen und gleiche Winkel. Nun beobachtet ein Mensch aus seinem dreidimensionalen Raum heraus diese Flächenwelt und findet die Flächenwesen besonders lustig, denn diese bemerken nicht, dass sie zum Beispiel auf der Oberfläche einer Kugel leben, aber die leichte Krümmung ihrer Ebene nicht wahrnehmen. Jemand nimmt nun ein Flächenwesen von der Oberfläche, wendet es und setzt es wieder ab. Er hat es ohne Mühe durch die dritte Dimension bewegt und gedreht. Für das Dreieck war diese Aktion eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Plötzlich gab es Gewalteinwirkung ohne sichtbaren Grund. Die Flächenwelt verschwand für einen Augenblick, es wurde nicht nur dunkel, sondern es war plötzlich gar nichts mehr. Kurz darauf erschien die vertraute Flächenwelt wieder und das Dreieckswesen erholte sich rasch. Es erzählte den anderen, was geschehen war, die aber nur darüber lachten, weil es solchen Unfug in der Physik der Flächenwelt nicht geben kann - allenfalls ein Fall für den Psychologen. Nachdem man aber bemerkt, dass mit dem armen Dreieck seit dessen angeblichem Erlebnis etwas nicht stimmt, werden die fortschrittlichen Wissenschaftler aufmerksam und untersuchen das Phänomen. Sie stellen fest, dass das Dreieckswesen zwar, wie alle anderen, immer noch kongruent ist, die gleichen Seitenlängen und die gleichen Winkel hat, aber es ist spiegelverkehrt und kann mit den anderen nicht mehr zur Deckung gebracht werden. Einige fortschrittliche Wissenschaftler der Flächenwelt postulieren die Existenz einer dritten Dimension, die man sich zwar nicht vorstellen kann, mit deren Hilfe das Phänomen aber erklärbar wird. Man kann damit sogar ein erweitertes Weltbild schaffen und Berechnungen anstellen, die die meisten der Flächenwesen aber nicht verstehen. Man findet mit Hilfe sehr komplizierter Theorien heraus, dass das Flächenuniversum irgendwie gekrümmt sein muss und dass die eingeführte Geometrie der Ebene nur für die kleinen Maßstäbe annähernd richtig ist. Beschäftigt man sich mit sehr großen, überdimensionalen Dreiecken, ergeben sich wegen der Gekrümmtheit der Fläche Fehler. Man erkennt, dass die bekannte Physik der Flächenwelt nur für Ausdehnungen innerhalb des nahen Wahrnehmungsraumes gilt. Es besteht die Gefahr des gesellschaftlichen Umbruchs in der Flächenwelt, verbunden mit Aufruhr und dem Sturz des etablierten Systems. Dies alles passt den Politikern und Wirtschaftsbossen der Flächenwelt nicht in das Konzept, weshalb diejenigen Dreiecke, die von merkwürdigen Wahrnehmungen berichten, kurzerhand für verrückt erklärt werden und den Wissenschaftlern, die der Lösung des Problems mit ihrem Modell einer dreidimensionalen Welt schon sehr nahegekommen sind, wird das Leben besonders schwer gemacht, damit das Flächenvolk möglichst wenig vom bevorstehenden Umbruch des Wissens bemerkt. Dennoch arbeiten die Wissenschaftler weiter, und einige besonders progressive Forscher stellen fest, dass sie alle wahrscheinlich nur die Projektion dreidimensionaler Körper auf eine zweidimensionale Projektionswelt sind. Diese Körper kann sich zwar niemand in der Flächenwelt so recht vorstellen, aber in der Anwendung der erweiterten Physik können fast alle Phänomene der Flächenwelt damit erklärt werden. Es ist nun nur noch eine Frage der Einsicht und der Zeit, bis sich die Dreiecke ihrer Situation voll bewusst werden und einen evolutionären Sprung vollziehen und sich die dritte Dimension erschließen...
In den klassischen physikalischen Weltmodellen von Einstein bis Philbert kommt die Zeit als vierte Dimension hinzu, wobei wir gerade mit dieser Dimension unsere besonderen Probleme haben, denn als Koordinate wie die drei Raumkoordinaten können wir sie nicht gebrauchen, da für uns die Zeit unaufhaltsam vorwärts schreitet. Wann endet die Vergangenheit, um der Gegenwart Platz zu machen? Wann genau nach der Gegenwart beginnt die Zukunft? Man hat schon versucht, diese Dimension zu quantisieren, die Zeit sozusagen in unteilbare kleinste Portionen zu teilen, ähnlich wie in der Quantenphysik die Materie. Aber so richtig weiter sind wir damit bis heute nicht gekommen.
Ein auf der Autobahn schnell fahrendes Auto eignet sich sehr gut zur Veranschaulichung des Problems. Der Fahrer muss sich aus Gründen der Fahrtechnik und der Sicherheit voll auf den Raum vor sich, insbesondere auf die vor ihm liegende Straße konzentrieren. Sobald ein mögliches Hindernis in Sichtweite kommt, erscheint dieses in der „Gegenwart” des Fahrers, es wird Bestandteil seiner Wahrnehmung und beeinflusst sein Handeln. Man könnte sagen, dass mit dem Augenblick des Eintretens eines Objektes in den Wahrnehmungsbereich die Interaktion zwischen Wahrnehmendem und Wahrgenommenem einsetzt und damit die Gegenwart beginnt. Für den Beifahrer ergibt sich ein völlig anderes Bild, denn seine Aufmerksamkeit wird sich eher auf die durchquerte Landschaft richten, er wird Objekte betrachten, vielleicht mit seinen Blicken ziellos umherschweifen. Die wahrgenommenen Objekte können kurzfristig in sein Bewusstsein dringen, um gleich danach wieder zu verschwinden und anderen Eindrücken Platz zu machen. Für den Fahrer tauchen Objekte großer Wichtigkeit auf, die im Wahrnehmungsraum seiner Aufmerksamkeit solange bleiben, bis sich eine kritische Annäherung oder Begegnung ergibt. Das Objekt wird nach der größten Annäherung innerhalb eines Augenblicks an Bedeutung verlieren und schnell aus dem Bewusstsein des Fahrers wieder verschwinden, um neuen Eindrücken Platz zu machen.
Wie verhält es sich mit dem Umstand, dass die Dinge prädestiniert sein sollen? Wenn wir also auf der Zeitachse nach vorne schauen, finden wir dort die Dinge, die erst auf uns zukommen werden - oder vielleicht doch nicht? Wo bleibt bei solchen Betrachtungen unser freier Wille, der uns so viel wert ist? Dazu in diesem Vortrag nur ein Satz:
Eine freie Willensentscheidung hat immer eine determinierte Sequenz von Ereignissen zur Folge. Wäre dies nicht so, dann würden wir uns immer für das Chaos entscheiden. Also war auch für jede ablaufende Sequenz eine freie Willensentscheidung als Voraussetzung notwendig.
Zeit könnte auch als eine Hilfskonstruktion gesehen werden, die uns Menschen als Wesen der dritten Dimension in die Lage versetzt, die Gleichzeitigkeit allen Geschehens in eine verstehbare und nachvollziehbare Ordnung zu bringen.
Das Lesen eines Buches ist auch ein Vorgang, der eine gewisse Analogie zu dieser besonderen Fragestellung bietet. Der Inhalt des Buches ist latent vorhanden, obwohl wir es noch nicht gelesen haben. Mit dem Lesen - Seite für Seite - erschließen wir uns den Inhalt, der mit jedem einzelnen gelesenen Wort in unsere Gegenwart dringt. Aus der Interpretation des Zusammenhangs können wir manchmal ein kleines Stück in die vor uns liegenden Seiten vordringen, schauen sozusagen in die Zukunft des Buches. Es handelt sich dabei aber ganz klar um die individuelle Zukunft der Beziehung zwischen dem Buch und uns als Leser. Wir arbeiten uns mit dem Lesen des Buches Seite für Seite in die Zukunft, obgleich wir diese schon in der Hand halten, seit unser Entschluss zum Lesen des Buches feststand. Wir hätten auch die Möglichkeit, die Seiten des Buches in ungeordneter Reihenfolge zu lesen. Am Ende hätten wir den gesamten Inhalt zur Kenntnis genommen, wären aber wahrscheinlich nicht in der Lage, den wahren Sinn des Textes so zu verstehen, wie er vom Autor gemeint ist.
3. Kosmische Gesetze
Die Betrachtung des Kosmos als große Gedankenform und komplexe feldartige Struktur scheint mir der einzige Weg, auf der Suche nach der Weltformel einen entscheidenden Schritt weiter zu kommen.
Das im Folgenden vorgebrachte ist lediglich der Versuch einer Formulierung und könnte Anstoß sein für die Formulierung kosmischer Gesetze:
Psychefeld. Der Kosmos ist einheitlich aufgebaut und stetiger Natur. Alles ist mit allem verbunden und jedes irgendwo stattfindende Ereignis erzeugt als Ursache in jedem anderen Winkel des Kosmos eine Wirkung. Die allumfassende Struktur des Kosmos ist das Psychefeld.
Holistische Struktur des Kosmos. Die Differenzierung des Kosmos aus der Ur-Singularität in unendlich viele Teilstrukturen bewirkt, dass jede noch so geringe Teilstruktur immer noch die Gesamtinformation und Chronologie der Ur-Singularität in verschlüsselter Form enthält. Aus dieser Gesamtinformation erzeugt die Teilstruktur diejenigen latent vorhandenen Informationen und Eigenschaften, die sie benötigt, um das Ziel der Differenzierung zu erreichen. Unter einer Differenzierung verstehe ich die bewusst herbeigeführte Entstehung von Substrukturen.
Sinn und Ziel. Eine Substruktur kann nur dann entstehen, wenn ein formender Wille den Vorgang beginnt. Der formende Wille ist nichts anderes als das Bewusstsein der Differenzierung, hinter der das Psychefeld als Ursache steht. Hat die Differenzierung ihr Ziel erreicht und zieht sich deshalb das Bewusstsein aus der differenzierten Struktur zurück, so zerfällt diese wieder in ihre Substrukturen bis zuletzt ins Nichts. Was bleibt, ist die Erfahrung, die allen folgenden Differenzierungen als Quelle zur Verfügung steht. Materie ist eine mögliche Erscheinungsform der Differenzierung mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Unsere Physik versucht die Wechselwirkungen dieser materiellen Ausprägung zu beschreiben, hat bisher aber nicht Ziel und Sinn der materiellen Welt in die Betrachtung mit einbezogen. Auf der Suche nach der Weltformel und den Bausteinen des Kosmos wird die Physik solange nicht zum Ziel kommen können, wie die höheren immateriellen Aspekte unseres Teiluniversums nicht in die Betrachtung eingeschlossen werden.
Harmonie. Schöpfung kann nur stattfinden in Verbindung mit der Harmonie zu den Zielen der Ur-Singularität. Beginnt das Bewusstsein einer Substruktur disharmonische Ziele zu verfolgen, ist dies gleichbedeutend mit Zerfall. Dringt das Bewusstsein einer Struktur handelnd in andere Strukturen ein, muss dies im Einklang mit derselben geschehen, da sonst das Prinzip der Harmonie verletzt wird. Aktionen ohne Einklang sind deshalb immer disharmonische Vorgänge, die mit dem Zerfall der Struktur enden. Harmonie ist Gleichklang, ist Miteinanderschwingen, ist Gemeinsamkeit, ist Schöpfung. Disharmonie ist Störung, ist Gegeneinander, ist Zerstörung, ist Auslöschen. Harmonie ist das Bestreben nach Ausgleich. Die Kausalität sorgt als Konsequenz für diesen Ausgleich.
Analogie. Alle Vorgänge und Zustände im Kosmos sind analog und haben auf allen Seinsebenen Entsprechungen. Große Zyklen enthalten sich selbst in kleineren Zyklen. Mikro- und Makrokosmos sind einander ähnlich. Der gesamte Kosmos besteht in seiner Differenzierung aus Formen, die unendlich oft nach innen und außen ineinander abgebildet sind und einander enthalten. Deshalb kann ein Vorgang in der einen Differenzierung beliebig genau innerhalb einer beliebig weit davon entfernten anderen Differenzierung beobachtet werden. Nicht zuletzt deshalb funktioniert zum Beispiel die Astrologie, wenn sie in diesem Sinne richtig zur Anwendung kommt.
Dualität. Sie entsteht mit der Differenzierung. Man könnte auch sagen, die Dualität unserer Materie entsteht durch das Raum-Zeit-Gefüge, das selbst ja das Produkt aus der Entfernung von GOTT, der Ur-Singularität ist. Dualität ist Wertigkeit, denn ein Wert entsteht erst im Vergleich und im Gegensatz. Die Materie selbst ist in ihrer Erscheinungsform vollkommen dualistischer Natur, angefangen von den elektrischen Ladungen und endend bei den Ausprägungen von Materie und Form. Wir leben in den Gegensätzen, manchmal in Irrsinn und Unlogik. Wir graben Löcher in die Erde, um sie dann wieder zuzuschütten, wir verdienen Geld, um es dann wieder auszugeben. Wir leben in Hell und Dunkel, in Armut und Reichtum, in Gesundheit und Krankheit. Wir kennen oben und unten, vorne und hinten, rechts und links, gut und böse - unsere gesamte begriffliche Welt ist dualistisch angelegt und letztendlich nach dem Gesetz der Analogie ein Abbild unseres Seins.
Determinismus und freier Wille. Determinismus ist die Vorbestimmtheit oder Vorgeplantheit der Dinge und sie widerspricht nicht der Möglichkeit zur Ausübung von freiem Willen, denn beide bedingen sich gegenseitig. Die Ausübung des freien Willens erzeugt sofort eine Absicht und dieser folgt der sequentielle und determinierte Ablauf in Form der Umsetzung des freien Willens in die Tat.
Was im freien Willen entschieden wird, hat eine determinierte Sequenz zur Folge. Umgekehrt ergibt sich daraus sofort der Schluss, dass alle Abläufe im Kosmos insofern determiniert sind, als sie das Produkt einer Planung infolge irgendeiner freien Willensentscheidung waren und lediglich nach den kosmischen Gesetzen umgesetzt werden. Demzufolge ist auch das Ergebnis von Abläufen determiniert, denn es entspricht den ursprünglichen Absichten einer freien Willensentscheidung. Der freie Wille muss nicht notwendigerweise von einem Individuum wie dem Menschen ausgehen, denn der Kosmos ist angefüllt mit Wesen und deren Bewusstseinen. Sie alle sind das Ergebnis der Willensbildung einer jeweils höheren Struktur. Ohne gebundene Ordnung wäre Freiheit sinnlos. Wenn ich wählen kann, so hat meine Wahl nur dann einen Sinn, wenn ich mit der Existenz einer Ordnung und mit determinierten Abläufen rechnen darf. Andernfalls würde ich mich immer für das Chaos entscheiden, gleich was ich wähle - ein kaum vorstellbarer Gedanke, und er widerspricht eigentlich auch ganz unserer Erfahrung. Determinismus und freier Wille sind gemeinsamer Teil einer höheren Dimension, einer Ganzheit. Freiheit besteht deshalb in der Fähigkeit, sich selbst zu determinieren.
Eine ganzheitliche Physik müsste einer derartigen aufbauenden Struktur des Kosmos gerecht werden können. Erst dann wird sie in der Lage sein, die materiellen Aspekte von Naturgesetzen in unserer materiellen Welt als Teil eines größeren Ganzen umfassend zu beschreiben. Darüber hinaus vermag eine solche Physik dann auch die Anknüpfungspunkte zu finden, die uns mit anderen Seinsebenen und anderen Welten verbinden.
Hinter allem Materiellen muss es höherdimensionale Aspekte geben, die wir nur zu einem Teil erfühlen und erahnen können. Erlauben wir solches Ahnen, dann kommen wir früher oder später von ganz alleine darauf, dass unser Gesamtselbst mit den Anteilen höherer Dimensionen in uns schwingt.